Donald Trump im Wahlkampf. Foto: Gage Skidmore (Flickr)
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode

Vor der US-Präsidentschaftswahl: Warum ich mir Sorgen mache.

In nicht mal einer Woche wählt Amerika einen neuen Präsidenten. Selten, ja vielleicht nie zuvor, stand dabei so viel auf dem Spiel. Es ist nicht weniger als die Zukunft der Welt, die da verhandelt wird, das sieht sicher nicht nur Barak Obama so. Ob die Amerikaner sich dessen bewusst sind? Man darf es mehrheitlich bezweifeln, weil der Mensch grundsätzlich ungern in globalen Dimensionen denkt – zu anstrengend, zu fordernd.

Hilary Clinton oder Donald Trump?
Wer verstanden hat, dass die Führung des mächtigsten Landes der Welt nicht in die Hände eines sexistischen Stümpers mit Föhntoupet oder eines betrügerischen Lumpen mit Hunderten Millionen hinterzogener Steuern und 500 Millionen Dollar Schulden gehört, an dem sein Bachelor in Wirtschaftswissenschaften, den er vor 50 Jahren mal gemacht hat, wohl noch das erwähnenswerteste Detail sein dürfte – der wird sich hoffentlich für Hilary Clinton entscheiden. Das kleinere Übel.
Doch Anlass zur Sorge geben so kurz vor der Wahl nicht nur die sinkenden Umfragewerte Clintons. Ach ja: Wer alternative philosophische Denkansätze ätzend findet oder für esoterisch hält, sollte jetzt wegklicken.

Donald Trump im Wahlkampf. Foto: Gage Skidmore (Flickr) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode
Donald Trump im Wahlkampf. Foto: Gage Skidmore (Flickr)
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2016 ist – laut altchinesischem Kalender – ein Affenjahr. Anders als nach unserem gregorianischen Kalender hat seit Tausenden von Jahren in den ostasiatischen Ländern wie China oder Japan eine Zeitrechnung Bestand, die auf einem 60-Jahre-Zyklus fußt. Dieser ist, nach der Abfolge der Elemente Metall, Wasser, Holz, Erde und Feuer, unterteilt in fünf Teilzyklen mit jeweils zwölf zwölf Monte umfassenden Jahren. Im Zusammenspiel von Mond, Sternen und den fünf Elementen ergeben sich alle 60 Jahre wiederkehrende Konstellationen, die jeweils ihren Einfluss auf Mensch und Natur ausüben. Über Jahrtausende hinweg wurden unter bestimmten Konstellationen wiederkehrende Ereignisse sowie menschliche Neigungen und Wesenszüge beobachtet, die es uns bis heute ermöglichen – anders als unsere rein fantastischen Horoskope –  menschliches Handeln zu verstehen, zu antizipieren und sogar zu steuern.

Affenjahre hatten schon seit jeher das Potenzial für große, folgenreiche Umwälzungen, für Katastrophen größeren Ausmaßes. Das hängt wohl vor allem damit zusammen, dass der Affe in der chinesischen Philosophie unter anderem für Hochmut, Eitelkeit, Ehrgeiz, Selbstverliebtheit und Skrupellosigkeit steht. In Affenjahren schlägt nicht selten die Stunde der verletzten Eitelkeiten, die sich in unbändigem Rache- oder Machtstreben bahnbrechen, aber auch der jovialen Selbstdarsteller, die es verstehen, die willige und unbedarfte Masse zu verführen. Affen sind flink, gewitzt und intelligent – so kommt es zu häufig unvorhergesehenen Überraschungs-Coups, auf die die Reaktion der trägen Masse oft behäbig ausfällt. Und so ging es gerade auf politischer Ebene in Affenjahren stets recht turbulent zu: Putsche, Kriege, Abwärtstrends, Revolutionen oder Unruhen nahmen hier häufig ihren Anfang.

Im letzten Affenjahr 2004 legt die Verabschiedung der Hartz-Gesetze den Grundstein für eine menschenunwürdige Sozialpolitik, die damals Millionen in ganz Deutschland zu neuerlichen Montagsdemonstrationen auf die Straße brachte und die bis heute zahlreiche Menschen in dauerhafte Verarmung und Perspektivlosigkeit getrieben hat. Nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelten so viele Menschen und vor allem so viele Kinder als arm in unserem Land wie heute. In der Ukraine beginnt die Orangene Revolution, die Kriege im Irak, in Tschetschenien und Palästina lassen den islamistischen Terror erblühen, Facebook revolutioniert das Medium Internet, im Dezember tötet ein gewaltiger Tsunami im Südpazifik mehr als 230000 Menschen binnen weniger Stunden.
Im Affenjahr 1992 putscht Hugo Chavez in Venezuela gleich zweimal, in Georgien wird Präsident Gamsachurdia vom Militär gestürzt und im Jahr darauf ermordet, bei dem Putsch sterben bis zu 2000 Menschen. Positiv zu erwähnen, aber nicht weniger revolutionär: Südafrika beendet die Apartheid. Der Bosnienkrieg beginnt und wird den Balkan und damit Europa drei Jahre lang erschüttern. In den USA löst der gewaltsame Tod eines Schwarzen Rassenunruhen mit mehr als 50 Toten aus. In Rostock-Lichtenhagen kommt es tagelang zu rechtsradikalen Pogromen gegen ein voll belegtes Asylbewerberheim, das am Ende in Flammen aufgeht. Die Bilder gehen um die Welt und werfen ein Schlaglicht auf den Zustand der ostdeutschen Gesellschaft nach 40 Jahren DDR und zwei Jahren deutscher Einheit. Bei mehreren Erdbeben, u.a. in Deutschland, Indonesien, der Türkei und Ägypten sterben Tausende Menschen, in den USA tötet Hurrican Andrew 65 Menschen.

Im Affenjahr 1980 sterben 3000 Menschen bei einem Erdbeben in Süditalien. In Afghanistan nimmt der Ende Dezember 1979 mit dem sowjetischen Einmarsch begonnene Afghanistan-Krieg mit einer ersten Großoffensive Fahrt auf. Er wird zehn Jahre dauern und 1,5 Millionen Menschen das Leben kosten. Im Zuge des Beschlusses des Verfassungsgerichts über die Vereinbarkeit der friedlichen Nutzung der Kernenergie mit dem Grundgesetz  gründet sich die Partei Die Grünen als ökologisches Gegengewicht in der deutschen Parteienlandschaft, Tausende organisieren sich zu Anti-Atomprotesten. Heute sind grüne Ideen aus Politik und Gesellschaft unseres Landes nicht mehr wegzudenken. In Südkorea, Bolivien und Libera wird geputscht mit Tausenden Toten, in Polen beginnt mit dem Streik auf einer Danziger Werft die Solidarnosz-Bewegung für freiheitliche Reformen, die schließlich neun Jahre später zum Sturz der kommunistisch geprägten Volksrepublik Polen führen. Der erste Golfkrieg beginnt. Durch ganz Europa rollt eine Welle rechtsradikaler Attentate – unter anderem auf dem Münchner Oktoberfest, wo 13 Menschen sterben, und auf die Synagoge in Paris (4 Tote). John Lennon wird von einem Rechtsextremen erschossen, und in El-Salvador bricht Krieg aus.

Und es wird nicht besser, je weiter man zurückgeht: Im Affenjahr 1968/69 erfährt die Bürgerrechtsbewegung in den USA mit der Ermordung Martin Luther Kings einen herben Rückschlag, in Deutschland tobt die gesellschaftliche Revolution der 68er, APO und Vorläufer der Roten Armee Fraktion gründen sich, nachdem Studentenführer Rudi Dutschke angeschossen wird. Schwere Unruhen auch in Frankreich und beim Prager Frühling in der Tschechoslowakei. Auch die Märzrevolution 1848/49 in Deutschland fällt in ein Affenjahr, und die Grundlagen für die 1789 beginnende französische Revolution wurden maßgeblich im Affenjahr 1788/89 gelegt.
Im Affenjahr 1932/33 steigt Adolf Hitlers NSDAP im Zuge der „nationalen Revolution“ in Deutschland zur Macht auf, im Affenjahr 1920/21 war sie gegründet worden und zeigte anschließend im Kapp-Putsch gleich ihr wahres Gesicht. Im selben Jahr vollenden die Bolschewisten mit der Einverleibung des Baltikums, Aserbeidschans und Georgiens und weiterer Territorien den Siegeszug auf dem Weg zur Gründung der Sowjetunion. Bei einem Erdbeben in China sterben im Dezember 1920 über 200.000 Menschen.

Eine von mir im letzten Jahr durchgeführte Zufallsstichprobe unter insgesamt 78 Diktatoren, Schreckensherrschern, Terroristen und Massenmördern von Hitler und Stalin bis hin zu Charles Manson und Marc Dutroux sowie parallel unter 72 Widerstandskämpfern, Demokraten, Bürgerrechtlern, Humanisten und Judenrettern während des Zweiten Weltkrieges ergab Erstaunliches. Im Ergebnis kamen von 78 Diktatoren und Massenmördern die mit Abstand meisten im Jahr des Affen zur Welt – nämlich 14 (also knapp 18 Prozent). Darunter unter anderem Mädchenmörder Marc Dutroux, der Killer von Hiroshima und Nagasaki, Harry S. Truman, Ultraislamist Mahmoud Ahmadinedschad, der Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh und der Schlächter von Plaszow, Amon Göth. Gefolgt von den anderen „starken“ Jahresbildern Hund (9), Tiger (9) und Büffel (8).  Unter den Widerständlern und Humanisten hingegen befanden sich lediglich drei in einem Affenjahr Geborene, darunter Oskar Schindler, der hier nicht verschwiegen werden soll.

Nicht zuletzt hat auch das Affenjahr 2016 überall in der Welt zu einem Erstarken rechter und rechtsextremer Kräfte geführt. In Deutschland sitzen Rechtsextreme erstmals mit deutlich zweistelligen Werten in mehreren Länderparlamenten. Mit einem Donald Trump an der Macht würden sich die USA diesem Trend anschließen. Es ist kein Zufall, dass einer wie Trump just in einem Affenjahr die Chance hat, an unermessliche Macht zu gelangen. Das ab Ende Januar 2017 folgende Hahnenjahr, das laut chinesischer Philosophie Stolz, Überheblichkeit, Streitsucht, aber auch Tatendrang und Erfolg fördert, begünstigt in aller Regel die Pläne von Despoten, Ideologen und Kriegstreibern, wie nicht zuletzt das Jahr 1933 beispielhaft zeigte. Das darauf folgende Jahr des Hundes wiederum begünstigt aufgrund der Neigung dieses Zeichens zu Starrsinn, Uneinsichtigkeit und Reizbarkeit sowie der starken Erfolgsorientierung die Verfestigung und Ausweitung bestehender Missstände und Konflikte. Donald Trump selbst ist im Jahr des Hundes geboren – ein besseres Exemplar eines Hundes als den egozentrischen, scharfzüngigen und manchmal etwas unbeholfenen Trump kann es wohl kaum geben. Das Element Feuer, das sein Geburtsjahr 1946 prägte, betont diese Eigenschaften zudem noch übermäßig und gibt ihm zusätzlich ausgesprochen idealistische, ambitionierte Züge. Schnelle Entscheidungen sind zudem nicht Hundes Sache, was dazu führen könnte, dass Trump schnell zur Marionette findiger Drahtzieher im Hintergrund wird.

Aus Sicht der jahrtausendealten chinesischen Lehre wäre es vor diesen Hintergründen der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für den Aufstieg eines Mannes, der mehr als einmal seine Bereitschaft unter Beweis gestellt hat, rücksichtslos eigene Ziele zu verfolgen, dabei Recht, Gesetz, Moral sowie sämtliche Grundwerte moderner, aufgeklärter und humanistischer Gesellschaften fahren zu lassen. Kurz: Donald Trump hat, mit dem Machtpotenzial eines US-Präsidenten ausgestattet, das Potenzial, die Menschheit in eine Katastrophe zu stürzen.

 

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