Foto: Eloy Molina Lopéz (Flickr). 
https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Sex sells – auch schon mit zwölf.

Würden Sie Ihre zwölfjährige Tochter in aufreizender Kleidung ablichten oder aufnehmen lassen und das Material ins Internet stellen, sichtbar für Millionen von Menschen, die Sie nicht kennen? Manche Dinge sind einfach unbegreiflich, manchmal ist es das Verhalten von Eltern, das sprachlos macht. Die Fotos im Artikel zeigen Screenshots von Szenen aus einem Film, die ich auf YouTube gemacht habe. Das Kleid, das das Mädchen trägt, würde wahrscheinlich jeder Prostituierten oder jedem Pornosternchen gut zu Gesicht stehen: schulterfrei, hauteng und scheinbar noch extra hochgerafft. Noch drei Zentimeter kürzer, und es gäbe den Blick frei auf Schritt und Unterhöschen. Mehr Haut und (hier: noch nicht vorhande Kurven kann man fast nicht mehr zeigen. Ein ähnliches Stück Stoff habe ich nach kurzem Googeln beim Sexartikel-Kaufhaus Beate Uhse (Update 14.07.2017: dort mittlerweile nicht mehr vorrätig) gefunden.

Was auf nicht Eingeweihte beinahe wie eine schlüpfrige Szene aus einem billigen Kinderporno wirken mag (ein Kind in zweideutiger Pose und

Die Zwölfjährige posiert in dem Fernsehfilm im hautengen Minikleid an einer Couch lümmelnd. Screenshot: Jannke, Quelle: youtube
Die Zwölfjährige posiert in dem Fernsehfilm im hautengen Minikleid an einer Couch lümmelnd. Screenshot: Jannke, Quelle: youtube

aufreizender Kleidung, die Couch, das Handy…), zeigt tatsächlich die Zwölfjährige beim Besuch einer Musikstunde, der in einer Dokumentation fürs Fernsehen (!) festgehalten wurde. Die Eltern des Mädchens wussten, in welcher Aufmachung ihre Tochter zu diesem Dreh ging. Und sie wussten auch, dass nicht nur Tausende Fernsehzuschauer sie so sehen würden, sondern dass der Film auch ins Internet gestellt werden und dort unkontrolliert tausendfach angeklickt und geteilt werden würde. Auch die Verantwortlichen des Senders schritten hier nicht ein.

Dazu kommt, dass Schnitt und Kameraführung diesen Eindruck noch in übler Weise begünstigen: dezent-blurrige Nahaufnahme von den nackten Beinen des Kindes und dem maximal hochgerutschten Röckchen (Bild rechts), und schamlose Ganzkörperaufnahmen, in denen es fast schon lasziv an der Couchlehne lümmelt – da kriegt man die Tür nicht mehr zu.

Das tut besonders weh, wenn man gleichzeitig sieht, dass dieses Mädchen von seinem ganzen Auftreten und Verhalten her noch so was von Kind ist, schüchtern, fast schon verzagt und verkrampft, nervös kichernd – und damit seinem Alter völlig entsprechend. Ganz im Gegensatz zur Kleidung. Es ist völlig normal, dass Mädchen in diesem Alter gerne älter wirken wollen. Sie experimentieren mit Make-up und Klamotten, wollen rebellieren und lieber erwachsen sein. Aber genau hier fängt doch Erziehungsverantwortung an, und wenn es beginnt, lächerlich oder gar gefährlich zu werden, wie in diesem Falle, ist es doch eigentlich an der Zeit, dass Eltern oder Erwachsene wie die Produzenten der Sendung Grenzen setzen. Das sage ich jetzt mal, weil ich zugunsten der Eltern annehme, dass die Initiative zu diesem Outfit nicht von ihnen, sondern von dem Kind ausging. Alles andere wäre… nun ja. Ein jeder bilde sich dazu selbst seine Meinung.

Wäre ich die Mutter, und jemand hätte mein Kind so gefilmt und in die Öffentlichkeit gestellt – ich würde ihn verklagen. In diesem Falle ist es ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der den Film in seinem Kinderkanal (für Kinder ab 6 Jahren!) ausstrahlte. Meinetwegen nenne man mich spießig. Aber sorry: Hautenge Minikleider, bei denen man der Trägerin fast in den Schritt schauen kann, haben an zwölfjährigen Mädchen nichts zu suchen. Und schon gar nicht, wenn sie den Eindruck erwecken, dass das Kind darunter völlig nackt ist. Und das ist so, wenn es weder Strumpfhosen noch Leggings oder  Unterwäsche (hier ein Bustier oder BH) trägt. Das ist eine regelrechte Einladung für die Pädophilen dieser Welt. Schon vor der Möglichkeit, unkontrollierbar quasi „fernmissbraucht“ zu werden, sollte man sein Kind doch eigentlich so gut es geht schützen. Und so wundert es auch wenig, dass der besagte Film von einem anonymen YouTube-Profil aus verbreitet wird, in dem es von Material über frühreife, hübsche junge Mädchen nur so wimmelt.

Zum Schutz des Mädchens, das in seiner Heimat keine Unbekannte ist, habe ich auf eine Nennung des Namens sowie auf ein Verlinken des vollständigen Filmes verzichtet und sein Gesicht zusätzlich unkenntlich gemacht. Weil ich der Meinung bin, dass man einer Zwölfjährigen mit solch einer Berichterstattung mehr schadet als alles andere. Aus diesem Grunde werde ich hier auch keine Kommentare dulden, die den Namen des Mädchens nennen. Entsprechende Wortmeldungen werden so bearbeitet, dass sämtliche deutlichen Bezüge zur Identität des Kindes unkenntlich sind. Ich werde mich nicht auch noch an der weiteren Bloßstellung des Mädchens beteiligen.

Article Picture „Lolita“ by Eloy Molina Lopéz (Flickr). https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

3 Gedanken zu „Sex sells – auch schon mit zwölf.“

    1. Ich war entsetzt, als ich das sah. Zumal der Schock erst ziemlich am Ende kommt. Der gesamte Film ist eigentlich ein ganz normales, wenn auch ziemlich schlecht gemachtes, Porträt über ein Mädchen. Und zum Ende dann der Paukenschlag: Anfangs wird noch – ganz Kind – Fangen gespielt, und dann wird aus dem Mädel ein Vamp, eine Lolita. Dabei ist sie von der Art her so gar nicht der Typ. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass man sie doch in diese Schiene drängt. Absolut fragwürdig ist das alles allemal.

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