Wenn Integration mehr Leid schafft als verhindert: Bleiberecht für Familie Nikonchuk?

Sollte Familie Nikonchuk in Deutschland bleiben dürfen? Vor Monaten setzten sich Sergej (40), seine Frau Jelena (35) und die Töchter Albina (16) und Ella (14) aus Donezk in ein Flugzeug nach Deutschland. Seit eineinhalb Jahren herrscht in einem kleinen Teil der Ostukraine ein mal mehr mal weniger intensiv geführter Krieg zwischen nationalistisch-pro-russischen Rebellen, die den Donbass von der Ukraine abspalten wollen, und der ukrainischen Regierung, die ihr Staatsgebiet nicht preisgeben will. Die Millionenstadt Donezk geriet seither immer wieder zwischen die Fronten. Insbesondere 2014 war die Stadt schwer umkämpft. Zahlreiche Menschen starben – Anhänger von Regierung und Rebellen gleichermaßen. Über Wochen mussten die Bewohner teils ohne Strom in Kellern hausen, das öffentliche Leben in der Stadt brach weitgehend zusammen. Dass hier das Weite sucht, wer immer kann – verständlich. Eine absolut menschliche Reaktion. Doch rechtfertigen ein regionaler Konflikt im flächenmäßig größten Land Europas und insbesondere die aktuelle Situation vor Ort Asyl in Deutschland?

Das Herz sagt ja, der Verstand zweifelt

Aus menschlicher Perspektive ist zumindest für mich persönlich die Sache klar: Ja, sie sollten bleiben dürfen. Weil jeder Mensch sein persönliches Glück und das seiner Familie suchen dürfen sollte. Und wenn die Familie dieses meint, in Deutschland zu finden, dann sollte man sie daran nicht hindern. So wäre meine Einstellung im Normalfall. Doch der Normalfall ist in Deutschland längst dem Ausnahmezustand gewichen. Zumindest muss man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die 24/7-Berichterstattung in den Medien zur „Flüchtlingskrise“ und die wachsende allgemeine Hysterie in der Bevölkerung verfolgt. Doch selbst, wenn man all die Stimmungsmache ausblendet: Der Fall der Nikonchuks zeigt, wie schwer es ist, zwischen Recht und Mitgefühl abzuwägen. Denn rein vom asylrechtlichen Standpunkt her ist die drohende Abschiebung in die Ukraine absolut gerechtfertigt.

Mit dieser Petition auf Change.org wirbt eine Flüchtlingshelferin um Asyl für die ukrainische Familie Nikonchuk aus Donezk. Quelle: Change.org
Mit dieser Petition auf Change.org wirbt eine Flüchtlingshelferin um Asyl für die ukrainische Familie Nikonchuk aus Donezk. Quelle: Change.org

Nach Artikel 16a unseres Grundgesetzes genießt Asylrecht in Deutschland, wer politisch verfolgt ist. Politisch verfolgt aber sind die Nikonchuks in der Ukraine nicht. Deshalb sollen sie nun zurück. Dagegen wendet sich eine der derzeit wie Pilze aus dem Boden schießenden Online-Petitionen einer Flüchtlingshelferin in der unterfränkischen Gemeinde Rauhenebrach, die für das Bleiberecht der offenbar bereits bestens integrierten Familie kämpft. Fast 50.000 Menschen (Stand 4.11.2015) haben sie bereits unterzeichnet. Und doch lohnt ein genauer Blick nach Donezk, in die Ukraine und auf das bisherige Leben der Familie Nikonchuk.

Zunächst haben die Nikonchuks getan, was viele Flüchtlinge tun: Sie tricksen oder schummeln, weil sie sich in ihrer Not nicht anders zu helfen wissen. Soweit in meinen Augen durchaus verständlich. Doch lag bei den Nikonchuks nun wirklich eine solch große Notlage vor, dass sie ihr Land zwingend verlassen mussten? Abgesehen von dem Konflikt, der unbestreitbar in ihrer Heimatregion, dem Donbass, tobt, schien es der Familie in ihrer Heimat nicht allzu schlecht zu gehen. Das Touristenvisum für Deutschland (ohne das hätten sie nicht per Flugzeug hierher gelangen können) konnten sie sich – im Gegenzug zu vielen anderen Flüchtlingen aus Dritte-Welt-Staaten – offenbar leisten. Um ein solches zu bekommen, hätten die Nikonchuks normalerweise nachweisen müssen, dass sie für die Reise- und Aufenthaltskosten in Deutschland für vier Personen eigenständig aufkommen können. Oder aber sie hätten eine Einladung aus Deutschland vorweisen müssen, im Zuge derer die Einladenden eine Bürgschaft in Höhe von mehreren Tausend Euro hätten hinterlegen müssen – um sicherzustellen, dass die Familie sich keines Vergehens schuldig macht. Was aber noch wichtiger ist: Die Antragsteller müssen sich verpflichten, vor Ablauf des Visums (in der Regel 90 Tage) zurückzukehren und im Urlaubsland keinen Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung zu stellen. Genau das taten die Nikonchuks aber anscheinend: Sie stellten in Deutschland einen Antrag auf Asyl – und der wurde nun offenbar abgelehnt. Die Petiteurin aber will das nicht akzeptieren.

„Unvorstellbare Zustände“ in Donezk?

Ist es wirklich so, dass die Menschen in Donezk täglich dem Tod ins Auge schauen, wie etwa die Menschen in Aleppo oder Damaskus, wo bis zu 80 Prozent der Bausubstanz zerstört sind und täglich mit Bombenangriffen zu rechnen ist, denen in den letzten vier Jahren allein in Aleppo 25000 Bewohner zum Opfer fielen? Nein, dem ist nicht so. Auch stimmt es schlichtweg nicht, dass – wie in der Petition beschrieben – alle Zufahrtswege in die Stadt vom ukrainischen Militär dauerhaft „blockiert“ werden oder die Kinder nicht mehr zur Schule gehen können, wie etwa dieses Video vom diesjährigen Abschlussjahrgang der 140. Donezker Schule zeigt. Das Leben in der Stadt mag noch immer nicht einfach sein, aber Gefechte, die die innerstädtischen Gebiete erreichen, gibt es dort seit dem neuerlichen Waffenstillstandsabkommen von Minsk vom Frühjahr dieses Jahres so gut wie gar nicht mehr. Getroffen werden allenfalls noch ab und an Vororte in einzelnen Scharmützeln und dann insbesondere der Flughafen von Donezk.

Werbung für Bustransfers von Donezk in verschiedene andere Städte der Region in einem russischen sozialen Netzwerk.
Werbung für Bustransfers von Donezk in verschiedene andere Städte der Region in einem russischen sozialen Netzwerk.

Auch können die Menschen die Stadt durchaus verlassen und wieder dahin zurückkehren. Reiseanbieter werben sehr plakativ mit Buspassagen zu allen möglichen Zielen innerhalb der Ukraine. Der Erfindungsgeist und Lebenswille der Menschen in der Stadt scheint unerschöpflich und man versucht, am ganz normalen Leben festzuhalten. Es ist also nicht so, dass in Donezk derzeit die Welt untergeht. Selbst die Rebellen-Propganda, die noch Anfang dieses Jahres auf Hochtouren lief und im Minuten takt (meist gefakte) Meldungen von angeblichen Kriegsverbrechen der „Kiewer Junta“ und weinenden Kindern auswarf, hat spürbar an Fahrt verloren, weil es vergleichsweise ruhig ist im Osten der Ukraine und so gut wie keine Opfer unter der Zivilbevölkerung mehr zu beklagen sind. Man müsste all diese Gräuel an der Zivilbevölkerung komplett erfinden, statt sie wie früher einfach nur aufzubauschen.

Keine Verfolgung russischer Muttersprachler in der Ukraine

Doch da ist noch etwas, das einen ins Nachdenken geraten lässt. Sowohl Sergej als auch Jelena Nikonchuk verfügen über Profile in einem sozialen Netzwerk. Dort eröffnet sich ein sorgloses Familienidyll in Fotos. Offenbar machte die Familie im extrem umkämpften Donezker Sommer 2014 noch mit Freunden Urlaub am Meer. Vermutlich auf der im März 2014 von Russland völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim, auf der sie schon früher Urlaub machten. Fluchtgedanken scheinen die Nikonchuks offenbar erst entwickelt zu haben, nachdem Kiew der Stadt und ihren Bewohnern nach der Ausrufung der Volksrepbulik Donezk durch prorussische Rebellen Ende November 2014 den Geldhahn abdrehte. Seither bleiben Banken und Geldautomaten geschlossen. Immer wieder haben Jelena und Sergej Nikonchuk zudem ihre Zustimmung zu Beiträgen abgegeben, die die Regierung in Kiew für den Krieg im Donbass verantwortlich machen. Diese – so glaubt offenbar auch Jelena Nikonchuk – habe der russischen Sprache den Krieg erklärt, statt der Korruption oder der Kriminalität. Dabei war die russische Sprache in der Ukraine zu keinem Zeitpunkt bedroht – weder durch die zeitlich von vorn herein begrenzte Übergangsregierung noch durch die im Herbst 2014 demokratisch gewählte neue Regierung Poroschenko.

Nun darf jeder seine Meinung zur Genese und zu den Verwantwortlichkeiten im Ukraine-Konflikt haben. Und sicher darf man und will ich die Familie auch nicht verurteilen dafür, dass sie sich in all diesen komplizierten und schwer zu überblickenden Wirren irgendwie eine solche bildet. Auch will ich nicht so verstanden werden, als würde ich die Familie und ihre Motive irgendwie in ein schlechtes Licht rücken wollen. Es geht mir darum, den doch sehr emotionalisierenden und teilweise regelrecht falschen Darstellungen im Petitionstext die realen Verhältnisse vor Ort gegenüberzustellen. Vielleicht sehen auch die Nikonchuks die Lage in ihrem Land mit etwas Abstand heute schon wieder ganz anders. Trotzdem stellt sich die Frage, warum man nach Europa flieht, zu dem die neue Regierung sich ja gerade hinwenden möchte, und nicht etwa ins weit näher gelegene Russland? Dort hätte man der Familie sicherlich Asyl gewährt, weil man die russischsprachigen Ukrainer als verfolgte Angehörige des eigenen Volkes betrachtet, die man schützen muss. Die deutsche Position dazu sieht bekanntlich anders aus – und genau aus diesem Grund wurde der Antrag der Nikonchuks offenbar auch abgelehnt.

Tatsächlich muss man nicht einmal das Land verlassen, wenn man der ständigen Instabilität in Donezk entkommen möchte. Die Nikonchuks hätten genauso gut nach Kiew oder in die Westukraine ausweichen können. Dort herrscht Frieden. Und es gibt auch keinen Islamischen Staat, der kopfabhauend und brandschatzend immer weiter durchs Land zieht wie in Syrien oder dem Irak. Aber aus irgendeinem Grunde wollten die Nikonchuks ihrem Land den Rücken kehren. Vielleicht wollte man einfach auch auf der aktuellen Flüchtlingswelle, die Richtung Europa treibt, mitschwimmen. Nun mag man argumentieren, dass ja auch Menschen vom Balkan aus ganz ähnlichen Gründen herkommen, und Asyl beantragen. Richtig – und aus genau denselben Gründen werden ihre Asylanträge derzeit auch fast alle abgelehnt. Und warum – so muss man vielleicht auch die 23-jährige Europastudentin Lena Schuster fragen – sollte es den Nikonchuks da anders ergehen als etwa einer Familie aus dem Kosovo? Weil sie wohlhabend sind? Gebildet? Sollte nach diesen Kriterien wirklich über Hilfe für Menschen entschieden werden, die alle gleichsam ihr Glück suchen?
Nein. Deutschland muss – und diese Ansicht unterstütze ich mittlerweile – in der Asylfrage konsequenter und gerechter sein, wenn es sein geltendes Asylrecht gerade angesichts der momentan angespannten Situation nicht vollends ad absurdum führen will.

Zuwanderung nach Proporz sorgt für steigende Asylzahlen

Warum aber ist die Situation angespannt? Weil gerade im Jahr 2014 und Anfang 2015 weit mehr Menschen wie die Nikonchuks Asyl bei uns beantragt haben, die gar kein Anrecht darauf haben, als solche, die es hätten. Auch wenn ihre Anträge bereits abgelehnt wurden, leben viele von ihnen noch immer in Deutschland in Heimen und Wohnungen und sitzen ein Widerspruchsverfahren aus. Rechtspopulisten und Rechtsextreme wie AfD oder NPD würden jetzt sofort wieder die Keule vom vermeintlichen „Asylmissbrauch“ und „Asyltourismus“ schwingen. Aber das ist eben genauso einfach gedacht, wie man es der klassischen Zielgruppe dieser Parteien maximal zumuten kann. Das eigentliche Problem liegt ganz woanders und ist ein zutiefst strukturelles. Tatsächlich ist es so, dass der Asylantrag für Menschen aus Armutsregionen und mit unterdurchschnittlicher Bildung der einzige Weg ist, überhaupt erst einmal in Deutschland „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen. Und genau DAS ist der Systemfehler, der uns jetzt auf die Füße fällt. Nicht etwa, dass unser Zuwanderungssystem noch nicht restriktiv genug wäre – es ist vielmehr zu streng, zu exklusiv, zu selektiv, da von vorn herein Menschen ausschließend, die wir in unserer Überheblichkeit als „nutzlos“ für unser eigenes Fortkommen und damit als „wertlosen Ballast“ betrachten.

Wer aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland oder nach Europa kommen will, sollte dazu auf legalem Wege Gelegenheit bekommen – allerdings in einem gesonderten Verfahren und damit keinesfalls unkontrolliert, wie manche befürchten mögen. Und es müssen vor allem ALLE EU-Mitgliedsstaaten dabei mitziehen und entsprechende Strukturen aufbauen. Europa muss sich von seiner Vorstellung, eine elitär-exklusive Blase des Wohlstandes mit christlich-abendländischem Kulturprimat bleiben zu wollen, verabschieden. Sonst wird es sich früher oder später mit Waffengewalt gegen jene zur Wehr setzen müssen, auf deren Kosten es in anderen Regionen der Welt Interessenpolitik betreibt. Wer sich dem verweigert und einzelne Staaten die ganze Last tragen lassen will, der hat meines Erachtens nach kein Anrecht mehr auf Mitgliedschaft in einer Solidargemeinschaft und deren Privilegien.

Weil es diese Möglichkeiten der legalen Zuwanderung von außerhalb der EU aber eben gerade in Deutschland kaum gibt, wird verstärkt das Asylrecht genutzt, um die Schranken zu umgehen. Mit „Missbrauch“ hat das imho in den wenigsten Fällen etwas zu tun, eher mit Perspektivlosigkeit und dem Gefühl, im reichen Europa vor verschlossenen Pforten zu stehen. Es spielt jenen in die Hände, die aus der Not der Menschen etwa auf dem Balkan Profit schlagen und gegen den letzten Pfennig der Hoffnungsvollen einen regelrechten Exodus aus diesen Ländern organisieren. Genau das hat zu der aktuellen prekären Lage geführt, in der eigentlich Asylberechtigte in der Kälte in Zelten hausen müssen, weil die Plätze in den Aufnahmeeinrichtungen von Menschen blockiert werden, die überhaupt keinen Anspruch auf Asyl haben. So gemein das klingen mag – aber die Nikonchuks gehören dazu. Wir brauchen die Plätze in Flüchtlingsunterkünften, Integrationsklassen und Deutschkursen dringend für jene, die derzeit zu Hunderttausenden vor Krieg und Elend in unser Land fliehen und sehr wahrscheinlich für lange Zeit hier bleiben werden. Menschen, die keine Möglichkeit haben, in ihrem eigenen oder dem Nachbarland in Frieden und Sicherheit zu leben. Die Nikonchuks aber hätten diese Möglichkeit in ihrem und auch in ihrem Nachbarland Russland (das zudem maßgeblich mitverantwortlich für die untragbare Situation im Donbass ist) durchaus – und das sogar in weit stärkerem Maße als etwa ein Roma aus dem Kosovo.
Was will ich damit sagen? Es DARF einfach nicht sein, dass in unserem so wohlhabenden Land Kriegs- und Armutsflüchtlinge derart schamlos gegeneinander ausgespielt werden, nur, weil unsere Zuwanderungsregelungen den Charakter einer Zweiklassengesellschaft haben, während man gleichzeitig beispielsweise Russlanddeutschen ohne große Bedingungen und Auflagen den deutschen Pass in die Hand drückt, sobald sie nach Deutschland einreisen. Zuwanderung sollte nicht nach sozialem Status oder Stammbaum erfolgen, sondern nach persönlichen Ambitionen, Einstellungen und Fähigkeiten.

Integrationschaos sorgt für Kräfteverschleiß und Abschiebeleid

Leute wie Lena Schuster, die die Online-Petition für die Nikonchuks gestartet hat, meinen es gut. Sie opfern sich auf, sie wollen helfen, wollen Leid verhindern. Sie haben monatelang darum gekämft, dass Menschen bei uns integriert werden, auch, um zu zeigen, dass Integration möglich ist. Ihre Arbeit ist richtig und von unschätzbarem Wert. Doch zeigen diese Petitionen auch, wo es in der derzeitigen Asylpolitik klemmt. Die Integrationsarbeit wird zu einem großen Teil von jenen Ehrenamtlichen und kommunalen Kräften bewerkstelligt, die sich oft mit Herzblut da reinhängen, aber (nach eigener Aussage) häufig auch hoffnungslos überfordert sind. Eine emotionale Einbindung bleibt da häufig nicht aus. Doch vielerorts fehlt eben auch ein Verständnis dafür, was unser Asylrecht besagt und dass Integration vor allem denen zuteil werden sollte, die ein dauerhaftes Bleiberecht zugebilligt bekommen haben. Eine zu frühe Integration insbesondere bei schlechten Aussichten auf eine Asylbewilligung schafft letztlich mehr Leid als sie verhindert, weil die betreffenden Menschen im Abschiebungsfall aus ihren neuen sozialen Bindungen herausgerissen werden – und das betrifft stets nicht nur die eigentlich Betroffenen, sondern auch das Umfeld. Trotzdem müssen auch Flüchtlingshelfer akzeptieren, dass nicht alle Asylbewerber dauerhaft hier bleiben können. Auch dann nicht, wenn sie noch so nett und noch so integrationswillig sind. Denn das Asylrecht DARF nicht nach Gefühl oder individuellen positiven Eigenschaften entscheiden, sondern objektiv und sachlich nach Bedrohungslage. Stattdessen müssen die Regelungen der regulären Zuwanderung in unserem Land neu definiert und vom Asylverfahren zuverlässig entkoppelt werden. Erst, wenn das gewährleistet ist, wird sich die Situation im Asylbereich auch unter dem derzeitigen Ansturm normalisieren. Eine Abschottung unseres Landes nach außen wird diesen Prozess nicht ersetzen können. Im Gegenteil – sie wird Unsummen Geld kosten und das Problem von Massenfluchten doch nicht lösen. Sie wird vielmehr in eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes führen.

Leute wie die Nikonchuks, offenbar gut ausgebildet und keinesfalls Armutsmigranten, sollten hingegen die Chance bekommen, auf legalem Wege außerhalb des Asylrechts eine Zukunft in Deutschland anzustreben, wenn sie das denn unbedingt wollen. Wenn es gerade für Menschen außerhalb des Schengen-Raumes hierzu bessere Möglichkeiten gebe, dann hätten wir in Deutschland zwar noch immer einen hohen Grad an Zuwanderung, aber längst nicht mehr die aktuellen Probleme mit überquellenden Asylzahlen und Menschen, die man monatelang verwalten muss, während sie selbst zum Abwarten und Nichtstun verdammt sind, nur, um am Ende wieder zurückgeschickt zu werden.

0 Gedanken zu „Wenn Integration mehr Leid schafft als verhindert: Bleiberecht für Familie Nikonchuk?“

  1. Wo geht es zu Petition?

    Ich denke da bekomme ich noch 1000 Unterschreiber, wenn nicht gar mehr.
    Die Familie lernt Deutsch … die passen zu uns.

    1. Hallo,

      die Petition ist im Text verlinkt.
      Und würden Sie sich denn für eine syrische Flüchtlingsfamilie genauso ins Zeug legen, wenn sie Deutsch lernte (was die meisten tun)?
      Das Wichtigste Argument in meinem Beitrag ist offenbar völlig an Ihnen vorbei gegangen. Die Familie Nykonchuk hat keinerlei Anspruch auf Asyl gemäß Paragraf 16a GG. Die syrische Familie hätte ihn schon.

      1. Danke
        Bei den Ukrainern schreit ja geradezu alles dass die sich gut und eher leicht integrieren.
        Bei den Syrern kommt es darauf an. Christen ja, Jesiden muss leider wohl … aber die sind auch schnell mit Ehrenmord bei der Hand. Beide Gruppen können in Syrien aber wohl nie mehr leben.
        Sunniten / Schiiten … die können nach dem Krieg wieder zurueck.

        Hätten Sie sich seinerzeit dafür ins Zeug gelegt, dass Großajatollah Khomeini Asyl bekommt, das er in Frankreich dann ja auch hatte?
        Er hat nach seinen Islamischen Gesetzen entsprechend (Scharia) danach viele Frauen und Mädchen grausamst zu tote foltern lassen. Steinigung ?wegen Sex?
        Schon mal so was gesehen? Da ist aber in den naechsten Wochen nichts mehr mit gutem Schlaf.
        Er hat über 30.000 Oppositionelle, zumeist Linke grausam hinrichten lassen und das Wort Islamphobie erfunden um alle Kritiker als Geisteskranke kalt zustellen.
        Frauen die noch Jungfrauen waren dürfen im Islam nicht hingerichtet werden. Mit einer Vergewaltigung im Gefängnis hatte sich das mit der Jungfrauenschaft auch erledigt.

        Sie wissen nicht so richtig viel vom Islam. Er ist eine Bestie, speziell der arabische!.

        Und es ist normal und gesellschaftlich und politisch voellig akzeptiert, wie die Kurdin bei 1:30 sagte passiert auch sehr oft. Der Fall war lange vor ISIS & Co. Ich kenne die Langform mit deutlichen Bildern! Es dauerte 20 Minuten und es geschah dort wo die Flüchtlinge herkommen.
        Es zog in dem Fall gewaltig was nach – nun andere verletzte Ehre – mit vielleicht 30 Toten … ich will hier lieber nicht sagen was genau.
        Muss ich diese Leute jetzt alle wollen? Die Vorstellung, dass ich eine Petition für jemand unterschreibe der dort Mittäter war – es waren 1000 Männer – verschafft mir ehrlich gesagt Hautkrätze. Schon ein Volk im Umfeld zu akzeptieren, das solches Verhalten normal findet treibt mir Pickel ins Gesicht.
        http://www.srilankaguardian.org/2010/05/shame.html
        Das ist der wahre arabische Islam. Ein Holocaust an ausländischen dritte Welt Hausmädchen und alles durch den Glauben gedeckt. Die Hausmädchen holt keiner her, lieber schon deren Mörder.

        Tut mir sehr Leid wenn ich Sie etwas aus ihrem wohlwollenden exotischen Empfinden und Wünschen gerissen habe.

  2. Entschuldigung, aber Ihre Antwort entbehrt im Grunde jedweder Disussionsgrundlage, weil sie schlicht und ergreifend rassistisch und islamfeindlich ist. Sie nehmen hier einfach einige – tatsächlich mehr als unschöne – Ereignisse her und projizieren sie auf alle Muslime. Wenn ich mich darauf jetzt einlassen würde, würden wir uns vermutlich tagelang Beispiele von Grausamkeiten um die Ohren hauen, die auf religiösem Fundamentalismus fußen – und zwar keineswegs nur auf islamischem. Sie bilden sich Ihre Meinung offenbar sehr selektiv und an einem mehr als kulturchauvinistischem Leitbild orientiert: Christen gut, Islam böse. Sorry, aber das ist mir zu einfach und vor allem zu dogmatisch.

    Was Sie vor allem nicht verstanden haben: Das deutsche Asylrecht ist kein Instrument zum (am besten auch noch gezielten) „Herholen“ von Menschen. Es ist ein Instrument, das Hilfsbedürftigen Hilfe gewährt – und zwar völlig unvoreingenommen und unabhängig von deren Herkunft. Die Nykonchuks benötigen keine Hilfe in Deutschland. Sie könnten Hilfe in ihrem Heimatland bekommen, suchen aber offenbar den Wohlstand. Und wer sagt Ihnen denn eigentlich, ob und inwiefern sich Menschen aus der Ukraine so pauschal gut zur Integration in Deutschland eignen? Merken Sie denn nicht, wie vorgefertigt und tunnelblickartig Sie da zu Werke gehen? Ich kann Ihnen sagen, dass vor allem die Integration vieler Russlanddeutscher (die also aus einem ganz ähnlichen Kulturkreis stammen wie die Ukrainer und zudem auch noch deutsche Wurzeln haben) in Deutschland in der Vergangenheit ein ziemliches Problem darstellte. Die Arbeitslosenrate unter ihnen ist vergleichsweise hoch, betrug um 2006 20 Prozent, ähnliches gilt in Sachen Kriminalität. Etwa ein Drittel aller Arbeitslosen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund bzw. Migrationserfahrungen. Die Gruppe der Russlanddeutschen allein bildete davon im Jahr 2013 fünf Prozent aller in Deutschland arbeitslos gemeldeten Personen.

    http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Personengruppen/generische-Publikationen/Broschuere-Migranten-2014-07.pdf

    Da kann ich mir ehrlich gesagt Ihren Brustton der Überzeugung nicht wirklich erklären.

    Nicht jeder Mensch, der aus einem islamischen Land flieht, ist ein Großayatollah Komeini. Ich meine, denken Sie doch mal nach: Wenn ihm diese Sitten als Muslim zwangsläufig so sehr gefallen müssen, wie Sie behaupten, warum sollte er dann aus einem Land fliehen wollen, in dem es doch soo „schön“ ist? Vielleicht fliehen ja gerade viele von ihnen, weil sie diese Art Fundamentalismus zum Speien finden? Schon mal auf die Idee gekommen?

    Und wie würde es Ihnen eigentlich gefallen, wenn Sie versuchten, in Norwegen oder Australien Asyl zu bekommen, meinetwegen, weil in Deutschland ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist? Und wenn man Ihren Antrag dort mit der Begründung ablehnen würde: ein Deutscher? Deutsche haben zig Millionen Menschen in den letzten 100 Jahren grausam umgebracht. SO WAS wollen wir hier nicht haben! Na?

  3. Der Angriff ist aber derart scharf, dass ich den so nicht stehen lassen kann.

    Was Sie möglicherweise nicht verstehen ist, dass die Nato den IS in Syrien bewusst an der Macht lässt, womit verschiedenes bezweckt werden soll, auch um den sunnitisch orthodoxen Islam nach Europa zu treiben, … unter anderem dazu um bald Chaos zu erzeugen um ihre (nicht unsere) neue Ordnung zu erzwingen. Auf dem Weg zu NWO soll der Superstaat EU erzwungen werden.
    Das Putin scharf interveniert und den IS zurückdrängt passt denen dabei ganz und gar nicht.
    In der Ukraine spielt der Westen ein ähnlich hässliches Spiel, aber diesmal nicht um Ukrainer herzutreiben, oder denen gar die Freiheit zu bringen? Den Menschen dort geht es nun schlecht wie schon lange nicht mehr. Ich habe sehr enge Kontakte in das Land.
    Wer das Verhalten von Poroschenkos Militärführer in der Ostukraine beobachtet – bewusst Zivilie Objekte und somit Zivilisten zu beschießen, dabei selbst die eigenen jungen Soldaten zu verheizen weiß wessen Aufträge der in Wahrheit ausführt und bekommt mit genug Recherche auch den dahinter liegenden Zweck heraus.
    Ihnen fehlen viele Hintergrundinformationen um zu sehen was wirklich in der Planung ist und das ist nicht gut, denn es verengt ihren Blick bis ins Gefährliche.
    Vertrauen Sie besser nicht dem was die Medien berichten! Auch hinter denen wirken Mächte von deren Existenz Sie möglicherweise nichts wissen. Hinter denen stecken sehr große Konzerne und Lobbyisten mächtiger Konzerne mit klarer Zielrichtung und entsprechenden Absichten. Josef Goebbels wäre mächtig stolz auf die Manipulationsfähigkeit seiner Erben.
    100 Millionen Tode nehmen die wie nichts in Kauf um ihre Absichten durchzusetzen.

    Ich bin Humanist und halte auch nichts vom Christentum. Selbst moderne Christen hatten genug Zeit zu intervenieren, das solches wie im Video oben nicht passiert. Es war bekannt und sie haben es nicht getan. Wenn man den Quellen glauben darf, haben die drei abrahamitischen Religionen im Laufe ihrer Geschichte zur Erreichung ihrer Ziele in Summe 1/2 Milliarde Menschen auf dem Gewissen. Der Islam alleine 80 Millionen Hindus zu weiteren 190 Millionen Toten. Was sollte ich also diesem größten Massenmordkult abgewinnen?

    Rassistisch kann man meine Sicht nicht nennen! Mentalistisch ist korrekt aber Islamfeindlich alle mal. Es war übrigens der Grossmufti Mohammed Amin al-Husseini von Jerusalem, ein quasi Papst im Islam, der Hitler anstiftete die Juden nicht nur zu vertreiben sondern sie zu verbrennen. Das Simon Wiesenthal Center in New York kann Ihnen da genauere Auskunft geben.

    Ich lebe übrigens in Übersee und ich treffe immer wieder auf neu ankommende Juden, aus Europa, speziell aus Südfrankreich weil Moslems sie vertreiben.

    Man hat es in Europa wieder mal weit gebracht.

    Wenn Sie meinen Freundes und Bekanntenkreis sehen werden Sie feststellen, das noch Multikultureller wohl kaum geht. Hier leben ca 10 verschieden Kulturen auf engem Raum, 3 davon alte Stammeskulturen der Indigenen. Der Vorteil davon? Den gibt es nicht … aber Gangbildung und fast jeden Abend Schießereien im 22 km entfernten Nachbarort.

  4. Lieber James Cook – Sie sind kein Humanist. So unreflektiert und beinahe schon boshaft, wie Sie Menschen einer bestimmten Kultur alle über einen Kamm scheren und verurteilen, können Sie gar keiner sein, denn damit treten Sie die Würde dieser Menschen achtlos mit Füßen und zwar ohne Schamgrenze.
    Zu Ihren anderen ebenso kruden wie völlig haltlosen Thesen, etwa der, die NATO ließe den IS in Syrien bewusst an der Macht, möchte ich mich hier gar nicht weiter einlassen. Ich halte nichts von zu vermeintlichen Fakten aufgeblasener Spekulation dieses Musters, die letztendlich auf eine US-amerikanische Weltverschwörung hinarbeiten. Auch hat all das nicht mehr das Geringste mit meinem Ausgangstext zu tun. Statt auf das einzugehen, wovon im Text die Rede ist oder an Sie gerichtete Fragen zu beantworten, kommen Sie ziemlich schnell auf das Thema, das eigentlich Ihre Spezialität ist: „Aufklärung“ über den vermeintlich blutrünstigen Islam. DAS ist der Punkt, der Ihnen jeglichen Humanismus abspricht und Sie als Diskussionspartner disqualifiziert. Weil alles, was Sie sagen, zunächst durch diesen Filter gespült wurde und damit in ideologische Schieflage geraten ist. Ich bin die immer gleichen „Beweise“ und „Argumente“ leid, die allesamt belegen sollen, wie abgrundtief böse und schlecht „der Islam“ angeblich sei. Sie erwähnen Hitler und den Holocaust – und merken gar nicht, wie Sie genau in diese Schiene verfallen, immer und überall Verderbtes und Schlechtes in der Ihnen so verhassten Kultur aufzeigen zu wollen. Genau SO machten es die Nationalisozialisten ja auch.

  5. Sehr geehrter James Cook,

    ich habe Ihre beiden letzten Kommentare gelöscht, weil sie gegen die Nutzungsregeln dieses Blogs verstoßen haben. Nicht nur finde ich es absolut perfide, wie Sie die aktuellen Vorgänge in Paris für Ihre schäbige antiislamische und damit rassistische Hetze missbrauchen können. Ich weise es auch entschieden zurück, dass mein privates Weblog hier als Plattform dafür herhalten soll. Ich möchte nicht wissen, wie viele Muslime unter den Opfern von Paris sind. Und ich habe bislang nicht das Gefühl, dass Sie den Unterschied zwischen dem Instrumentalisieren von Religion für eigene politische oder ideologische Zwecke und den kulturellen Werten einer solchen verstanden haben. Diesen einfach zu negieren ist die Grundlage Ihrer Hasspropaganda. Und dafür – insbesondere für Inhalte und Aussagen, die offen volksverhetzerischen Charakter tragen, ist hier in meinem Blog kein Platz. Ein Kommentar, der unser Land quasi in den „Kriegszustand“ versetzt, offen den Islam für ein Verbrechen verantwortlich macht, das mit Religion absolut nichts zu tun hat, außer, dass die Täter für sich in Anspruch nehmen, in ihrem Namen zu handeln (wie es u.a. auch G.W. Bush im Irakkrieg tat oder die israelische Regierung jeden Tag tut, wenn sie ihre menschenverachtende Unterdrückungspolitik gegen Araber fortsetzt), und dazu aufruft, die Bundeskanzlerin vor ein „Kriegsverbrechertribunal“ zu bringen – der hat gleich mehrere Kriterien der Volksverhetzung erfüllt. Leute wie Sie sind es, die unser Land zunehmend in einen Kriegszustand versetzen, nicht der Islam oder „die Muslime“.

    Sollten Sie den Versuch unternehmen, einen weiteren, ähnlich gearteten Post in meinem Blog zu lancieren, werde ich Ihren Account sperren und weitere, unter einem neuen Fake-Account abgesetzte Kommentare sofort löschen. Ich behalte mir überdies vor, in einem solchen Falle Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Ihre Identität ist selbstverständlich auch so ermittelbar.

    1. Sie haben gelöscht weil die Posts gefährlich nichts rassistisches, stattdessen pragmatische Vorschläge aufzeigen und das ihnen das gar nicht in den Kram passt. So ehrlich sollten Sie wenigstens sein.

      Schalom noch !

  6. Jaja, schon gut. Warum ich Ihre drei Postings gelöscht habe, hatte ich Ihnen ziemlich unmissverständlich erklärt. In meinem Blog ist kein Platz für Rassismus, der auch noch unter absolutem Wahrheitsanspruch abgeworfen wird. Sie scheren alle Muslime über einen Kamm und behaupten, der Islam als solcher sei eine blutrünstige Ideologie, gegen die man sich maximal wehren müsse. DAS IST Rassismus, auch wenn Ihnen das offenbar nicht klar ist. Sie propagieren die These vom „Volkstod“ durch „Überfremdung“. Wobei ich mich frage, ob man Sie als Auswanderer in Ihrer neuen Heimat eigentlich genauso feindselig empfangen hat, wie Sie das für Flüchtlinge fordern, die nach Europa kommen. In diesem Sinne viele Grüße nach Panama.

  7. Ja logisch sieht man die IP. 😉 die das Land anzeigt. Manchmal wird sie sogar gleich als Flagge angezeigt.
    Es gibt viele Deutschsprachige wie ich hier die so denken, ehrlich gesagt die Mehrheit.
    Einer wirbt geradezu deswegen mit Abwanderung in sein Projekt hier.
    Auch die jüdischen Freunde hier machen sich ziemliche Sorgen was in Deutschland so getrieben wird. Habe schon Jahre nicht mehr mit dem (ex) Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde hier gesprochen. Er ist ein sehr fleißiger und einflussreicher Mann im Land. Ich muss mal eine Mailanfrage stellen.
    Vielleicht thematisierte er die Vorkommnisse beim nächsten Südamerika Treffen in Cartagena.
    Ich denke man wird dort zu anderen Ergebnissen kommen wie der Deutsche Beschwichtigungspart, der in der Hoffnung in Ruhe gelassen zu werden wiedermal solange stillhält bis es nicht mehr anders geht.
    PS: Geht Nazi, Stalinist, oder Maoist eigentlich auch als Rasse durch?

  8. Hallo Jane. Mir sind die Unstimmigkeiten im Petitionstext ebenfalls aufgefallen, und ich habe daher auf eine Zeichnung verzichtet. Zudem gibt es ja tatsächlich legale Möglichkeiten für die Familie, ihren Aufenthalt zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Meine Freunde aus Russland, der Ukraine und Belarus tun dies ja auch. Sie lernen die deutsche Sprache, bewerben sich in Deutschland für Studienplätze, bilden sich in ihren Ländern weiter und bewerben sich dann bei deutschen Firmen, die gerade ihre Sprachkenntnisse und Anpassungsfähigkeit brauchen. Es ist schwer, auf jeden Fall – aber nicht unmöglich, zumal dann, wenn man bereits Freunde in Deutschland besitzt, die Verpflichtungserklärungen ausstellen und Tipps geben können.

    Außerdem wohne in der Ukraine und kann deiner Schilderung der objektiven Lage weitestgehend zustimmen.

    Aus einer globalen Perspektive sollte man natürlich nicht vergessen, dass der Krieg und die von diesem verursachten 1,4 Millionen Binnenflüchtlinge (Stand Aug 2015) [1] eine riesige Herausforderung für das schwache Sozialsystem der Ukraine sind. Eine Herausforderung, die der ukrainische Staat ebenfalls nur durch Unzählige Freiwillige und ehrenamtliche Unterstützung der Zivilgesellschaft tragen konnte. Unterbringungsmöglichkeiten reichten vorne und hinten nicht, teils wurden leerstehende Fabrikhallen notdürftig hergerichtet, kaum winterfest. Vom Arbeitslosengeld kann hier niemand leben, oder gar eine Familie ernähren. Entschädigungen für Zerstörungen wurden in den meisten Gemeinden nicht bezahlt.

    Für die 912.000 (Stand Aug 2015) nach Russland Geflohenen ist die Situation kaum besser. Du täuschst dich, wenn du denkst, dass man der Familie Nikonchuk in Russland der Familie so einfach Asyl gegeben hätte. Ingesamt haben in Russland 2014 genau 254 Personen dauerhaften Asylstatus erhalten, 241 davon Ukrainer [2]. Fast alle diese Personen waren Mitglieder von „Berkut“, den berüchtigten Spezialeinheiten unter Janukowytsch. 248,201 erhielten zeitlich befristetes Asyl, das im Jahresrhythmus verlängert werden muss, keine automatische Krankenversicherung, Arbeitsberechtigung etc. beinhaltet. Der Rest hat sich selbst durchgeschlagen (Ukrainer benötigen ja an sich Visum für die Russische Föderation, jedoch alle möglichen Genehmigungen für Arbeit oder langfristige Aufenthalte).

    Für beide Fluchtrichtungen kann man also konstatieren, dass viel davon abhing, ob man Freunde oder Familie in der Ukraine oder in Russland hatte, die einem helfen konnten, unterzukommen, Arbeit zu finden, bzw. die Tricks kannten, wie man sich die nötigen Nachweise und Genehmigungen „organisieren“ konnte. Hatte man diese Kontakte und das nötige Improvisationstalent nicht, war das alles nicht so einfach. In Russland gab es für die meisten bereits formal keine dauerhafte Perspektive – bei der Ukraine konnte man kaum wissen, was einen erwarten sollte. Würde der Staat das dort durchstehen, würden einem Freiwillige helfen? Und warum sollte dort jemand helfen? Insbesondere, wenn man sich auf die dortigen Medien verlässt: verkündeten die von Moskau unterstützten „Aufständischen“ nicht die ganze Zeit, sie würden bis Kiew marschieren? (Tun sie übrigens heute noch gerne). Klingt auch nicht nach der Sicherheit, die man sich für seine Familie wünscht.

    Ich kann also die Entscheidung, Asyl in Deutschland zu beantragen, nachvollziehen. Aus Gründen der Humanität und nachhaltigen Europapolitik war auch Deutschland gefordert, entweder bei der Linderung der Krise vor Ort zu helfen, oder Flüchtlingskontingente anzunehmen (wie dies später bei Syrien praktiziert wurde). Man entschied sich für die Hilfe vor Ort, meines Erachtens in zu geringem Umfang: jede Ressource, die zur Notversorgung eingesetzt wurde, jeder Aktivist, der sich bei der Linderung der Kriegsfolgen engagierte, fehlte für die dringend notwendige politische Reform der Ukraine – aber das würde den Rahmen dieses Kommentars hier sprengen. Grundsätzlich war es aber zu erwarten, das bei 2,5 Millionen Flüchtlingen und knapper Ressourcen auch Menschen ihr Glück in Drittländern versuchen würden, und die Frage sollte gestellt werden dürfen, ob Deutschland sich angesichts seines knappen Engagements in der Ukraine nicht wenigstens zu einer Duldung erfolgreich integrierter ukrainischer Asylbewerber hätte durchringen können, zumindest im Rahmen einer Sonderregelung eine zeitlich befristete Gelegenheit hätte einräumen können, Arbeit oder einen Studienplatz zu finden.

    Die Forderung nach einem modernen Einwanderungsrecht kann ich mittragen. Allerdings sollte klar sein, dass ein liberaleres Einwanderungsrecht „nach persönlichen Ambitionen, Einstellungen und Fähigkeiten“ keine Lösung für das grundsätzliche Phänomen darstellt, dass Menschen aus wirtschaftlich armen Ländern und ohne die nötigen Qualifikationen und Sprachkenntnisse versuchen werden, ihr Glück in Deutschland zu finden – teils angelockt durch falsche Versprechen von Schleppern, wie dies in Tschetschenien der Fall war.

    Zudem sollte klar sein, dass eine Ablehnung gemäß des geltenden Asylrecht, mit seinen Dublinregelungen usw., nicht bedeutet, dass die Familie an ihrem Herkunftsort nicht diskriminiert wird und faire Entwicklungschancen besitzt. Leider besitzen die wenigsten Deutschen die Erfahrung, in einem „Zigeunerlager“ (ich wähle bewusst diesen Begriff) irgendwo in Serbien, Bosnien oder Albanien aufgewachsen zu sein, und zu versuchen, sich davon zu emanzipieren und selbst zu entfalten. Da gibt es zahlreiche Barrieren sowohl von der eigenen Community, als auch von der Mehrheitsgesellschaft – auch wenn diese nicht immer in Gesetz gegossen sind. Es sollte als auch klar sein, dass das durch das Grundgesetz garantierte Asylrecht auch immer Auslegungssache ist, und niemals eine „faire“ Grenze gezogen werden wird.

    Ich würde also nicht nur wie Sie dagegen plädieren, die Wirtschafts- und Kriegsflüchtlinge gegeneinander auszuspielen, sondern würde mir ebenso sehr wünschen, dass darauf verzichtet wird, die „geringqualifizierten und aussichtlosen Fälle“ gegen die „hochqualifizierten und talentierten“ Einwanderer einerseits und die „echten Kriegsflüchtlinge“ andererseits auszuspielen. Alle drei Gruppen gehören zur Realität, die wir so schnell nicht wegwünschen können. Wir müssen den „geringqualifizierten und aussichtslosen Fälle“ kein Asyl gewähren – aber dennoch sind es Menschen wie wir, und wir sollten uns bemühen, auch für sie Empathie zu entwickeln, statt auf sie herabzusehen. Denn nur so kann man dann versuchen, in den Herkunftsländern sinnvolle Maßnahmen zur Linderung der tatsächlich vorhanden Fluchtursachen (auch wenn sie nicht asylrechtkompatibel sind) zu unterstützen.

    Und so kommen wir zur Krux der Sache, warum ich trotz Ihres durchaus lesenswerten Textes mit Ihrer Schlussfolgerung („Frühzeitige Integration schafft mehr Leid, als sie verhindert“) nicht einverstanden bin.

    Zum einen ist die Frage, was der Umgekehrschluss ist? Keine „Integrationsbemühungen“, bis der Asylantrag entschieden ist? Wirklich? Das kann Monate dauern, teils Jahre. Und nicht immer ist so klar, was Aussicht hat. Solange sollte man die Menschen meiden und alleine in ihren Heimen sitzen lassen, bis sie aus Langeweile (Arbeiten dürfen sie ja nicht) und bei der durch die Enge und viele Menschen verursachten Gruppendynamik in verrückt werden? Man sollte sie diese Menschen nicht zu gemeinsamen Aktivitäten einladen? Sich nicht um ihre Kinder kümmern, die in der Regel weder in die Schule gehen, noch in Kitas, sondern einfach nur Rumhängen? Weil wenn wir damit anfangen, sie ja dann zu viel Freiheit genießen könnten, es könnte ja passieren, dass sie dann nicht mehr zurückwollen…? Ja, vielleicht empfinden sie dann eben nichts als Langeweile, und bei der Deportation dann auch kein Leid… aber sind das dann nicht Menschen zweiter Klasse?

    Aber vor allem mir der Satz zu pauschal. Das geht schon bei dem Begriff „Integration“ los. Sind damit alle Formen von „Integration“ gemeint, oder nur bestimmte? Was genau ist damit überhaupt gemeint? Das Erlernen der deutschen Sprache? Ein Verständnis für unsere Werte? Das Bilden freundschaftlicher Bindungen? Das Sensibilisieren seiner deutschen Freunde für das, was man in seinem Heimatland erlebt hat, mit welchen Problemen man zu tun hatte? Das ein tschetschenischer Junge in einer von Freiwilligen organisierten Spielgruppe lernt, dass „Zigeunerkinder“ keine „Zigeunerkinder“ sind, sondern einfach Kinder, mit denen er toll spielen kann, dass sie auch Namen besitzen, und dass alle gleichberechtigt sind? Dass ein „Balkanmädchen“ beim vom Freiwilligen organisierten Sportkurs lernt, dass es ein Talent für Akrobatik besitzt, das man sogar in Deutschland bestaunt? Bei einem Frauencafe festzustellen, dass man als Frau nicht für alle Fehler des Ehemannes verantwortlich ist, und gemeinsam zu überlegen, wie man die eigenen Rechte durchsetzen kann? Zu verstehen, dass auch Christen und Juden Muslimen helfen können, und umgekehrt? All das verursacht also „Leid“, wenn man es zu früh beginnt? Und all das ist vergebens, wenn die Familie wieder in ihr Heimatland abgeschoben werden muss?

    Sie merken schon, worauf ich hinaus will. Ich habe diese, und viele andere Beispiele selbst erlebt. Und nein, ich halte es nicht für falsch, die Integration möglichst früh zu beginnen, auch wenn das mit Risiken behaftet ist. „Integration“ ist eben mehr als Teetrinken und Onlinepetitionen für Bleiberecht. Auch wenn Familien aus Tschetschenien, aus dem Balkan und aus anderen „sicheren Drittländern“ immer wieder abgeschoben werden, und dann ein zweites und drittes Mal kommen. Solange wir nicht die Ursachen für die sozialen Verschiebungen auf dem Planeten beseitigen können, gehört das zu Realität, und es sollte zur Selbstverständlichkeit gehören, dass wir die Zeit, die die Menschen, und insbesondere die Kinder, bei uns sind, nützen, um ihnen in ihrem harten Leben wenigstens ein wenig Freunde zu machen, und ihren, und unseren (!) Horizont dabei zu erweitern.

    Und wer weiß, vielleicht gelingt in einigen Fällen die Integration wirklich – und bei den „Gästen“ bleibt die eine oder andere positive Erinnerung an Deutschland zurück, und zwar auch an hier praktisch gelebte Werte, Rechte und Freiheiten. Und bei uns ein Verständnis über die Herausforderungen der Welt jenseits unseres Tellerrandes. Dann ist für alle etwas gewonnen, trotz allen Leids und aller zwangsläufigen Ungerechtigkeiten unserer Einwanderungspolitik.

    [1] http://unhcr.org.ua/en/who-we-help/internally-displaced-people
    [2] http://intersectionproject.eu/article/russia-europe/special-status-ukrainian-refugees-russia

    1. Hallo Tobias, vielen Dank für Ihren umfangreichen Beitrag, den ich auch sehr interessant fand. Ich möchte darauf eingehen, weil ich glaube, dass hier vielleicht auch an manchen Stellen ein Konkretisierungsbedarf gegenüber dem Artikel besteht.

      Natürlich ist es richtig, dass die Bewältigung der Binnenflüchtlingszahlen die ohnehin geschwächte Ukraine vor eine enorme Herausforderung stellt. Und meiner Ansicht nach sollte Europa sich im Land tatsächlich verstärkt engagieren – aber eben nicht nur Deutschland. Allerdings hat man hier ja momentan vergleichsweise schlecht vorbereitet selbst mit Flüchtlingsströmen zu kämpfen, mit denen man so Ende 2014 noch gar nicht gerechnet hatte. Meine Annahme, die Nykonchuks hätten in Russland sicherlich sofort Asyl erhalten, gründete sich auf meine Informationen, nachdem 90 Prozent aller Asylanträge von Ukrainern (insgesamt waren das im Jahr 2014 280.000 Stück) angenommen worden seien. Dabei handelt es sich – genau wie in Deutschland, wo es auch kein „dauerhaftes Asyl“ gibt – vorrangig um ein zeitlich begrenztes Asyl. Allerdings währt das in Russland zunächst nur ein Jahr (in Deutschland 3 Jahre), ehe erneut geprüft wird.
      http://www.mdz-moskau.eu/russland-plotzlich-asylland/

      Auch ist es natürlich korrekt, dass es für viele Menschen in wirtschaftlich schwachen Staaten um ihre Existenz geht und es kaum Perspektiven auf ein besseres Leben gibt. Das trifft auf die Ukraine ebenso zu wie auf die von Ihnen angesprochenen „Zigeuner-Viertel“ auf dem Balkan. Dennoch muss man hier meines Erachtens nach klar unterscheiden zwischen Asyl und Zuwanderung. Deshalb schrieb ich auch: Jeder sollte das Recht haben, sich um eine wirtschaftliche Existenz in Deutschland zu bemühen, wenn er einige Voraussetzungen erfüllt. Sie hatten da ja mehrere Möglichkeiten angesprochen, die es bereits gibt. Aber es müsste eben auch für Menschen mit geringerer Bildung eine Möglichkeit geben, z.B. wenn sie schon vor der Einreise Deutsch- und Landeskenntnisse vorweisen können, also ein Bemühen erkennbar ist, sich schon vorab mit dem Land, seiner Kultur und seinen Chancen zu befassen, in das man kommen möchte. Ich möchte das Zuwanderungsgesetz gerne weniger sozial- und kulturchauvinistisch aufstellen.
      Das Asylrecht hingegen gilt nun mal nicht für Arme, sondern für politisch Verfolgte und Menschen in absoluten lebensbedrohlichen Notlagen.
      Ich denke, dass es momentan in unserer Gesellschaft einfach noch eine zu geringe Bereitschaft gibt, Menschen aus fremden Kulturkreisen aufzunehmen. Das liegt auch daran, dass die demografische Notwendigkeit bislang dieses Zugeständnis noch nicht erforderlich macht. Sie wird es aber in den nächsten 20 bis 30 Jahren, so viel ist sicher. Viele Zuwanderer gerade aus Afrika oder der arabischen Welt scheitern deshalb noch immer sehr häufig – auch an der Ablehnung und den Vorurteilen, die ihnen hier entgegenschlagen. Das sollte sich aber in den nächsten Jahren ändern.

      Natürlich kann ich nichtsdestotrotz, wie ich auch schrieb, die Entscheidung der Nykonchuks, in Deutschland Asyl zu beantragen, nachvollziehen. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie de jure und de facto kein Anrecht darauf haben – gerade angesichts der vielen Hunderttausend Fälle, bei denen das Anrecht nachweislich besteht. Die Nykonchuks sind wohlhabend. Das bloße Argument, dass in ihrer Heimatstadt bis Februar dieses Jahres Krieg herrschte, reicht meines Erachtens nach nicht aus, da es Möglichkeiten gegeben hätte, den Lebensmittelpunkt vorübergehend in den Westen des Landes zu verlagern – so wie das viele Menschen auch getan haben. Ich kenne einige Leute, die im Westen leben. Und bei denen läuft das Leben vergleichsweise annehmbar, wenn auch lange nicht normal.
      Auch kann ich Ihren Aussagen über das „knappe Engagement Deutschland“ in der Ukraine nicht wirklich zustimmen. Deutschland führt zum einen keinen Krieg in der Ukraine und hat ihn auch nicht mit verschuldet. Trotzdem engagiert sich die EU mit Milliardenbeträgen, um das Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps zu bewahren, 500 Millionen kommen allein aus Deutschland. Caritas und Rotes Kreuz sind dort und in Russland zudem seit 2014 im Dauereinsatz in der Flüchtlingshilfe. In den Bau von Flüchtlingsunterkünften in der Ukraine steckt Deutschland gut 25 Millionen Euro. Ich glaube, das ist mehr, als jedes andere Land derzeit für die Ukraine und die Menschen dort tut.
      http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkel-verspricht-ukraine-500-millionen-euro-kreditbuergschaft-a-987724.html
      Eins darf man meines Erachtens nach bei aller Kritik auch nicht vergessen: In erster Linie ist die Ukraine für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig. Und mit einer Rhetorik, die diese Menschen völlig unreflektiert als „Ballast“ verschreit, wird man kaum jenes Klima im eigenen Land schaffen, bei dem sich die Bevölkerung selbst auch zuständig fühlt, den Vertriebenen so gut es geht zu helfen, ihnen aber wenigstens nicht mit Ablehnung zu begegnen.

      Um auf Ihre Kernfrage zurückzukommen: „Gar keine Integration?“ Das wollte ich damit nicht gesagt haben. Und vielleicht ist das einfach etwas missverständlich rübergekommen im Text. Mir ging es darum, dass die Integrationsbemühungen in Deutschland bislang noch immer weitgehend unkoordiniert laufen. Oder besser gesagt: Integration wird hier großteils immer noch in privatem Engagement organisiert. Das aber unterscheidet bislang wenig bis gar nicht danach, ob man es mit Menschen zu tun hat, die sehr wahrscheinlich die nächsten drei Jahre oder gar länger bei uns leben werden (und Integration in vollem Umfang deshalb dringend nötig haben) und solchen, die mit großer Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden. Natürlich darf man die nicht einfach total außen vor lassen. Ich würde aber gerade, was die Unterbringung betrifft, hier schon vorauswählen und denjenigen die Unterbringung in einer Wohnung oder gar bei privat ermöglichen, die sehr wahrscheinlich bleiben werden. Auch die eng gesäten Deutschkurs-Plätze sollten vor allem diesen Menschen zur Verfügung gestellt werden. Es geht also nicht darum, den einen gar nichts zukommen zu lassen und den anderen alles – es geht um Gewichtung, solange nicht für alle sofort gleichermaßen Sprachkurse, Unterkunft und sozialer Einbezug geboten werden kann. Im Falle der Nykonchuks hatte sich die fleißige Aktivistin mit Neigung für die Ukraine ja offenbar sofort in die Familie verliebt und sich in den Kopf gesetzt, dass diese unbedingt bleiben müsse. Das meine ich aber: Hier wird teilweise eine Vorauswahl nach sehr persönlichen und wenig objektiven Kriterien getroffen, die ich für wenig förderlich erachte – auch und gerade im Sinne der Asylsuchenden.

  9. sehr guter „Artikel“, 5* und ja, ich wäre emotional auch dafür, dass die Familie bleiben darf, rechtlich sieht es anders aus und man kann nicht das Gesetz in einem Fall beugen und in einem anderen als unveränderliche Mauer präsentieren. Hier wäre der angedachte Vorschlag: Asylrecht und ein neues „Wirtschaftszuzugsrecht“ zu trennen, ein wirklich guter Gedankenanstoss für die Politik.

  10. Es ist wirklich äußerst interessant, was Sie Frau Jannke über Familie Nykonchuk und mich zu wissen glauben, ohne uns persönlich zu kennen.
    Laut Ihrem Blogpost setzen Sie voraus, dass ich nicht objektiv beurteilen kann, wem Asyl gewährt werden kann. Gewagtes Statement, wo Sie doch nur meine Studienrichtung, aber nicht einmal mein richtiges Alter kennen.

    Zunächst würde mich interessieren, woher Sie die Lage in Donezk, sowie die Situation für Donezker in der Westukrainer beurteilen können. Wie oft waren Sie in der Ukraine? Haben Sie sich Ihre Meinung von knallhart recherchierten Zeitungsberichten und Online-Artikeln gebildet?
    Zunächst einmal möchte ich Ihr Geschriebenes widerlegen, weil der Blogpost geradezu nach Wahrheit schreit. Da ich die Familie um einiges besser kenne als Sie, kann ich Ihnen noch einmal die Wahrheit verdeutlichen. (ob Sie das glauben möchten oder nicht, ist mir egal, überzeugen Sie sich am besten selbst und fahren nach Donezk, es soll ja Ihrer Meinung nach über ukrainischem Landweg funktionieren).
    Mit einem haben Sie Recht: Der Familie ging es wirklich ziemlich gut, bevor die Konflikte im Osten begannen. Der Vater baute vor etwa 4 Jahren ein neues Haus im Lenin Bezirk von Donezk, die Mutter hatte nach Abschluss ihres Diploms eine sehr gute Arbeitsstelle gefunden.
    Die Familie versuchte bis zuletzt in Donezk zu bleiben – gerade, weil es ihnen so gut ging und die Mutter ihre gute Arbeit nicht verlieren wollte. Leider konnten die Kinder nicht mehr zur Schule. Neben Ellas Schule war ein Bombe in den Kindergarten eingeschlagen, neben Albinas Schule wurde das Wohnheim getroffen und die Schulfenster sind durch die Druckwelle zersplittert. Die Familie floh zunächst nach Dnepopetrovsk, da Lenas Bruder hier wohnte. Sofort suchte die Familie nach neuer Arbeit und nach einer Wohnung für vier Personen. Die Kinder konnten immerhin wieder die Schule besuchen, ein Lichtblick. Leider gab man ihr weder Wohnung noch Arbeit, da sie aus dem „feindlichen“ Donezk kamen. Sie wurde systematisch ausgegrenzt und diskriminiert und nicht nur diese Familie. Aber das schreibt natürlich kein/e Journalist/in in die Zeitung. Das glaubt ja sowieso keiner!
    Und genau deswegen entschied sie sich für Deutschland, auch weil die Töchter früher auf Schüleraustausch in Deutschland waren und schon Kontakte hatten. Des Weiteren hätte sich die Familie in Dnepopetrovsk registrieren müssen und der Vater wäre in die Armee eingezogen worden und hätte bestenfalls seine eigene Stadt beschießen müssen. Und bitte hören Sie auf zu behaupten, dass das Minsker Friedensabkommen eingehalten wird. Erst nach Weihnachten stand Donezk wieder unter Beschuss.

    Sie kennen meine ehrenamtliche Arbeit leider kaum, nehmen Sich aber ganz schön viel daraus. Ich unterstütze in unserer Gemeinde auch Flüchtlinge aus Syrien, nicht nur aus der Ukraine, falls es Sie beruhigt. Meine „Neigung für die Ukraine“ sollten Sie mir bitte einmal näher erläutern, da wüssten Sie mehr als ich. Ich habe weder russische noch ukrainische Verwandtschaft, ich habe in Russland studiert und war zwei Mal in der Ukraine – Auslandsaufenthalte, die mich sprachlich weiterbrachten, aber nicht, um pro-ukrainisch oder pro-russisch zu werden. Ich komme aus Deutschland und helfe einer Familie, die bis zuletzt ohne Wasser und Strom in ihrem Haus ausharrte. Genauso, wie ich meine syrischen Studenten unterstütze, die in Damaskus Angst hatten, für Assad in der Armee kämpfen zu müssen. Genau das macht ein Ehrenamt aus. Menschen in Not zu helfen, egal woher sie kommen, während Deutsche weiterhin in Überfluss leben und ihre Energie verschwenden, sich darüber aufzuregen, anstatt zu helfen.

    Und vielleicht wissen Sie, dass bei einer Petition oder in der Härtefallkommission (in Bayern) auch der Integrationswille und die eigenständige Sicherung des Lebensunterhaltes betrachtet werden, wenn Art. 16a GG angeblich nicht zutreffen sollte. (siehe § 23a des Aufenthaltsgesetzes und HärtefallkommissionsVO).
    Ihrer Meinung wäre es also besser gewesen, nur unsere Syrer zu integrieren, weil die ja ziemlich sicher anerkannt werden. Hervorragende Idee! Dann findet auch weder Ausgrenzung und Nationentrennung statt. Unser Helferkreis behandelt alle Asylsuchende gleich und versucht alle gleichermaßen mit unserer Landbevölkerung zu integrieren.

    Ich hoffe, dass ich Ihnen einen Einblick geben konnte, was wirklich passiert ist. Wenn Sie weitere Fragen über Fam. Nykonchuk oder mich haben, schlage ich vor, dass Sie mich vorher einfach fragen, anstatt Vermutungen anzustellen, die nicht stimmen. So entstehen nämlich leider Berichte, die nicht immer der Wahrheit entsprechen. Ich hoffe, Sie können das nachvollziehen. Vielen Dank.

    1. Hallo Frau Schuster,

      schön, dass Sie sich persönlich melden. Dass Sie mir für diesen Artikel nicht um den Hals fallen würden, war mir ja klar. Trotzdem finde ich Ihre Reaktion ziemlich überzogen – und für Sie selbst auch nicht gerade zuträglich. Sie werten meinen Artikel, der sich kritisch mit Ihrer Petition, aber vor allem mit den hiesigen Zuwanderungsregelungen auseinandersetzt, als persönlichen Angriff auf Sie. Sehen Sie – so kann man sich missverstehen, denn so war er nicht gemeint. Denn wie Sie richtig bemerken: Ich kenne Sie persönlich gar nicht. Was ich über Sie schrieb, weiß ich aus dem Internet, aus Ihrer Petition, aus Zeitungsartikeln, in denen Sie sich zu Wort meldeten (und zum Beispiel darüber sprachen, wie sehr sie die Ukraine lieben). Aber prinzipiell beziehe ich mich permanent auf von Ihnen oder den Nykonchuks gemachte Äußerungen. Und tatsächlich schrieb ich über Sie direkt auch nur an ein oder zwei Stellen. Trotzdem explodieren Sie förmlich.
      Schon Ihr Einstieg ließ mich durch die Zähne pfeifen:

      Laut Ihrem Blogpost setzen Sie voraus, dass ich nicht objektiv beurteilen kann, wem Asyl gewährt werden kann. Gewagtes Statement, wo Sie doch nur meine Studienrichtung, aber nicht einmal mein richtiges Alter kennen.

      Was Ihr Alter betrifft: ein simpler Vertipper. Sie waren zum Zeitpunkt des Erscheinens meines Beitrages 23, nicht 22. Das hatte ich zumindest in der Zeitung so gelesen, mich dann aber wohl vertippt. Den Fehler habe ich erst jetzt auf Ihre Kritik hin bemerkt. Also entschuldigen Sie bitte. Ich werde das entsprechend im Text korrigieren.
      Aber der Hauptvorwurf ist schon der Hammer. Sie studieren doch, Lena. Dann wissen Sie auch, wie verstehendes Lesen geht. Wo genau haben Sie das, was Sie mir da vorwerfen, in meinem Beitrag gelesen? Wo schrieb ich das? Wenn ich Sie und mich daran erinnern darf, schrieb ich über Sie persönlich lediglich das oben stehende, ihr Alter, ihren Bildungsstatus. Und ich benannte einige inhaltliche Fehler, die Ihnen meiner Ansicht nach in Ihrem Petitionstext unterliefen. Im Weiteren Sinne Sie als Akteurin mit einschließend schrieb ich dann dies hier:

      Leute wie Lena Schuster, die die Online-Petition für die Nykonchuks gestartet hat, meinen es gut. Sie opfern sich auf, sie wollen helfen, wollen Leid verhindern. Sie haben monatelang darum gekämpft, dass Menschen bei uns integriert werden, auch, um zu zeigen, dass Integration möglich ist. Ihre Arbeit ist richtig und von unschätzbarem Wert.

      Und sehr allgemein gehalten über die Situation in der Flüchtlingshilfe und Integrationsarbeit dieses:

      Doch zeigen diese Petitionen auch, wo es in der derzeitigen Asylpolitik klemmt. Die Integrationsarbeit wird zu einem großen Teil von jenen Ehrenamtlichen und kommunalen Kräften bewerkstelligt, die sich oft mit Herzblut da reinhängen, aber (nach eigener Aussage) häufig auch hoffnungslos überfordert sind. Eine emotionale Einbindung bleibt da häufig nicht aus. Doch vielerorts fehlt eben auch ein Verständnis dafür, was unser Asylrecht besagt und dass Integration vor allem denen zuteil werden sollte, die ein dauerhaftes Bleiberecht zugebilligt bekommen haben.

      Schade, dass Sie das Kompliment, das ich Ihnen machte, offenbar gar nicht gelesen haben. Dafür haben Sie das, was ich über die Flüchtlingshilfe im Allgemeinen schrieb, mit Freuden superpersönlich genommen. Wenn DAS die „Wahrheit“ ist, nach der Sie „schreien“ (Ihre Worte) – na, dann…
      Es gibt im Übrigen so etwas wie eine allgemeingültige Wahrheit nicht, Frau Schuster, nur eine subjektive. Erstes Semester Geisteswissenschaften. Es gibt hingegen wahre und falsche Aussagen. Aber ein solch schwerwiegendes Urteil muss man schon eindeutig belegen.

      Es ist einfach meine persönliche Erfahrung als Journalistin, die viel mit der lokalen Flüchtlingshilfe in den Städten und Gemeinden zu tun und damit einen guten Einblick in die Situation erhalten hat, dass das politische Verständnis in Sachen Asylrecht den in aller Regel „normalsterblichen“ (also politisch wenig bis gar nicht geschulten) freiwilligen Akteuren häufig fehlt und sie sich dieses erst mühsam erarbeiten müssen. Ich habe das aber nirgendwo Ihnen persönlich direkt attestiert, so wie Sie das hier behaupten.

      Aber weiter. Woher habe ich meine Kenntnisse über die derzeitige Lage in der Ostukraine? In erster Linie von den Menschen, die – anders als die Familie Nykonchuk, die seit Mitte 2015 hier in Deutschland ist – derzeit dort leben. Mit ihnen stehe ich über soziale Netzwerke in Verbindung. Sie schicken oder veröffentlichen entsprechende Fotos, Videos und Beiträge. Von ukrainischen Pressevertretern, Nachrichtenagenturen und Bloggern, die vor Ort sind. Ich hoffe, das beantwortet Ihre Frage. Im Übrigen hätten Sie das aber auch schon aus dem Artikel selbst erlesen können, denn dort bin ich darauf explizit eingegangen.
      Aber vielleicht gestatten Sie mir eine Gegenfrage: Wann waren Sie das letzte Mal in Donezk? Und wie haben Sie das Leben in der Stadt erlebt? Oder woher beziehen Sie die Kenntnisse, die Sie in Ihrer Petition verarbeiteten? Meines Erachtens geben Sie darin einen zeitlich begrenzten Zustand während der Belagerung bis Februar, maximal März 2015 wieder.

      Alles, was Sie da in dem Ansinnen, meinem Text „Wahres“ entgegensetzen zu wollen, über die Lage im Jahr 2014 und bis zum Jahresbeginn 2015 in Donezk schreiben (Bomben auf Wohngebiete und Schulen usw.), ist nach meinem Wissen absolut korrekt – und wurde nachweislich in meinem Artikel daher auch mit keinem Wort bestritten. Im Gegenteil. Ich danke Ihnen trotzdem, dass Sie das noch mal am Fallbeispiel vertiefen. Der springende Punkt ist, dass sich diese Situation zur Jahresmitte bereits wieder weitgehend entschärft hatte – im Zuge des Friedensabkommens im Februar. Auch die Fluchtgeschichte klingt mir nicht unplausibel, obgleich ich sie nicht nachprüfen kann. Dass man offenbar Russland-treue Flüchtlinge in der Ukraine inmitten eines ungelösten Konfliktes nicht unbedingt mit offenen Armen empfängt, scheint mir glaubhaft. Das alles ändert aber nichts daran, dass all dies keine Asylgründe sind. Wissen Sie, durch wie viele Städte und Länder ein Syrer flieht, ehe er nach Deutschland gelangt, um hier Asyl zu beantragen? Ein Syrer kann nicht nach Aleppo oder Homs zurück, weil dort kein Stein mehr auf dem anderen steht und noch immer der Krieg dort tobt. Aber in Donezk ist derzeit kein Krieg mehr, jedenfalls nicht so, dass dort kein Leben mehr möglich ist. Im Herbst 2015 kehrte mehr als eine halbe Million Menschen in die Stadt zurück – nicht aber die Nykonchuks. Warum wohl und vor allem wie, wenn doch alle Zufahrtswege blockiert werden, wie Sie behaupten? Sie aber scheinen solche Berichte aus der Stadt zu ignorieren, egal, ob sie von den Bewohnern selbst oder von den offiziellen Stellen dort kommen. Sie kennen offenbar nur „Ihre Wahrheit“.

      Genauso interpretieren Sie meinen Text einfach so, wie es Ihnen in den Kram passt. Ich habe nirgends geschrieben, dass das Minsker Friedensabkommen ausnahmslos eingehalten wird. Im Gegenteil, hatte ich ausdrücklich geschrieben, dass es immer noch zu Scharmützeln am Stadtrand und um den Flughafen kommt – aber eben nur noch vereinzelt und nicht im Rahmen großangelegter Offensiven wie noch im Jahr 2014 oder wie etwa derzeit vonseiten der russischen Armee in Syrien. Und wenn Sie etwas tiefer recherchiert hätten, dann hätten Sie erkennen müssen, dass auch der von Ihnen behauptete Beschuss Donezks um Weihnachten herum lediglich zeitlich und örtlich eng begrenzt stattfand und keinesfalls unterschiedslos die gesamte Stadt betraf. Auch hatte ich nicht ohne Grund deutlich geschrieben, dass das Leben in der Stadt auch heute sicher alles andere als einfach ist – eben vor dem Hintergrund des beschriebenen Belagerungszustandes mit hin und wieder auflodernden lokal begrenzten Konflikten.
      Ich habe des Weiteren nirgendwo geschrieben, dass man „nur Syrer integrieren“ sollte und sonst niemanden. Ich schrieb von Integrationsbemühungen, die vorrangig den wirklich Hilfsbedürfigen gemäß Artikel 16a GG zuteil werden sollten. Jetzt können Sie sich aussuchen, ob ich Ihnen attestieren soll, dass Sie den Unterschied nicht kennen oder aber ob Sie ihn vor Wut einfach nicht sehen wollten.
      Ich möchte wissen, wo Sie das alles eigentlich hernehmen. Offensichtlich haben Sie sich schon nach der Einleitung völlig in Rage gelesen. Da verpasst man dann schon mal die Hälfte. Sie sehen die Lage durch Ihre rosa-rot gefärbte emotional-idealistische Brille. Das mag hilfreich sein, wenn es gilt, selbst in schwersten Zeiten nicht den Mut und die Motivation zu verlieren. Zur langfristigen Organisation ist es aber denkbar schlecht geeignet, weil menschliche Kräfte nun mal vergänglich sind, Kapazitäten schrumpfen und die Entwicklung der Flüchtlingszahlen völlig unvorhersehbar geworden ist. All das bedenken Sie gar nicht in Ihrer Vorstellung von Integration. Zum Beispiel die Frage, wie viele vielleicht noch kommen, die Ihre Hilfe langfristig brauchen werden. Die Frage ist also: Können wir es uns also leisten, unser eigenes Asylrecht zu ignorieren und Menschen wahllos aufzunehmen, die gar kein Anrecht darauf haben? Können wir es uns vor dem Hintergrund einer sich anbahnenden humanitären Katastrophe im Nahen und Mittleren Osten leisten, unsere wertvollen und ohnehin viel zu geringen Kapazitäten für Menschen zu verbrauchen, die auch in ihrer Heimat ein vielleicht nicht gerade komfortables, es aber doch ein annehmbares Leben hätten führen können, auch wenn sie sich das Vertrauen ihrer Landsleute vielleicht über eine gewisse Zeit hätten erarbeiten müssen? Mein Artikel beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein. Warum das falsch sein sollte, haben Sie mir selbst mit so vielen (wütenden) Worten nicht erhellen können.

      Lena, Lena, Ihnen springt der Zorn ja förmlich aus den Fingerspitzen. Ein bisschen mehr Gelassenheit würde Ihnen gut zu Gesicht stehen. Aber das kommt vielleicht mit Alter und Reife. Sie klingen jedenfalls, als bräuchten Sie dringend mal Abstand von alledem. Ich hätte es jedenfalls schön gefunden, wenn Sie neben all dem Affront und Rechtfertigen noch die Zeit gefunden hätten, auf die Frage zu antworten, die ich – und das diesmal wirklich direkt – an Sie gerichtet hatte: Warum sollten die Nykonchuks mehr Anrecht auf Asyl haben als Roma vom Balkan, deren Asylanträge regelmäßig abgelehnt werden? Die nirgendwo geduldet, geschweige denn akzeptiert werden? Die in Wellblech-Siedlungen vor der Stadt leben müssen und weder Job noch Bildung bekommen?

      Es muss doch auch Ihnen irgendwie begreiflich sein, dass die Lage in der Ostukraine nicht ansatzweise mit der in Syrien oder im Irak vergleichbar ist, wo die Menschen durchweg in Ruinen hausen und vor allem auch im Rest des Landes ständige Gefahr droht. Um nichts anderes ging es mir in meinem Text. Es ging mir weder um Sie persönlich noch um Ihre ehrenamtliche Tätigkeit (die ich trotzdem zumindest indirekt lobend bewertete) noch um eine Abwertung des Schicksals der Familie Nykonchuk oder darum, dass ich die Familie nicht hier in Deutschland haben will. Das aber machen Sie mit Ihrem Protest hier glauben. Es ging um die derzeitige Asylsituation, wo man um ein Abwägen gar nicht mehr drum herum kommt. Eine Unterscheidung zwischen Menschen, die wirklich vollkommen heimatlos geworden sind und solchen, die weitaus weichere Gründe anführen, ihr Land verlassen zu wollen. Erstere leben in permanenter Bedrohung, seit Jahren – und das nicht nur örtlich oder zeitlich begrenzt. Sie haben Anspruch auf Asyl bei uns. Die Nykonchuks nicht, denn eine erschwerte Wohnungssuche in einer einzigen ukrainischen Stadt kann wohl schwerlich als Asylgrund gelten – und schon gar nicht dann, wenn Aufnahmelager und Integrationseinrichtungen unter dem Ansturm tatsächlich Schwerstbedrohter ohnehin schon aus allen Nähten platzen.

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