Raoul Wallenberg – Wer tötete den Judenretter von Ungarn?

Der Tod des schwedischen Diplomaten vor rund 70 Jahren ist bis heute ein Mysterium. 1912 als Sohn eines Marineoffiziers und einer Mutter mit jüdischen Vorfahren geboren, nutzte der junge Legationsrat Wallenberg während des Zweiten Weltkrieges ab Sommer 1944 in Ungarn seine Stellung, um Tausende jüdische Bürger vor der Ermordung in NS-Vernichtungslagern zu retten. Zwischen Österreich und  Ungarn – während des Krieges mit Deutschland verbündet – verlief später die Grenze zwischen sowjetischem und westalliiertem Einflussgebiet. Ungarn geriet noch vor dem Kriegsende 1945 unter sowjetische Kontrolle und wurde später Teil des Ostblocks. Der aus höchsten Kreisen der schwedischen Gesellschaft stammende Wallenberg und dessen Tun in einem Gebiet, das der sowjetische Diktator Josef Stalin nach dem Beginn der Besatzung am 16. Januar 1945 für sich beanspruchte, gerieten alsbald ins Visier des NKWD – des Kommissariats für innere Angelegenheit der SU, einem Vorläufer des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Raoul Wallenberg – Wer tötete den Judenretter von Ungarn? weiterlesen

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Heute vor genau 65 Jahren, am 27.01.1945, endete im polnischen Auschwitz-Birkenau eines der schwärzesten, traurigsten Kapitel der neueren Menschheitsgeschichte.
Als die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin an besagtem Datum durch das Tor mit dem zynischen Schriftzug „Arbeit macht frei!“ zog, fand sie ein weitgehend geräumtes Lager, aber in unzähligen teils unzumutbaren Verstecken insgesamt auch noch über 7500 Überlebende des Grauens vor. Hunderte von Leichen, die in der Hast nicht mehr verscharrt hatten werden können, sowie Millionen Kleidungs-, Gepäck- und Schmuckstücke legten Zeugnis über das ganze Ausmaß des Schreckens ab.
Tausende Menschen waren eiligst zusammengetrieben und aus dem Lager „evakuiert“ worden – was nichts anderes bedeutete, als dass die Mehrzahl dieser Menschen auf den Todesmärschen durch den harten polnischen Winter ins Nirgendwo umkam.
Das Lager steht bis heute symbolisch für das beispiellose, sinnlose Morden aus faschistoider, rassistischer Überzeugung unter dem Nationalsozialismus, insgesamt mehr als 1,5 Millionen Menschen lebten und starben dort unter unmenschlichsten Bedingungen – ein ganzes Feld voller Gräber ohne Namen.

Heute, 65 Jahre danach, ist Auschwitz-Birkenau Museum, Mahnmal und UNESCO-Welterbe, und selbst im tiefsten Winter, der den Ort noch unwirtlicher und feindseliger erscheinen lässt, stapfen Menschen durch zentimeterhohen Schnee über das Gelände, zünden Kerzen an und schweigen betroffen.

Aber Auschwitz steht auch für etwas, dessen Menschen grundsätzlich fähig sind: Durchorganisierte Grausamkeit zur Durchsetzung politischer und zumeist auch ideologisch motivierter Ziele. Es ist nicht die Grausamkeit, die Auschwitz zu einer einzigartigen Erscheinung machte, sondern vielmehr die schier beispiellose industrielle Durchführung eines sorgsam ausgeheckten Planes.
Ausschließlich vom Kriterium der Grausamkeit ausgehend, das causal für die zielgerichtete Ermordung von Menschen ist, steht man vor der Erkenntnis, dass es nicht aufgehört hat, dass nichts aus Auschwitz gelernt wurde, so wie die Protagonisten von Auschwitz aus den Gräueln der vorangegangenen Kriege und Konflikte nicht zu lernen vermochten bzw. nichts lernen wollten. Und so steht man angesichts einer neuen Ära der Kriege, der organisierten und geschürten Konflikte, der Völker- und Massenmorde überall in der Welt mit gesenktem Haupt und voller Scham an den Ruhestätten der Opfer, die anscheinend umsonst gelitten haben.