Weißbarth gegen Krüger – oder Ostdeutscher Opfermythos vs. westdeutsche Überheblichkeit

Was ist betrüblicher? Die Tatsache, dass ein Großteil der Menschen im Osten Deutschlands weder ihre kulturellen noch traditionellen Wurzeln einfach abgehackt noch die durchaus nicht nur positiven Erfahrungen mit der deutschen Wiedervereinigung vor 27 Jahren vergessen hat und sich „vereinnamt“ und nicht ausreichend repräsentiert fühlt? Oder dass in unserem Land allgemein eine Generation erwachsen geworden ist, die mit realsozialistischen Lebenswelten und dem  im Zuge der Wende erfolgten Bruch in den Biografien der Ostdeutschen großteils nichts anfangen kann und sich dieser ostdeutschen Elterngeneration kulturell wie moralisch regelrecht überlegen fühlt? Wahrscheinlich weder noch. Und doch ist Letzteres Teil des Problems der gesellschaftlichen Spaltung,  die wir heute erleben. Eine neue Mauer, viel weniger zwischen Ost und West, wie der nachfolgend besprochene Artikel weismachen will, als zwischen Jung und Alt. Nie seit den 68ern hat Generationen mehr getrennt als heute, da die junge Erwachsenengereration mit demselben zeitlichen Abstand auf die Generation DDR zurückschaut wie jene von damals auf die Generation NS. Ein Beispiel.

Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und heutige Chef der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, beklagt einen „kulturellen Kolonialismus“ von Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen. Diese Kampfrhetorik ist Wasser auf die Mühlen des Ressentiments und schadet vor allem den Ostdeutschen selbst.

beklagt seinerseits „Salonkolumnist“ Fabian Weißbarth (30) dieser Tage in dem gleichnamigen Online-Magazin. Der Artikel unter dem Titel „Im Osten nichts Neues“ bemüht sich dann im Wesentlichen, die Äußerungen, die Krüger (58) ebenfalls dieser Tage in einem Interview mit der Berliner Zeitung tätigte, als neuesten Meilenstein auf dem Weg „ostdeutscher Legendenbildung“ zu deuten. Doch die besagten Äußerungen klingen im Original irgendwie anders – und sehr viel weniger nach „Legendenbildung“ als vielmehr nach Weitsicht und dem Willen, im Sinne von Ursachenforschung verstehen zu wollen, warum es ausgerechnet im Osten Deutschlands zu teils dramatischer Politikverdrossenheit oder aber Radikalisierung hin zu rechtsradikalen Gesinnungen kommen konnte:

In der Fläche wird die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten immer noch als kultureller Kolonialismus erlebt. Und das ist ein Problem, ja. […] Als ich im Jahr 2000 in den Job nach Bonn gewechselt bin, habe ich die Anzahl der Ostdeutschen verdoppelt. Aus einem Ostdeutschen wurden zwei – von 200 Mitarbeitern insgesamt. Das war für beide Seiten gewöhnungsbedürftig. Es prallen einfach unterschiedliche Erfahrungen und kulturelle Praktiken aufeinander.

antwortete der ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Theologe und Politiker Thomas Krüger (SPD, seit 2000 Chef der Bundeszentrale für Politische Bildung und damit einer von vergleichsweise wenigen Ostdeutschen in hohen Ämtern) dem Redakteur der Berliner Zeitung auf die Frage, ob er in der sowohl bundesweit als auch nur für den Osten Deutschlands betrachtet existenten Unterrepräsentiertheit der Ostdeutschen in Führungspositionen und hohen Ämtern ein Problem sehe. Eine solche hatten jüngste Studien der Universität Leipzig abermals ans Licht gebracht, und eigentlich reden wir darüber auch schon seit 20 Jahren. Demnach sind bundesweit lediglich 1,7 Prozent der Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien von Ostdeutschen besetzt – eine Quote, die angesichts eines Anteils von 17 Prozent an der Gesamtbevölkerung zu denken geben sollte, sagt sie doch viel über das keineswegs nur gefühlte Wohlstands- und Einflussgefälle zwischen Ost und West auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung aus. Als Ursache nennt die Studie aus dem Jahr 2016 unter anderem einen „massiven Elitenaustausch“, der die Wendejahre im Osten geprägt habe, der von den Ostdeutschen großteils als Verdrängungswettbewerb wahrgenommen wurde und werde. Eine Änderung der Situation sei zudem weder kurz- noch mittelfristig absehbar, da „perpetuierende westdeutsche Netzwerke in Ostdeutschland“ bestünden, die dieses System am Leben hielten: Westdeutsche zögen Westdeutsche nach. So sind heute lediglich 13 Prozent aller Richter an ostdeutschen Gerichten Ostdeutsche, ebenso viele sind es bei den Rektoren an ostdeutschen Hochschulen, und selbst in den Chefetagen der 100 größten ostdeutschen Unternehmen sitzen lediglich zu einem Drittel in Ostdeutschland geborene Chefs. Ein Missstand, den übrigens nicht nur Krüger, sondern schon sein ehemaliger Mitstreiter in der DDR-Bürgerrechtsbewegung, Frank Richter (bis Februar 2017 Chef der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung), kritisierte.

Fabian Weißbarth wird seine Gründe gehabt haben, warum er die den Äußerungen Thomas Krügers zugrundeliegenden Erkenntnisse der Leipziger Studie mit keinem Wort erwähnt hat. Für einen Moment scheint er zu überlegen, ob eine genauere Prüfung nicht doch Sinn machte, verwirft dies aber umgehend zugunsten einer These, die ihm näherliegender scheint – ohne hierfür allerdings die Mühen wissenschaftlicher Arbeit auf sich zu nehmen:

Es lohnt sich sicherlich, diese Ergebnisse nüchtern zu betrachten und nach den Gründen zu fragen, warum Ostdeutsche […] weitaus weniger gesellschaftlichen Führungspositionen innehalten als Westdeutsche. […]
Die Autoren der Studie unterschlagen jedoch eine grundsätzliche Dimension: Die Wirkmächtigkeit sich perpetuierender Mythen der Ostdeutschen über sich selbst, die eine Distanz gegenüber den „westdeutschen Eliten“ erst verstetigen.

Ein Grund scheint zumindest offensichtlich: Die Erkenntnisse der Studie hätten Weißbarths These von der „sich perpetuierenden Mythenbildung der Ostdeutschen über sich selbst, die eine Distanz gegenüber den westdeutschen Eliten“ erst verstetigte, für alle offensichtlich ad absurdum geführt. Denn wo ein Elitenaustausch und damit verbunden eine Unterrepräsentiertheit der Ostdeutschen in Führungspositionen erwiesen und Fakt, kann beides unmöglich Mythos sein.

Eine wissenschaftliche Studie, zwei renommierte Bürgerrechtler und gesellschaftspolitische Akteure (Richter und Krüger) – doch der studierte Politikwissenschaftler Fabian Weißbarth zeigt sich davon unbeeindruckt und beharrt auf seiner These einer verstetigten „Opferrolle der Ostdeutschen“ bzw. vom „Zerrbild vom Ostdeutschen als Opfer westlicher Invasion“, ehe er zu dem überleitet, was man wohl den eigentlichen Kerngedanken des Artikels nennen kann: AfD, Pegida und die Entfremdung der Ostdeutschen von der Demokratie.

Wo mancher vielleicht einen Zusammenhang dahingehend erblicken würde, dass die von Krüger angesprochene Problematik der gefühlten wie faktischen Unterrepräsentation der Ostdeutschen in der gesellschaftlichen und politischen Elite unter anderem dazu geführt haben könnte, dass viele Ostdeutsche sich zunehmend mit Staat und System nicht mehr identifizieren und zunehmend ihr Heil am rechten Rand oder in rückwärtsgewandter Verklärung des SED-Regimes suchen (zu diesem Schluss gelangte u.a. auch die Leipziger Studie), verkehrt Fabian Weißbarth Ursache und Wirkung einfach ins Gegenteil:
Das Problem der mangelnden Mitbestimmung Ostdeutscher ist konstruiert, ein Mythos – weil es Pegida und AfD in die Hände spielt. Und das darf ganz einfach nicht sein – also vom Tisch damit.
Heißt: Weil AfD und Pegida unter Umständen sich dieser Sachverhalte bedienen könnten, um im Interesse eigener Ziele Stimmung zu machen und Stimmen gerade bei den Ostdeutschen zu rekrutieren, darf ein entsprechender Diskurs gar nicht erst stattfinden. Schon gar nicht öffentlich, schon gar nicht auf eine Weise, die die eigene These vom „Opfermythos der Ostdeutschen“ zu widerlegen in der Lage wäre – also zum Beispiel in Gestalt wissenschaftlich ermittelter Fakten. Wer es dennoch tut, gibt „Wasser auf die Mühlen des Ressentiments“ – und macht sich damit nach Weißbarths Lesart quasi selbst verdächtig. Das sagt er natürlich so nicht direkt, aber durch die Blume, indem er im Stile eines Verschwörungstheoretikers gezielt an der Integrität Krügers sägt:

Welche Unterschiede, bzw. welche kulturellen Eigenarten Krüger tatsächlich übersetzt haben will, bleibt sein Geheimnis.

Nein – es bleibt nicht Krügers „Geheimnis“. Es wurde in dem BZ-Interview der Marke „Fünf Fragen an…“ schlicht nicht danach gefragt. Aber vielleicht wäre der Publizist zund Politikberater Weißbarth im ureigenen Interesse gut beraten gewesen, das zu tun, wenn er sich schon mit einer derartigen Vehemenz und Zielgerichtetheit an Krüger abarbeitet. Genauso gut könnte man nun versuchen, Weißbarth einen rhetorischen Strick aus der verschwörerischen Andeutung zu drehen, er bleibe ja schließlich die Information schuldig, ob er möglicherweise in Westdeutschland geboren wurde und somit selbst Protagonist und Protegé zugleich der von Krüger kritisch betrachteten westdeutschen Kulturhegemonie wäre. Was immerhin einiges erklären würde.
Zumal er selbst ungern auf wissenschaftlich erwiesene Fakten setzt, sondern zur Untermauerung seiner These vom „Opfermythos der Ostdeutschen“ lieber seine Alltagserlebnisse als Fußballfan von Tennisborussia Berlin heranzieht:

Denn eine solche Legendenbildung ist im ostdeutschen Alltag allgegenwärtig. Wer beispielsweise ein Heimspiel des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin besucht, wird vor dem Anpfiff die Vereinshymne der eisernen Frontfrau Nina Hagen hören. Dort heißt es traditionsbewusst: „Wir aus dem Osten geh’n immer nach vorn Schulter an Schulter für Eisern Union/Hart sind die Zeiten und hart ist das Team (…) Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union, Eisern Union (…).“ Man kann diese Zeilen als bloße Folklore abtun, doch bestätigen diese, dass auch fast 30 Jahre nach der deutschen Einheit weiterhin oftmals die Differenz betont, statt Normalität gelebt wird.

Spätestens hier fragt man sich ernstlich, wozu der Autor eigentlich jahrelang die Bank eines Hörsaals gedrückt hat.

Thomas Krüger hat nichts anderes getan, als auf eine Frage eines Zeitungsredakteurs zu antworten, der Bezug auf die besagte Leipziger Studie und ihre Ergebnisse nahm. Dank Fabian Weißbarth steht er nun als einer da, der Pegida und AfD und irgendeinem „Ressentiment“ das Wort redet (welches genau hier gemeint ist, auch das bleibt Weißbarth schuldig, obwohl er für seinen Blog-Artikel sicherlich wesentlich mehr Raum und Zeit gehabt haben dürfte als Krüger im Interview). Dabei gibt Krüger im Grunde aus einer bestehenden Debatte heraus lediglich die Empfindungen eines guten Teils der Ostdeutschen wieder. Dass diese Wahrnehmung im Osten Deutschlands sehr wohl weit verbreitet ist, ist nicht „Wasser auf die Mühlen“ irgendeines Ressentiments, sondern eine Tatsache, die wir hier jeden Tag beobachten können – gerade im Dunstkreis von Pegida und AfD. Eine Tatsache, der man ins Auge sehen muss. Sich mit genau dieser Wahrnehmung und ihren möglichen Ursachen öffentlich auseinanderzusetzen wäre Teil der LÖSUNG, weniger das Problem, das ein Fabian Weißbarth hier aus der Bestandsaufnahme Krügers konstruiert.

Das Problem ist vielmehr Weißbarths offensichtlich Unfähigkeit oder sein Unwille, die Zusammenhänge zwischen der Funktionsweise politischer und gesellschaftlicher Milieus und ihrer integrativen Wirkung in Sachen Identitätsbildung zu verstehen. Dabei wäre das Fußballstadion hier sogar ein ausgesprochen günstiger Lernort. Man müsste nur neutral und unvorbelastet an solch eine Bestandsaufnahme herangehen, statt mit einer politischen Agenda im Kopf. So schreibt Weißbarth völlig richtig:

Vielen Ostdeutschen der Generation 40+ mag der frühere SPD-Politiker (Krüger, d. Verf.) mit solchen Schlagwörtern aus der Seele sprechen,  Doch auch jüngere Ostdeutsche und selbst jene, die erst nach der Wende geboren wurden, dürften für eine solche Re-Kulturalisierung der Ost-West-Debatte empfänglich sein

Doch er zieht die völlig falschen Schlüsse. Zum einen geht es hier nicht um „Schlagworte“ – die liefert vielmehr Weißbarth wie bereits ausgeführt en masse („Legendenbildung“, „Opfermythos“, „Geiselhaft eigener Mythen“ usw. usf.). Zum anderen weigert sich Weißbarth kategorisch, den Zusammenhang zwischen den vorhandenen Missständen in Sachen Ungleichverteilung von Einfluss unter Ost- und Westdeutschen auf der einen und der Empfänglichkeit der unmittelbar davon Betroffenen für Ost-West-Debatten zu erkennen. Beides bedingt einander. Und nur, weil potenziell demokratiefeindliche politische Gruppierungen und Bewegungen davon profitieren könnten, rechtfertigt das noch lange nicht, der gesamten Thematik ein Geschmäckle anzudichten und den Diskursführern quasi einen Maulkorb verpassen zu wollen. Zumal hier jedweder schlüssige Argumentationsfaden bei Weißbarth fehlt, weshalb etwa ein Ostdeutscher, der ein Machtgefälle zwischen Ost und West feststellt (Weißbarth wählte hier ganz bewusst den wertenden Begriff „beklagt“), zwangsläufig irgendeine Nähe zu Pegida oder AfD aufweisen muss. Ohne diese behauptete Kausalität aber machte der gesamte Artikel überhaupt keinen Sinn.

Es wundert wenig, dass solch ein Beitrag von jemandem kommt, der gerade seine ersten Worte sprach, als die Mauer fiel, der ganz offensichtlich nicht im Ansatz das nachvollziehen kann, was Menschen empfinden, die 20 Jahre ihres Lebens in leitender Position tätig waren und mit der Wende erleben mussten, wie nicht nur ihr Vermögen um die Hälfte schrumpfte, sondern auch, wie ihre Betriebe geschlossen, von einer westdeutschen Firma übernommen und die  Führungspositionen mit Westdeutschen besetzt wurden. Das ist kein „Ressentiment“, das ist die gelebte Realität eines großen Teils von Fabian Weißbarths Elterngeneration hier im Osten. Und das prägt. Und sich wie Weißbarth jetzt hinzustellen und diesen Menschen im Grunde zu attestieren, dass sie allesamt Legenden- und Mythenbildung betrieben – das zeigt den letztlich auch generationsbedingten Riss, der durch unsere Gesellschaft geht: Jeder ist schnell mit Urteilen über andere, aber niemand mag sich mehr Zeit nehmen und zuhören.

Unsere Geschichte wird immer ein Teil von uns bleiben. Die Geschichte der ehemaligen SBZ und der Wende 1989/90 gehört genauso dazu. Und gerade von einem studierten Politikwissenschaftler, geboren 1987, hätte man sich mehr Interesse für die Begleitumstände der Wende und die Auswirkungen auf das politische Weltbild der Menschen in Ost und West erhoffen dürfen. Statt wie ein Wissenschaftler zu fragen und nach Lösungen zu suchen, schwingt sich Weißbarth mit der Macht der Reichweite lieber zum Richter auf – u.a. über einen Mann, der mehr als die Hälfte seines Lebens in dem Land lebte, in dessen Kultur selbstverständlich noch viele Menschen im Osten wurzeln. Statt wie die Wissenschaft danach zu fragen, warum das so ist, schießt Weißbarth scharf. Aus einer Position des Nichtbetroffenseins heraus ist das auch wirklich einfach. Als Abiturient und Student war Weißbarth noch Leiter der Arbeitsgruppe „Antifaschismus“ bei den Berliner JUSOS. Heute, als Direktor Öffentlichkeitsarbeit beim Berliner Büro des American Jewish Commitee, schimpft er gegen „Linke“, die ihre Identität durch den Neoliberalismus bedroht sähen, nennt sie in einem Atemzug mit AfD und Pegida. Was Weißbarth an unmittelbarer Betroffenheit, Wissen und echtem Interesse an den Biografien der Ostdeutschen mangelt, gleicht er mit Überheblichkeit und Selbstüberschätzung aus. Anders ist es nicht zu bewerten, wenn Weißbarth in fast unerträglichem Zynismus am Ende seines Pamphlets schreibt:

Wer Ostdeutschen tatsächlich mit Wertschätzung begegnen will, sollte ihnen Gelegenheit geben, sich aus der Geiselhaft eigener Mythen zu befreien. Dies ist, selbst vier Jahrzehnte nach der Vereinigung, schmerzhaft, doch notwendig.

Hier schreibt einer, der vermutlich weder mit dem Wort „Wertschätzung“ etwas anzufangen weiß noch jemals Ostdeutschen ganz bewusst und vorurteilsfrei (alles Linke oder Pegida!) begegnet ist.  Sehr wahrscheinlich ahnt er nicht mal, dass es genau diese Sorte Hochmut ist, mit der man Ostdeutschen und ihrer Vergangenheit bis heute in vielen Bereichen begegnet, die die Menschen hier Pegida & Co regelrecht in die Arme treibt. Die andere Seite des „armen Deutschland“. Die aber wird nicht verhindern können, dass das Machtgefälle zwischen Ost und West in unserem Land Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Debatten bleibt. Im Übrigen drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung, nicht vier, Herr Weißbarth. Diese Debatten sind keineswegs „neu“, sondern so alt wie das Machtgefälle selbst. Insofern ist hier ironischerweise der Titel Ihres Artikels regelrecht Programm: Im Osten nichts Neues. Und dank der Weißbarths dieses Landes wird es auch noch lange so bleiben.

Raoul Wallenberg – Wer tötete den Judenretter von Ungarn?

Der Tod des schwedischen Diplomaten vor rund 70 Jahren ist bis heute ein Mysterium. 1912 als Sohn eines Marineoffiziers und einer Mutter mit jüdischen Vorfahren geboren, nutzte der junge Legationsrat Wallenberg während des Zweiten Weltkrieges ab Sommer 1944 in Ungarn seine Stellung, um Tausende jüdische Bürger vor der Ermordung in NS-Vernichtungslagern zu retten. Zwischen Österreich und  Ungarn – während des Krieges mit Deutschland verbündet – verlief später die Grenze zwischen sowjetischem und westalliiertem Einflussgebiet. Ungarn geriet noch vor dem Kriegsende 1945 unter sowjetische Kontrolle und wurde später Teil des Ostblocks. Der aus höchsten Kreisen der schwedischen Gesellschaft stammende Wallenberg und dessen Tun in einem Gebiet, das der sowjetische Diktator Josef Stalin nach dem Beginn der Besatzung am 16. Januar 1945 für sich beanspruchte, gerieten alsbald ins Visier des NKWD – des Kommissariats für innere Angelegenheit der SU, einem Vorläufer des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Raoul Wallenberg – Wer tötete den Judenretter von Ungarn? weiterlesen

Der schwierige Umgang mit der Zeit der sowjetischen Besatzung

Was genau Generalmajor Jürgen Weigt, Afghanistan-Veterean, Brigadegeneral und Kommandeur der Heeresschule Dresden, am Donnerstag dazu bewogen hatte, gemeinsam mit Pessesprecher Major Holger Haase und zwei weiteren hochrangingen Offizieren der Einladung des Freundeskreises Sowjetischer Garnisonfriedhof (FK) zur Feierstunde auf den Nordflügel zu folgen, weiß niemand genau. Aber er kam.
Sämtliche Vertreter der Stadt und des Landes, die ebenfalls eingeladen waren, hatten ihre Teilnahme abgesagt oder aber gar nicht erst darauf reagiert. Darunter die Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden, Helma Orosz (CDU), Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und Frank Richter, DDR-Bürgerrechtler und heutiger Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Brigadegeneral Weigt hätte ähnlich reagieren können, tat er aber nicht. Neben Vertretern des Stadt- und des Landesverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge waren die Herren von der Bundeswehr die Ehrengäste auf dem Nordflügel. Und so kam es am Donnerstag auf dem Garnisonfriedhof zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Heute und Damals.

Die geladenen Gäste während der Ansprache Von FK-Sprecher Dietmar Groschischka anlässlich der Feierstunde für die einfachen sowjetischen Soldaten auf dem Nordflügel.
Die geladenen Gäste während der Ansprache Von FK-Sprecher Dietmar Groschischka anlässlich der Feierstunde für die einfachen sowjetischen Soldaten auf dem Nordflügel. Foto: W. Wassiliew.

Am Grab des 1961 in Dresden im Alter von 21 Jahren verstorbenen Gefreiten Gennadij Malkin – eines von zweien auf dem Nordflügel, bei dem noch ein Bildnis des Toten erhalten ist – standen sich am Nachmittag im stürmischen Dresdner Februarwetter Offiziere der heutigen Bundeswehr und ein ehemaliger Offizier der sowjetischen Streitkräfte gegenüber. Wladimir Wassiliew aus Moskau diente Mitte bis Ende der 80er-Jahre in der Garnison Königsbrück als Leiter des Nachrichtenzentrums des 40. Gardepanzerregiments im Range eines Oberleutnants. Dass solche Begegnungen für beide Seiten auch 20 Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Truppen alles andere als einfach sind, insbesondere wenn sie abseits des Sicherheit gebenden militärischen Protokolls stattfinden, war deutlich zu spüren. Doch genau dieses vorsichtige Abtasten zeigt, dass die gemeinsame deutsch-russische Geschichte der Besatzungszeit alles andere als aufgearbeitet und bewältigt ist – für keine der beiden Seiten. Zu viel geschah in den fast 50 Jahren zwischen Kriegsende 1945 und der Blitzwende zu Beginn der 90er-Jahre, über das heute allenfalls in klar vorgegebenen Mustern der offiziellen Geschichtsschreibung gesprochen wird.

Das Grab des Gefreiten Gennadij K. Malkin mit Blumengesteck des Freundeskreises und des Volksbundes sowie Blumen der Gäste.
Das Grab des Gefreiten Gennadij K. Malkin mit Blumengesteck des Freundeskreises und des Volksbundes sowie Blumen der Gäste.

Über die Zeit der Wende zu sprechen, als die früheren Sieger mehr oder weniger im kurzen Prozess des Landes verwiesen wurden, fällt allen Beteiligten schwer. Auch der frühere Oberleutnant Wassiliew, der wenige Monate vor dem Fall der Mauer Königsbrück gen Heimat verließ und im Mai 1990 noch vor Beginn der Abzugswirren das erste Mal zurückkehrte, ist das Thema suspekt: „Es war keine einfache Zeit, viel Chaos…“, sagt der 50-Jährige und lächelt entschuldigend, denn viel mehr will er dazu nicht sagen. Lieber spricht er über seine vielen Reisen, die ihn seither immer wieder nach Dresden und Königsbrück zurückgeführt haben. Wie viele ehemalige sowjetische Soldaten hängt er an seinem ehemaligen Stationierungsort in Deutschland, der zudem noch heute als eines der wenigen Relikte dieser Zeit noch nahezu unverändert in der Königsbrücker Heide steht. Wo anderswo Hinterlassenschaften der Sowjetarmee nach der Wende großflächig abgerissen wurden, sorgt hier der chronische Geldmangel einer Gemeinde dafür, dass auch heutige Generationen einen Eindruck bekommen können, wie die Sowjets in dem damals für die Einheimischen streng verbotenen „Städtchen“ lebten.

Mehrmals im Jahr reist der Vertriebsleiter einer großen Halbleiterfirma an die Elbe. Wenn er das Geld hätte, sagt er, würde er aus einigen der Ruinen in der Königsbrücker Heide ein Museum machen. Für ihn ist die Zeit seiner Stationionierung in Deutschland – wie für viele frühere DDR-Bürger ihr Alltag in der DDR auch – ein Teil der persönlichen Vergangenheit, die überwiegend positiv besetzt ist. Kein Wunder: Als Offizier im technischen Dienst führte er in den Truppen ein privilegiertes Leben mit eigener Wohnung, festem Einkommen und relativer Bewegungsfreiheit. Als FK-Sprecher Dietmar Groschischka die Repressalien und Schikane anspricht, unter denen die einfachen Soldaten in den Kasernen litten, merkt man ihm an, dass diese Art posthume Rüge an die Adresse der früheren sowjetischen Militäreliten für ihn ungewohnt ist. Und auch für die Mitglieder des Freundeskreis ist damit ein unangenehmes Gefühl verbunden: Wir wollen niemanden brüskieren, kein „Feindbild Sowjetarmee“ schaffen. Es steht uns nicht zu, Vorwürfe zu erheben. Aber das müssen wir auch gar nicht, denn das tun andere. Immer mehr ehemalige Wehrdienstleistende, die in der Sowjetarmee dienten, klagen die teils unmenschlichen Zustände während ihrer zweijährigen Dienstzeit an, zumeist über das anonyme Internet. Wahrheit tut eben manchmal weh.
Für den FK gilt es nicht, sich auf eine Seite zu stellen. Es gilt vielmehr, die richtige Balance zu finden zwischen dem berechtigten Bedürfnis der Betroffenen, über ihr Martyrium zu sprechen, und dem ebenso berechtigten Argument der Offiziere und Kommandeure, damals selbst ein Teil eines eingespielten Systems gewesen zu sein, das zu ändern für einen einzelnen nicht möglich war. Auch muss man zur Verteidigung der Befehlshaber fairerweise sagen, dass in vielen Einheiten Quälereien und übermäßige Schikane erfolgreich eingedämmt wurden.

Wassiliew lässt sich von diesem heiklen Thema in einem grundsätzlichen Punkt nicht beirren: Die Geschichte dürfe nicht einfach vergessen werden, findet auch er. Den teilweise wenig rühmlichen Umgang der ostdeutschen Nachwende-Generation, insbesondere der Gemeinden und Städte, die für die Pflege etwa der rund 20 sowjetischen Garnisonfriedhöfe auf ostdeutschem Boden verantwortlich sind, mit dem Erbe der Sowjets enttäuscht den früheren Offizier. Wenn man bedenkt, dass in Russland kirchliche Gemeinden (zwar mit deutschen Mitteln, aber dennoch hingebungsvoll) Friedhöfe deutscher Wehrmachtssoldaten pflegen, durchaus verständlich. Für den Freundeskreis, der sich für die Rettung des denkmalgeschützten Nordflügels des Sowjetischen Garnisonfriedhofes an der Dresdner Marienallee vor dem vonseiten des Freistaates Sachsen geplanten Abriss einsetzt, ist Wassiliew daher zum unersetzlichen Fürstreiter in Russland geworden, der unermüdlich Bittschreiben an die Regierung aufsetzt und unseren eigenen zudem den Weg durch die Untiefen der Ministerien bahnt. Als Mitglied des Verbandes der Veteranen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) macht er das Thema des russischen Umgangs mit den sowjetischen Gräbern in Deutschland wann immer es geht zum Thema.

„Es ist Aufgabe der russischen Regierung, sich um diese Gräber zu kümmern“, sagt Wassiliew. „Wenn die deutschen Behörden Angebote unterbreiten, ist das gut und schön. Aber eigentlich sind wir in der Pflicht. Es wird Zeit, dass etwas geschieht.“

Anders als andere hat Wassiliew verstanden, dass die Ostdeutschen die Wende herbeiführten, weil sie frei sein wollten – und dass sie letzten Endes auch den Russen eine Form der Freiheit brachte, die ihnen zuvor nicht vergönnt war. Andere sehen das weniger positiv. Das Gefühl der Demütigung von damals, Wut, Revanchismus und der Wunsch nach einer Rückkehr zu den alten militärischen Kräfteverhältnissen sind auch heute noch in den SU-Nachfolgestaaten anzutreffen – insbesondere in militärischen Kreisen.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es umso bedauerlicher, dass ausgerechnet Protagonisten der friedlichen Revolution wie Frank Richter sich nicht zum Kommen oder wenigstens zu einer Reaktion hinreißen lassen konnten, liegt dem Freundeskreis doch gerade der Dialog zwischen den damals opponierenden Parteien am Herzen, um diesen Teil Dresdner Geschichte endlich einmal einer adäquaten Aufarbeitung zuzuführen.

Distanziert, aber im Gespräch: Der ehemalige sowjetische Oberleutnant Wladimir Wassiliew (links) und Brigadegeneral Jürgen Weigt, Kommandeur der Heeresschule Dresden.
Distanziert, aber im Gespräch: Der ehemalige sowjetische Oberleutnant Wladimir Wassiliew (links) und Brigadegeneral Jürgen Weigt, Kommandeur der Heeresschule Dresden.

Die Zusage von ranghohen Vertretern der Bundeswehr war deshalb umso erfreulicher, alsdass mit Generalmajor Weigt nicht nur ein ranghoher General der vereintdeutschen Streitkräfte, sondern auch ein gebürtiger Westdeutscher im Kalten Krieg verstorbenen Sowjetsoldaten die Ehre erwies. Ein Schritt, der insbesondere abseits offizieller Termine alles andere als selbstverständlich ist. Dass es auch für die Weigt’sche Abordnung alles andere als das war, zeigte die anfängliche Verunsicherung der Herren Offiziere hinsichtlich des gewählten Anlasses. Immerhin wurde der 23. Februar, zurückgehend auf die Gründung der Roten Armee am 23.2.1918, zu Sowjetzeiten als „Tag der Sowjetarmee“ oft mit großem militärischem Gepränge begangen. Interessant war, inwiefern der ehemalige sowjetische Offizier Wassiliew dieses Unbehagen wohl gespürt hatte. Fast schon beschwichtigend stellte er gegenüber Generalmajor Weigt klar, dass es in Russland heute am 23. Februar nicht mehr um das Bejubeln der Sowjetarmee gehe, sondern das Datum vielmehr als Männertag begangen würde. Er sei sich nicht sicher, ob der Termin überhaupt geeignet sei, am Grab getöteter Sowjetsoldaten zu gedenken. Weigts Reaktion war beeindruckend und um ehrlich zu sein, stellte sie vieles von dem auf den Kopf, was ich bislang über das Militär dachte. Er antwortete:

„Wissen Sie, ich glaube nicht, dass es so etwas wie einen geeigneten Termin gibt, um Toten Respekt zu erweisen. Im Gegenteil: Manchmal ist es ehrlicher, dafür einen nicht-offiziellen Termin wie diesen zu wählen, zu dem man geht, weil einem etwas daran liegt, als zu einer offiziellen Gedenkfeier, zu der zwar hochrangige Gäste kommen, aber eben hauptsächlich, weil man das von ihnen erwartet.“

Bei der Bundeswehr scheint man zumindest in einigen Etagen verstanden zu haben, weshalb sich der FK so für den Erhalt des Nordflügels einsetzt. Am Donnerstag wurde lebendig wie nie zuvor, weshalb – wie es das immer wird, sobald die Betroffenen von damals – Besatzer, Besetzte und Neuordner – aufeinandertreffen. Nicht zuletzt das kaum merkliche Nicken der anwesenden Offiziere, als FK-Sprecher Dietmar Groschischka in seiner Ansprache auf die Notwendigkeit eines Bekenntnisses der Stadt und seiner Bürger zur eigenen Geschichte sowie des Schutzes der davon zeugenden zeithistorischen Dokumente betonte, spricht dafür. Genau zu diesem Zweck muss der Nordflügel, der am Donnerstag in Vorbereitung der Feier von den Mitgliedern des Freundeskreises von Windbruch beräumt und liebevoll mit Grabkerzen und roten Rosen geschmückt worden war, erhalten bleiben. Generalmajor Weigt jedenfalls sicherte dem Freundeskreis die Unterstützung „im Rahmen des Möglichen“ zu.

Der 75-jährige Hermann Neumerkel am Grab des Sergeanten Romanow, dessen Eltern ihn in den 70er-Jahren um Hilfe bei der Suche nach dessen Grab baten.
Der 75-jährige Hermann Neumerkel am Grab des Sergeanten Romanow, dessen Eltern ihn in den 70er-Jahren um Hilfe bei der Suche nach dessen Grab baten.Foto: D. Groschischka.

Was am Donnerstag im direkten Angesicht der unzähligen Opfer des Rüstungswettstreites des Kalten Krieges auf sowjetischer Seite an Gesprächen und Austausch entstand, ist unersetzlich. So klärte uns Wladimir Wassiliew am Grab von Gennadij Malkin darüber auf, dass der Name Malkin in Russland hauptsächlich von jüdischstämmigen Familien geführt wird. Andere Gäste wiederum, die den Nordflügel zum allerersten Mal besuchten, zeigten sich schockiert über die hohe Zahl an blutjungen Männern, die nicht im Krieg, sondern während der Besatzungszeit in Dresden umkamen.
Der ehemalige Dresdner TU-Professor Hermann Neumerkel war zur Feierstunde gekommen und hatte Briefe und Fotomaterial im Gepäck, die aus der Korrespondenz mit der Familie eines 1945 an seinen Kriegsverletzungen in Dresden verstorbenen und auf dem Garnisonfriedhof bestatteten jungen Sergeanten stammten. Neumerkel ließ sich nicht umstimmen in seinem Wunsch, mir die Originaldokumente zu übergeben: „Machen Sie was draus, Sie sind jung genug.“ Es wird mir Ehre und Vergnügen gleichermaßen sein.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus hat es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert, bis man in Deutschland langsam damit begann, sich mit dieser Epoche zu befassen, es zu einem öffentlichen Thema machte. Im Verdrängen der Vergangenheit waren die Deutschen schon immer Meister. Nur zu offiziellen Anlässen wurden Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg überhaupt ins Bild gesetzt – bis mit den 68ern langsam die Wende kam.
Was nun die Geschichte der sowjetischen Besatzung in der ehemaligen DDR betrifft, sind ganz ähnliche Verhaltensmuster zu erkennen. 20 Jahre sind vergangen, doch außer am 8. Mai spricht eigentlich niemand über jene Zeit. Stattdessen widmet man sich ausschließlich der Aufarbeitung der innerdeutschen Verwerfungen mit SED-Regime und Stasi-Überwachung. Was den Dialog zwischen Deutschland und Russland betrifft (von den anderen SU-Nachfolgestaaten mal gar nicht zu sprechen), so zeigt sich dieser fast ausschließlich vorwärtsgewandt oder thematisiert die positiven Aspekte gemeinsamer Geschichte, etwa die Präsenz russischer Künstler wie Dostojewski und Rachmaninow in Deutschland und umgekehrt über Jahrhunderte hinweg. Die 50 Jahre sowjetischer Besatzung hingegen werden ausgespart. Dass über 50 Jahre hinweg mehr als 10 Millionen Menschen anderer Nationalität auf ostdeutschem Boden weilten, wird nicht gesprochen, die Spuren jener Zeit zusehends aus der Landschaft getilgt. Und das Schlimmste daran ist, dass die Menschen, die es auf beiden Seiten betraf, bis heute zum Teil nicht miteinander Versöhnung gefeiert und mit der Vergangenheit ihren Frieden gemacht haben.
Der Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, diese Thematik endlich auf die Agenda des Petersburger Dialogs zu bringen.

Ein Jahr Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof – eine Bilanz. / Feierstunde zum 23. Februar auf dem Nordflügel mit dem Volksbund und Zeitzeugen der sowjetischen Besatzung

In der vergangenen Woche, am 14. Februar, wurde der Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof ein Jahr alt. Es war ein turbulentes Jahr, in dem seine Mitglieder – zum Großteil unerfahren vor allem in Sachen organisatorischer Vereinsarbeit – einiges erreicht haben, aber auch einiges haben lernen müssen. Unsere Bemühungen um den Erhalt des Nordflügels des Sowjetischen Garnisonfriedhofes einten uns hingegen schon seit Sommer 2010. Seit dem Frühjahr desselben Jahres existieren Pläne seitens des Freistaates, den Nordflügel einzuebnen und in eine pflegeleichte Grünfläche mit kleinem Gedenkbereich umzugestalten. Für mehr als eine Viertelmillion Euro soll wertvolles historisches Dokumentationsmaterial verschwinden, damit der Freistaat im Jahr 4000 Euro Pflegekosten spart.

Der Nordflügel des Sowjetischen Garnisonfriedhofes nach einem Arbeitseinsatz des Freundeskreises
Der Nordflügel des Sowjetischen Garnisonfriedhofes nach einem Arbeitseinsatz des Freundeskreises

Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russisschen Kulturinstitut

Als der Freundeskreis im Februar 2011 entstand, bestand er aus sechs aktiven Mitgliedern. Vier davon waren parallel auch Mitglied im Deutsch-Russischen Kulturinstitut (DRKI) in Dresden. Im Verlaufe des Jahres sollte ein fünftes zum Freundeskreis hinzustoßen und dessen Mitgliederzahl auf insgesamt sieben erweitern. Alle Mitglieder hatten sich bereits lange zuvor eigenständig um den Garnisonfriedhof bemüht und die Entwicklung seines sich seit Übergabe der Pflege an den Freistaat im Jahr 1996 rapide verschlechternden Zustandes mit Sorge verfolgt.
Der FK bemühte sich im vergangenen Jahr unermüdlich um Kontakt zum zuständigen Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), zur russischen Regierung, der die Umgestaltungspläne des Freistaates für den Nordflügel zur Genehmigung vorliegen, sowie um Kontakt zu Angehörigen der auf dem Friedhof beigesetzten Soldaten und Zivilisten und ehemals hier stationierten Soldaten und Offizieren. Nicht zuletzt ein Bewusstsein für die Problematik innerhalb der Dresdner Bevölkerung zu schaffen, bildete ein wesentliches Moment unserer Arbeit. Auf unser Bemühen in Zusammenarbeit mit dem DRKI kamen zudem hochrangige Gäste wie die Bürgermeisterin von St. Petersburg, Valentina Matwijenko, oder der Erzpriester der Gemeinde Sologubowka in St. Petersburg, die einen der größten deutschen Soldatenfriedhöfe auf russischem Boden beherbergt.

Ende letzten Jahres traten zunehmend Differenzen über die künftige Organisation des Freundeskreises zwischen dem Vorsitzendes des DRKI, Wolfgang Schälike, sowie einem weiteren DRKI-Mitglied und den übrigen Mitgliedern des FK auf. Der Freundeskreis wollte weiter als unabhängige Arbeitsgruppe arbeiten und gemeinsam gleichberechtigt über das weitere Vorgehen entscheiden, während das DRKI den FK in das Institut integrieren wollte. Auch gab es Bedenken seitens des DRKI, ob ein Drängen auf eine Revision der Abrisspläne gegenüber dem Freistaat in der bis dato praktizierten Form der richtige Weg sei. Im Dezember 2011 schied Wolfgang Schälike daher auf eigenen Wunsch aus dem Freundeskreis aus und nahm zwei enge Vertraute mit. Damit endete die enge Zusammenarbeit mit dem DRKI.

Unter dem Dach des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Im Januar 2012 begab sich der Freundeskreis als eigenständige Arbeitsgruppe unter das Dach des Stadtverbandes Dresden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. – einem über die Staatsgrenzen hinaus renommierten Verein, der weltweit die Gräber in Kriegen gefallener deutscher Soldaten pflegt und an der Aufklärung von Vermisstenfällen arbeitet. Maßgeblich für diese Entscheidung war für uns, dass wir so weiterhin gezielt an der Causa Nordflügel arbeiten konnten, ohne plötzlich nur noch eines von vielen vereinsrelevanten Themen zu sein, wie das bei einer Integration in das DRKI der Fall gewesen wäre. Zudem können wir von der immensen Erfahrung des Volksbundes in Sachen länderübergreifende Zusammenarbeit mit Behörden sowie hinsichtlich Gräberfürsorge und Forschung nur profitieren. Nach wie vor ist der Freundeskreis eigenständig, kein eingetragener Verein, erhält keinerlei Fördermittel und kann somit vollkommen unabhängig gegenüber freistaatlichen und kommunalen Behörden agieren.

Was wir erreicht haben

Zum ersten Mal jubeln durften wir im April 2011: Durch eine Antwort des Staatsministers des Inneren, Markus Ulbig (CDU), auf eine Anfrage der Linksfraktion im Landtag erfuhren wir, dass unserem im Herbst des Vorjahres beim Landesamt für Denkmalpflege eingereichten Antrag auf Ausweitung der Denkmalschutzwürde von der Hauptanlage des Garnisonfriedhofes auf den Nordflügel bereits im Dezember 2010 stattgegeben wurde. Wermutstropfen: Uns als Antragsteller hatte man damals darüber nicht informiert. Dennoch: Der Nordflügel mit seinen 600 militärischen und zivilen Gräbern trägt seither den Status eines Kulturdenkmals als wichtiges zeithistorisches Dokument der Besatzungszeit.

Mit Schreiben wandten wir uns unter anderem an den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin, der von 1985 bis 1990 die Dresdner Dependance des KGB leitete. In dem Schreiben klärten wir die russische Regierung über den veränderten Denkmalschutzstatus des Nordflügels auf, was der Freistaat bis heute nicht getan hat, und baten darum, den sächsischen Umgestaltungsplänen nicht zuzustimmen. Gleichzeitig machten wir deutlich, dass es sich hierbei um Gräber sowjetischer Staatsbürger handele, für die die SU-Nachfolgestaaten gemeinsam mit den hiesigen Behörden Sorge tragen sollten. Mithilfe von Wladimir Wassiljew, ehemals als Offizier in Königsbrück stationiert und heute im Verband der Veteranen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aktiv, gelang es, festzustellen, dass unser Schreiben von Präsident Putin über das Außen- zum Verteidigungsministerium wanderte und dort anscheinend Sympathie für unser Engagement erkennbar ist.

Aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine weitere Anfrage der Linksfraktion im sächsischen Landtag vom Sommer 2011 ging hervor, dass sich die Aufwendungen des Freistaates für Pflege und Instandhaltung sowohl der Kriegsgräberstätte als auch des Nordflügels seit Beginn unseres Engagements im Herbst 2010 vervielfacht haben. Das zeigt: Unser Einsatz hat sich gelohnt. Lagen die Pflegeaufwendungen etwa für den Nordflügel im Jahr 2010 noch bei 400 (!!) Euro jährlich, was man der Anlage durchaus ansah, lagen sie im Jahr 2011 bereits bei über 2200 Euro. Seit wir dafür sorgen, dass Menschen auch außerhalb Deutschlands sich für die Problematik interessieren und den Friedhof besuchen, ist der Freistaat bemüht, auch den Nordflügel in einem ansatzweise präsentablen Zustand zu halten.
In seinen Umgestaltungsplänen hatte der Freistaat den derzeitigen Pflegeaufwand für den Nordflügel wohlgemerkt mit 8000 Euro pro Jahr beziffert. Durch den Abriss der Gräber und der übrigen Friedhofsarchitektur sollte er auf 4000 Euro pro Jahr reduziert werden. Erstens wurden jedoch auch mit Bestehen der Friedhofsarchitektur in den vergangenen Jahren keine 8000 Euro für die Pflege ausgegeben. Zweitens würde der jetzige Pflegezustand bei gleichzeitiger Errichtung eines Wildschutzzaunes vollkommen ausreichen. Der jetzige Zustand (mit Grabmalen und Friedhofsarchitektur!) wird jedoch nachweislich mit 2000 bis 3000 Euro pro Jahr erreicht.

Der Freundeskreis hat es mit seinem Engagement in alle nur denkbaren Richtungen geschafft, die Causa Nordflügel bis zum heutigen Tage offen zu halten, dabei war der Baubeginn ursprünglich für Ende 2010/Anfang 2011 geplant. Bis dato hat die russische Regierung keine Entscheidung getroffen, und das SIB kann den Abriss der Friedhofsarchitektur nicht starten.

Unerwünschtes Bürgerengagement mit Folgen

Für den zuständigen SIB ist der Freundeskreis ein rotes Tuch. Der durch unser Engagement verursachte Aufschub des Umbaus und wiederholte Neuplanungen haben das Unternehmen Nordflügel zu einem teuren Unterfangen werden lassen, das bereits jetzt an die 100.000 Euro verschlungen hat. Dabei hat der Freundeskreis unter anderem eklatante Fehlplanungen des früheren Landesgeschäftsführers des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Sachsen, Klaus Leroff, aufgedeckt. Leroff hatte auf eigene Faust mit dem Freistaat die Umgstaltung des Nordflügels geplant – und für die angedachten Namensstelen die falschen Gräberlisten herangezogen. Dadurch war er zu dem Schluss gekommen, dass auf dem Nordflügel viel mehr – nämlich fast doppelt so viele – Menschen beerdigt sein müssten als Gräber vorhanden sind. Was Leroff übersah, war der Umstand, dass auf seinen Listen nicht nur auf dem Nordflügel Bestattete vermerkt waren, sondern auch solche von der Kriegsgräberstätte. Auf Leroffs Geheiß war seinerzeit eine Umplanung veranlasst worden, die drei weitere Stelen vorsah, um „alle Namen“ unterzubekommen. Hätten wir den SIB nicht auf den Fehler aufmerksam gemacht, hätte das verheerende und für den Freistaat vor allem peinliche Folgen haben können. Klaus Leroff ist mittlerweile nicht mehr Landesgeschäftsführer des VDK Sachsen.

Dennoch gestaltet sich das Verhältnis zwischen SIB und FK frostig. Im Mai 2011 drohte man uns im persönlichen Gespräch nach unserem Arbeitseinsatz auf dem Nordflügel vom 30. April indirekt mit einer Klage wegen Hausfriedensbruchs, sollte sich das wiederholen. Im letzten September untersagte man uns unter Angabe fadenscheiniger Gründe (Haftungsrisiko zu hoch), auf dem Friedhofsgelände zum Tag des Friedhofes bzw. des offenen Denkmals das Abhalten einer Ausstellung zur Geschichte des Sowjetischen Garnisonfriedhofes, der im selben Jahr 65 Jahre alt wurde. Wir mussten auf den Parkplatz gegenüber dem Friedhof ausweichen. Das SIB schickte eine „Streife“, die unsere Aktion überwachte und im Bild festhielt. Des Weiteren versuchte man uns quasi zu erpressen, indem man uns vor die Wahl stellte: Entweder wir akzeptierten die Umgestaltungspläne des Freistaates, oder es geschehe in der nächsten Zeit bis zur Entscheidung der russischen Seite überhaupt nichts mehr am Friedhof. Auf Anfragen zum neuesten Stand gibt der SIB keine Auskunft.
Bis heute hat der SIB die russische Seite nicht über den Denkmalschutzstatus des Nordflügels informiert. Stattdessen deutete man an, dass man erst grünes Licht für den Umbau haben wolle, den Denkmalschutz würde man danach „fragen“. Derzeit prüft der Freundeskreis die Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung für den Fall eines unerwarteten Baustarts auf dem Nordflügel.

Aktivitäten 2012

Die Erforschung von Lebensbedingungen und Todesumständen auf dem Nordflügel beerdigter Soldaten wie Gennadij Malkin (Bild) ist ein wesentliches Ziel des Freundeskreises
Die Erforschung von Lebensbedingungen und Todesumständen auf dem Nordflügel beerdigter Soldaten wie Gennadij Malkin (Bild) ist ein wesentliches Ziel des Freundeskreises
Auch im neuen Jahr war der Freundeskreis bereits rege beschäftigt. Am 23. Februar (Donnerstag) haben wir um 14 Uhr eine kleine Feierstunde auf dem Nordflügel organisiert. Dies geschieht anlässlich des an diesem Datum in Russland begangenen Tages der Verteidiger der Heimat. Zu Sowjetzeiten hieß er Tag der Sowjetarmee. Wir wollen den Tag nutzen, um weiter auf die drohende Vernichtung des Nordflügels aufmerksam zu machen. Und um den Bogen zum russischen Feiertag zu schlagen: 400 dieser damaligen Verteidiger der Heimat fanden auf dem Nordflügel ihre letzte Ruhe. Bis heute weiß man fast nichts über ihre Lebensbedingungen hinter den Kasernenmauern der Dresdner Garnison in den 50er- bis 70er-Jahren. Noch viel weniger weiß man über die Umstände ihres frühen Todes. Wir wollen an ihr Schicksal erinnern und auf die Notwendigkeit einer vollumfänglichen Aufarbeitung der Besatzungszeit in Dresden aufmerksam machen.
Doch so nahe wie heute an der Aufklärung zumindest eines der Schicksale war der Freundeskreis nie zuvor. Es ist uns gelungen, einen Zeitzeugen zu finden (oder besser gesagt: er hat uns gefunden), der in Kontakt zu einer Familie eines hier in den 50er-Jahren stationierten sowjetischen Wehrpflichtigen steht, der im Jahr 1954 ums Leben kam und auf dem Nordflügel beerdigt wurde. Herr Neumerkel wird gemeinsam mit Vertretern des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Dresden zur Feierstunde erwartet, um über seine Erfahrungen zu sprechen und das Grab des Soldaten zu besuchen.
Jeder, dessen Interesse für unsere Arbeit geweckt wurde, ist ebenfalls herzlich eingeladen, am 23. Februar um 14 Uhr auf den Nordflügel des Sowjetischen Garnisonfriedhofes an der Marienallee zu kommen.

Update: Schutz des Zivilteils des Garnisonfriedhofes vor Abriss und Umgestaltung.

Eine Eingabe zur Ausweitung des Denkmalschutzes für den Garnisonfriedhof von der Kriegsgräberstätte auf den Nordflügel ging im September 2010 an das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege. Darin wurde geschildert, wie wichtig der Erhalt eines zeithistorisch in Dresden einmaligen Ortes ist und dass eine Trennung in Kriegsgräberstätte und „Zivilteil“, wie es im offiziellen Behördendeutsch der Fall ist, unsinnig ist, da die Linie zwischen Kriegsgräber und Nichtkriegsgräber selbst auf der unter Denkmalschutz stehenden Kriegsgräberstätte im Zickzack verläuft.
Im April erfuhr der zwischenzeitlich gegründete Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof in Dresden aus einer Antwort der sächsischen Staatsregierung an die anfragende Linksfraktion im Landtag, dass das Landesamt für Denkmalpflege bereits im November 2011 dieses Ersuchen positiv beschieden und die Anpassung der Liste der Dresdner Kulturdenkmäler um den Nordflügel beschlossen hatte. Der Freistaat Sachsen informierte über diese Entscheidung weder den Freundeskreis als Antragssteller noch das Deutsch-Russische Kulturinstitut, das sich seit 1993 um den Garnisonfriedhof bemüht und eigentlich auch bei den Gesprächen über die Zukunft des Nordflügels mit am Tisch sitzen sollte. An das Sächsische Immobilien- und Baumangement (SIB) als verantwortliche Institution für die Umgestaltungspläne, die den Abriss der Grabmale vorsehen, gab das Landesamt für Denkmalpflege diese für den Umgestaltungsprozess essenziell wichtige Information nach SIB-Angaben erst Mitte März 2011 weiter.

Im Gespräch zwischen Vertretern des SIB und dem Freundeskreis, dem auch zwei Mitglieder des Deutsch-Russischen Kulturinstitutes angehören, am 12. Mai 2011 war die Verachtung des Freistaates für das bürgerschaftliche Engagement des Freundeskreises zum Erhalt des Nordflügels unüberhörbar. Unter anderem attestierte man mir als für den Freundeskreis anwesende Journalistin unlautere Methoden („wahrscheinlich haben sie da irgendwo ein Tonbandgerät mitlaufen“) und machte den Freundeskreis offen dafür verantwortlich, dass die Umgestaltungspläne bis heute nicht von der russischen Seite abgesegnet seien und durch den veränderten Denkmalschutzstatus zusätzlich ins Stocken gerieten. Die russische Seite, der derzeit der aktuelle Entwurf für den Nordflügel zur Prüfung vorliegt, wurde über diesen veränderten Status bis heute nicht informiert. Auf Anfragen reagiert der SIB ausweichend.
Man warf uns in Geheimdienst-Manier Fotos unseres am 30. April stattgefundenen Arbeitseinsatzes auf dem Nordflügel auf den Tisch und meinte, dies sei gesetzeswidrig gewesen. Wir hatten den Arbeitseinsatz initiiert, weil der 8. Mai anstand und der SIB bis dahin keine Anstalten unternommen hatte, wie versprochen den Nordflügel herzurichten. Just am Tag vor dem Einsatz hatte man einen Gärtnertrupp über das Gelände gescheucht, der in Windeseile Rasen mähte und Sträucher zurückschnitt, die in jahrelangem Wildwuchs Grabmale vollkommen überwuchert hatten – natürlich außerhalb der gesetzlich dafür zulässigen Gehölzschnittzeiten (30.9.-31.3.) – wo wir schon bei Gesetzeswidrigkeiten wären.

Fazit: Der Freundeskreis versteht nicht, warum der Steuerzahler für die Zerstörung eines zeithistorisch wertvollen Friedhofes und die Errichtung eines seelenlosen Gedenkschreins, der über Bestattungs- und Trauerkultur zur Besatzungszeit keinerlei Auskunft mehr geben wird, eine Viertelmillion Euro zahlen soll. Es sind für jedes Grab Grabsteine vorhanden, die sich in hervorragendem Zustand befinden, ihr Abriss ist vollkommen irrational und aus kulturwissenschaftlicher Perspektive als absoluter Frevel zu bezeichnen. Alles, was der Nordflügel an Instandsetzung bräuchte, ist die Errichtung eines stabilen Zaunes zum Schutz vor Wildbefall sowie etwas Auslichtung und Grünflächensanierung. Dies wären einmalige Arbeiten, die um ein Vielfaches weniger Kosten verursachen würden als die geplante Generalumgestaltung.
Auch das Argument der aufwendigeren Pflege bei Belassen der Grabsteine ist nicht nachvollziehbar. Der Freundeskreis und auch das Deutsch-Russische Kulturinstitut haben mehrfach dem Freistaat ihre Unterstützung bei der Pflege und Instandhaltung des Nordflügels angeboten. Der Arbeitseinsatz vom 30.4. sollte dieses Angebot unterstreichen. In Kooperation mit grenzübergreifenden Schüler- und Migrantenprojekten soll künftig ein großer Teil der Pflege des Nordflügels ehrenamtlich – also ohne Kosten für den Freistaat – bewerkstelligt werden. der Freistaat nimmt dieses Angebot weder an noch ernst, er belächelt es vielmehr als halbseiden und unzuverlässig. An dieser Reaktion kann man erkennen, was das Ehrenamt in einem Land, in dem praktisch permanent die vorgebliche Bedeutsamkeit des Ehrenamtes besungen wird, tatsächlich wert ist: nämlich gar nichts, wenn es nicht imstande ist, Aufgaben mit derselben chirurgischen Präzision zu meistern, wie das Prinzp „kurzer Prozess“, mit dem der Freistaat das Thema „Nordflügel des Garnisonfriedhofes“ ein für allemal vom Tisch haben will.

Subbotnik.

Wie geplant, haben der Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof in Dresden und das Deutsch Russische Kulturinstitut (DRKI) am Sonnabend, dem 30. April, auf dem Nordflügel des Garnisonfriedhofes einen sogenannten „Subbotnik“, also einen freiwilligen Arbeitseinsatz, durchgeführt. Bei herrlichstem Sonnenwetter versammelten sich etwa 20 Personen, um den Nordflügel für die Feierlichkeiten zum 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes in Europa, herzurichten. Vor allem Kriegsveteranen und ihre Familien, aber auch ehemals hier stationierte Sowjets waren gekommen. Der älteste Teilnehmer war ein 90-jähriger Mann, der die Blockade von Leningrad (1941-1943) er- und überlebt hat. Der jüngste war der neunjährige Daniel.

Zwei Gäste waren eigens aus Russland bzw. Tschechien angereist: Wladimir Wassiljew (49) aus Moskau war von 1987 bis 89 Leiter des Fernsehzentrums in der Garnison des 40. Gardepanzerregiments in Königsbrück, der Weißrusse Eduard Mojsak (40) lebte als Kind mit seinem hier als Offizier stationierten Vater und der Familie in Dresden-Klotzsche und besuchte dort die sowjetische Grundschule Nr. 15. Beide waren extra mit dem Auto angereist, um beim Arbeitseinsatz mitzuhelfen. Es wurde viel geschafft, und ich habe noch eine Woche danach meine Knochen gespürt.

Viel geschafft hatte in der Woche zuvor auch das Sächsische Immobilien- und Baumanagement. Erstmals seit vielen Jahren wurde nicht nur die Kriegsgräberstätte, sondern auch unser Neudenkmal, der Nordflügel, aufwendig instand gesetzt. So wurde der Wildwuchs um völlig eingewachsene Grabmale entfernt, viele Gräber waren zum ersten Mal seit Jahren wieder zugänglich. Für eine Schönheitskur haben dann die Subbotniki am 30. April gesorgt. Hier einige Fotos vom Einsatz:

Gisela Wedekind vom Freundeskreis an unserem Modell-Feld
Gisela Wedekind vom Freundeskreis an unserem Modell-Feld
Gisela und ich - beide FSGiD.
Gisela und ich - beide FSGiD.
Vitali Kolesnyk vom DRKI.
Vitali Kolesnyk vom DRKI.
Eduard Mojsak aus Prag und Wladimir Wassiljew aus Moskau.
Eduard Mojsak aus Prag und Wladimir Wassiljew aus Moskau.
Subbotniki (nicht vollzählig).
Subbotniki (nicht vollzählig).
Das Modell-Feld nach getaner Arbeit.
Das Modell-Feld nach getaner Arbeit.
Gemeinschaftsproduktion von Bürgern und SIB.
Gemeinschaftsproduktion von Bürgern und SIB.
Edik und Wladimir bei den Kindergraebern, rechts Philipp.
Edik und Wladimir bei den Kindergraebern, rechts Philipp.
Edik, ich, Wladmir nach getaner Arbeit.
Edik, ich, Wladmir nach getaner Arbeit.

Frieden.

Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, der sollte dem Garnisonfriedhof an der Marienallee unbedingt im Winter einen Besuch abstatten. Nirgends ist es ruhiger, friedlicher und feierlich als dort, wenn der Schnee zentimeterhoch alles bedeckt, beinahe jedes Geräusch verschluckt und dabei im stahlenden Sonnenschein glitzert und funkelt. Kaum ein Ort hätte den Namen „FRIEDhof“ mehr verdient.

Der Schnee deckt gnädig die Spuren der Verwahrlosung im Nordflügel zu.
Der Schnee deckt gnädig die Spuren der Verwahrlosung im Nordflügel zu.

Heiße Phase im Friedhofsstreit beginnt.

Am Donnerstag – zu Fastnachtsbeginn – fand im Ministerium für Soziales ein inoffizieller Termin zum Garnisonfriedhof statt. Nichts Genaues wurde über die tatsächlichen Teilnehmer bekannt, außer, dass Ministerium, Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) und Herr Leroff vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beteiligt waren. Von Herrn Leroff erfuhr ich, dass Argumente und Wünsche der „russischen Seite“ betreffs die Umgestaltung des Nordflügels gehört und dann eine Entscheidung getroffen werden sollten. Baubeginn soll wohl je nach Wetterlage Anfang nächsten Jahres sein – da kann man eigentlich nur auf einen langen, harten Winter hoffen. Die russische Seite (Konsulat und Botschaft) hingegen haben uns versichert, nach wie vor zu keiner Entscheidung gekommen zu sein, und auch von einem Termin im Sozialministerium vom 11.11. wüsste man nichts.

Nach langem Hin und Her, vielen Beratungen und einer Phase des Werbens um Aufmerksamkeit und Interesse für die von Zerstörung bedrohten Grabmale aus den 50er- bis 80er-Jahren im Nordflügel des Garnisonfriedhofes ist es nun so weit: In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Kulturinstitut (DRKI), dem Verein Echo e. V. und mit der Unterstützung vieler weiterer Institutionen und BürgerInnen wurde nun eine Eingabe an das Sächsische Staatsministerium des Inneren verfasst, die in der kommenden Woche dort eingehen wird. Das DRKI hat freundlicherweise seinen Briefkopf zur Verfügung gestellt und fungiert somit als Hauptinitiator.

Darin wird zum einen Kritik an der Art und Weise geübt, wie der Freistaat über viele Jahre hinweg nicht nur den Nordflügel dem Verfall, sondern auch die Kriegsgräberstätte – trotz Bundesförderung nach dem Gräbergesetz – zusehends der Verwahrlosung preisgibt.
Des Weiteren wird punktweise stichhaltig argumentiert, weshalb wir mit den derzeitigen Plänen des Freistaates für die Umgestaltung, zumindest was den Abriss der Grabmale betrifft, nicht einverstanden sind.
Zu guter Letzt wird dargelegt, weshalb wir der Ansicht sind, dass der Friedhofsteil unter Denkmalschutz gestellt werden sollte.

Es ist zudem gelungen, sowohl im Dresdner Amt für Kultur und Denkmalschutz sowie im Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Unterstützer für unser Anliegen zu finden. Der Dresdner Verband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die Petition – entgegen der Position seines Landesverbandes – ebenso unterzeichnet wie der Erzpriester der Russisch-Orthodoxen Gemeinde Dresden und einige weitere Vereine von deutscher wie russischer Seite.
Anmerkung: Wie jetzt erst bekannt wurde, wurde die Petition den zuvor benannten beiden Institutionen entgegen zuvor lautenden Aussagen des DRKI doch nicht zur Unterschrift vorgelegt, sondern in der oben sichtbaren Fassung eingereicht.

Deutscher Soldatenfriedhof Sologubowka bei St. Petersburg. Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Deutscher Soldatenfriedhof Sologubowka bei St. Petersburg. Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Sowjetischer Soldatenfriedhof in Dresden.
Sowjetischer Soldatenfriedhof in Dresden.
Neu errichteter deutscher Soldatenfriedhof in Kursk.
Neu errichteter deutscher Soldatenfriedhof in Kursk. Quelle: www.weltkriegsopfer.de.

Nachfolgend der exakte Wortlaut des Dokumentes:

Sächsisches Staatsministerium des Inneren

Betrifft: Pläne des Freistaates Sachsen zur Umgestaltung des Nordflügels („Zivilteil“) des Garnisonfriedhofes der Sowjetischen Armee an der Marienallee, Dresden-Albertstadt

Ersuchen um die Verleihung der Denkmalschutzwürde für den Nordflügel

Sehr geehrte Frau xxxxx,

als bürgerschaftliche Interessengemeinschaft, die sich zusammengefunden hat, um das historische Erbe unserer schönen Stadt Dresden in all seinen Facetten zu schützen, zu erhalten und zu erforschen, um auch künftig eine gewinnbringende Auseinandersetzung und Aufarbeitung vergangener Epochen zu ermöglichen, wenden wir uns mit folgendem Anliegen an Sie.

1. Zustand des Garnisonfriedhofes, insbesondere des Nordflügels

Zum einen möchten wir unsere Bestürzung über den derzeitigen desolaten Zustand des Garnisonfriedhofes der Sowjetischen Armee, insbesondere des im Norden gelegenen Anbaus aus der Zeit der Besatzung (der sogenannte „Zivilteil“), zum Ausdruck bringen.
Wir sind der Ansicht, dass der derzeitige Zustand des Friedhofes im Allgemeinen – sowohl auf der unter Denkmalschutz stehenden Hauptanlage, noch ausgeprägter aber auf dem „Zivilteil“ – in keinster Weise hinnehmbar ist. Auf dem gesamten Friedhof zeigen sich schwere Spuren von Vernachlässigung. Seit der Freistaat die Verwaltung des Geländes 1994 übernommen hat, wurde kein stabiler Zaun errichtet – Wildschäden prägen das Bild auf dem gesamten Areal. Für die Pflege erhält der Freistaat Bundesmittel unter anderem nach dem Gräbergesetz für den Erhalt der Kriegsgräber. Eine zweckorientierte Verwendung kann allerdings seit Jahren nicht wesentlich festgestellt werden.

Einige Beispiele:
Seit Monaten ist die Türklinke des Haupttores auf der Außenseite abgebrochen.
Die zur Heide hin installierten Maschendrahtzäune sind seit Jahren an mindestens drei verschiedenen Stellen zerstört.
Ende September wurde auf der Kriegsgräberstätte der Rasen gemäht, die zentimeterhoch aufgewühlte Erde wurde hingegen nicht angetastet.
Der einzige Wasserhahn auf der Kriegsgräberstätte funktioniert seit ewigen Zeiten nicht mehr, das Gleiche gilt für die Wasserhähne auf dem Nordflügel, eine Grabpflege vor Ort – etwa durch Angehörige – ist so gar nicht möglich.

Noch weitaus schlimmer stellt sich die Lage auf dem Nordflügel dar: Dass sich dort über 600 Gräber von Frauen, Kindern und zumeist sehr jungen Soldaten befinden, ist an vielen Stellen kaum mehr auf den zweiten Blick zu erkennen. Wege sind zugewachsen, Grabfelder völlig von Unkraut überwuchert und die Grabmale durch ausufernde Wildschweinsuhlen zumeist verschüttet und abgesunken. Der stiefmütterliche Umgang mit den Gräbern ehemaliger sowjetischer Bürger hier in Ostdeutschland hat gerade in den ehemaligen Sowjetrepubliken für Bestürzung sorgt.

Bekanntlich sieht nun auch der Freistaat Sachsen Handlungsbedarf. Das Vorhaben, das Areal endlich mit einem Wildzaun einzufrieden, begrüßen wir auf das Ausdrücklichste. Diese lange aufgeschobene Maßnahme wird in Zukunft helfen, gravierende Wildschäden zu vermeiden. Auch die angedachte grundlegende Instandsetzung des Areals, das Anlegen gepflegter Grünflächen sowie das Reduzieren des Wildwuchses begrüßen wir ausdrücklich.

Inakzeptabel ist für uns hingegen die Tatsache, dass diese Umgestaltungsmaßnahmen mit dem Abriss der Grabmale einhergehen sollen, um die künftigen Pflegekosten so gering wie möglich zu halten.
Wir sind der Ansicht, dass es zum einen aus ethischen Gründen nicht akzeptabel ist, bestehenden Gräbern einfach ihren Gedenkstein zu nehmen, als dem Inbegriff dessen, was von den Verstorbenen verblieben ist: ihre Namen, ihre Lebensdaten, in Einzelfällen ihr Bildnis und in vielen die in steinerne Worte gegossene Trauer derer, die zurückblieben. Selbst auf städtischen Friedhöfen wird dies so nicht gehandhabt: Entweder werden die Gräber komplett eingeebnet und wieder für Beerdigungen freigegeben, oder sie bleiben eben komplett erhalten und stehen unter Denkmalschutz (siehe etwa Elias-Friedhof).
Des Weiteren sind wir der Ansicht, dass gerade die Grabsteine einen erheblichen historischen und kulturellen Wert darstellen, der mit ihrer Vernichtung unwiederbringlich verloren ginge. Nur, wenn die Grabanlagen insgesamt in ihrer Ursprünglichkeit bestehen bleiben, ist ein Nachvollziehen und Erleben der Lebensumstände und der Bestattungskultur während der vergangenen Epoche der sowjetischen Besatzungszeit in der Dresdner Garnison möglich.

2. Denkmalschutz für den Nordflügel

Zum zweiten möchten wir daher im Interesse eines möglichst dauerhaften Erhaltes des Friedhofscharakters des Nordflügels in seiner Ursprünglichkeit dazu auffordern, das Areal nicht länger wie ein Stiefkind der Hauptanlage zu behandeln und es endlich wie eben jene unter Denkmalschutz zu stellen.
Es erschließt sich uns nicht, wie man eine Anlage, die von 1946 bis 1987 ein und demselben Zweck diente – nämlich der Bestattung jener Militärangehörigen und ihrer Verwandten, die ohne den von Deutschland verschuldeten Zweiten Weltkrieg nie hier stationiert gewesen wären –, derart nach ihrer vermeintlichen Wertigkeit spalten kann. Diese Spaltung hat zu dem als irrational zu bezeichnenden Umstand geführt, dass heute ein Grab eines 1965 in Dresden verstorbenen Offiziers (also nach Gräbergesetz kein Kriegstoter), das auf dem Südwestflügel des Friedhofes Platz fand, unter Denkmalschutz steht, das Grab eines 1952 verstorbenen 18-jährigen Rekruten auf dem Nordflügel hingegen nicht, welches deshalb dem Verfall preisgegeben ist und nun durch den Abriss des Grabsteins anonymisiert werden soll.
Im Übrigen sind wir der Überzeugung, dass bereits die Unterscheidung zwischen „militärischem“ und „Zivilteil“, wie im Beamtendeutsch üblich, irreführend und schlichtweg falsch ist, da auf dem Nordflügel zu zwei Dritteln Soldaten begraben liegen (gezählt wurden 405 Soldatengräber und etwa 200 von Zivilisten), die zudem während der Besatzungszeit aufgrund des Kalten Krieges in ständiger Mobilmachung und unter Waffen standen und die Einheiten auf einen Kriegseinsatz permanent vorbereitet wurden. Es handelt sich also in der Tat mehrheitlich um militärische Gräber, deren Errichtung aufgrund des bestehenden Kalten Krieges als unmittelbarer Folge des Zweiten Weltkrieges sowie diverser unschöner Umstände des Militäralltages notwendig wurde.
Die Unterscheidung zwischen Kriegsgräbern und Nicht-Kriegsgräbern als Kriterium für die Verleihung der Denkmalschutzwürde wird allein schon durch die fließenden Grenzen zwischen beiden auf der Hauptanlage ad absurdum geführt, wo neben den knapp 1250 Kriegstoten auch etwa 250 nach dem 31.3.1952 Verstorbene begraben sind.

Warum ist der Nordflügel unter Denkmalschutz zu stellen?

1.
Der Nordflügel gehört untrennbar zum bereits unter Denkmalschutz stehenden Rest der Anlage. Schon aus der chronologischen Abfolge der Bestattungen auf dem gesamten Friedhof ist erkennbar, dass es keine ursprüngliche Trennung zwischen einer Anlage für die Kriegstoten und einer für später Verstorbene gab. Vielmehr ist man pragmatisch vorgegangen und hat aus Platzgründen die Anlage nach allen Seiten erweitert. Eine Abgrenzung ist allenfalls zwischen höheren und niederen Dienstgraden erkennbar: Während die Offiziere bis zur Reform des Sowjetischen Militärs 1967 und der dabei beschlossenen Rückführung verstorbener Militärangehöriger in die Heimat ausschließlich mit aufwendigen Grabmalen auf der Hauptanlage bestattet wurden, die sich von den Grabmalen der Kriegsgefallenen höherer Ränge mitnichten unterschieden, wurden die einfachen Soldaten in großer Zahl auf der nördlichen Erweiterung beigesetzt.

2.
Die Grabmale auf dem Nordflügel bestehen aus naturbelassenem rotem Quarzporfyr mit aufwendig herausgearbeiteten, erhabenen Beschriftungen. Selbst nach 20 Jahren der Verwahrlosung sind die meisten davon noch sehr gut erhalten. Die Inschriften sind in kyrillischer Schrift verfasst und stellen in solch großer Zahl in Dresden eine absolute Rarität dar. Lebensdaten und Dienstgrade geben wertvolle Aufschlüsse über die Lebensverhältnisse in der damaligen Garnison. Die Grabmale bieten einen wahren Fundus an Informationen für Historiker und Wissenschaftler. Der Nordflügel ist Teil des einzigen Dresdner Friedhofes, auf dem ausschließlich nicht-deutsche Staatsangehörige begraben sind.

3.
Der Nordflügel ist landschaftsarchitektonisch planvoll und gestalterisch aufwendig in die Hanglage des oberen Prießnitzgrundes eingepasst. Die terrassenförmig gestaltete Anlage mit viel altem Baumbestand sowie sandsteingefassten Grabfeldern und Wegen stellt ein Kleinod landschaftsbaulicher Handwerkskunst dar. Anderenorts – etwa in Russland – werden solche Anlagen heute teuer und aufwendig errichtet, sobald ein weiteres Massengrab deutscher Wehrmachtssoldaten aus dem 2. Weltkrieg entdeckt wird. In Dresden hat man eine solche Anlage bereits – und möchte sie nun ihrer wesentlichen Struktur berauben.

4.
Der Nordflügel stellt ein Zeitzeugnis einer in sich abgeschlossenen historischen Epoche Dresdner Geschichte dar. Er dokumentiert die Existenz und den Umgang mit Lebenden wie Toten von Menschen einer anderen Nation, die hier fast ein halbes Jahrhundert lang gelebt haben. Und er dokumentiert die Wirkmechanismen einer totalitären, auf ständige Wehrhaftigkeit getrimmten Diktatur nach innen.

Uns lässt der Gedanke keine Ruhe, dass man Menschen, die während der SED-Diktatur Unrecht erfuhren, Denkmäler setzt, weil es der politischen Leitlinie entgegenkommt, während man Menschen, die zur gleichen Zeit, zumeist unbemerkt von der Öffentlichkeit, teils unter unmenschlichen Bedingungen den Tod fanden, vergisst bzw. nicht einmal Willens ist, ihre Gräber zu erhalten, weil es sich um keine deutschen Opfer handelte, sondern um Angehörige der kommunistischen Besatzungsmacht, die heute immer noch synonym für ein äußerst diffuses, wenig differenziertes Feindbild steht.
Mit dem Garnisonfriedhof ist uns Dresdnern eine Möglichkeit gegeben, an den Gräbern der Toten über die Folgen von Diktatur und Militarismus aufzuklären, die für Menschlichkeit oft keinen Platz ließen. Aber auch eine Möglichkeit, uns zu erinnern an die Zeit der Besatzung und das oft problematische Zusammenleben, geprägt von Misstrauen und ideologisch konstruierten Freund- und Feindbildern, das nur selten Raum für tatsächliche Annäherung bot.

Nicht zuletzt das Deutsch-Russische Kulturinstitut steht heute für eben jenen Gedanken gelebter Annäherung zwischen Deutschen und ehemaligen Sowjets, zwischen Kriegsschuldnern und Besatzern. Es gibt viele Ideen für Jugendprojekte und integrationsfördernde Maßnahmen etwa für Migranten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, in die die ehrenamtliche Pflege des Zivilteils des Garnisonfriedhofes im Rahmen von Bildungs- und Begegnungsseminaren und auch als aktives Erleben eines Teils eigener Geschichte eingebunden werden könnte.
Es ist uns wichtig, den Friedhof auch für Informations- und Aufklärungsarbeit zu nutzen, Menschen, die die Vergangenheit aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben, ins Gespräch zu bringen und somit auch zum Abbau der allgemeinen Situation der Scham und des Schweigens über jene Zeit beizutragen.

Als historisches Zeitzeugnis von derartiger Bedeutsamkeit ist der Garnisonfriedhof als untrennbare Einheit zu betrachten und daher insgesamt unter Denkmalschutz zu stellen, um seinen dauerhaften Erhalt zu garantieren.

Die Unterzeichner:

Deutsch-Russisches Kulturinstitut, Herr Dr. Wolfgang Schälike:

Verein European Culture and Hospice Oganizations, Frau Prof. Dr. Ingrid-Ulrike Grom:

Frau Jane Jannke, freie Journalistin:

im Namen vieler weiterer Kulturfreunde, die derzeit in einer separaten Unterschriftenliste ihre Unterstützung bekunden.

Keiner der 4 Wasserhähne auf der Anlage funktioniert mehr.
Keiner der 4 Wasserhähne auf der Anlage funktioniert mehr.
Die Türklinke des Haupttores ist seit Monaten defekt.
Die Türklinke des Haupttores ist seit Monaten defekt.

Die Liste der Unterzeichner ist derweil noch angewachsen, die aktuelle Fassung liegt mir noch nicht vor, da Herr Dr. Schälike bis gestern noch von Pontius nach Pilatus unterwegs war, um alle Unterzeichner zu erreichen.

Wer diese Eingabe und damit den Erhalt der Grabstätten seinerseits unterstützen möchte, kann dies jederzeit im Deutsch-Russischen Kulturinstitut Dresden, Zittauer Straße 29, 01099 Dresden, tun. Dort liegen seit gestern Unterschriftenlisten aus.
Für ein Gespräch und einen Kaffee wird man dort gern Zeit haben.

Es bleibt nun, zu hoffen, dass man an entscheidender Stelle zugänglich für Argumente und zur Zusammenarbeit mit Vereinen und Bürgern bereit sein wird.

Blumen zum 45. Todestag. Worotynzew, Nordflügel.
Oktober: Blumen zum 45. Todestag. Worotynzew, Nikolai Kuzmich. Nordflügel.

Oktober: Blumengruß nach 65 Jahren, Kriegsgräberstätte.
Oktober: Blumengruß nach 65 Jahren, Kriegsgräberstätte.

Da wiehert der Amtsschimmel.

Bekanntlich sollen ja im Sowjetischen Garnisonfriedhof die Grabsteine abgerissen werden, weil die Pflege, für die ab 2011 übrigens mit dem Amt für Stadtgründ und Abfallwirtschaft die Stadt Dresden zuständig sein soll, dann weniger aufwendig und damit billiger ist. Aber irgendwo muss man schließlich das Geld, das man anderswo ins Blaue pulvert, wieder reinholen – wieso also nicht bei den verwitterten Gräbern der ehemaligen Besatzer?

Denn: Abgerissen wurde soeben in unserer schönen Stadt auch etwas ganz anderes: ein guter Teil der gerade erst für teures Geld (200.000 Euro) errichteten Flutschutzmauer in der Dresdner Friedrichstadt. Gut 20.000 Euro einfach zum Fenster rausgeworfen, weil man – sorry – schlichtweg zu blöd war, eine ordentliche Planung hinzulegen, die die an dieser Stelle geplante Straßenbahntrasse zum Messegelände berücksichtigt.

Weiteres Beispiel: Das sogenannte „Wiener Loch“ am Dresdner Hauptbahnhof. Seit Mitte der 90er-Jahre dümpelt die riesige Baugrube als Investitionsleiche vor sich hin. Zig Nutzungsmodelle kamen und gingen – keins wurde bislang verwirklicht. Allein die Sicherung des Lochs verschlingt seit über 15 Jahren monatlich 30.000 Euro an Steuergeldern – hochgerechnet auf 15 Jahre satte 5,5 Millionen Euro. Millionen wurden bislang zusätzlich investiert – ohne, dass es zu einem Ergebnis geführt hätte, das zur Refinanzierung taugte. Der Bund der Steuerzahler hat das Millionengrab deshalb in sein Schwarzbuch der Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. Die Baugrube erobert sich mittlerweile die Natur zurück – die wohl teuerste städtisch und staatlich geförderte Renaturierungsmaßnahe, die es in Dresden je gegeben hat.

Beispiel 3: Die 39. Grundschule auf der Schleiermacherstraße in Dresden-Plauen. 2005/06 wurde das über 130 Jahre alte Gebäude für mehr als eine halbe Million Euro saniert. Allerdings derart schlampig, dass die Schule nur 4 Jahre nach ihrer Wiedereröffnung im April dieses Jahres wegen akuter Einsturzgefahr erneut geschlossen werden musste. Für knapp 1 Million Euro muss die Schule nun erneut und dieses Mal so saniert werden, wie dies bereits 2006 hätte erfolgen sollen. Auf die Idee, die Statik zumindest einmal gründlich zu prüfen, ist man bei der damaligen Instandsetzung anscheinend gar nicht erst gekommen.

Beispiel 4: Waldschlösschenbrücke. 120 Millionen Euro sollte sie ursprünglich kosten – bei Weitem genug, das Land Sachsen wollte die Brücke mit 96 Millionen Euro bezuschussen. Die neuesten Kostenprognosen stehen dank unzähliger Planungspannen und leichtfertiger Versäumnisse der Stadt Dresden mittlerweile bei stolzen knapp 160 Millionen Euro – 40 Millionen mehr als eingangs veranschlagt. Es würde nicht verwundern, dass bei einer derart dillettantischen Planung und Durchführung der Stadt Dresden der entgültige Kostenpunkt bis zum Jahr der Fertigstellung auf 200 Millionen Euro klettern würde.

So hätte man dann in Dresden in nicht mal 20 Jahren mit nur vier ausgewählten Projekten stattliche knapp 100 Millionen Euro Steuergeld verschwendet, verjubelt, einfach in den Orkus geblasen – und auf einer historischen Stätte reißt man nun die Grabsteine aus der Erde, um im Jahr einen fünfstelligen Betrag an Pflegeaufwand zu sparen.
Für so viel Dilettantismus stifte ich spontan den Wiehernden Amtsschimmel – den neuen Bürgerpreis für besonders ineffiziente und bigotte Finanz- und Verteilungspolitik von Kommunen.

Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de
Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de

P. S.: Vielleicht möchte jemand eine entsprechende Büste sponsern? Den organisatorischen Part übernehme ich 😈

Mehr Demokratie wagen?

Nicht, wenn es nach der schwarz-gelben Regierung des Freistaates Sachsen geht, wie es scheint. Wie demokratisch unser schönes Land wirklich ist, das weiß man tatsächlich erst dann, wenn man einmal versucht hat, sich politisch einzubringen und zwar in eine Richtung, die der Position der Entscheidungsträger zuwiderläuft.
Zu Zeiten klammer Kassen ist der Bürgerwille zudem umso lästiger, bedeutet er doch eigentlich zumeist, dass man vom eigenen Kurs abweichen müsste, der im Falle der schwarz-gelben Sachsen-Koalition lautet: Lieber noch ein wenig mehr an Kultur, Sozialem, der Umwelt und dem Bürger sparen, als teure Image-Kampagnen, Leuchtturm-Förderung, Infrastruktur- und Tourismusprojekte einzuschränken oder gar am eigenen Verwaltungsapparat zu kürzen.

Was tut der Freistaat also, wenn er durch unliebsame Bürgerinitiativen Gefahr läuft, in seiner Sparwut etwa in kulturellen Fragen ausgebremst zu werden? Ganz einfach: Man sperrt jene Vereine und Personen, die unbequeme Fragen stellen und Positionen vertreten, die den Plänen des Freistaates im Wege stehen, einfach aus und verhandelt ausschließlich mit jenen darüber, die man auf seiner Seite weiß.

So läuft es derzeit zur Frage, wie zukünftig mit dem russischen Garnisonfriedhof an der Marienallee verfahren werden soll. Als Produkt von Übereinkommen, die mit der Sowjetunion und der DDR zwischen zwei Staaten getroffen wurden, die seit 20 Jahren nicht mehr existieren, befindet sich zumindest der nicht unter Denkmalschutz stehende Zivilteil heute quasi in einem rechtsfreien Raum. Niemand will ihn haben, niemand fühlt sich verantwortlich. Zuständig ist notgedrungen der Sächsische Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB), doch macht man dort kein Hehl daraus, dass man den lästigen Kostenproduzenten am liebsten los wäre.
Da man jedoch mit einer kompletten Räumung die russische Seite verprellen würde, sieht der Kompromiss nun so aus, dass der Zivilteil zwar erhalten werden soll, jedoch nur unter Abriss der oberirdischen Grabmale, damit der Rasenmäher zukünftig schneller über die Grünfläche kommt. Stattdessen sollen 2 neue Steine mit den Namen der Toten aufgestellt werden.
Das muss man sich mal vorstellen: Die Gräber sollen bleiben, aber man raubt ihnen ihren Gedenkstein und anonymisiert sie dadurch. Welch ein würdeloser Kuhhandel, den der Freistaat hier mit den russischen Behörden und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. beschlossen hat und der auch in anderen ostdeutschen Bundesländern derzeit – ebenfalls in Verbindung mit dem Volksbund – Schule macht, um Kosten zu sparen.

Dabei sind die Friedhöfe oft die letzten öffentlich zugänglichen Dokumente einer längst vergangenen Zeit, die so viele offene Fragen hinterlassen hat, und deren Spuren gerade von offizieller Seite am liebsten vollumfänglich getilgt würden. Fakt ist, dass gerade die Grabmale in ihrer Anordnung und mit den Lebendaten und Dienstgraden der Verstorbenen darauf viele Informationen hinsichtlich der Lebensumstände der damals hier stationierten Soldaten und Zivilisten geben, dass die Grabmale auch die letzten Spuren einer Existenz darstellen, die nur allzu oft an den Folgen kommunistischer Gewaltherrschaft und Willkür zugrunde ging.

Im deutschen Gräbergesetz gibt es einen Passus, der den Gräbern der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft dauerhaften Erhalt im Sinne eines mahnenden Gedenkens zugesteht. Demnach fallen darunter:

Personen, die aufgrund rechtsstaatswidriger Maßnahmen als Opfer des kommunistischen Regimes ums Leben gekommen oder an den Folgen von aufgrund derartiger Maßnahmen erlittener Gesundheitsschädigungen innerhalb eines Jahres nach Beendigung der Maßnahme verstorben sind

Im sowjetischen Militär kamen nach Erkenntnissen von Historikern allein auf dem Gebiet der ehemaligen DDR alljährlich 3000 bis 4000 Soldaten ums Leben – zu Friedenszeiten. Das entsprach 1% aller dauerhaft in der DDR stationierten Sowjetsoldaten, und das jedes Jahr. Etwa 500 davon sollen allein jährlich Selbstmord begangen haben, weitere starben bei Unfällen, Straftaten oder bei standgerichtlichen Exekutionen nach Desertionsversuchen. Wenn DAS keine Willkürherrschaft ist, der der einfache Soldat als vollkommen rechtlose Person mehr oder weniger hilflos ausgeliefert war, dann frage ich mich, was der deutsche Staat dann darunter begreift.

Kritische Stimmen sind in den sächsischen Amtsstuben aber natürlich nicht gefragt, man hat es nun eilig, die eigenen Pläne durchzupeitschen, denn bald ist Stichtag für die Fördermittelvergabe. Deshalb wurden auch zu dem am kommenden Donnerstag stattfindenden Termin zur Sache im Staatsministerium für Soziales lediglich jene Parteien eingeladen, die nachweislich den freistaatlichen Plänen nicht im Wege stehen: Der SIB, das Finanziministerium, der Volksbund für Kriegsgräberfürsorge und Vertreter der russischen Behörden, denen der kulturelle und historische Wert der Grabstätten aus einer vergangenen, abgeschlossenen Epoche gleichgültiger nicht sein könnten.

Das Deutsch-Russische Kulturinstitut, das im April noch mit am Verhandlungstisch saß und dabei eindringlich seine Bedenken gegenüber den Abrissplänen äußerte, wurde nun erst gar nicht über den Termin informiert. Und das, obwohl man dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Schälike, noch im April schriftlich zugesichert hatte, seine Position zur Angelegenheit auch künftig zu berücksichtigen. Dass ich von dem bevorstehenden Termin überhaupt erfahren habe, ist einem glücklichen Zufall geschuldet.
Der Freistaat setzt sich mit diesem Verhalten über die Ansichten vieler Menschen in Dresden und auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken hinweg. So gesteht der russisch-orthodoxe Glaube, ähnlich dem jüdischen, Verstorbenen ein ewiges Ruherecht zu, so etwas wie ein Erlöschen des Ruherechts nach 25 Jahren wie es das im zernormten und ach so zivilisierten Deutschland gibt, kennt man dort nicht. Zudem ignoriert der Freistaat den Umstand, dass viele Angehörige vielleicht gerne pflegen kommen würden, dies aber über die Distanz schlicht und ergreifend nicht möglich ist.

Die vonseiten des Deutsch-Russischen Kulturinstitutes ins Gespräch gebrachte Möglichkeit, die künftige Pflege des Zivilteils des Friedhofes zu einem guten Teil durch ehrenamtliches Engagement im Rahmen von Begegnungs- und Bildungsseminaren für russische Jugendgruppen oder aber von integrationsfördernden Maßnahmen für in Dresden lebende Migranten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken zu bewerkstelligen, will man gar nicht erst diskutieren, sondern versucht nun, klammheimlich hinter verschlossenen Amtstüren eine Entscheidung herbeizuführen, die dann so leicht nicht mehr gekippt werden kann.
Auf das Ersuchen der erneuten Prüfung der Denkmalschutzwürde des Zivilteils, das ich im September beim Landesamt für Denkmalpflege eingereicht hatte, gibt es bis heute keine Reaktion, und vermutlich drängt man beim Freistaat nun auf eine Entscheidung, weil man den Druck der Bürger spürt, die sich mit diesem Raubbau an Kultur und historisch wertvollen Stätten zugunsten einiger eingesparter Euronen nicht abfinden wollen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Brandenburg, wo das Land und die Kommunen mit den verschiedenen Vereinen und Initiativen an einem Tisch sitzen und gemeinsam über die Zukunft ihrer Garnisonfriedhöfe verhandeln. In Brandenburg ist wohlgemerkt eine rot-rote Regierung an der Macht. Schwarz-Gelb in Sachsen hingegen bevorzugt die Hau-Drauf-Methode des Durchregierens unter Ausschluss kritischer Stimmen und vor allem unter weitestgehender Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass man im Begriff ist, wertvolle Spuren der Vergangenheit auszulöschen, die schon allein aus diesem Grund wert wären, unter Denkmalschutz gestellt zu werden.