(Un-)sportliche Grüße aus Villa Bajo.

Soeben gefunden auf einem Dresdner Blog:

Mit einem mehr oder weniger – das zu beurteilen, überlasse ich dem Betrachter – gelungenen Werbegag hat der Spülmittelhersteller „Fit“ versucht, auf der Welle des derzeit grassierenden Fußball-Hypes seine Umsätze zu pushen. „Spülführer“ steht auf der ganz fußballtaumelig in Schwarz-Rot-Gold gehaltenen Flasche.

Spülführer - Fit

Woran denken Sie da als Erstes? Ich verbinde damit die Vereinnahmung des exponierten Spielführer-Postens im Fußball, also des Mannschaftskapitäns, um die eigene vermeintliche Spitzenposition zu illustrieren.

Im besagten Blog sah man das ein klein wenig anders. Dort kriegt Autor Tobias Strahl die Tür nicht zu. Warum? Der „Spülführer“ wird dort nicht etwa mit Fußball in Verbindung gebracht (obgleich man den Zusammenhang sehr wohl erfasst hat). Nein, der Autor meint, in dem Wort, gepaart mit den abgebildeten Nationalfarben, national(sozial)istische Tendenzen zu erkennen. Und des Wahnsinns nicht genug werden gar „Aussteiger“ aus der rechten Szene in der Fit’schen Marketing-Abteilung gewittert. Klar, passt ja auch so schön, weil Fußall doch bekannt dafür ist, ein Hort des Nationalismus zu sein. Millionen Deutsche, die lautstark „Deutschland! Deutschland! skandieren, das geht nun wirklich auf keine Kuhhaut. Und auch die Freunde kriegen ihr Fett weg – sie wagten doch tatsächlich, dem wilden assoziativen Ritt des Herrn Strahl mit Befremden zu begegnen! Für die behauptete Glosse wirkt der Duktus übrigens viel zu ernst und offen kritisch. Selbige verpackt die Kritik vielmehr geschickt in sarkastisch-pointierten Spitzen.

Lieber Tobias Strahl: Entspannen Sie mal wieder. Lehnen Sie sich zurück und gehen Sie mal mit Ihren Freunden zum nächsten Länderspiel. Nehmen Sie sich ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen mit und genießen Sie die adrenalingeladene, fröhliche Stimmung eines Fußballspiels. Und vor allem: Lassen Sie sich mal von einem Fußballfan erklären, aus welchen Motiven heraus man so auf die Idee kommen kann, sich vom Taumel einer Europa- oder Weltmeisterschaft mitreißen zu lassen und die eigene Mannschaft anzufeuern – und das sogar, wenn man ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kein Bock auf Nazis“ (selbst gesehen) trägt.

Wer beim Anblick des Wörtchens „-führer“ in beliebiger Zusammensetzung reflexartig an Adolf Hitler oder beim Anblick der Nationalfarben automatisch an Nationalismus denkt, sollte anfangen, sich Sorgen zu machen. Mir fallen dabei diese Typen ein, die zwanghaft an weibliche Geschlechtsteile denken, wenn die Rede auf Pflaumen fällt, oder ans Vögeln, wenn das klopfende Einbringen kleiner Metallstifte in Wände gemeint ist.

Dresden am 18. Februar. Morgenidyll mit Ninja.

Sonnabend, 18. Februar 2012, um 9 Uhr morgens in Dresden. Ein ruhiger, milder Februarmorgen mit Vogelgezwitscher, der Lust auf Brötchen und Milchkaffee macht. Die Sonne überlegt noch, ob sie sich zeigen sollte. Ein trügerisches Idyll, wie das langsam aufziehende, stetige Brummen eines Helikopters am grauen Himmel unmissverständlich zu verstehen gibt. Das Brummen wird einen wohl durch den Tag begleiten. Seufz.

Draußen im Gesträuch des Hinterhofes huscht etwas Schwarzes umher. Mit entschlossenem Blick und listigem Grinsen klettert ein junger Mann vom Nachbargrundstück über den Lattenzaun. Wie ein Äffchen schwingt er sich gekonnt am Ast des Holunderbusches über das Gatter. Uff, das hat geklappt. Er verharrt für eine Sekunde und lächelt selbstzufrieden. Der Jüngling sieht ein wenig aus wie ein Ninja-Kämpfer, der aus seinem Martial-Arts-Film ausgebrochen ist: Schwarze Schließer-Hosen, bei denen die vielen Taschen anscheinend ein absolutes Muss sind, schwarze Snowboard-Jacke, dunkler Hoody, schwarzer Rucksack. Auf dem Gepäckstück prangt ein Blockade-Aufnäher.
Die Kapuze hat er sich tief ins Gesicht gezogen, ein schwarzer Schal wartet auf Kinnhöhe darauf, den Rest des Gesichts zu bedecken. So trägt man das, wenn man blockieren geht. Auch, wenn es eigentlich gar nichts zu blockieren gibt. Auch, wenn man doch eigentlich „gar nichts macht“ und total friedliche Absichten hegt. Wer das Fass am 13. Februar und auch am darauffolgenden Wochenende regelmäßig zum Überlaufen bringt, das sind schließlich die Scheiß-Cops mit ihren Wasserwerfern, ihrem Pfefferspray und ihren Schlagstöcken, die sie morgens schon voller Vorfreude auf das Gemetzel vorwärmen…

Zurück zu unserem jungen Ninja-Kämpfer. Wachsame Blicke um sich werfend, huscht er über den Hof und klettert etwas unbeholfen über die brüchigen Mauerreste, die unseren Hof vom angrenzenden nicht wirklich trennen. Geschafft! Was dann passiert, ist so wohlbekannt wie peinlich. Unser kämpferisch aufgemachter Blockade-Held drängt sich mit gespreizten Beinen in die Mauerecke und pinkelt in den Nachbarhof. Geschafft! Keiner hat ihn gesehen (denkt er), kein Spießer hat gemeckert. Mit triumphalem Grinsen jagt er über Mauern und Zäune zurück. Jetzt ist er gewappnet für was auch immer heute noch kommen mag. Wer so was schafft, der nimmt es auch mit dem grimmigsten aller Gegner auf – seien es Nazis, Polizisten oder hochgefährliche Müllkübel.

Keine fünf Minuten später – der nächste schwarz vermummte Karate-Kid flitzt durch den Garten. Der erfolgreiche Coup seines Vorgängers scheint sich herumgesprochen zu haben: Hier lässt es sich herrlich ungestört urinieren. Wieder bekommen Mauer und Busch im Nachbarhof eine warme gelbe Dusche, der Harnpegel im Boden steigt bedenklich, der Grad der Geruchsbelästigung vermutlich auch. So sehen Helden aus! Der Gang in eine der unzähligen Kneipen mit echten WCs wäre ja auch viel zu uncool, viel zu spackenhaft. Man sucht den Kick. Es könnte ja ein empörter Anwohner ein Fenster öffnen und sich beschweren, und man findet sich mal wieder bestätigt: alles Nazis hier in Deutschland… Wenn heute schon aller Wahrscheinlichkeit nach keine echten Nazis zum Auf-die-Fresse-Hauen zur Verfügung stehen. Morgen früh wird der Hof wohl ein Fall für die Schadstoffsanierung sein.

Der Weg zum Bäcker ist gesäumt mit schwarz gekleideten jungen Leuten. Ihre Kluft ähnelt sich auffallend. Trauern gehen die aber nicht. Sie alle streben Richtung Innenstadt, denn dort beginnt um 11 Uhr der Aufmarsch des Bündnisses Dresden-Nazifrei. Nazis marschieren heute zwar wohl keine durch die Stadt (zumindest ist keine Demo angemeldet), aber absagen is nich. Die Aktionen sind lange vorbereitet, viel Geld da reingesteckt worden, da lässt man sich jetzt von ausbleibenden Nazis keinen Strich durch die Rechnung machen. Und das aufgeregte Blitzen des Adrenalins in den Augen der jungen Wilden lässt sich jetzt auch nicht mehr löschen. Und schließlich hat man ja eine Stadt nazifrei zu bekommen. Psst: Klar ist das bloß ein Vorwand, ein hehres Ziel, unter dessen Deckmantel sich wunderbar die eigenen Ansichten zu Opfern und Tätern des 2. Weltkrieges, zum alliierten Bombenangriff auf Dresden und zu Staat, System, Kapital und Ordnung propagieren lassen. Aber wayne juckt’s?

Am 18. Februar morgens um neun in Dresden.

Zeitreise mit Hindernissen.

Es ist der 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. Was macht man an einem solchen Tag, an dem sich mal wieder Ausstellungen, Gedenkrunden und Vorträge die Klinke in die Hand geben? Jane, dacht ich mir, machst du mal wieder eine „Zeitreise“ in die gute alte DDR, die du (im Großen und Ganzen gottseidank) gegen die tolle BRD eintauschen durftest, als du 12 Jahre alt warst.
Also auf nach Radebeul in das DDR-Museum „Zeitreise“, das ich das letzte Mal im September 2007 besucht hatte, als es noch so ziemlich im Aufbau war. Einfach mal sehen, was sich so getan hat, wie viele Exponate dazugekommen sind und sich mal ganz bewusst wieder erinnern und mit der heutigen Realität abgleichen. Ich gebe zu: Ganz uneigennützig war der Besuch nicht, arbeite ich doch gerade an einem Schrieb, der ziemlich viel mit dieser Zeit zu tun hat. So ganz nebenbei wollte ich auch ein paar ganz natürlich bedingte, der Gnade der späten Geburt geschuldete Wissenslücken schließen.

Bildzeitung vom 15. August 1961.
Bildzeitung vom 15. August 1961.

Die erste Überraschung gab’s bereits an der Kasse: Nee, keine Journalistenkonditionen, ok, meinetwegen. Wieso auch Extrawürste für die Journaille braten? Auch die zweite gab’s an der Kasse: Der ermäßigten-Obolus, den Kinder, Schüler, Studenten und Rentner für das Visum berappen müssen, das zum eintägigen Aufenthalt in der DDR berechtigt, kostet mittlerweile sechs Euro, statt wie früher 5 (normal 7,50 Euro). Von „Ermäßigung“ kann somit kaum noch eine Rede sein. Tja, auch in der DDR wird anscheinend langsam alles teurer…

Die zweite Überraschung war dann durchaus positiver Natur. Die Zahl der Exponate hatte sich im Vergleich zu vor vier Jahren vor allem um ein paar sehr informative Schautafeln erweitert. Das Problem daran war nur: Gerade im Erdgeschoss waren viele Tafeln offensichtlich einfach nur dort aufgehängt worden, wo gerade noch ein freier Platz war. So fanden sich Zeitungsausschnitte und Originaldokumente zum Todesstreifen zwischen Trabis und Wartburgs. Der Zeitstrahl durch die Geschichte der DDR, der von 1945 bis 1990 mittels beschrifteter Pfeile durch das gesamte Haus (vier Etagen) führt, ist zwar gut gemeint, aber in seiner Überdimensioniertheit ziemlich unübersichtlich. Immer wieder verliert man während des Beschauens der vielen anderen Objekte auf den Etagen den Faden. Besser wäre es gewesen, hätte man dem Zeitstrahl einen eigenen Bereich im Haus zugedacht und ihn kleiner, aber dafür übersichtlicher gestaltet, sodass er in einem Aufwasch einsehbar wäre.

Die Vielfalt der Ausstellungsobjekte ist ein absolutes Plus des Museums. Ich glaube nicht, dass es eine ähnlich umfangreiche Sammlung irgendwo anders gibt. Allerdings stellt speziell im Fall der „Zeitreise“ diese Vielfalt die Betreiber vor Probleme, die anscheinend nicht zu bewältigen sind. So wirken viele Ausstellungsbereiche total überladen, indem einfach alles, was man zu greifen bekam, auch ausgestellt wurde – um den Preis der Übersichtlichkeit und vor allem der Informativität. Infotafeln, die den ausgestellten Gegenstand erklären, sucht man an den allermeisten Exponaten vergebens. Das betrifft vor allem die Themenbereiche wie Sport, Musik, Wohnen, Spielen usw. Bei so vielen Ausstellungsobjekten hätte man auch ein ganzes Unternehmen nur damit beschäftigen können, alles mit Erklärschildern zu versehen. Und so erinnert die Ausstellung an vielen Stellen eher an das Großlager des Rumpelmännchens, denn an ein Museum. Es wäre insgesamt wohl ratsamer gewesen, die Ausstellung nicht mit all zu vielen Exemplaren zu überfrachten, stattdessen sorgsam auszuwählen und dafür größeres Augenmerk auf Erklärungen zu legen. Man rühmt sich auf seiner Homepage, die größte Ausstellung zum Leben in der DDR zu sein, doch eine Ausstellung lässt sich nicht nur an der Masse der Exponate, sondern auch an Qualität, Umfang und Präsentation der vermittelten Informationen bemessen. Eine Puppe oder ein Plastik-Teller erzählen mir noch nichts über das Leben in der DDR. Schön wären zu solch persönlichen, da gebrauchten, Exponanten kleine Anekdoten aus dem Alltag gewesen.

Auch in Punkto Arrangement der Ausstellungsobjekte gibt es noch ziemlich viel Nachholebedarf. Das meiste wurde einfach nur ziemlich lieblos auf den Boden gelegt. Und oft (z.B. in der Kaufhalle) waren die Absperrungen so ungünstig angebracht, dass man viele kleinere Exponate nur aus ziemlicher Entfernung mit der Lupe suchen muss. Es fehlt des Öfteren die Möglichkeit, nahe heranzugehen.
Im Gegensatz dazu wiederum sehr hübsch und zum Teil ziemlich realistisch sind die originalgetreu nachgebildeten Kaderbüros, Werkstatträume und Wohnstuben, die einen beim Eintreten schlagartig wieder im alten Wohnzimmer oder Büro von damals stehen lassen. Die „Zeitreise“-Kaufhalle protzt mit einem Überfluss an (Original-!)Waren, über den sich früher wahrscheinlich jeder Kunde unbändig gefreut hätte.

Besonders herauszuheben aber ist die beachtliche Sammlung an Originaldokumenten wie Urkunden, Briefwechsel, „Verschlusssachen“, Zeitungsartikel, klassische DDR-Literatur und dergleichen mehr. So kann man sich in einen alten Sessel (natürlich aus DDR-Produktion) setzen und endlich einmal in jenem „Der Sinn meines Lebens“-Buch schmökern, das jungen FDJler bei ihrer – na ich nenns einfach mal Vereidigung – mit auf den weiteren Lebensweg gegeben wurde, was mir ja knapp erspart blieb. Da sträuben sich einem die Haare, wenn man liest, was man damals 14-Jährigen alles eingetrichtert und als Fakt verkauft hat. Was der Quellensammlung für meinen Geschmack noch ein wenig fehlt, ist ein größeres Angebot an alten Originalzeitungen, die man noch lesen kann. Ein paar wenige (darunter auch eine „Union“ vom Oktober 1980) lagen da verführerisch hinter der Absperrung.

Und weil beim Lesen die Zeit so schnell vergeht, wird man in der 3. Etage auch schon mal vom Schließkommando überrascht. Das kam allerdings schon um 25 vor sechs in Gestalt eines sehr jungen Mannes daher, der einfach anfing, die Lichter auszuschalten. Als ich ihn daraufhin ansprach und meinte, dass ich für mein Eintrittsgeld schon auch bis sechs Uhr die Ausstellung besichtigen möchte, wie es die offiziellen Öffnungszeiten versprechen, meinte er etwas verwirrt, er könne ja das Ganglicht noch mal einschalten. Statt mich aber wenigstens noch bis sechs in Ruhe durch den Gang schlendern zu lassen, verfolgte er mich nun auf Schritt und Tritt: Machte ich einen Schritt, machte er auch einen. Und während der ganzen Prozedur hatte ich seinen bohrenden Blick im Rücken.
Sorry, aber so was geht einfach mal gar nicht. Wenn bis sechs Uhr offen ist, muss der Besucher auch bis sechs Uhr besichtigen können. Auch wenn Samstag ist, kann ich nicht einfach um 17.35 Uhr das Licht ausmachen und noch anwesende Gäste rausekeln. Überhaupt ist das Personal für mich ein Kritikpunkt. Statt sich wie in herkömmlichen Museen dezent im Hintergrund zu halten, sind die zudem recht ungepflegt wirkenden Herrschaften in der „Zeitreise“ omnipräsent und quasi auch kaum zu übersehen und zu überhören. So stehen sie mal hier, mal da rum, fletzen sich auf Ausstellungsobjekte, die eigentlich hinter der Absperrung liegen, gießen zwischendurch die Blumen und unterhalten sich lautstark in platter Art und Weise, sodass es beim Lesen von Dokumenten und Literatur unheimlich stört – oder sie stellen einem eben quasi den Stuhl vor die Tür.

Fazit: Empfehlenswert, wenn man möglichst viele Dinge des täglichen Gebrauchs aus der DDR sehen will und sich nebenbei noch ein wenig Hintergrundwissen zu politischen und historischen Themen anlesen will und dabei nicht allzu viel Wert auf Ambiente und Übersichtlichkeit legt. Kritik: zu wenig Detailinformation zu den Exponaten und teilweise chaotisches Arrangement. Ungepflegtes Personal und überpünktliche Schließzeiten.

Nachruf

Dieser Tage trage ich Trauer. Obwohl, eigentlich trage ich schon seit Jahren Trauer, was diese Thema betrifft. Heute hat sich nun genug Trauer angesammelt, dass ich sie in einen Blog-Post ergießen muss. Die gute alte Neustadt ist tot. Seit Jahren sah ich sie sterben, die letzten Zuckungen, die sich noch in ihr regen, machen einen umso trauriger, weil man weiß: Es ist das Todeszucken eines einst so charmanten, eigentümlichen und urpsrünglichen Stadtteils, der für seine querdenkenden, weltoffenen und entspannten Menschen bekannt war. Doch wo sind sie hin, die entspannten, querdenkenden und weltoffenen Menschen? Sie können sich die Mieten nicht mehr leisten, da ihr Lebensmodell nicht auf maximale Gewinnsteigerung und Leistung ausgerichtet war – und, weil es für ihre Idee von alternativen Lebensmodellen, Solidarität und Gemeinschaft (siehe „Bunte Republik Neustadt“) längst keine Mehrheit im Viertel mehr gibt, die diese Werte gegen den übermächtigen Druck der Mainstream-Gesellschaft von außen verteidigen könnte.

Zur „alten Neustadt“ gehörten die Ruinen, in denen Kinder zwischen „verwunschenen“ Möbeln aus längst vergangener Zeit und Gasgeruch Mutproben veranstalteten und „Bude“ spielten, die Bruckbuden, in denen noch Platz und Raum war für Träume und Ideen, die nur der Verwirklichung harrten. Heute ist mittlerweile auch das letzte Haus in der Äußeren Neustadt saniert, immer öfter auch luxussaniert. Wo heute noch neu gebaut wird, entstehen hyperfuturistische Klötzer mit Riesen-Terrassen und abweisenden XXL-Fensterfronten, die verkauft und nicht mehr vermietet werden. Vorbei die Zeiten, als sich hier Studenten noch bei alten Omis gegen ein wenig Hilfe im Haushalt einmieteten.

Zur „alten Neustadt“ gehörten die verruchten Eckkneipen, aus denen man die schmissige Musik und das Gröhlen der Gäste noch aus zig Metern Entfernung hören konnte – weil nicht wie heute in jedem Haus eine schicke Bar war, vor der sich duftende Trauben gut eingegelter und parfümierter Menschen bilden, deren Geschnatter und Gelächter sich mit dem der Traube von nebenan zu einem Geräuschebrei vermischt, in dem alles nur noch gleich klingt, riecht und aussieht. Nein, früher gab es wirklich nur hier und da ein Kneipchen, und die Nachtruhe war gesichert.

In der „alten Neustadt“ kannte fast jeder jeden. Man half sich oft über die Straße mit Dingen des alltäglichen Bedarfs aus, grüßte freundlich und wusste selbst, wer im letzten Haus am anderen Ende des Straßenzuges wohnte. Klar, es gab eben in jeder Straße nur zehn oder zwölf bewohnbare Häuser. Heute hingegen gleicht die Neustadt einem Bienenschwarm – es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, wer gestern noch ins Vorderhaus einzog, ist morgen vielleicht schon wieder ausgezogen. Heute sind zwar alle Häuser in der Neustadt bewohnbar, doch sie gleichen Mietskasernen, in der kaum einer noch den Nachbarn kennt. Und wenn man sich kennenlernt, dann ziehen die neuen Freunde alsbald schon weiter. Das Leben ist hektisch geworden, hektisch, anonym, eng und wenig gemeinschaftlich – zumindest, wenn man unter „gemeinschaftlich“ etwas anderes versteht, als sich allabendlich mit seinen Saufkumpanen an der „Assi-Ecke“ Louise/Rothi/Görli zu treffen, den ganzen Weg zu blockieren und das Gedrängel zu nutzen, um Mädels anzumachen, die einfach nur an diesem Nadelöhr vorbeiwollen.
Früher traf man sich in Hinterhöfen, legte dort heimlich Obst- und Gemüsegärten an und saß abends grillend mit der Hausgemeinschaft im Hof, die eigenen Kinder wuchsen buchstäblich mit denen der Nachbarn auf. Heute hat sich die Liste der Namen in unserem Haus mit jedem neuen Anlauf, den ich unternehme, um die Hausgemeinschaft mal zu einem gemütlichen Sommerfest zusammenzutrommeln, wieder grundlegend geändert.

Wenn man früher im Hochsommer auf den Alaunplatz ging, um zu spielen oder sich in die Sonne zu legen, dann war der Ort noch einer der Erholung und der Ruhe. Lediglich vereinzelt traf man dort auf spielende Kinder, die im hüfthohen Gras Verstecken spielten und auf Bäume kletterten, oder auf Muttis, die lesend oder mit ihren Kindern Karten spielend auf einer Decke saßen. Heute ist der Alaunplatz zum ultimativen Sinnbild des Wandels in der Neustadt geworden – wo man hinschaut nichts als Enge, Ignoranz und Selbstsucht. Was interessiert mich auch der Ärger der anderen über meinen Müll? Was interessiert es mich, ob es das Mädel mit dem Buch vielleicht nervt, wenn sie ständig meinen Fußball im Rücken oder die Spiritusfahne meines Grills (den ich zwei Meter von ihr entfernt aufgebaut habe) in der Nase hat?

Das abweichlerische Element des Gegen-den-Strom-Schwimmens, das die Neustadt immer ausgezeichnet hatte, ist auf simplen Vandalismus und Egoismus zusammengeschrumpft. Kaum etwas ist noch von den kreativen Ideen der Wendejahre geblieben oder von dem sozialen Engagement zu DDR-Zeiten. Gegen den Strom zu schwimmen bedeutet heute in der Neustadt, demonstrativ auf der Straße zu laufen, Wände zu besprühen oder mit dem Fahrrad todesmutig über Fußwege zu brettern – kurzum: seine Mitmenschen zu ignorieren und ganz grundlegende, simple Regeln des Zusammenlebens (zumal auf engstem Raum!) mit Füßen zu treten.

Es ist nicht mehr schön, in der Neustadt zu wohnen. Und das nicht wegen des Viertels, sondern wegen der Mehrzahl seiner Menschen. Statt über die Begrünung und Wiederbelebung von Hinterhöfen oder die Verbesserung der Fürsorge für alte Menschen in der Gegend reden sich die Leute heute über fehlende Parkplätze die Köpfe heiß. Früher lebten hier Menschen, für die das Wort Parkplatz ein Fremdwort war. Heute ist die Stellplatzsituation hingegen schon „schlecht“, wenn man nicht stets und immer das Auto direkt vor der Türe abgestellt bekommt. Solchen Leuten sage ich: Ihr wolltet hier leben – in einem Viertel mit vielen Menschen und wenig Platz. Also beschwert euch nicht.

Vielleicht werde ich einfach bloß alt und daher weniger „biegsam“, meinetwegen. Aber mir fehlt hier zunehmend die Luft zum Atmen, und diese ignoranten Kids ohne Benehmen und Anstand, die das Viertel zunehmend bevölkern, gehen mir einfach auf den Zeiger. Das Wort „Alter“ löst bei mir mittlerweile mittelschwere Plaque aus. Nur mal so zum Vergleich: Die Neustadt galt früher (zu DDR-Zeiten) als „Assi-Viertel“, weil auf manchen Parkbänken Suffkes mit Bierpullen saßen und sich in den paar Eckkneipchen auch schon mal gegenseitig unter den Tisch getrunken wurde. Da dürfte wohl allen sonnenklar sein, auf welchem Level wir uns heute befinden, wo Kids mit Bierpullen und Joints zum alltäglichen Stadtbild gehören und die Büsche auf dem Alaunplatz nicht Blüten-, sondern Urinduft versprühen. Einfach nur krank.

Frieden.

Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, der sollte dem Garnisonfriedhof an der Marienallee unbedingt im Winter einen Besuch abstatten. Nirgends ist es ruhiger, friedlicher und feierlich als dort, wenn der Schnee zentimeterhoch alles bedeckt, beinahe jedes Geräusch verschluckt und dabei im stahlenden Sonnenschein glitzert und funkelt. Kaum ein Ort hätte den Namen „FRIEDhof“ mehr verdient.

Der Schnee deckt gnädig die Spuren der Verwahrlosung im Nordflügel zu.
Der Schnee deckt gnädig die Spuren der Verwahrlosung im Nordflügel zu.

Neues Jahr hinten runtergefallen.

Nach einer doch etwas längeren Weihnachts-, Neujahrs- und zuletzt Krankheitspause melde ich mich nun endlich im Jahr 2011 wieder zurück und wünsche allen Lesern, Freunden und (Blogger-)Kollegen ein gesundes und glückliches neues Jahr. Lasst uns hoffen, dass es der Welt ein Stück Menschlichkeit zurückgeben und den Menschen ein wenig mehr Weltoffenheit bescheren möge.

Noch habe ich nur eine diffuse Vorstellung davon, wie mein Jahr 2011 verlaufen wird – oder zumindest sollte. Beruflich wird es hoffentlich wieder ein Stückchen vorangehen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in den vergangenen Monaten den Satz gehört habe: „Du hast wirklich unheimlich viel Potenzial, mach auf jeden Fall weiter so!“.
Tatsächlich arbeite ich derzeit fast rund um die Uhr, die meisten meiner Wochen- und allzu oft auch Sonn- und Feiertage sind Vollzeitarbeitstage, viele davon umfassen mehr als zehn Arbeitsstunden. So weit so gut, möchte man denken – so ist das halt, wenn man einen Fulltimejob hat. Allein, mein voller Terminkalender verteilt sich auf zwei Jobs in zwei Redaktionen, oft hetzt man vom Freiberufler-Zimmer direkt rüber in den Newszroom. Blöderweise ist man auch nur ein Mensch, und da kann es dann auch schon mal zur einen oder anderen terminlichen Verwirrung kommen. Weder für mich noch für den Arbeitgeber ist es ein Genuss, wenn ich in der einen Redaktion auf pünktliches Verschwinden poche oder aber wahlweise drüben zu spät komme – Journalismus ist eben ein Betätigungsfeld, das absolute Flexibilität abverlangt, ein Luxus, den ich mir momentan nicht oder nur sehr eingeschränkt erlauben kann.

Das ist oft einfach nur purer Stress – man merkt’s, war ich doch in den letzten 7 Monaten insgesamt 4 Mal erkältet, so oft wie sonst in Jahren nicht. Und dennoch scheint es das alles wert zu sein. Das Schreiben und vor allem das Druchgraben zu den Geschichten ist etwas, das Offenheit und Weitsicht schafft, eine wirksame Pille gegen Vorurteile jeglicher Art, Berührungsängste und Selbstüberschätzung.

Das Frustrierende am momentanen Zustand ist, dass ich (Abitur, abgeschlossene Ausbildung, Studium) trotz eines Fulltimejobs und mindestens 50-Stunden-Woche weiterhin gezwungen bin, zusätzliche Unterstützung beim Amt zu beantragen und mich durchleuchten und überwachen zu lassen wie ein Verbrecher. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wird man traurig. Es ist beängstigend, welchen Weg Deutschland genommen hat. Es gäbe viel zu bewegen in 2011, viel zu viel…

Und weil das neue Jahr – wenn schon mit Schnupfen und Husten – nicht mit Traurigkeit anfangen soll, hier zur Aufmunterung ein Schnappschuss, der es mir angetan hat. Auch wenn man vielleicht beim ersten Hinschauen meinen könnte, er wäre irgendwo in den weiten schneebedeckten Ebenen Sibiriens entstanden: Er gelang mir im Morgengrauen des 3. Dezember auf einer Zugfahrt von Dresden nach Berlin durchs Zugfenster hindurch mit dem Handy und zeigt die tiefverschneite Landschaft des vorwinterlichen Südbrandenburg. Diese wunderschöne in reinstes Weiß gehüllte Landschaft draußen vor dem Fenster war das Einzige, das mir die ansonsten katastrophale, durch zahlreiche Verspätungen, unfreiwillige Zwischenstops und Umleitungen aufgrund des Wetterchaos geprägte Berlin-Reise erträglich machte.

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Beim Stichwort Sibirien kämen wir dann auch schon zu den privaten Plänen für 2011. Nein, die große Reise mit der Transsib durch Zentralrussland und Nordasien gibt der Geldbeutel noch nicht her – auch wenn ich an jenem 3. Dezember schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen durfte, zumindest, was den Blick aus dem Fenster betrifft.

Doch aufmerksamen Lesern ist sicherlich mein großes Interesse für die deutsch-russische Geschichte nicht entgangen. Seit Längerem schon betätige ich mich als Hobby-Historikerin auf den Spuren der sowjetischen Besatzungszeit. Das ist etwas, in dem ich völlig aufgehen kann. Ich weiß nicht, wie viele Hundert Fotos ich in den letzten Monaten geschossen habe, die „Buchengalerie“ ist unter anderem daraus entstanden. Ich habe nahezu alle ehemaligen Standorte sowjetischer Kasernen besucht, darunter jene in der Albertstadt, der Neustadt, der Radeberger Vorstadt, in Hellerau, Klotzsche und in Nickern, und das im Bild festgehalten, was noch heute an die Präsenz von Menschen erinnert, denen man seinerzeit auf unheimliche Art zur Nähe verpflichtet war, ohne sie, ihre Kultur, ihre Gedanken jemals wirklich kennengelernt zu haben.
Einmal auf den Geschmack gekommen, macht es förmlich süchtig. Man streift durch die ehemaligen Truppenstandorte, und ständig entdeckt man Neues.

Halt! Schissen!
Halt! Schissen!
Sperrgebiet.
Sperrgebiet.

Unter anderem diese (handgemalten!) Warnzeichen, die in wenigen Metern Abstand überall an den Grenzmauern zum Kasernengelände des Hauptquartiers der 1. Gardepanzerarmee an der Stauffenbergallee (heute Landesdirektion) angebracht worden waren (Klick zum Vergrößern). Später dazu vielleicht mehr.
Auch mein Engagement für den sowjetischen Friedhof an der Marienallee ist hier sicherlich niemandem verborgen geblieben – ein Resultat meiner Begeisterung für die Erforschung der Lebensumstände der Sowjets während der Besatzung sowie ihres Verhältnisses zu den Deutschen. All dies hat mich in Kontakt mit vielen Menschen gebracht, mit Deutschen wie Russen und Ukrainern. Es ist erstaunlich, wie groß die Missverständnisse zwischen den vor knapp 20 Jahren schlagartig getrennten „Waffenbrüdern“ nach wie vor sind, wie vieles unausgesprochen blieb, und wie viele Emotionen auch im Spiel sind.

Es wird ein spannendes Jahr werden – in vielerlei Hinsicht.

Top-Kindheitserinnerungen. 1: Nutella.

Jedes Mal, wenn ich heute ein Glas des süßen braunen Brotaufstriches öffne, steigt unweigerlich der Anblick des ach so unerreichbar hoch gelegenen obersten Regals des Vorratsschrankes in der elterlichen Wohnküche vor meinem geistigen Auge herauf, von dem aus mich ab einem gewissen Zeitpunkt gleich eine ganze Batterie Nutella-Gläser anschmunzelte.

Das erste Glas lag eines Tages wohl in einem der Weihnachtspakete aus dem Westen, und einmal gekostet, war es um mich geschehen. Die Ostmarke Nudossi war Taubendreck dagegen, wie wir immer zu sagen pflegten, und überdies ohnehin auch bloß völlig überteuert für etwa sieben Ostmark im Deli erhältlich. Es war mir damals – ich mag vielleicht fünf, sechs Jahre alt gewesen sein, völlig unbegreiflich, wie man etwas derart Köstliches von solch aromatischer Intensität herstellen konnte. Unsere eigenen Versuche, über den Rest des Jahres das Fehlende mit einer Mischung aus Trinkfix, Butter, Zucker und Haselnuss-Backaroma zu ersetzen, fielen jedenfalls immer ziemlich dürftig aus; Deli und Intershop fielen aufgrund der überteuerten Preise aus. Doch dann nahte unerwartet Erlösung.

1985 fing mein Vater bei BMK Chemie Halle an und wurde an die im Bau befindliche Erdgastrasse durch die Sowjetunion geschickt – Worte wie „Ukraine“ und „Ural“, „Perm“ und „Swerdlowsk“ prägten sich damals in mein Bewusstsein ein. Und noch etwas ist unweigerlich mit dieser Zeit verbunden: Nutella. Seit mein Vater in Russland arbeitete, stimmten sozusagen die Finanzen, denn der Job war hart und gefährlich. Die Familien daheim zahlten dafür zudem einen hohen Preis, den Ehemann und Vater sahen sie im Jahr alle drei bis vier Monate für drei oder vier Wochen. Als Kind gewöhnt man sich gewiss schneller daran, ich hatte es jedenfalls bald als gegeben hingenommen.

Viel spannender waren die tollen Sachen, die mein Vater mitbrachte oder nach Hause schickte. Eines Tages kam eine große Kiste bei uns an. Meine Schwester und ich drängten uns erwartungsfroh um unsere Mutter, während sie das Paket öffnete. Zum Vorschein kam schließlich: eine ganze Stiege Nutella-Gläser, wohl zehn bis zwölf Stück – ein Jahresvorrat. Mein Vater hatte die Gläser zu Sonderkonditionen über den sogenannten GENEX-Katalog bestellt, ein Privileg, in dessen Genuss damals nur Menschen in besonderer Position kamen – wie eben jene körperliche Schwerstarbeit in der russischen Wildnis leistenden Menschen an der Trasse.
Dieser Jahresvorrat wurde von meiner Mutter sorgfältig in besagtem oberstem Regal des Vorratsschrankes verwahrt und gehütet wie ein Schatz. Ein Glas Nutella hatte von nun an bei drei Personen mindestens einen ganzen Monat zu reichen, hauchdünn wurde die begehrte Speise auf Frühstücksbrötchen und Schulbrote gestrichen, und dennoch war jedes Milligramm davon ein Genuss.

Heute kann ich so viel und so oft Nutella essen, wie ich lustig bin. Aber irgendwie schmeckt sie – wie so ziemlich alles – heute lange nicht mehr so gut wie damals, habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder verwundert gefragt, ob man denn in den letzten 25 Jahren etwas an der Rezeptur verändert habe. Doch vermutlich gaukeln einem die mittlerweile an maximale Geschmacksvielfalt gewöhnten Geschmacksrezeptoren schlicht und ergreifend nicht mehr vor, etwas völlig Neues, Unbegreifliches zu kosten.

Galerie der ausgefallenen Art bei art und wIEse.

Derzeit entsteht im Weidegrund eine Galerie der besonderen Art. In der „Buchengalerie“ werden Fotografien sogenannter „weiser Buchen“ – ja, das ist eine eigene Wortkreation – aus dem Dresdner Prießnitzgrund und anderen Stadtgebieten gezeigt. „Weise“ sind sie deshalb, weil sie Geschichten erzählen, die ihnen von jungen Menschen eingekerbt wurden, vom klassischen Namenszug, über die Herzchen verliebter oder von Sehnsucht nach der Liebsten daheim erfüllter Soldaten bis hin zu Piktogrammen, die Stimmungs- und Gefühlslagen ausdrücken, Gegenstände des Alltages oder Porträts zeigen. Sie „wissen“ Dinge, haben Menschen gesehen, die uns heute unbekannt sind. Die Inschriften sind Botschaften aus einer anderen Zeit.

Zu jedem Bild wird sich die Autorin in looping-schlagenden Deutungsversuchen, historisierenden Erklärungen und kleinen Anekdötchen ergehen, die vor allem eines sein sollen: unterhaltsam und fantasieanregend. Die Galerie will dafür werben, mit offenen Augen durch unsere schöne Stadt zu gehen und die überall sichtbaren Zeitzeugnisse vergangener Epochen wahrzunehmen.
Über das Seitenmenü in der linken oberen Ecke, wo auch das Impressum zu finden ist, wird die Buchengalerie künftig per Schnellklick aufrufbar sein.

Hilferuf!

Vor einer Woche muss irgendetwas mit meinem Blog passiert sein, irgendeine entscheidene wp-Datei muss es zerhauen haben. Seither funktionieren etliche Tools nicht mehr, die ich installiert habe – darunter bedauerlicherweise der Spam-Filter wp-Spamfree und auch das Petitionstool. Dadurch sind unter anderem die Unterschriften verloren gegangen, die ich in meiner Online-Petition zum Garnisonfriedhof bereits gesammelt hatte, es kann derzeit auch nicht neu unterschrieben werden.
Des Weiteren lassen sich Spam-Kommentare nicht mehr blacklisten. Die ursprünglich über wp-Spamfree angelegte Blacklist mit Buzz-words, auf die der Filter reagiert, ist gelöscht und lässt sich seither nicht mehr neu anlegen: Soviel ich auch neu blackliste, es wird nirgends gespeichert. Das Resultat: Ich versinke seit Tagen in dem vermaledeiten Zeug und muss es manuell entfernen.

Was mir auch aufgefallen ist: Seit dem Crash-Down ist es nicht mehr möglich, Artikel zu „pinnen“, also ganz oben in der Beitragsliste zu halten. Ich kann zwar bei der Sichtbarkeit „sticky“ anklicken, doch es wird beim Aktualisieren bzw. Publizieren nicht gespeichert. Alles in allem bin ich in meinem Blog momentan nur noch eingeschränkt handlungsfähig und habe keine Ahnung, wie ich das wieder hingebogen bekomme.
Vielleicht hat jemand eine Idee, was da faul sein könnte und vor allem: wie man diesen Zustand wieder beheben kann?
Unter anderem diese Fehlermeldung ist seither mehrfach aufgetaucht:

WordPress database error: [Table ‚wp_djane_options‘ is marked as
crashed and should be repaired]
SELECT option_value FROM wp_djane_options WHERE option_name =
‚quote_comments_author‘ LIMIT 1

1 Jahr Weidegrund – eine kleine Bilanz.

Seit etwas über einem Jahr gibt es den Weidegrund nun schon. Seit Juli 2009 habe ich insgsamt 146 Artikel verfasst, das entspricht in etwa einem Schnitt von einem Artikel alle 21/2 Tage. Von den 17 Kategorien war erwartungsgemäß mit 68 Artikeln „Politik und Gesellschaft“ die am häufigsten verwendete, gefolgt von „Nahost“ (31) und „Menschenrechte“ (29).
Dem Anspruch, ein primär gesellschaftskritisches, politisches Blog zu sein, ist art und wIEse also fraglos gerecht geworden.

Nach dem 500. Kommentar am 29.03.2010 konnte nun vorgestern der 1000. verbucht werden.
Insgesamt entfielen auf besagte 146 Beiträge bis heute 1022 Kommentare, das entspricht einem Schnitt von 7 Kommentaren pro Beitrag. Der Artikel mit den meisten Kommentaren war „Kolumne: Standardisierte Inkorrektness“ vom 10. Juli 2010 mit bislang 52 Kommentaren, gefolgt von „Nachmittagsärgernisse“ vom 06. April 2010 mit 49 Kommentaren und „Blockade-Aktionen vom 13. Februar haben Nachspiel“ vom 19. März 2010 mit 44 Kommentaren.

Es wurden viele tolle Diskussionen geführt, mit sehr unterschiedlichen Leuten, deren Ansichten sich erfreulicherweise selten mit meinen eigenen deckten. Neben den vielen netten Begegnungen gab es allerdings auch einige der weniger schönen Art. So wurde ich zeitweise mit Hassmails bombardiert, musste ebenso feindselige Kommentare entfernen, jemand postete unter meinem Namen unschöne Dinge in anderen Foren. Das Leben als politischer Blogger ist nicht immer ein Zuckerschlecken, doch man reift ungemein, man erfährt vieles über Menschen und Charaktere, bisweilen verändert sich sogar die eigene Wahrnehmung hinsichtlich bestimmter Sachverhalte.
Vielen Dank an alle, die sich hier rege beteiligt haben – ich hoffe, ihr bleibt mir treu 😉
Ein Hoch dem Pluralismus, der Freiheit und der Gleichheit!