Eine Stimme zum Niederknien.

Als ich eines schönen Tages bei youtube nach Songmaterial von Jackie Evancho suchte, begegnete ich Amira Willighagen das erste Mal – und endete den Tränen nahe. Diese Stimme!! Oh – mein – Gott… und das mit sage und schreibe neun Jahren. Unglaublich, dass so viel Leidenschaft und Kraft dem Körper eines solchen Persönchens entströmen können. Sie können. Dieses kleine Mädchen steht auf der Bühne, öffnet den Mund – und legt einen Schalter um. Man muss nur in ihr Gesicht schauen und ist einfach sprachlos, denn sobald sie singt, wird aus dem kleinen, süßen Mädchen eine wahre Künstlerin.

Nichts anderes ist Amira Willighagen. Sie ist weder ein Star noch das Opfer verzweifelter Karrieristen, die über ihre Tochter hinwegtrampelnd Rampenlicht und Reichtum suchen, wie immer wieder von bösen Zungen behauptet. Warum melden Eltern ihre talentierten Kinder bei Casting Shows an? Wirklich nur, weil sie das schnelle Geld suchen? Nicht etwa auch, weil sie sich fragen, was sie mit dem unfassbaren Talent ihres Kindes denn nun anfangen sollen? Lohnt es sich, das Kind weiter zu fördern? Was könnte es daraus machen? Was irgendwann erreichen? Es gibt viele Gründe. Und man wird das Gefühl nicht los, als neideten die Kritiker den Eltern dieses Kindes diesen „Goldschatz“ und ergingen sich rein deshalb in gehässigem Bashing. Dabei ginge es vorrangig darum, die Qualität des vorliegenden Albums und die gesanglichen Fähigkeiten der jungen Sängerin zu beurteilen. Amiras Eltern haben immer wieder betont, dass sie ihr Kind nie verheizen würden, dass Amira weder zu Auftritten noch zu Gesangsstunden gezwungen werde. Die wenigen Auftritte in der Öffentlichkeit, die sie absolviert, lassen sich im Jahr an einer Hand abzählen – und das ist auch gut so. Mit ihren mittlerweile 10 Jahren besucht sie die sechste (!) Klasse. Ich kenne kein Kind, das von Auftritt zu Aufritt gepeitscht wird, das das mal eben nebenbei mit schafft. So was schafft man nur, wenn man dafür auch genügen Zeit und Ruhe hat.

Was die CD betrifft, so finde ich die Songauswahl durchaus gelungen für ein Debüt. Das Repertoire besteht aus weithin bekannten Opernklassikern, aber auch einigen weniger bekannten Stücken. Allesamt wunderschöne Melodien, von Amira in unvergleichlich schöner und für ein Mädchen ihres Alters nahezu perfekter Weise dargeboten. Ein wenig schade finde ich persönlich, dass die kleinen Ecken und Kanten, die ihre Stimme im Original so einzigartig machen, so ziemlich mittels Studiotechnik „weggebügelt“ wurden.

Ich wünsche mir für dieses kleine, stimmliche Kraftpaket, dass es sein Talent im Laufe seiner Adoleszenz voll zur Entfaltung bringen kann. Nicht schon jetzt, sondern dann, wenn sich Amira wirklich für eine Karriere im Operngeschäft entschieden haben sollte. Und bei dieser Stimme kann man das eigentlich nur hoffen. Sie wäre sicherlich zu Großem bestimmt.

Im gleichen Wortlaut am 14.Juni 2014 als Rezension auf Amazon veröffentlicht.

0 Gedanken zu „Eine Stimme zum Niederknien.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.