Befremdende Republik Neustadt

So schön einfallsreich und kreativ ist die BRN nur noch selten: Installation eines sprechenden Roboters an der Ecke Louisen-/Martin-Luther-Straße. Foto: privat.
So schön einfallsreich und kreativ ist die BRN nur noch selten: Installation eines sprechenden Roboters an der Ecke Louisen-/Martin-Luther-Straße. Foto: privat.
Vielleicht ernte ich hiermit nur Kopfschütteln und das Prädikat „notorischer Nörgler“, mag sein. Dass ich kein Freund der BRN (mehr) bin, daraus mache ich seit Jahren kein Geheimnis. Nicht nur, dass man wirklich Originelles und echten Liebreiz mittlerweile zwischen all dem Kommerz mit der Lupe suchen muss. Wer einfach entspannt bummeln und an einer Bühne oder einem Stand auch mal stehen bleiben und schauen will, ohne von der nachfolgenden Masse weitergeschoben, getreten, angerempelt oder mit Bier übergossen zu werden, der hat eigentlich nur eine Chance: sich vormittags bis spätestens nachmittags auf den Weg zu machen. Nur dann ist es in den immer enger werdenden Neustadt-Straßen noch halbwegs erträglich. Rückzugsräume, wo sich die Menge auch mal verlaufen kann, gibt es fast nicht mehr. Dort, wo früher noch Innenhöfe und Brachen waren, stehen heute Neubauten. Mangels passender Fläche für Bühnen, wo sich auch mal Menschen sammeln können, ohne den restlichen Publikumsverkehr in den Straßen zu behindern, werden Bühnen eben auf der Straße aufgebaut – und das Flanieren dadurch weiter erschwert. Trotzdem kommen jedes Jahr mehr Menschen.
Die BRN ist einfach nur noch eine laute, schmutzige Pflichtveranstaltung, die man über weite Strecken getrost abblasen könnte. Wirklich sehens- und erlebenswerte Programme konzentrieren sich auf einige wenige Straßenzüge zwischen Prießnitzstraße und Martin-Luther-Platz. Diese Entwicklung zeichnet sich schon seit Jahren ab. Handlungsbedarf sieht man bei den Veranstaltern offenbar trotzdem nicht.

Was meine ich mit Handlungsbedarf? Ich glaube, dass die BRN gerade als ideelles Gebilde seit Jahren tot ist. Sie, oder besser gesagt ihr politischer und kultureller Kern, lebt nur noch in einem kleinen Kreis wackerer Fürstreiter aus Gründerzeiten. Was da drei Tage lang auf den Straßen der Neustadt tobt, hat nur noch punktuell und zu einem sehr geringen Anteil etwas mit dem Gründungsgedanken von 1990 zu tun. Stattdessen regiert aller Orten der Kommerz. Die BRN ist über weite Strecken zu einer Profitschlacht der Gewerbetreibenden geworden. Gemeinschaftssinn, Nachbarschaftlichkeit und die sarkastische Auseinandersetzung mit Politik sind völlig dahinter zurückgetreten. Und das ist verdammt schade. Und das Schlimmste: Es setzt sich als bleibender muffiger Beisgeschmack fest und überstrahlt die redlichen Bemühungen vieler Anwohner, dieses gastliche, gemeinschaftlich-gutnachbarschaftliche Element am Leben zu halten.

Privater Verkaufsstand von Anwohnern (Sebnitzer Straße). Die witzigen Beutel mit Vogelmotiv wurden sozusagen „live“ von einem vielleicht zwölfjährigen Jungen bemalt. Foto: privat.

Beispiel gefällig? Mit einer Freundin schlenderte ich am Sonntag über die BRN vor meiner Haustüre. In der Louisenstraße entschieden wir uns für ein Schüsselchen asiatisches Essen, und weil es gerade anfing, zu tröpfeln, setzten wir uns mit dem Essen gegenüber dem Stand auf eine Bank unter einem Bierzelt vor dem „Kalten Hund“ – einem Café, in dem ich schon des Öfteren zu Gast war. Dort standen vielleicht fünf, sechs Biertischgarnituren. Fast alle Plätze waren leer, da es erst Mittag war, und im „Kalten Hund“ vor allem Kaffee getrunken wird. Nur zwei andere Gäste waren da. Wir saßen kaum, da kam auch schon eine junge Kellnerin angeschossen: „Was kann ich Ihnen bringen“? Wir, fast schon entschuldigend: „Oh, wir wollten uns nur kurz setzen und essen“. Darauf sie: „Hm, also das geht aber eigentlich nicht, weil die Bänke zum ‚Kalten Hund‘ gehören“. Wir wechseln einen irritierten Blick. „Aber hier ist doch alles frei, und wenn wir jemandem im Wege sein sollten, stehen wir sofort auf und gehen weiter.“ Sie drückte ein Auge zu und ging. Eine Minute später der nächste Kellner, diesmal ein feminin wirkender junger Mann. „Was darf ich Ihnen bringen“? Wir spulten unseren Rechtfertigungsvers erneut ab. Derweile wurde das Essen langsam kalt. Im Gegensatz zu seiner jungen Kollegin blieb der blondierte Jüngling hart: „Nein, das geht nicht, Sie können hier nicht sitzen, ohne etwas zu bestellen, denn wir sind schließlich ein Café.“ Darauf meine Freundin: „Sie meinen also, es könnte andere potenzielle Gäste abhalten, wenn sie uns hier sitzen sehen..?“ Darauf er: „Wenn Sie wenigstens etwas kleines bestellen, aber nur mit dem anderen Essen hier, das geht nicht.“

MEIN Laden, MEINE Biertische, MEIN Geschäft. Wer kein Geld da lässt, ist nicht willkommen. Nicht mal für fünf Minuten. Bei so viel Ungastlichkeit sind wir schließlich entnervt aufgestanden und gegangen. Unser Essen löffelten wir im Gehen. Im „Kalten Hund“ werde ich nun nicht mehr einkehren. Sorry, Stefan, aber das hast du Herrchen und/oder Frauchen zu verdanken. Wer nicht einmal zur BRN Besitzdenken, Eigennutz und Profitgier ablegen und einfach mal offen, freundlich, zuvorkommend und einladend wirken kann, der hat den Geist der einst so „Bunten Republik“ nicht verstanden und er trägt – schlimmer noch – zum weiteren rasanten Verfall desselben bei.

Wir haben uns nach dieser Episode in Richtung Sebnitzer und Talstraße zurückgezogen – der einzigen Ecke in der Bunten Republik Neustadt, die offenbar noch nicht von der raubtierkapitalistischen Konterrevolution übermannt wurde. Hier kann man sich noch ohne Angst an einem der vielen Tische fallen lassen, bekommt Kuchen und Waffeln soviel man will für eine Spende und wird von niemandem blöd angemacht, weil man sich auf eine Bank oder einen Stuhl setzt, der einem nicht gehört. Hier ist die BRN großteils noch die BRN: Kinder musizieren am Straßenrand – und zwar ohne vom nächsten Gettoblaster auf dem Balkon obendrüber überschallt zu werden, auf der Straße wird Lindyhop oder Polka getanzt, und das Beste: Man kann sich unterhalten und schlendern, statt halb zerquetscht oder vom sich überlagernden Bassgedröhn der Bühnen und DJ-Stände fast taub zu werden.

Entspanntes Straßenkonzert mit Banda Communale in der Sebnitzer Straße. Hier ist die BRN noch authentisch. Foto: privat
Entspanntes Straßenkonzert mit Banda Communale in der Sebnitzer Straße. Hier ist die BRN noch authentisch. Foto: privat

Ich glaube, die BRN braucht mal ein paar Jahre Pause. Eine kreative Denkpause, sozusagen. Zwei, drei Jahre ohne Straßenfest könnten helfen, alte eingefahrene Muster zu durchbrechen. Die BRN muss endlich wieder die BRN werden: Kreativität und Politkritik müssen wieder vor Kommerz gehen und nicht umgekehrt. Die BRN heute ist in erster Linie ein Fest für Händler, Gewerbetreibende und Feierwütige, weniger für die Neustädter (also die eigentlichen Bewohner der Bunten Republik), die häufig genug unter all dem geballten Lärm, den Menschenmassen und dem Dreck, den sie hinterlassen, leiden.
Es muss ein neues Konzept her, das die BRN wieder liebenswert, schrullig und intelligent macht. Statt Trunkenbolde, die ihren jugendlichen Bewegungsdrang ausleben oder sich einfach nur die Kante geben wollen, sollte das Programm wieder mehr kulturell Interessierte und Familien anziehen. Das geht da los, dass man außerhalb der Talstraße oder des Martin-Luter-Platzes fast nirgendwo mehr Angebote für Kinder findet. Louisen-, Alaun- und Görlitzer Straße verkommen zu reinen Party- und Fressmeilen. In engen Straßen wie Alaun- oder Louisenstraße sollten zudem keine Bühnen stehen – es ist einfach kein Platz dafür! Wo ist denn bitte der Genuss, wenn man sich fünf Minuten lang über 20 Meter durch schwitzende Menschenleiber kämpfen muss, die am Asi-Eck dicht an dicht vor zwei Bühnen und drei Sauf-/Fressständen stehen? Überhaupt muss es weniger Fress- und Saufstände geben, die mittlerweile gefühlte 80 Prozent des Angebots auf den Straßen stellen. Fast erweckt es den Anschein als seien Sinn und der Zweck eines BRN-Besuches auf ein fettes Schnitzel oder ne Bratwurst vom Grill und ein kühles Blondes zusammengeschrumpft.
Stattdessen bin ich für kleinere kulinarische „Oasen“, wo dann eben mal zwei, drei Buden beisammen stehen, wo aber andere Angebote von dem Andrang dort nicht behindert werden. Es muss eben nicht jeder Döner und jedes Restaurant seine Küche auch noch nach draußen verlagern. Dann bliebe auch mehr Raum für andere, kreative Angebote. Gerade auch die privaten Initiativen der Anwohner sollten wieder mehr gestärkt werden – das erreicht man aber nicht, indem man den kommerziellen Anbietern das Feld überlässt.

Ja, ich weiß, die BRN lebt auch von den Standgebühren. Und genau das sollte sich ändern, wie ich finde. Zum Beispiel, indem Anrainer und Gerwerbetreibende und auch die Stadt das Fest finanziell absichern. Das mag vielleicht naiv klingen. Aber es funktioniert an anderer Stelle auch. Und wenn es heißen würde, dass sich die BRN verkleinern müsste, dann wäre das ein Preis, den ich ohne Weiteres bereit wäre, in Kauf zu nehmen. Im Übrigen würde ein moderater Eintritt (und wenn es nur drei oder vier Euro wären) vielleicht schon helfen, diese unsäglichen Massen etwas runterzuregeln, die hier alljährlich drei Tage lang in die Neustadt einfallen. Leute – es macht einfach keinen Spaß mehr.

Und wenn dann noch die wenigen wirklich einmaligen, originellen Projekte, wie etwa der Lustgarten, derart von der Stadt demontiert und boykottiert werden, wie es in diesem Jahr der Fall war, dann möchte man eigentlich nur noch, dass dieser Krampf endlich aufhört. Im Lustgarten schlug für mich viele Jahre lang so etwas wie das Herz der BRN. Hier gab es keine Langos-Buden und Wernesgrüner-Kampfsaufwagen. Stattdessen gab es Ponys, Bogenschießen, Yoga-Lounges und Lagerfeuer. Es war ein Ort zum Entspannen und Aktiv werden abseits der Straßen, nie überfüllt, nie laut, nie kommerziell. Wenn solche Projekte sterben, stirbt mit ihnen die BRN. Und mittlerweile bin ich auch bereit, sie sterben zu lassen – zumindest vorübergehend, bis zu ihrer grandiosen Wiedergeburt. Und sei es, dass ein neuer Lustgarten die kleine Keimzelle wird, aus der eine neue, alte BRN ersteht. Mein schönstes BRN-Erlebnis war – und das dürfte wenig verwundern – entsprechend der Besuch des BRN-Museums im Stadtteilzentrum. Es war viel Wehmut dabei. Aber auch ein Gefühl von heimkommen.

P.S.: Wem meine Einzelmeinung überzogen und nicht repräsentativ scheint, dem lege ich auch die Eindrücke des Dresdner Bloggerkollegen Pierre Wilschek ans Herz, die ich nur bestätigen kann.

Update:

Wie mittlerweile über die Mopo und auch das Neustadtgeflüster bekannt wurde, denkt die Schwafelrunde, die die BRN seit 2011 veranstaltet, offenbar tatsächlich über eine Auszeit nach. Demnach will man ein „Sabbatjahr“ einlegen und das Konzept der BRN grundlegend überdenken. Als Auslöser für die Offensive führte man heute auf der Abschluss-Pressekonferenz in etwa die gleichen Gründe an, die ich in meinem Beitrag und die auch viele andere Kritiker häufig anführen: Kulturabbau, zu viel Kommerz, zu wenig Platz. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich von der Pressekonferenz und die dort besprochenen Inhalte erst nach Erscheinen meines Artikels gegen ca. 17.15 Uhr erfahren habe – über das Neustadtgeflüster.

16 Gedanken zu „Befremdende Republik Neustadt“

  1. Hallo Jane,
    ich kann einfach das bejammere nicht mehr hören , früher war alles besser und schöner . Klar findet eine Weiterentwicklung statt, vor vielen Jahren gab es noch keine Technoszene, die Leute sind nicht in die Neustadt gepilgert. Willst Du wirklich eine Mauer bauen um die Neustadt und Eintritt verlangen! Auf der einen Seite würde ich selber das Toll finden, Straßen gebühren einkassieren , super. Aber bitte das ganze Jahr !!
    Ich fand die BRN wieder wunderbar trotz Regen und Sturm. Klar ist so ein Fest was in einem Stadtteil stattfindet nicht frei von Problemen. Aber sollte man sich vor der Stadtverwaltung in die Knie zwingen lassen, wegen der Erweiterung? Die vielen Bühnen mit so einer musikalischen Vielfalt, ist das nicht wirklich wert zu erhalten. Ein super Konzert habe ich im Hinterhof vom „Kalten Hund“ mitbekommen, aber auch vorm Pawlow oder Cubanito. Möchte natürlich nicht irgendetwas hervorheben, ich wollte nur darauf hinweisen wenn man den willen hat etwas schönes zu finden findet man es auch. Es kommt wie so oft auf die Einstellung an und die Sichtweise.
    So wie die politischen Ansichten verschieden sind, so schafft man es auch nicht allen Menschen gerecht zu werden. Selbst im Kleinkosmos der Neustadt, stoßen Konflikte, von Autofahrer, Fahrrad fahrer ,Hundebesitzer, Kindern, Kneipen ……. aufeinander.

    1. Also ehrlich gesagt: Ich kann solche platten Aburteilungen von konstruktiver Kritik nicht mehr hören. Ich „bejammere“ nicht, ich mache Vorschläge zur Verbesserung. Den Unterschied sollte man schon mal anerkenne, Jürgen. Wenn du das für Gejammere hältst und das nicht hören bzw. sehen willst, dann halt dir bitte einfach die Ohren bzw. die Augen zu.
      Im Gegensatz zu dir sage ich keinesfalls, das „früher alles besser und schöner“ war. Im Gegenteil: Ich sage: Es sollte MORGEN endlich besser und schöner werden. Weder habe ich einen Eintritt völlig dogmatisch zur Bedingung gemacht, so wie du das hier darstellst, noch habe ich etwas gegen Hunde oder Kinder. Ich finde es faszinierend, wie hier immer der Bock zum Gärtner gemacht und Kritikern das Wort im Munde herumgedreht wird. Nicht die Technoszene ist schuld, die Kinder oder die Hunde – nein, die Protagonisten, die es sich hier so herrlich mit ihrer Profitgier in der BRN eingerichtet haben. DIE sind das Problem. Das verstehe ich auch nicht unter einer „Weiterentwicklung“ im positiven,konstruktiven Sinne. Wie kann man so etwas nur denken, wenn man bedenkt, was aus diesem einst so kreativen, bunten Straßenfest geworden ist!
      Und wenn du mich fragst: Nein, die vielen Bühnen mit ihrer musikalischen Vielfalt sollte man eben nicht zwangsläufig und um jeden Preis erhalten. Man muss eben auch die bauliche Weiterentwicklung des Viertels beachten – und die ist nun mal im Gegensatz zu der von dir postulierten kulturellen Realität. Wenn kein Platz mehr für Bühnen da ist, sollte man sie auch nicht auf Biegen und Brechen und völlig unkoordiniert aufstellen. Hier geht es auch um die Sicherheit der Menschen und nicht zuletzt um das Seelenheil der Anwohner. Ich finde es als Anwohner einfach zu viel des Guten, weil einfach viel zu viel Verschiedenes parallel nebeneinander. Ich kenne viele Familien, die hier leben, die von der BRN regelmäßig vertrieben werden – das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck sein, das Viertel einmal im Jahr für drei Tage zu entvölkern, um Platz zu schaffen für Feierwütige und Kulturbanausen. Nein – dann lieber gar keine BRN mehr.

      1. Hallo Jane,
        da ist ein kleines Missverständnis entstanden, ich wollte auf keinen Fall Dir unterstellen etwas gegen Hunde und Kinder u.a. zu haben. Dies hat sich auf Artikel und Diskussionsbeiträgen beim „Neustadtgeflüster“ bezogen, wo die Meinungen auch so unterschiedlich sind und Teilweise unter die Gürtellinie gehen.
        Das Problem mit dem Lustgarten, ist meiner Meinung nach, von der Stadt so gewollt. Warum hat man einer Erweiterung des Alauenparks nicht zugestimmt. Ich bin auch der Meinung die Verantwortlichen der Stadt lachen sich ins Fäustchen wenn Sie den Streit der Neustädter unter einander verfolgen. So erreichen Sie es auf einfache Art und Weise, in Ihren Augen ungeliebtes Stadtfest für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen.
        Sollten die Neustadter nicht stolz sein auf so ein einmaliges Stadtfest, mit hunderten Musiker , tausenden glücklichen Gästen. Leipzig hat sein Gothic Festival, Wacken hats Metall Festival. Jeder Neustadter kann etwas beitragen zum schönen Gelingen des Festes.
        Zwar bleibt die enge der Straßen und die Freiflächen werden auch immer weniger, aber so ein friedliches Fest , wo tausende auf den Straßen tanzen und einfach glücklich sind, Sterben zu lassen. Nur weil die Stadt einer Erweiterung der Fläche verhindert.
        Deinen Vorschlag mit dem Eintrittsgeld find ich ja super, so kann man die Ströme eindämmen. Die nur Saufen wollen, bleiben hoffentlich draußen und die wirklich Spaß haben am entdecken und Musik hören sind herzlich Eingeladen mit den Neustädtern gemeinsam zu feiern. Das Geld kann dann für eine sinnvolle Sache gespendet werden, oder zur Beseitigung von Schäden verwendet werden.

        1. Jürgen, wir reden so ein wenig aneinander vorbei. Also noch mal: Niemand (zumindest niemand, den ich kenne) will die BRN einfach sterben lassen. Ihr Problem ist allerdings, dass sie längst im Sterben liegt, denn es gibt eben nicht einfach nur „Tausende glückliche Gäste“, sondern auch sehr viele unglückliche Anwohner und ernüchterte Gäste. Die abermals rückläufigen Gästezahlen hat nicht einmal mehr die Schwafelrunde nur mit dem eher durchwachsenen Wetter in Zusammenhang gebracht. Vielmehr ist es so, dass alle die, die jetzt eine kreative Pause und eine Neuausrichtung fordern, die BRN ja gerade erhalten und endlich wieder zu einem ganz besonderen Erlebnis machen wollen. Ich denke, dass wir einen Mittelweg finden sollten zwischen BRN retten und erhalten und Qualität erhöhen, um den vielen Kritiken Rechnung zu tragen. Man kann die doch nicht einfach ignorieren, nur damit einige nichts missen müssen, oder wie siehst du das?
          Ich war nie ein Freund von Eintrittsgeldern bei öffentlichen Festen. Und deshalb habe ich diese Option auch nur äußerst vorsichtig formuliert und sehr offen gelassen. Das sollte immer das allerletzte Mittel sein. Und vielleicht ist das ja auch gar nicht nötig. Ich denke, dass viele reine Partyfüchse und Saufkumpane ganz von selbst der BRN fern bleiben würden, wenn das Programmangebot nicht derart dieses Klientel auch noch bedienen würde: Rockkonzerte unter freiem Himmel mag jeder – auch das Feiervolk. Stattdessen sollte es auf den Bühnen wieder mehr „grand culture“ geben, Lesungen, Poetry Slams, Kabarett, Klassik, Theater! All das gab es mal zur BRN, ist aber heute fast völlig verschwunden. Klar muss es auch Rockmusik geben, Mensch! Ich liebe Rockmusik! Aber doch nicht nur! Wo sind die vielen kleinen Theater, die Laienchöre und die Musikschulen aus der Neustadt? Es sollte zu denken geben, dass sie, die hier eigentlich zu Hause sind, die BRN scheinbar in keinster Weise als mögliche Bühne sehen – von kleinen Ausnahmen, die ich in diesem Jahr am Martin-Luther-Platz erspähte, mal abgesehen. Mann, wenn ich so zurückdenke an frühere Jahre, da gab es Stummfilmvorführungen, Diavorträge oder Galerien unter freiem Himmel. Am Straßenrand wurde getöpfert oder den Kids vorgelesen. Das alles gibt’s gast gar nicht mehr. Stattdessen jedes Jahr mehr Bierwagen und billigeres Bier.

  2. Alternatividee: Alles wie immer, BRN pünktlich Abends um 8 dicht machen (insert trollface here)

    Mehr Anteil für Kinderstände, kaum Alkoholleichen, gänzlich anderes Publikum

    duck und renn

    1. Also um 8 Uhr dicht machen fände ich nicht so toll. Aber trotzdem: Ich denke, alle diese Vorschläge sollten ernst genommen und auf den Tisch gepackt werden. Für mich steht fest, dass andere Anreize geschaffen werden müssen, wenn man andere Angebote und damit auch ein anderes Publikum will. Ich persönlich würde z.B. lieber die BRN zunächst auf einen Tag beschränken, statt schon um 8 Uhr dicht zu machen. Und dann vielleicht einen moderaten Eintritt nehmen oder höhere Gebühren für Gewerbetreibende.

  3. Hallo Jane, Du schreibst:

    „Ja, ich weiß, die BRN lebt auch von den Standgebühren. Und genau das sollte sich ändern, wie ich finde. Zum Beispiel, indem Anrainer und Gerwerbetreibende und auch die Stadt das Fest finanziell absichern. “

    Da bist Du einem Denkfehler aufgesessen. Die Standgebühren sind in großem Maße die Verwaltungsgebühren, nur die Sondernutzungsgebühr ist gewissermaßen ein Gewinn für das Stadtsäckel. In diesem Jahr 16.400 Euro Antragsgebühren und 24.700 Euro Sondernutzungsgebühren.

    Allein die Stadtreinigung verschlinkt ein Vielfaches. Polizeieinsatz, und Ordnungsamtskontrollen wage ich gar nicht zu beziffern. Die BRN bekommt Förderung aus dem Kulturamt, z.B. für die Begrüßungsgelder, die zum Beispiel das Roboterhaus erhalten hat und zum Beispiel für das Programmheft.

    Im Endeffekt sichern die Anrainer, die Gewerbetreibenden und die Anwohner und der Rest von Dresden das Fest mit ab, einfach, indem sie Steuern zahlen.

    Fairer wäre meiner Meinung nach, wenn die Standgebühren so hoch wären, dass davon Reinigung und Absicherung bezahlt werden kann. Dann würden vielleicht auch endlich die 2,- Euro/Bier der Vergangenheit angehören und vielleicht auch etwas weniger Billig-Sauf-Touristen touren.

    1. Hallo Anton,

      Gut, so tief stecke ich in der Thematik nicht drin. Mir war nur klar, dass Standgebühren erhoben werden – und dass die sicherlich auch auf die eine oder andere Weise mit in das Gesamtbudget einfließen. Und wenn du schreibst, dass diese für die Verwaltungsgebühren verwendet werden, dann ist das ja in gewisser Weise auch korrekt (und somit nicht unbedingt als „Denkfehler“ zu bewerten). Oder könnte die BRN derzeit auch ohne die Einnahme von Standgebühren organisiert und durchgeführt werden? Falls nicht, dann ist die Aussage, dass die „BRN auch von den Standgebühren lebt“, zumindest nicht falsch. Aber trotzdem bin ich natürlich für jede weiter reichende Erhellung diesbezüglich dankbar. Wie ist das denn z.b. jetzt: Bezahlt JEDER die gleiche Standgebühr, oder wird zwischen Gewerbetreibenden und Bewohnern (Privatleuten) differenziert?
      Meine große Sorge ist bei höheren Standgebühren, dass die sich dann irgendwann wirklich nur noch gewerbliche Leute leisten könnten – wo bleiben dann aber die Stände der Anwohner? Vielleicht könnte man stärkere Anreize für private Initiativen mit Niveau setzen, wenn man für diese auf Standgebühren verzichtete, dafür aber die Gebühren für Gewerbetreibende erhöhte?
      Deshalb will ich eben auch nicht ein paar kleine Rosinen rauspicken, sondern denke, dass das Große Ganze auf den Prüfstand muss. Es sollte nach einer Lösung gefahndet werden, die das Persönliche, das Private, das Nachbarschaftliche wieder mehr in den Vordergrund rückt. WIE das letztlich erreicht werden kann, sollte in einem gemeinsamen Diskurs (vielleicht einen Runden Tisch) erörtert werden – und dazu könnte man eine kreative Pause in Gestalt dieses sogenannten „Sabbat-Jahres“ gut nutzen.

  4. Als Bewohner der Neustadt (Görlitzer/Seifhennersdorfer Straße) bin ich Opfer des Irrsinns. Drei Tage wird unser Hinterhof in eine Kloake verwandelt. Dort wo am nächsten Tag wieder Kinder spielen wollen (wenn es die Familien denn nicht vorgezogen haben, wie so viele das Weite zu suchen). Kein Einsehen bei den meist angetrunkenen oder zugekifften Menschen, wenn man sie bittet, ihre Notdurft im unweit aufgestellten Toilettenhaus zu verrichten. Eher bekommt man Prügel angeboten. Oben genannte Vorschläge von einer zeitlichen Begrenzung bzw. der Entrichtung eines kleinen Eintrittsgeldes würde die Unzahl der von ausserhalb einfallenden Horden sicher deutlich senken und so die Akzeptanz unter den Anwohnern deutlich steigern. In der Nähe von Kinderspielplätzen (Sebnitzer Straße) grundsätzlich keine Bierwagen und möglichst keine Bühnen mehr.
    Das Mass ist deutlich überschritten. Macht Schluß mit dem Irrsinn. Besinnt euch auf das eigentliche Ziel der BRN. Weniger ist manchmal mehr.

    1. Du bist bestimmt auch einer der armen Typen die vor 30 Jahren mit ihren Kindern in die Neustadt gezogen sind und seit dem mit diesen Irren leben müssen und jedes Wochenende verzweifelt aufs Neue von oben die Trunkenbolde zur Ruhe auffordern.

      In der Nähe von Kinderspielplätzen (Sebnitzer Straße) grundsätzlich keine Bierwagen und möglichst keine Bühnen mehr.

      Klingt realistisch! Wird helfen!

      1. Bitte – wir wollen hier höflich und sachlich miteinander umgehen. Mag sein, dass so was in anderen Blogs egal ist. In meinem nicht. Respektiert doch einfach die Ansichten eurer Mitdiskutanten – auch wenn sie euch vielleicht nicht so gefallen. Dann kann man widersprechen. Wir wissen doch gar nichts über Steffen. Wenn er von der BRN genervt ist, wird er seine Gründe haben. Übrigens: Ich bin in der Neustadt geboren und aufgewachsen, lebe seit vielen Jahren wieder hier. Und ich ärgere mich trotzdem über Chaoten, die meinen, meinen Hinterhof als Klo oder nächtlichen Abenteuerspielplatz missbrauchen zu müssen.

  5. Seit über 20Jahren das gleiche Lied. Es waren schon immer zu viele Punks oder Goahörer oder HipHoper oder Technofans, zuviele Bratwürste oder Dönerstände oder indische Küchen, zuviele Prohliser oder Gorbitzer oder Autonome oder Hools oder Touristen oder Polizisten. Natürlich war das Bier immer zu teuer und zu bilig, die Standmieten zu hoch und zu niedrig. Seit zwei Jahrzehnten gibt es kaum noch Stände von Kindern, bunte Aktionen von Anwohnern und Kleinkünstler auf dem Strassenfest mit der größten Kleinkunstdichte in Europa. Ich habe vor einem Jahrzehnt aufgehört dieses Lied mitzusingen und genieße lieber die vielen bunten Ecken, die es nach wie vor fast überall in der Neustadt gibt (s. deine Bilder). Seit dem lausche ich wieder Liedermachern, besuche Galerien, schaue Filme im kleinsten Kino der Welt, staune über experiementierende Kinder, frühstücke selbstgemachten Kuchen an fremden Tischen, pogge mit Punks, rave zu verrückten elektronischen Sounds, relaxe bei zuckersüßer Independent-Musik und freue mich, dass dies erst der Freitag war. Ich kann jeden verstehen der nach einigen Jahren keine Lust mehr auf dieses Fest hat, aber es allen vorzuenthalten, kann auch keine Lösung sein. Problem gibt es natürlich mit dem stettig wachsenden Disco-Publikum. Das hatten wir allerdings auch schonmal, damals mit den Punks und es wurde dank dem Merkwürden e.V. ein prima Lösung im Alaunpark gefunden.

    In diesem Sinne, ich bin auch für ein Jahr Pause bis Juni 2016 und hoffe es machen dann wieder so viele Neustädter mit. Jeder kann sich einbringen und damit das Fest mitgestalten. Wandeln durch handeln wäre vielleicht ein gutes Motto für nächstes Jahr 😉

    1. Also, dass die BRN „allen vorenthalten“ werden soll, sagt ja gar keiner. Schau mal genau hin – wie viele Vorschläge wurden hier zur Güte gemacht, und wie viele davon wollen die BRN ganz einstampfen? Kein einziger. Und das will sicherlich auch die Schwafelrunde nicht. Nur weil mal ein Jahr Pause gemacht werden soll, geht nicht die Welt unter.
      Mein Problem – und da kann ich nur für mich sprechen – ist, dass ich die verbliebenen bunten Ecken, die du zu Recht ansprichst, zuletzt einfach nicht mehr genießen konnte, weil mich das nervige Rundherum einfach zu sehr störte. Und ja – mich stören die ganzen Fress- und Saufwagen einfach mal. Wer so etwas will, der ist auch beim Dorffest in Hinterposemuckel gut aufgehoben, dafür braucht es keine Bunte Republik Neustadt. Es kommt auch nun mal nicht jeder am Freitag um 15 oder 17 Uhr tiefenentspannt von der Arbeit und hat dann noch Lust und Muse, sich beschallen und herumschubsen zu lassen. Und das ich generell nur noch wenig Lust auf dieses Fest verspüre, das kommt nicht von ungefähr, sondern das hängt eben mit dem erheblichen Qualitätsverlust zusammen, den es meiner Ansicht nach erfahren hat. Jeder hat andere Ansprüche an solch ein Fest. Wer aber die guten alten Anfangszeiten noch kennt, der muss sich zwangsläufig schockiert den Kopf kratzen und Fluchtreflexe verspüren, wenn er heute über die BRN geht. Ob hier noch einmal eine Rückbesinnung möglich ist, ist für mich fraglich. Viel zu viele Jahre läuft das nun schon seinen eingeschliffenen Trott. Und auch, ob es überhaupt noch genügend Neustädter gibt, die die alte Aufbruchsstimmung von damals wiederaufleben lassen wollen und können, das ist auch so eine Frage. Deshalb wäre eine komplette Neuausrichtung vielleicht das Beste. Es muss ja nicht wieder das Alte rausgekramt und künstlich am Leben gehalten werden in einer Generation Neustädter, die das selbst alles gar nicht mehr kennt. Aber es sollte in jedem Fall wieder mehr Nachbarschaftlichkeit und mehr Kreativität Einzug halten. Ich selbst habe Leute erlebt, die mussten sich mit ihrem kleinen Privatstand in den dunklen Hauseingang verdrücken, weil die Gastwirtschaft nebenan auf jeden Quadratmeter Verkaufs- und Sitzfläche pochte. Ich finde DEM muss irgendwie Einhalt geboten werden.

  6. Es wäre mal interessant zu wissen, wann die BRN für dich noch in Ordnung war?
    Mir persönlich wurde schon auf meiner ersten BRN gesagt, das wird so die 4. oder 5. gewesen sein, dass der Geist der BRN verloren sei.
    Wummernde Technobässe gab es da auch schon, zumal eine der Wiegen der Technoszene in Ostdeutschland direkt um die Ecke war und von Neustädtern gegründet wurde (Base Bischofsweg), genauso wie die ersten Technoplattenläden (Hardwax & CO.). Spätestens seit der Etablierung der ersten richtigen Kneipe für Homosexuelle in DD, dem Queens, hielt auch House und Discomusik einzug.
    2007 war das Motto schon „unplugged“ um die Großanlagen, nebst dem dazu gehörigen Publikum aus der BRN zu entfernen. Dass stieß bei vielen Anwohnern auf massive Gegenwehr, da dann viele nicht mehr den Sound hätten spielen können, der ihrer Lebensweise entsprach (Punks, Metaller usw. eingeschlossen). Ich habe heute noch das Shirt zu Hause „stricktly plugged music BRN07“, von einem Anwohner entworfen und gedruckt.
    Vor 15 Jahren (BRN#10) bekam ich, auf der Louisenstr. (Nähe Alaustraße) wohnend, meinen Sohn und es war uns damals schon sternenklar, dass dringend ein Nachtlager für zwei Nächte gefunden werden musste. Was aber völlig o.k. war, da unser Stadtteil/unsere Freunde schließlich feiern wollten! Einziger Anlaufpunkt mit Kind war ab BRN#11 auch da schon die tolle Spielstraße auf der Talstrasse, der Rest ging nur mit Kopfhörern.
    Überfüllte Straßen, durch die sich die Massen quetschen, gehörten auch schon immer irgendwie dazu. Ich spüre noch heute die Freude darüber jeden Hinterhof zu kennen, um das Gedränge zu umschiffen. Das geht heute natürlich nicht mehr, da alles zugeschlossen und bebaut ist.

    Veränderungen müssen natürlich immer her! Ich fände es toll die Merkwürdenbühne im Alaunpark wieder in die Neustadt zu locken. Da kommen sie her, da gehören sie hin, politisch wie auch kulturell. Dafür könnte man dem Großraumdiscovolk im Alaunpark Platz bieten, mit genügen Klo`s und Bierwägen mit Becherpfand. Damit wäre auch das zunehmende Sicherheitsrisiko, gerade am Bermudadreieck (Görli-Ecke Louise) behoben. Nicht auszudenken was passiert, wenn dort Panik aufkommt, oder mal ein Act spielt der einfach mal 5000 Leute mehr zieht.
    Dazu vieleicht noch eine Flyeraktion damit jeder Anwohner weiß, er kann eine Fläche anmelden und hat Vorzugsrecht. Inkl. Abgabetermin usw., dann wird es auch etwas mit „wandeln durch handeln“ 😉

    Ich kann nur sagen, kommt am 08.07. 19.00Uhr in die Scheune zur Schwafelrunde und bringt euch ein. Das Stadtviertel ist schön, gehört uns und das können wir auch einmal im Jahr feiern. Ich kenne genug Kneiper und Clubbesitzer, um sagen zu können, geben wir es aus der Hand, dann machen sie es. Das wäre dann meine letzte BRN!

    1. Hallo Torsten,

      späte Antwort, da ich einfach zwischenzeitlich von dem Thema abgekommen war. Es gibt für mich keinen festen Zeitpunkt, bis zu dem die BRN „noch in Ordnung“ war. Der Verfall kam irgendwie schleichend und auch in Phasen. Die Leute, die dir sagten, dass schon zur 4. oder 5. BRN der ursprüngliche Geist verflogen gewesen sei, hatten sicher irgendwo recht. Aber damals stimmte irgendwie das Gesamtpaket immer noch. Meine erste BRN lag auch um diese Zeit herum – und ich fand sie damals klasse. Auch Ende der 90er war es eigentlich noch schön – obwohl es besagte Techno-Stände gab. Wie ich schon schrieb, sind die für mich nicht prinzipiell das Problem: Die Masse macht’s einfach. Und mit der wurde es ab Ende der 90er immer schlimmer. Je mehr sie zunahmen, desto mehr nahmen andere kreative Angebote ab. Es war einach einfacher, sich mit einer Anlage auf den Balkon zu stellen und aufzudrehen, als sich wirklich was einfallen zu lassen.
      Der traurige Höhepunkt war dann für mich Anfang der 2000er-Jahre erreicht, wo die BRN immer mehr zum Tempel irgendwelchen Feiervolks und auch von streitsüchtigen Chaoten wurde. Schon allein die Massen, die nun kamen, waren unerträglich. Als 2001 die Ausschreitungen losgingen, war ich gottseidank schon geflüchtet. Es war das erste Mal, dass ich als Neustädter (damals Anfang 20) keinen Bock mehr auf die BRN hatte. Als es im Jahr darauf nur eine „Rumpf-BRN“ gab (vor allem stand da die Fußball-WM im Vordergrund), war das erholsam ohne Ende. Trotzdem gab’s wieder Krach. Von nun an ging das Jahr für Jahr so weiter – und man hatte den Eindruck: Je mehr die Chaoten das Ruder übernahmen, desto mehr passte sich das Angebot dem an: Mehr Bierwagen, weniger Kultur (mit Ausnahme der üblichen Rock-Bühnen). Gleichzeitig dehnte sich die BRN immer mehr aus, sodass auch immer mehr Anwohner von dem täglichen Krawall betroffen waren. Ich glaube, niemand, der nicht in dieser Meile wohnt, kann das nachvollziehen: BRN auf Gedeih und Verderb. Ausweich- oder Rückzugsmöglichkeiten gab es fast keine mehr. Ich glaube, dass DAS einer der größten Fehler war: die BRN derart ausufern zu lassen.

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