Das Mädchen, der Wald und der NSU.

Bedrückende Gedanken zur neuen Wendung im Fall Peggy Knobloch. Da war mal was, ja, vor vielen Jahren, ein Kind ward vermisst und blieb es. Nun soll gar die rechte Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in die Tötung der Neunjährigen involviert sein, die vermutlich im Sommer 2001 umgebracht wurde. Von Pädophilie und einer Verstrickung der NSU-Köpfe Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in einen Kinderporno-Ring ist die Rede. Als wären ihre Verbrechen an Bürgern mit Migrationshintergrund nicht schon schlimm genug. Wurde auch Peggy Opfer dieses perfiden Syndikats? Die Leiche des Mädchens blieb 15 Jahre lang verschwunden – bis zu diesem Sommer. Da fand man sie, in einem Waldstück zwischen Rodacherbrunn (Thüringen) und Nordhalben (Bayern), unweit der L1095.

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Geschichten vom Treppenrand. Teil I: Ein jeder ist seines Durstes Schmied.

Seit etwa  zwei Monaten gibt es in meinem Leben ein neues Ritual. Rituale sind eigentlich was für schwache Menschen. Ich könnte jetzt unnötigerweise zu meiner Verteidigung sagen, dass ich meinem neuen Spleen viel zu unregelmäßig fröne, als dass man es wirklich ein Ritual nennen könnte. Aber  egal. Das ist es wirklich, denn eigentlich würde ich sehr gern ein echtes Ritual draus machen. Die Rede ist von meinen abendlichen Ausflügen zur Radebeuler Spitzhaustreppe. 365 Stufen sollen es angeblich vom Goldenen Wagen bis hoch zum Spitzhaus sein. Nachgezählt hab ich das noch nie. Ich vertraue den Treppenbeschilderern einfach. Joggen ist nicht gut für meine Hüfte. In der Grundschule hatte ich jahrelang eine Teilsportbefreiung deswegen: Laufverbot.

Also grübelte ich angestrengt über einer Alternative, die zwar weniger gelenkbelastend, aber dennoch ähnlich effektiv ist. Fitnessstudio kam nicht infrage, an der frischen Luft wollte ich sein. Und so fiel mir während meines dreimonatigen Engagements für die Dresdner Neuesten Nachrichten in Radebeul die Spitzhaustreppe ins Auge. Die ist ohnehin mehr Laufsportspot als alles andere. Jedes Jahr quälen sich dort die ganz Fitten beim Spitzhaustreppenlauf den lieben langen Tag hoch und runter. Gut, so ambitioniert sind meine Ziele nicht. Aber immerhin: Treppensteigen ist nicht Joggen, man bewegt den ganzen Körper trotzdem – und das mit Abstand Beste am Treppensteigen an der Spitzhaustreppe ist:  der Blick zurück! Zumindest beim Aufstieg. Wenn man endlich keuchend oben steht (zumindest geht mir das so) kommt man ganz schnell wieder zu Atem – weil man das Atmen schlicht vergisst ob des atemberaubenden Anblickes, der sich einem von hier oben aus bietet: Das ganze Elbtal liegt einem zu Füßen, ringsum die Girlanden der Rebstöcke, die sich wellenartig den Hang hinaufwickeln.IMG_4210

IMG_4190IMG_4200Heute war ich zum vierten Mal an der Spitzhaustreppe. Die Aufstiege dauern bei mir in der Regel entspannte fünf Minuten. Heute allerdings schaffte ich ihn auf ziemlich denkwürdige Weise in nicht mal vier Minuten. Wie das? Im ersten Anlauf brauchte ich noch 5.36 Minuten, im zweiten 5.17 Minuten. Nachdem ich wieder unten angekommen war, stellte ich allerdings fest, dass ich das Handy (meine Stoppuhr) oben am Weinbergshäuschen liegen gelassen hatte – und am Spitzhaus war ziemlich viel Betrieb. Es ist erstaunlich, welche Kräfte der alarmierende Gedanke daran auszulösen in der Lage ist, dass der flache, ständig pfeifende, klingelnde oder klimpernde Kasten plötzlich nicht mehr da sein könnte. Ein Szenario zum Nachdenklichwerden.

Der Sprint nach oben führte jedenfalls zu ausgesprochenen Erschöpfungszuständen. Immerhin: Das Handy lag noch dort, wo ich es hatte liegen lassen. Trotz der Erleichterung war ich fix und fertig. Hier machte sich nun der Flüssigkeitsmangel bemerkbar. Die Flasche Volvic CocoCabana, die ich dabei hatte, hätte ja eigentlich reichen sollen. Eigentlich. Wie so viele andere Läufer an der Treppe hatte ich die fast volle Flasche auf einer Sitzbank an einem der Rastplätze in der Mitte der Treppe deponiert. Als ich allerdings nach dem ersten Abstieg wieder nach oben trabte und nach meiner Flasche greifen wollte, hatte sich ihr Inhalt auf denkwürdige Weise auf etwa 1/6 des Inhaltes reduziert. Auf der steinernden Bank saß ein Pärchen.

Ich starrte erst auf die fast leere Flasche, dann auf das Pärchen, dann auf den Hund – eine mopsige, schnarchende französische Bulldogge – und dann wieder das Mädel an. Die beiden hatten den Inhalt meiner Flasche auf den Boden befördert, damit das gute Hundchen seine Erfrischung bekommt. Und so schlabberte die Dogge mein Volvic CocoCabana, das eigentlich meinen und nicht ihren Durst hätte löschen sollen. Nachdem ich Luft geholt hatte, schnarrte ich die beiden an: „Sagt mal, geht’s noch? Das war meine Flasche!“ Der Kerl – Typ California Surfer Boy – reichte mir die Flasche mit dem Wasserrest und meinte, als wäre es das normalste von der Welt: „Oh, das war deine Flasche? Soarrri. Aber es hat nur der Hund getrunken, und er war auch nicht an der Flasche.“

Fassungslos schaute ich ihn an, als wäre er nicht ganz bei Trost. Was ich denn jetzt trinken solle, fragte ich ihn entgeistert. Man könne doch sehen, dass hier Leute Sport machen, und man könne sich doch nicht einfach eine fremde, volle Trinkflasche schnappen und sie dem Hund hinschütten. Stocksauer schnappte ich mir die Flasche und stapfte mit einem Affenzahn an den beiden vorbei nach oben. Dankend lehnte ich den halbherzigen Versuch der Wiedergutmachung ab, als der Typ seine Börse zückte, um mir den „Schaden“ zu ersetzen. Von seinem Geld konnte ich mir auf der Spitzhaustreppe buchstäblich nichts kaufen.

Ein denkwürdiger Tag. Was lernt man daraus? Ein jeder ist seines eigenen Durstes Schmied. Flasche nicht mehr stehen lassen, Handy nicht mehr liegen lassen. Spart Kräfte und Nerven.

 

Konservatives Kasperletheater.

Ja, die Politik ist schon ein seltsames Spannungsfeld. Bisweilen ist sie auch urkomisch, das kommt einfach daher, dass sie trotz ihres hohen Maßes an Technisierung und Bürokratisierung menschgemacht ist.

Schwierige Zeiten herrschen momentan. Im Land stehen Kommunen kurz vor dem Kollaps, es fehlen Grundschul- und Kindergartenplätze, weil in den letzten 10 Jahren offensichtlich verschlafen wurde, dass der demografische Wandel nicht überall gleichermaßen zur Kinderlosigkeit hintendiert. Dazu radikalisiert sich das gesellschaftliche Klima hin zur Ausgrenzung und Ablehnung alles Nicht-Deutschen. Ich meine, es ist schon erstaunlich, dass jeder Moslem, der irgendwie einen zu großen Rucksack mit sich herumträgt, unter Terrorverdacht gerät. Eine ähnliche Entwicklung bei allen blonden, blauäugigen Christen konnte ich seit dem furchtbaren Terrorakt Anders Brejviks in Norwegen jedenfalls nicht feststellen.
Im weiteren Einzugsbereich droht derweil die EU, in ihre Bestandteile zu zerfallen, und in der Welt toben gefühlte 100 bewaffnete Konflikte, in die wir indirekt mit verwickelt sind.

Und was machen unsere Politiker? Sie können die „Fressen“ derjenigen „nicht mehr sehen“, die sich noch ein letztes bisschen Vernunft und gesunden Menschenverstand bewahrt und ihre Seele noch nicht vollends an Wirtschaft und Finanz verkauft haben. Oder sie fordern, wie derzeit die CSU, völlig deplatziert einen „schärferen Kurs gegenüber der Linkspartei“. Klar, liebe Christkonservativen, es gibt ja derzeit auch nichts Wichtigeres in diesem Land, als wie schon Bismarck nach neuen Sozialistengesetzen zu schreien, nicht wahr? Also als kleine Gedankenstütze an alle Nachwuchskonservativen: Wenn alles schief geht, Wählerzahlen einbrechen, die Regierungskoalition strauchelt und nahezu zerbricht, die Wirtschaft einbricht – DIE LINKEN warn’s! Und wenn rein gar nichts mehr hilft: Ein „scharfes Abgrenzen“ von der Linken bringt immer noch ein paar ewig Gestrige Wechselwähler wieder zurück. Fragt sich nur, ob das der Anspruch einer vermeintlichen großen Volkspartei sein sollte.

Standardisierte Inkorrektness – Heute: Der hat gesessen.

Ich hatte ja damit gerechnet, dass meine kleine Kolumne früher oder später entdeckt würde. Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte, das ist die gefühlte Gefahr und das Ausmaß der Verägerung, die „Standardisierte Inkorrektness“ bei vielen der Kommentatoren dort ausgelöst hat. Anscheinend begreift man dort selbst die sachlichste Kritik (und ich habe mir doch wirklich Mühe gegeben, die Methoden von PI & Konsorten ausschließlich anhand tatsächlich nachvollziehbarer, sachlicher Beweisführung zu entlarven) als Majestätsbeleidigung und Angriff auf die gesamte Bewegung.
Wie sehr die gackernden Islamophoben tatsächlich aufgescheucht wurden, zeigen sowohl die Kommentare in meinem eigenen Blog, etwa die von JSF, Tassilo oder vielen, die es aufgrund gefakter email-Adressen oder zu offensichtlich anfeindender Wortwahl gar nicht erst zur Veröffentlichung schafften, aber auch jene bei PI selbst.

So wird etwa Tassilochen nicht müde, den Entenhaufen auf PI unermüdlich auf mein Blog hinzuweisen und seinen pathologischen Verfolgungswahn auszuleben, indem er mich mit irgendwelchen ominösen Pseudonymen in Verbindung bringt – vermutlich Leute, die ihn aufgrund ihrer stringenten Argumentation schon früher mal zur Weisglut brachten:

Tassilofrankfurt (23. Jul 2010 09:46)
Wenn ihr ein “dümmlich faschistoides entenvieh mit holzkopf” sehen wollt…
Schaut euch bitte die Reakion von Jane alias Margot H. usw. (Blog Art und Wiese) auf Kommentare von Pi Lesern an.
http://djane.momocat.de/
Geht auf deren Startseite runter zu den Kommentaren.
Kommentare im Pi Artikel unter
Shopping Paradies, armes ausgehungertes Gaza
20 juli 2010

So steht es in beinahe jedem PI-Forum geschrieben.
:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Jaja, so ist’s recht, meine lieben PI-ler, kommt nur alle schön auf meine Seite und lest! Lest, bis ihr so etwas wie Vernunft entwickelt. Put, put, put…
Tatsächlich habe ich seit Tagen Besucherquoten, die alles sprengen, was hier jemals stattgefunden hat – zwischen 1000 und 1600 Besucher finden momentan am Tag den Weg hierher. So muss das.

HAHA, „Daisy“! Vom „Unwetter“ zum Sturm im Wasserglas.

Bereits vor 3 Tagen gab der Deutsche Wetterdienst Vorwarnungen zur Unwetterwarnung vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen heraus. Bis zu 20 cm Neuschnee sollte das Niederschlagstief „Daisy“ weiten Teilen des Südens und Ostens Deutschlands bis Samstag bringen, starke Wind- und sogar Sturmböhen sollten zu starken Beeinträchtigungen im Verkehr führen.
Deutschland würde an diesem Wochenende förmlich in „Schneemassen versinken“, peitschten sämtliche Medien das „Daisy-Fieber“ an. Sogar, woher „Daisy“ ihren Namen bekam, war der Sächsischen Zeitung heute eine Meldung wert, und in der Extra-Ausgabe zum SZ-Neujahrsempfang im Eventwerk Dresden empfahl man für den Fall eines Totalausfalls bei den ÖPNV infolge des angekündigten „Daisy“-Verkehrschaos‘ schon den werkseigenen „Shuttle-Service“.

Seit gestern Abend nun lagen konkrete Unwetterwarnungen für beinahe den gesamten Osten sowie Teile der Mitte Deutschlands vor, die immerhin noch vor 10-15 cm Neuschnee innerhalb von 12 Stunden und starken Schneeverwehungen warnten. Halb Deutschland machte sich also auf etwas gefasst.
Püntklich gestern Mittag fing es auch langsam an, sich seichte einzuschneien. Doch schon gegen 17 Uhr abends rissen die Wolken immer wieder auf, und es fielen nur hin und wieder ein paar vereinzelte Flocken.
Bei mir machte sich schon langsam Zweifel am Daisy-Medien-Hype breit. Gegen 20 Uhr dann stand ich am Kongresscenter in dichtem Flockenwirbel und dachte schon: ‚ah, geht’s jetzt doch endlich los‘. Ein sanftes Lüftchen wehte.
22 Uhr: Bis auf leichte Griesel ist von Schneefall nichts mehr zu sehen.
10 Uhr heute Morgen: Tatsächlich – leichtes Schneetreiben. Aber der Blick in den gestern frisch geräumten Hof zeigt lediglich eine hauchdünne Neuschneeschicht von vielleicht 2 cm. Draußen ist es fast windstill.

UNWETTER sieht anders aus. Aber, man fasst es nicht: Beim Deutschen Wetterdienst besteht nach wie vor „Daisy-Alarm“ in Form einer Unwetterwarnung für Dresden vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen durch Windböen mit Neuschneehöhen bis zu 10 cm innerhalb von 6 Stunden, die soeben nochmals bis Mitternacht verlängert wurde, während das Schneegeriesel draußen beinahe völlig zum Erliegen gekommen ist und momentan sogar in eine Art Nieselregen überzugehen scheint. 😯
Ein Blick auf das Niederschlagsradar verrät: Da kommt auch nicht mehr allzu viel.

Nach so viel künstlich produziertem Hype und dadurch erzeugter Spannung macht sich nun tatsächlich Ernüchterung breit. Haha, „Daisy“. Und, ob ein Wolkenband tatäschlich in der Lage ist, 15 cm Neuschnee in einem bestimmten Zeitraum zu produzieren, oder doch eher nur leichte Niederschläge bringen wird, sollten Meteorologen tatsächlich zeitnah prognostizieren können. Schaut man beim Deutschen Wetterdienst auf das Niederschlagsradar, das seit gestern Abend konstant für die nächsten Stunden lediglich geringe bis leichte Niederschläge aufzeigt, was in etwa auch dem entspricht, was bislang unten ankam, kann man über den Unwetter-Alarm nur noch den Kopf schütteln. Das steht nun wirklich in keinem Verhältnis.

Weird Dreams I

Für gewöhnlich bin ich ein unruhiger Schläfer. Meine Nächte sind oft geprägt von scheinbar ewig dauernden, oft erschreckend real wirkenden Traumsequenzen, unterbrochen von kurzen Phasen halben Erwachens und Wieder-Wegdriftens.
Meine Träume sind oft gekennzeichnet durch haarsträubende Verquickungen von Begebenheiten, Personen und Lebensphasen, die oft überhaupt nichts miteinander zu tun haben und sich höchstens an sehr marginalen Punkten irgendwann einmal thematisch überlappt haben.

Heute Nacht geträumt:

Ich lebe mit 2 Typen in einer ziemlich obskuren WG.
Der eine ein Typ mit Brille und Mütze, den ich seltsamerweise immer mit „Anton“ anrede. Oha…
Der andere war Erich Honecker, es muss Honi gewesen sein.
„Anton“ packt den halben Traum über seine Sachen, baut Regale in der Wohnküche ab und Bücher in Kisten, Honi sitzt an der Theke der amerikanischen Küchenzeile und blättert in überdimensionalen A3-Hochglanz-Gazetten, während ich mehr oder weniger hilflos dazwischen sitze, ich habe keine Lust, alleine mit Honi zu wohnen.
Ich bin sauer auf „Anton“, der ausziehen und mich mit Honi alleine lassen will, und stinkwütend auf Honi, der daneben sitzt, gestelzt und altklug daherquatscht und ohne Unterlass aus den bunten Blättchen zitiert.
Als ich einen Blick riskieren will, hält er die VW-Werbung, die gerade noch zu erkennen ist, gierig und eifersüchtig mit Löschpapier zu. Als ich mich darüber gerade empören will, merke ich, dass „Anton“ plötzlich nicht mehr da ist.

Ich glaub, ich hab mein DDR-Trauma zu ausgedehnt auf Antons Blog aufgearbeitet 😉 😉

Kachelmann, übernehmen Sie…

Wetter ist schon eine feine, hoch interessante Angelegenheit. Manchmal, wenn ich so fasziniert die Wolkengebilde am Himmel anstarre, denk ich mir: Wetterfrosch, das wär doch auch ein klasse Job gewesen.
Bin ja schon eher ein Fan der warmen Jahreszeiten, doch nimmt man’s ganz genau, bin ich ein Liebhaber des spektakulären Wetters. Zum Wohlfühlen brauch ich am Dringendsten Sonne, gar nicht mal so die Wärme. Goldene Oktober sind daher etwas, das mir ein Gefühl ehrlicher Zufriedenheit und Dankbarkeit verursacht.

Letzte Woche an der Elbe unter einer sommerlich wirkenden Platane.
Letzte Woche an der Elbe unter einer sommerlich wirkenden Platane.

Spektakulär wird’s dann, wenn das Wetter den Herbst einfach übergeht, und den Sommer schlagartig vom Winter ablösen lässt. So krass jedenfalls empfand ich den Unterschied zwischen letzter und der aktuellen Woche, die mit für Mitte Oktober äußerst ungewöhnlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt, Sturm und Schneefall (!) aufwartete:

Heute hinterm Haus: Vorgeschmack auf den Winter mitten im Oktober.
Heute hinterm Haus: Vorgeschmack auf den Winter mitten im Oktober.

Schon verrückt das Ganze.

Wie meinte mein Vater gestern Abend zu mir am Telefon:

„… äh, von wächen Ärderwärmung unn schmelzende Bowlgappm, alles Blädsinn sach isch, was dor Korrelmann vom Erschten sacht. Bei uns wird’s do ega nurr kälder, gugge, s schneit schonn draußn – unn das im Oggdobor!“

Tscha mei…

Was ist die Institution Friedensnobelpreis noch wert?

Der diesjährige Gewinner des Nobelpreises für Frieden, der höchsten Auszeichnung weltweit für Leistungen im Kampf für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, ging an … Barack Obama.

Wer ist Barack Obama?
Barack Obama ist 48 Jahre alt und seit 81/2 Monaten US-Präsident. Vor seiner Wahl zum US-Präsidenten war Barack Obama jenseits der US-Staatsgrenzen ein mehr oder weniger unbekannter Mann, als Sentor von Illinois hauptsächlich auf innerstaatlicher Ebene tätig.
Die Bilanz Obamas seit seiner Amtsübernahme?

Da wären zunächst jede Menge löblicher Ankündigungen, mit denen Obama seinen Wahlkampf ausgestaltete, und die er auch seit seinem Amtsantritt immer wieder als oberste außen- und weltpolitische Ziele genannt hat.

1. Den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, um das Weltklima vor dem drohenden Kollaps zu bewahren.
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Die UN-Klimakonferenz im vergangen September sah einen Barack Obama, der sich wortgewaltig für den Klimaschutz einsetzt – allein, es folgen keine konkreten Pläne und schon gar keine Anerkennung der Bestimmungen des Kyoto-Protokolls.
Selbst China legt bereits eine konkretere Agenda von Maßnahmen vor, ebenso Japan.

2. den Nahostkonflikt zu einem friedlichen Ende zu führen
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Hier ist noch nicht einmal eine klare Positionierung erfolgt, geschweige denn, dass Verhandlungen und Gespräche zwischen den Konfliktparteien forciert worden wären. Stattdessen übt sich der US-Präsident diesbezüglich in Schweigen und Ignoranz.

3. Die Militärpräsenz in Afghanistan schrittweise rückabzuwickeln.
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Auch hier: Aktionen in dieser Richtung – Fehlanzeige. Stattdessen wird das Klima in diesem zerrütteten Land seit Monaten immer unübersichtlicher, gewalttätiger und gefährlicher. Auch für die deutschen am Afghanistan-Einsatz beteiligten Soldaten. Dabei ist der US-Kurs auch für die deutsche Afghanistan-Politik von unmittelbarer Wichtigkeit.

Was also hat Obama überhaupt getan?
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Er hat Gespräche geführt – seit langer Zeit auch wieder mit Vertretern jener Staaten, die unter George Bush noch als verhandlungsunwürdig betrachtet wurden – der Iran zum Beispiel. Das ist eine längst überfällige Korrektur eines weltweit als untragbar gehandelten Kurses der US-Außenpolitik, etwas, das von Obama erwartet wurde, nichts, was er unaufgefordert und in eigener Regie geleistet hätte.
Er hat den indiskutablen, den Weltfrieden signifikant bedrohenden Raketenschutzschild der Bush-Administration verworfen – hierfür gilt Gleiches wie beim zuvor genannten Punkt.

An dieser Stelle nun möchte ich einmal aus dem Testament Alfred Nobels zitieren, in dem er festlegte, an wen der Friedenspreis seiner Stiftung verliehen werden sollte:

Mit meinem verbleibenden realisierbaren Vermögen soll auf folgende Weise verfahren werden: das Kapital, das von den Nachlassverwaltern in sichere Wertpapiere realisiert wurde, soll einen Fond bilden, dessen Zinsen jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben. Die Zinsen werden in fünf gleiche Teile aufgeteilt: […] und ein Teil an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat.

Die Frage ist also: WAS hat Barack Obama in den 81/2 Monaten seiner Amtszeit für die „Verbrüderung der Völker“ bzw. die „Abschaffung oder Verminderung stehender Heere“ oder die „Förderung von Friedenskongressen“ getan?

Die Antwort: So gut wie gar nichts. Obama hat sich viele solcher hehren Ziele auf seine Fahnen geschrieben, aber er hat bislang keines davon realisiert, was sicherlich auch an der Kürze der Zeit liegen dürfte, die er erst im Amt ist.
Die USA sind vielmehr das Land, das das weltweit größte Kontingent an Truppen im internationalen Einsatz hat – sie stehen nach wie vor im Irak und in Afghanistan zu Hunderttausenden.

Die Förderung eines Friedenskongresses im Nahen Osten taucht bislang einzig als Agenda-Punkt in Obamas Wahlkampfliste auf – und nicht zuletzt bei der UN-Abstimmung über eine Resolution zur sofortigen Beendigung der Kampfhandlungen im Gaza-Streifen während der Operation „Gegossenes Blei“ im Januar 2009 haben sich die USA abermals der Stimme enthalten.

Es muss des Weiteren festgehalten werden, dass die Nominierungen für die im Dezember eines jeweiligen Jahres verliehenen Nobelpreise bis spätestens 1. Februar desselben Jahres erfolgt sein muss. Soll heißen, dass die Nominierung Obamas direkt nach dessen Wahl ins Amt des US-Präsidenten Ende Januar 2009 erfolgt sein muss.
Das heißt, dass der US-Präsident nominiert wurde, ohne überhaupt irgendetwas politisch in Gang gesetzt zu haben, also für nichts.

Warum überprüft das Nobelpreis-Komitee solche Nominierungen nicht? Würde es eine solche Überprüfung geben, würde wenigstens ein Viertel aller abgegebenen Nominierung aufgrund von Unzumutbarkeit verworfen werden müssen, wie u.a. Nominierungen wie Josef Stalin und Adolf Hitler (im Jahr 1939!) in der Vergangenheit oder eben auch die von Silvio Berlusconi und Barack Obama in diesem Jahr zeigen.

Die Begründung des Nobel-Komitees für die Ehrung Obamas aber lautete:

Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis für seinen außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Das Komitee hat besonderes Gewicht auf seine Vision und seinem Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt. Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Multilaterale Diplomatie steht wieder im Mittelpunkt, mit besonderem Gewicht auf die Rolle, die die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen spielen. Dialog und Verhandlungen sind hier die bevorzugten Mittel, um auch die schwierigsten internationalen Konflikte zu lösen.

Frage(n): Wie kann ein Mensch all dies in nur 8 Monaten Amtszeit schaffen und woran macht man diese Begründung konkret fest?
Obama und „Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen“? Wann? Wo? Wie?
Und Wenn DAS die Leistungen Obamas sind, wie konnten die schon Ende Januar 2009 ein Grund für dessen Nominierung sein? Ein solches Vorgehen ist zumindest reichlich fragwürdig. Doch wenn man sich einige der übrigen Nominierten so anschaut – u.a. Frankreichs Staatschef Nicholas Sarkozy, Bono von U2 und sogar Silvio Berlusconi – dann erkennt man dahinter durchaus ein System, völlig losgelöst von tatsächlichen Leistungen, sondern hauptsächlich strategischer Natur.

Alfred Nobel hatte seinen Friedenspreis seinerzeit für außergewöhnliche LEISTUNGEN und RESULTATE ausgelobt, nicht für Ziele und Charisma. Obama hat bislang jedoch weder nennenswerte Leistungen noch Resultate erzielt und schon gar keine außergewöhnlichen.
Der US-Präsident kann dafür nicht einmal in die Kritik genommen werden, angesichts der Kürze seiner bisherigen Amtsdauer. Wohl aber muss dem Nobel-Komitee eine ziemlich fragwürdige Dehnung der Verfügungen Alfred Nobels attestiert werden, wenn nicht gar einen Verstoß gegen diese.

Fast scheint es, als sollte mit der Ehrung Obamas bewusst ein Zeichen gesetzt, vielleicht sogar das US-Image vom Kriegstreiber zum Friedensengel aufpoliert werden, noch bevor die neue US-Außenpolitik dahingehend selbst gesprochen hat.

Wenn man mal in Betracht zieht, dass in anderen, gottverlassenen Winkeln dieser Erde Menschen im Arrest oder im Exil sitzen, um für die Freiheit ihrer Völker GEWALTLOS zu kämpfen; Menschen wie der Dalai Lama, der Bürgerrechtler Hu Jia, Journalisten wie Anna Politkowskaja, Menschenrechtler wie Natalja Estemirova, die ihr Leben gaben, um Menschenrechtsverletzungen in Russland und Tschetschenien aufzudecken, Menschen wie Mordechai Vanunu, der die Welt über das israelische geheime Atomprogramm aufklärte und dafür seit 20 Jahren dort festgehalten wird, oder der palästinensische Arzt Eseldin Abu al-Aisch, der im Blitzkrieg Israels im Januar 2009 3 seiner Töchter verlor und dennoch für Frieden und Versöhnung eintrittt und diesen Vorsatz vor allem jeden Tag LEBT, indem er in Krankenhäusern sowohl in israel als auch Palästina arbeitet; dann mutet es schon beinahe wie Hohn an, dass Machtpolitiker wie Obama, Jitzhak Rabin, Jassir Arafat, Menachem Begin, Shimon Peres, Henry Kissinger und sogar UN-Truppen (also kämpfende Truppen, wie in Afghanistan!) immer wieder den Vorzug bekamen vor denen, die WIRKLICH gegen Unterdrückung, Entrechtung, Krieg, Atomwaffen und Umweltverschmutzung kämpfen.