Der Soldat und das Mädchen – aus den Erinnerungen sowjetischer Soldaten in Ostdeutschland.

Michail Gordejew und Heike Michel. Das Foto entstand 1978 auf dem damaligen Kasernengelände, dem heutigen Festpielhaus-Areal in Hellerau.
Michail Gordejew und Heike Michel. Das Foto entstand 1978 auf dem damaligen Kasernengelände, dem heutigen Festpielhaus-Areal in Hellerau.
Fast ein halbes Menschenleben muss Michail Gordejew zurückgehen, will er sich die Stadt vor Augen rufen, in der er einst eineinhalb Jahres seines Lebens verbrachte. Die Stadt ist nicht mehr dieselbe, Gordejew längst kein junger Mann mehr. Seine Haare sind ergraut, daheim, in der russischen Kleinstadt Poljewskoi, 40 Kilometer südwestlich der Millionenstadt Jekaterinburg, spielen die beiden Enkel im Garten. Auch die Welt ist mittlerweile eine andere geworden. Als Gordejew im Mai 1978 als 19-Jähriger nach Dresden kommt, stehen sich Ost und West unversöhnlich im Kalten Krieg gegenüber. Der Junge aus dem Ural wird in die DDR geschickt, um in Dresden seinen Wehrdienst in der Sowjetarmee abzuleisten. 35 Jahre nach seiner Heimkehr existieren weder die DDR noch die Sowjetunion. Dresden hat Mischa, wie ihn Freunde nennen, seit damals nicht wiedergesehen, die Erinnerung verblasst langsam. Doch etwas hat er bis heute nicht vergessen: Locken, ein gewinnendes Lächeln, ein Name: Heike.

KaserneLinksHeuteEZKEs ist Frühling, als Gordejew in Dresden ankommt. Viel sieht er nicht von der Stadt. Vom Bahnhof geht es direkt in die Kaserne in Hellerau. Auf dem Territorium des heutigen Festspielhauses ist damals das 189. Sanitätsbataillon der 11. Gardepanzerdivision stationiert, die Spielstätte selbst eine Mischung aus Lazarett, Kaserne und Sporthalle, Deutsche haben hier nur mit Passierschein Zutritt. Riesige Siegesikonen an den Wänden im Treppenhaus erinnern bis heute an die militärische Nutzung. Ein Soldat schuf sie just 1979, in Mischas letztem Jahr.

Mischa dient in der Nachrichtenkompanie des Bataillons. Es sei eine anständige Einheit gewesen, sagt er. „Insgesamt habe ich gute Erinnerungen. Fast jeden Tag habe ich aus dem Stab die Post für die Einheit geholt“, erinnert sich der 56-Jährige. Der Stab liegt in Klotzsche, im heutigen Akademiegelände der DGUV. Der junge Soldat geht die Strecke zu Fuß oder nimmt die Straßenbahn – ein kleiner Fetzen Freiheit im ansonsten von Restriktionen und bedingungsloser Unterordnung geprägten Militäralltag.
Im November 1978 kündigt sich eine deutsche Delegation in Hellerau an. „Das war der Tag, an dem ich Heike zum ersten Mal traf.“ Die Delegation besteht aus Studentinnen der Medizinischen Akademie, einer Lehrkraft sowie deren Ehemann – dem Kommandeur einer Dresdner Sanitätskompanie der NVA, der gute Beziehungen zu Gordejews Bataillonschef pflegt. Heike, die mit Nachnamen damals vermutlich Michel hieß, ist eine der Studentinnen. Solche Besuche sind nicht unüblich. Von oben verordnet und feierlich inszeniert, sollen sie die deutsch-sowjetische Freundschaft als Eckpfeiler des sozialistischen Selbstverständnisses demonstrieren.
Mischa darf die Delegation begleiten, man besichtigt die Kaserne, isst gemeinsam im Speisesaal, der heute ein frisch saniertes Mehrfamilienhaus ist. „Es ist schwer zu erklären, aber irgendwie fanden Heike und ich auf Anhieb eine gemeinsame Sprache.“ Zwischen beiden entwickelt sich ein Briefwechsel. „Ich schrieb ihr auf Deutsch, sie antwortete auf Russisch.“ Als er ihr ein Treffen außerhalb der Kaserne vorschlägt, wird die Abteilung für Inneres hellhörig. „Viel später sagte man mir, dass der Brief nicht durch die Zensur gelassen wurde.“

Michail Gordejew mit Heike Michel, Kameraden und den Studentinnen der Medak gegenüber dem Kasernengelände in der Karl-Liebknecht-Straße in Hellerau. Foto: Privatarchiv W. Zhirnow
Michail Gordejew mit Heike Michel, Kameraden und den Studentinnen der Medak gegenüber dem Kasernengelände in der Karl-Liebknecht-Straße in Hellerau. Foto: Privatarchiv W. Zhirnow

Ein sowjetischer Soldat und ein deutsches Mädchen – angesichts rund zehntausend sowjetischer Militärangehöriger, die in der Dresden quasi Tür an Tür mit den Einheimischen leben, keineswegs ausgeschlossen. Offiziell aber sind auch rein freundschaftliche Kontakte unerwünscht. Einfachen Soldaten wie Mischa sind sie strengstens untersagt. Wer sich dem Diktat widersetzt, riskiert Arrest oder in die Heimat versetzt zu werden. Die beiden jungen Leute schreiben sich dennoch weiter. „Heike gab Briefe ihrer Lehrerin, diese wiederum gab sie ihrem Mann, dem Major. Der brachte sie uns dann zu Freundschaftsbesuchen mit.“ Insgesamt drei Mal trifft Mischa Heike zu solchen Gelegenheiten persönlich. „Bei unserem letzten Treffen sagte sie mir, dass sie nach Leningrad reisen würde.“ Sie habe ihm mehr dazu schreiben wollen. Doch die Zensur ist gnadenlos: „Alle ‚kritischen‘ Passagen wurden stets herausgestrichen. Sie wollten einfach nicht, dass wir uns weiterhin treffen. Deshalb hat man dann wohl auch veranlasst, dass ich vorzeitig entlassen wurde.“ Im Oktober 1979 wird der inzwischen zum Unteroffizier aufgestiegene Mischa plötzlich demobilisiert. „Ich hatte Heike noch ein Foto von mir mit der Wohnadresse meiner Eltern auf der Rückseite geschickt“, aber dort hört man nie von ihr. Vermutlich habe auch das die Zensur kassiert.

Eigentlich, so Gordejew, der seit vielen Jahren glücklich verheiratet ist, zwei erwachsene Töchter hat, habe er nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, Heike ausfindig zu machen. „Erinnert habe ich mich aber all die Jahre an sie. Es drängt mich, zu erfahren, wie ihr Leben verlaufen ist.“ Er ist unsicher, den Weg der Medienöffentlichkeit zu gehen, in einem Land, dessen gesellschaftliche Gepflogenheiten ihm fremd sind. „Vielleicht will sie das ja gar nicht?“
Von Heike weiß er nur den Namen, dass sie ursprünglich aus Görlitz stammte, an der Medak lernte oder studierte und im dortigen Wohnheim lebte. „Gewiss hat sie geheiratet, heißt heute anders. Aber vielleicht erkennt sie sich ja und meldet sich“, hofft der ehemalige Soldat. Ein Ex-Kamerad entdeckt in der alten Divisionszeitung einen Artikel über die Freundschaftstreffen mit den Namen von Heikes Ausbilderin und deren Mann, des NVA-Majors. „Es handelt sich um das Ehepaar Rosemarie und Wolfgang Kestler. Sie hatten zwei Söhne namens Thomas und Jens. Thomas muss damals ungefähr 10 bis 12 Jahre alt gewesen sein und begleitete seine Mutter zu den Freundschaftstreffen“, erklärt Gordejew. Er hofft, damit den Kreis möglicher Hinweisgeber zu erweitern. Der 56-jährige Russe hofft auf ein Lebenszeichen. Ein Versuch, ein Kapitel seines Lebens zu schließen, das im Herbst 1979 abrupt endete.

Anmerkung der Autorin: Der Artikel erschien am 17. Februar 2014 in der Sächsischen Zeitung unter dem Titel „Der Soldat und das Mädchen“.

9 Gedanken zu „Der Soldat und das Mädchen – aus den Erinnerungen sowjetischer Soldaten in Ostdeutschland.“

  1. Eine interessante Geschichte, die sich – obschon sehr außergewöhnlich – möglicherweise so zugetragen haben könnte. Offene Fragen, die mich zunächst mal an der vollständigen Authentizität der Schilderung zweifeln lassen, bleiben dennoch:

    Einen Beleg dafür, dass es innerhalb der GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) eine offizielle Briefzensur gab (also, dass, wie beschrieben, Briefe geöffnet, gelesen und mit geschwärzten Passagen an den Empfänger weiter gegeben wurden) habe ich nicht gefunden. Kannst du einen nachliefern? Denn das erscheint mir doch eher unplausibel.
    Dass ein einfacher Soldat mit Botendiensten betraut wurde und sich in dem Zusammenhang ohne Begleitung in der Öffentlichkeit bewegen konnte, ist zwar denkbar, entsprach aber ganz sicher nicht den Gepflogenheiten und Dienstvorschriften der GSSD – normalerweise hätte man wohl einen Fähnrich oder Unteroffizier mit dieser Aufgabe betraut. Und: Obwohl seine Vorgesetzten infolge des angeblichen Mitlesens seiner Briefe über die (unerwünschte) Beziehung zu der deutschen Studentin im Bilde sein mussten, durfte er dennoch als Postbote fungieren (und so die an ihn selbst gerichteten Briefe der Studentin der Zensur entziehen) ???
    Zitat: „Viel später sagte man mir, dass der Brief nicht durch die Zensur gelassen wurde.“ Wer sagte ihm das und welchen Grund sollte die Person gehabt haben – falls Briefe tatsächlich „einkassiert“ wurden -, derartige „Dienstgeheimnisse“ auszuplaudern? Sein damaliger Abwehroffizier, der inzwischen sein Gartennachbar ist ???

    Leider erwähnst du auch nicht (was aber zum Verständnis und zur Einordnung des geschilderten Sachverhalts für mich als Leser durchaus bedeutsam wäre), wie du auf Michail Gordejews und Heike Michels Geschichte aufmerksam wurdest und wo und aus welchem Anlass du mit Gordejew gesprochen hast. In Dresden war er ja wohl seit seiner Entlassung aus dem Militärdienst nicht wieder? Hast du ihn zuhause in seiner russischen Heimat besucht – oder lediglich ein Telefoninterview mit ihm geführt? Hältst du selbst die Geschichte, so wie beschrieben, für unzweifelhaft und plausibel?

    Und was genau ist es, das da noch in seinem Inneren rumort (sich aber meinem Verständnis entzieht) und das ihn einerseits „nie ernsthaft mit dem Gedanken spielen ließ, Heike ausfindig zu machen“, das andererseits offenbar aber nun doch den Wunsch „ein Kapitel seines Lebens zu schließen“ sehr groß sein lässt?

    1. Hallo Peter. Zum Verständnis dieser Artikelform sei vielleicht angemerkt, dass er am 17. Februar in der Sächischen Zeitung so erschienen ist. Es ist also kein klassischer Blog-Eintrag, sondern ein Zeitungsartikel, den ich 1:1 so für meinen Blog übernommen habe – auch, um einen möglichen Hinweisgeberkreis noch weiter zu erhöhen. Nun hat man in der Zeitung aber in der Regel nicht – wie im Blog – unbegrenzten Platz. Deshalb musste ich den Beitrag auf das Wesentliche – nämlich die Geschichte – begrenzen.
      Übrigens: Geschichten müssen nicht immer vollständig authentisch sein. Wer will so etwas prüfen? Kannst du in die Köpfe der Menschen schauen? Ich habe Michail Gordejew aber nicht als jemanden kennengerlernt, der sich gerne nach vorne schiebt und das Rampenlicht sucht mit irgendwelchen Schauermärchen. Er machte mir den Eindruck als meinte er sein Anliegen sehr ernst. Vergessen darf man auch eines nicht: Er ist ein Mann, der auf die 60 zugeht, und diese ganze Geschichte liegt mehr als 30 Jahre zurück. Da würde es mich tatsächlich eher erstaunen, wenn er alles völlig korrekt erinnert hätte. Und doch geht es in dem Artikel nicht um die möglicht detailgetreue Schilderung historischer Abläufe, sondern um die Suche nach einem Menschen, der ihm in seiner Zeit als Soldat einiges bedeutet hat – gerade wenn man ich den häufig nicht sehr schönen Alltag eines sowjetischen Soldaten vor Augen hält.

      Mich wundert ehrlich gesagt ein wenig, wie nüchtern und analytisch du an eine olche Geschichte herangehst. Ganz so, als handele es sich um eine Klageschrift oder um eine Hintergrundanalyse politischer Prozesse. Dabei geht es hier eigentlich um zwei Menschen, die sich sympathisch fanden und deren beginnende Freundschaft ziemlich abrupt unterbrochen wurde. Wie wäre es mit etwas mehr Feingefühl, wenn ich das mal so anmahnen darf?

      Die Frage ist übrigens nicht, ob ich einen „Beweis“ für mögliche Zensurpolitik in den GSSD „nachliefern“ kann. Die Frage ist, wo du nach Beweisen (erfolglos) gesucht hast. Immerhin steht deine Behauptung hier gegen die eines (und keineswegs nur eines) Zeitzeugen. Wo im Artikel von „geschwärzten Passagen“ die Rede ist, musst du mir auch mal zeigen. Aber schön, das mein Artikel offensichtlich zur Anregung der Fantasie beiträgt 😉

      Offensichtlich hast du den Artikel mit einiger Vorbelastung gelesen – was auch dazu beiträgt, dass du ihn mehr interpretiert als verstanden hast. Tut mir leid, aber ich muss das so deutlich sagen. Sonst würdest du nicht schreiben, dass man „normalerweise einen Fähnrich oder Unteroffizier damit betraut“ hätte. Im Artikel stand deutlich, dass Gordejew zum Unteroffizier befördert worden war. Und es war auch absolut nicht unüblich, dass ein Soldat – wenn er sich als zuverlässig erwiesen hatte – allein auf Botengänge – die sogenannten Kommandirowkas – geschickt wurde. Die Zensurgeschichten erfolgten gegen Ende von Gordejews Dienstzeit – und sie führten dazu, dass er nicht nur seines Postens als Postbote enthoben, sondern direkt vorzeitig nach Hause entlassen wurde. Es steht doch alles eigentlich im Artikel, Peter. Wie auch deutlich drinstand, dass die Studentin ihre Briefe nicht selbst schickte, sondern dass der Ehemann ihrer Ausbilderin (der NVA-Major) sie zu Besuchen beim Bataillon mitbrachte und sie an Gordejew weitergab.

      Du hast recht: Die vollumfängliche Authentizität dieser Erzählungen ist nicht nachzuweisen. Und genau das sollte man auch akzeptieren. Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit dazu, da es im Artikel nicht darum geht, historische Vorgänge aufzuklären, sondern darum, eine persönliche Geschichte aus Perspektive eines Menschen zu erzählen.

      Was ich von dir aber gerne mal wissen würde: Was qualifiziert dich denn eigentlich zu einem plausibleren Urteil über die Vorgänge innerhalb der sowjetischen Armee, als einen Menschen, der selbst mehrere Jahre lang Teil dieses Systems war? Und du darfst übrigens davon ausgehen, dass ich nicht nur Michail Gordejew gesprochen habe, sondern auch mit seinen Kameraden. So haben mir er und ein weiterer Soldat der Aufklärungskompanie unabhängig voneinander berichtet, Gordejew sei dort u.a. der Postbote gewesen. Dass die Poststelle zudem im Stab der 11. Division war, haben mir unabhängig von diesem speziellen Fall noch mehrere andere Soldaten berichtet. Und welchen Grund sollte es denn gegeben haben, ihn nicht zum Postboten zu machen? Weißt du einen? Die Sache mit den Briefen ging ja erst 1979 los, und es lagen zwischen den einzelnen Briefen auch eineswegs Tage oder eine Woche, sondern bisweilen waren die Abstände recht groß. Aber die Gründe für deine Zweifel daran, dass es Zensur innerhalb der sowjetischen Armee gegebe habe, wüsste ich wirklich mal gern.
      Eigentlich braucht man nur ehemalige NVA-Soldaten danach fragen – und sie werden viel zu erzählen haben. Ich habe mit einem ehemaligen Spieß gesprochen, der selbst eigenhändig Briefe der Soldaten und eingehende Post zensierte. Nun frage ich dich: Warum sollte das in der Sowjetarmee anders gewesen sein?

      1. Hallo Jane,

        dass der Artikel auch anderswo, z.B. auf SZ-Online publiziert wurde, wusste ich schon. Ich hätte ihn gerne auch dort gelesen; schon, um zu wissen, ob es eine Kommentarfunktion gibt, und wenn ja, ob außer mir auch anderen Lesern „Ungereimtheiten“ darin aufgefallen sind. Allerdings hätte ich dazu ein Abo kaufen müssen; was ich schon deshalb nicht tun werde, weil ich diese Art von Boulevardjournalismus nicht unterstützen möchte.

        Der Platz in der Zeitung ist begrenzt, das ist wohl so. Aber hier im Blog hättest du über den nackten Text hinaus gehende und zum Verständnis beitragende Informationen geben können. Mehr als die, die du jetzt nachträglich noch deiner Antwort an mich hinzugefügt hast.

        Sicher, nach so vielen Jahren kann nicht jedes Detail erinnert werden, und es muss auch nicht 100%-ig alles richtig wiedergegeben werden. Aber je mehr Puzzleteilchen nicht zueinander passen (wie in diesem Artikel), desto unstimmiger ist das Gesamtbild und desto größer sind die Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Schilderung. „Geschichten müssen nicht immer vollständig authentisch sein“: Das ist wohl richtig. Aber da wo sie es nicht sind, dürfen sie auch nicht den Anschein erwecken, es zu sein: mit detaillierten Schilderungen von Abläufen, Orten usw.

        Das Unbehagen (im Sinne eines „komischen“ Gefühls) beim Lesen deines Artikels beschlich mich übrigens schon bei der Überschrift: Warum muss man sich (so wie es die BILD-Zeitung tut) für die DDR des Synonyms „Ostdeutschland“ (Imperativ: Ostzone, Superlativ: Zone) bedienen? In wessen Interesse ist sowas heute noch, in dem des Redakteurs der Sächsischen Zeitung, in dem der Leser dieser Postille, in deinem eigenen? Schämt man sich, in einem Land namens DDR gelebt zu haben oder will man damit seine Verachtung des „Unrechtsregimes“ kund tun … oder ist es schlichte Gedankenfaulheit? Falls es eine Frage der Perspektive ist: Auch die Angehörigen der GSSD (ГCBГ) haben im Zusammenhang mit ihrer Stationierung meines Wissens niemals von „Ostdeutschland“ gesprochen, sondern von der Германская Демократическая Республика oder der ГДР.

        Ich halte es für müßig, mit dir darüber rechten zu wollen, ob ein (Zitat) „Herausstreichen von ‚kritischen‘ Passagen“ aus Briefen nun mit einem „Schwärzen“ derselben gleichzusetzen ist oder nicht und dein Artikel „offensichtlich zur Anregung der Fantasie beiträgt“. Jedenfalls erfolgte der Austausch von Briefen mit der Studentin doch wohl nicht, wie in deiner Entgegnung an mich behauptet, ausschließlich so, „dass die Studentin ihre Briefe nicht selbst schickte, sondern dass der Ehemann ihrer Ausbilderin (der NVA-Major) sie zu Besuchen beim Bataillon mitbrachte und sie an Gordejew weitergab“?

        Oder welche Erklärung gibt es sonst hierfür: (Zitat) „Sie habe ihm mehr dazu schreiben wollen. Doch die Zensur ist gnadenlos: Alle ‘kritischen’ Passagen wurden stets herausgestrichen. Sie wollten einfach nicht, dass wir uns weiterhin treffen.“ Hat etwa der NVA-Major ebenfalls „zensiert“? Du wirfst mir vor, deinen Artikel mehr „interpretiert“ als „verstanden“ zu haben. Aber wie, so frage ich dich, soll man solche, sich selbst widersprechenden, Aussagen verstehen?

        Auch noch ein paar andere Dinge im Zusammenhang mit Gordejews Geschichte hätten m.E. der kritischen Nachfrage (oder Nachrecherche) deinerseits bedurft:

        Dass die Post durch einen Soldaten einer Nachrichtenkompanie mit der Straßenbahn befördert wurde, erscheint skurril. Aber ich kann, wie gesagt, das Gegenteil nicht beweisen. Üblich wäre wohl gewesen, dass ein Stabsunteroffizier des Regiments- oder Bataillonsstabs sie mit dem ГAC-Kübelwagen (Горьковский Автомобильный Савод) für alle Kompanien des Regiments oder Bataillons gemeinsam befördert hätte.

        Und es konnte mit ziemlicher Sicherheit auch kein Soldat der Sowjetarmee so einfach, wie dargestellt, „zum Unteroffizier aufsteigen“. Ein Soldat ist ein Wehrpflichtiger. Ein Unteroffizier in jedem Falle ein Längerdienender oder Berufssoldat. Zwar gab es in der NVA (und wahrscheinlich auch in der Sowjetarmee) die Möglichkeit der Länger- und Weiterverpflichtung (im Soldatenjargon „Aufkohlen“ genannt). Einerseits war das aber die absolute Ausnahme, andererseits hätte Gordejew in dem Falle eine Unteroffiziers-Schule/Ausbildung besuchen und dazu die Nachrichtenkompanie und den Posten als Postbote verlassen müssen.

        Für eine, wie von dir beschrieben „plötzliche Demobilisierung“ eines Soldaten oder Unteroffiziers gab es exakt drei Anlässe:

        1.) eigener Tod
        2.) Entpflichtung aus gesundheitlichen Gründen
        3.) unehrenhafte Entlassung aus dem Dienstverhältnis (wegen strafrechtlicher oder schwerwiegender disziplinarischer Vergehen)

        Wäre letzteres bei Gordejew der Fall gewesen, hätte es ziemlich sicher auch weiterreichende Konsequenzen für sein ziviles Leben im Nachhinein gehabt und er hätte es nicht lapidar als „plötzliche Demobilisierung“ umschrieben.

        Es bleiben für mich unter dem Strich mehr offene Fragen als Antworten. u.a. auch die, weshalb seine Vorgesetzten das „Versteckspiel“ offenbar eine ganze Weile (Monate lang) mitspielten, bevor sie ihn „plötzlich demobilisierten“? Und weshalb riskierte der besagte NVA-Major wenn schon nicht „Kopf und Kragen“, so doch zumindest eine saftige Disziplinarstrafe, indem er als Kurier fungierte und Gordejew die Briefe der Studentin überbrachte?

        Mehr als die Frage, ob das Geschehen wahrheitsgemäß dargestellt wurde oder nicht, beschäftigt mich eigentlich auch eher die, ob Michail Gordejew hier in irgend einer Form instrumentalisiert werden soll. Ob es tatsächlich sein Wunsch ist Heike Michel wieder zu sehen oder ob dieser „Wunsch“ ihm nicht von der Sächsischen Zeitung, dir oder wem auch immer „aufoktroyiert“ wurde. Zumindest würde einiges im letzten Absatz deines Artikels Stehende darauf hin deuten (deshalb meine Frage im vorangegangenen Posting, wie du auf die Geschichte aufmerksam wurdest und was dich veranlasste, diesen Artikel zu schreiben).

        Wo du neben Gordejew selbst auch „mehrere andere Soldaten“, die mit ihm gedient haben, ausfindig gemacht und persönlich gesprochen hast (die ja heute in alle Winde und GUS-Staaten verstreut sein müssen), soll von mir aus gerne dein Geheimnis bleiben.

        Gestatte mir noch eine Anmerkung zum Thema Zensur: Dass es möglicherweise in der NVA (und der GSSD) irgendeine Form von Postkontrolle gegeben hat, habe ich nicht bestritten und kann ich auch nicht ausschließen. Was es aber in der NVA (und mit ziemlicher Sicherheit auch in der Sowjetarmee) nicht gab, ist eine „Zensur“ in der Form, dass Briefe ganz offiziell geöffnet wurden, „unliebsame“ Passagen unkenntlich gemacht wurden (wie in deinem Artikel beschrieben) und der Brief anschließend in diesem Zustand dem Empfänger ausgehändigt wurde, eventuell sogar noch mit Stempel und Unterschrift der „Zensurbehörde“ versehen.

        Was sich hingegen nicht sicher ausschließen lässt (selbst habe ich während meiner NVA-Dienstzeit keine Hinweise auf einen solchen Fall erlangt), ist, dass Briefe „durchleuchtet“ wurden, um an Informationen zu gelangen. Wenn das geschah, so aber todsicher nicht durch einen „Spieß“ (dessen Aufgabe eher darin bestand, dafür zu sorgen, dass kein Staubkörnchen auf der Fensterbank zu finden war oder dass die Wehrpflichtigen abends vor dem Zapfenstreich ihre Unterhosen ordentlich zu einem „Päckchen“ gefaltet hatten), sondern durch einen dem MfS („Stasi“) angehörenden Offizier.

        Weißt du, solche Typen wie den Spieß, mit dem du gesprochen hast und der angeblich „selbst eigenhändig Briefe der Soldaten und eingehende Post zensierte“ und die glauben, ihr armselig-beschissenes kleines Dasein mit solchen Räuberpistolen aufwerten zu müssen, die finde ich einfach nur zum Kotzen.

        Und das, was du als „etwas mehr Feingefühl“ anmahnst, ist nichts anderes als „etwas mehr“ Schwammigkeit, Beliebigkeit, Naivität. Sorry, damit kann ich leider nicht dienen.

        1. Meine Güte…
          Glaub doch was du willst. Wenn du meinst, Gordejew wurde hier von der SZ (oder mir) „instrumentalisiert“ – bitteschön. Aus meiner Sicht ist dir nicht zu helfen. Man kann dir Zeitzeugen bringen, die dir die Dinge so berichten, wie sie sie erlebt haben – du wirst sie der Lüge bezichtigen, sobald ihre Erfahrungen nicht in dein wie auch immer geartetes übergeordnetes Weltbild passen. Und das, obgleich es in diesem Artikel noch nicht einmal darum ging, irgendwelche politischen Fragen zu beantworten, Wissen dahingehend zu generieren oder irgendetwas zu bewerten. Hier ging es um zwei MENSCHEN und ihre Geschichte.
          Auf jeden Fall scheinst du mehr als nur ein Problem zu haben. Wie man in einen solchen Artikel so viel Unsinn hineininterpretieren und wie man darin allen Ernstes eine historisch plausible Abhandlungen politischer Verhältnisse erblicken kann, ist mir ein Rätsel. Für mich ist die Diskussion hier beendet.

          1. „Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.“

            Jean-Jacques Rousseau

            Insofern überrascht mich deine Reaktion also nicht wirklich, wie du dir vielleicht denken kannst.
            Danke dennoch für deine Zeit und Aufmerksamkeit.

            1. Genau Peter. Nur scheinst du wenig selbstkritisch zu sein in diesem Punkt. Deine Postings hier sind ein einziger persönlicher Affront. Nicht umsonst hatte ich das schon zuvor mehrfach monieren müssen. Irgendwann reicht es halt mal. Ich schlage vor, du liest noch mal deine Texte hier und begibst dich mal zielgerichtet auf Suche. Es schallt immer so aus dem Wald hinaus wie es hineinschallt. Ich sage nur „Boulevardjournalismus“, „Postille“, „Gedankenfaulheit“ usw, ganz zu schweigen von deinen Kommentaren hier an anderer Stelle. Was erwartest du eigentlich mit so einer Herangehensweise?
              Und noch etwas: Deine offensichtliche NVA-Vergangenheit berechtigt dich noch lange nicht dazu, den Experten in Sachen Sowjetarmee zu mimen. Das fängt schon bei deiner Behauptung an, ein Unteroffizier sei stets ein Berufssoldat gewesen. Das zeigt schon, dass du von der Sowjetarmee nicht den Hauch einer Ahnung hast. Jeder Wehrpflichtige konnte in der Sowjetarmee bei ausreichender Spezialisierung in die Unteroffiziersränge aufsteigen. Gruppenführer, Schreiber und andere Leute mit besonderer Aufbabe standen häufig im Unteroffiziersrang – und waren doch Wehrpflichtige. Es lief dort eben doch ein klein wenig anders als bei euch. Ich mache dir einen Vorschlag: Ehe du dich als Allwissender aufspielst, rede doch einfach mal mit ein paar ehemaligen Sowjetsoldaten, lass dir mal was erzählen, erklären, statt immer alles schon besser wissen zu wollen.

              Die Überschrift des Textes in der SZ lautete schlicht: Der Soldat und das Mädchen. Den Zusatz „Aus den Erinnerungen sowjetischer Soldaten in Ostdeutschland“ habe ich für den Blog hinzugefügt, weil ich vorhabe, daraus eine kleine Serie zu machen. Die DDR hörte im Oktober 1990 auf, zu existieren. Ostdeutschland hingegen gibt es – wie West-, Süd- oder Norddeutschland – noch heute. Die GSSD bzw. WGT blieb bis 1994 im Osten Deutschlands stationiert, und ich möchte jene, die in diesen Jahren hier waren, keinesfalls ausgrenzen.
              Du scheinst deinen Abschluss mit diesem Teil unserer Geschichte noch nicht gemacht zu haben. Die Art deines Vorgehens in solchen Fragen zeigt das überdeutlich. Das Problem ist gar nicht, dass du hinterfragst, sondern die Art, wie du das tust. Du unterstellst, beleidigst, stellst deine Gegenüber als Halbwissende und tendenziös-boulevardesk Berichtende dar. Dein ganzes Tun ist auf verbale Vernichtung ausgelegt. Darauf kann ich gut und gerne verzichten.

              1. Es wäre doch schön, Jane, wenn du wenigstens eine einzige deiner hier aufgestellten, abenteuerlichen Behauptungen mit stichhaltigen Fakten untermauern würdest. Solange du das nicht tust, weil du es nicht willst oder nicht kannst, und statt dessen dem Gegenüber einzureden versuchst, wenn es sich nicht um eine historische Abhandlung oder die „Generierung von Wissen“ handele, müsse man es mit Details nicht so genau nehmen, solange du einen Post zensierenden Spieß als „Zeitzeugen“ vorzubringen suchst, solange ist es für mich Boulevardjournalismus.

                Und drehe mir bitte nicht (zum wiederholten Male) das Wort im Mund herum und lege die Dinge nicht so aus, wie du sie gerade brauchst. Wo, bitte, habe ich denn geschrieben, „ein Unteroffizier sei stets ein Berufssoldat gewesen“? Da unterschlägst du geflissentlich einen Halbsatz. Und wenn du die Güte haben würdest mich korrekt zu zitieren, war und ist es so, wie ich es schrieb. Es sei denn, man deklariert einen Sergeanten oder Starschina als „Unteroffizier“. Da bliebe aber dennoch die Frage offen, wo und wie er dazu qualifiziert wurde.

                Was meine „offensichtliche“ NVA-Vergangenheit anbelangt, so habe ich drei Jahre als Zeitsoldat gedient, nicht mehr und nicht weniger. Und mit Angehörigen der GSSD hatte ich außer den üblichen Freundschaftstreffen, oder von mir aus auch „Freundschaftstreffen“ (falls die fehlenden Gänsefüßchen für dich als „Nichtabschluss mit einem Teil der Geschichte“ gelten müssen), während Schul- und Studienzeit später auch über mehrere Jahre beruflich zu tun: sowohl mit Kommandeuren wie auch mit Mannschaftsdienstgraden der in den zwei Kasernen der damaligen sowjetischen Garnisonsstadt Meiningen stationiert gewesenen Mot.-Schützen- und Panzereinheiten.

                Ganz so dumm und unbedarft, wie du mich hier darzustellen versuchst, bin ich nicht. Ja, vielleicht habe ich ein Problem, und vielleicht ist es auch „mehr als nur eins“. Allerdings solltest du dir gelegentlich auch mal die Frage vor Augen führen, ob nicht vielleicht auch du eines hast, z.B eins mit Nichtzustimmung und dem Umgang mit von deiner eigenen abweichenden Meinungen. Habe ich denn nicht in meinem ersten Kommentar in diesem Tread einfach nur sachlich um Ausräumung von Zweifeln (weil sich einiges in dem Artikel nicht mit eigenen Erfahrungen deckt) gebeten? Worauf hin du – anstatt einfach zu sagen, kannst du oder kannst du nicht – Polemik schürst, mir „Vorbelastetsein“, „Nichtverstehen“, bis später hin zum Versuch der „verbalen Vernichtung“ (wie schief gewickelt ist denn so was?) vorwirfst.

                Deine Artikel finde ich teilweise schon recht tendenziös, wie z.B. der über Charlie Hebdo, wo du genau zu wissen meinst, wie sich „die Welt“ infolge dessen zu verhalten habe. Und dass Kommentare dazu eigentlich nur in dieselbe Bresche schlagen und dieses Schema kaum durchbrechen können, erscheint mir irgendwie folgerichtig. Vielleicht ist das ja auch ein Grund dafür (?), dass es zu deinem Blog nicht eine kleine Community gibt, eine Handvoll Stammleser/innen und Stammkommentator/innen, so wie in anderen Blogs, in denen ich teilweise über Jahre hinweg kommentiert habe oder noch kommentiere – und das weitestgehend mit gegenseitiger Bereicherung, Wertschätzung und ohne Affronts, wie sie hier zwischen dir und mir stattgefunden haben. Daran, dass du schlecht oder langweilig schreibst, kann es sicher nicht liegen. Eigentlich hast du sogar eine recht schöne Schreibe mit einem guten und sicheren Sprachgefühl, wie ich finde (und was mich u.a. hier verweilen ließ). Und ich würde dir aufgeschlossene und in positivem Sinne streitbare Leser und Kommentatoren (die vielleicht etwas mehr Gelassenheit und „Feingefühl“ als ich es vermag, an den Tag legen) sehr wünschen – für die „Rauchzeichen von jenseits des Tellerrandes“.

                1. Jetzt hör mal zu, Peter. Ich werde hier auf deinen Druck hin gar nichts „untermauern“. Offensichtlich warst du zu lange in der Armee eines totalitären Staates unterwegs, sonst würdest du nicht mit so einer Einstellung in ein fremdes Blog platzen. Meine Artikel kannst du finden wie du willst. Normalerweise veröffentliche ich hier keine Zeitungsartikel, sondern kommentiere Ereignisse, die mich persönlich bewegen. Und ein Kommentar wird entsprechend auch immer „tendenziös“ sein, sprich, die eigene Haltung und Meinung des Autors tragen (so wie es im Zeitungsjournalismus möglichst gerade nicht sein sollte).

                  Ich darf dich im Übrigen zitieren: „Ein Unteroffizier in jedem Falle ein Längerdienender oder Berufssoldat. Zwar gab es in der NVA (und wahrscheinlich auch in der Sowjetarmee) die Möglichkeit der Länger- und Weiterverpflichtung (im Soldatenjargon “Aufkohlen” genannt). Einerseits war das aber die absolute Ausnahme, andererseits hätte Gordejew in dem Falle eine Unteroffiziers-Schule/Ausbildung besuchen und dazu die Nachrichtenkompanie und den Posten als Postbote verlassen müssen.“

                  Was anderes als ein Berufssoldat ist jemand, der sich freiwillig (also ohne Pflicht) weiterverpflichtet zu längerreichendem Dienst? Hatten diejenigen nebenher noch einen anderen, zivilen Beruf? Du redest dich hier um Kopf und Kragen und offenbarst nebenbei immer mehr, dass du von den Strukturen der Sowjetarmee keine Ahnung hast. Denn die funktionieren zum Teil ganz anders als die der NVA.
                  Eine Unteroffiziersschule besuchte dort nämlich – anders als in der NVA – niemand unterhalb der Fähnrichränge. Das Ganze nannte sich dort Schkola Praporschtschikow – Fähnrichschule. Diese Schule konnte jeder Wehrpflichtige besuchen, der sich für eine längere Dienstzeit (Supersluzhba) in einer technischen Spezialdisziplin und in einem Rang mit Befehlsgewalt weiterqualifizieren wollte. Während der Ausbildung trug er den Dienstrang eines Kursanten. Diese Ausbildung dauerte ein halbes Jahr. Kein Soldat oder Gefreiter musste aber eine solche Schule besuchen, um im Laufe seiner Dienstzeit zum Sergeanten befördert zu werden. Zu unterscheiden war das Ganze noch mal von denjenigen Soldaten, die sich in Disziplinen zum Weiterdienst verpflichteten, die keinen Fähnrichrang erforderten. Das waren dann häufig Feldwebel oder Unteroffiziere im Ausbildungsdienst, die die Wehrpflichtigen theoretisch ausbildeten. In der Dresdner Panzerschule für Wehrpflichtige gab es ein bestimmtes Gebäude, in dem diese Klassen und auch die Unterkünfte dieser Lehrkräfte untergebracht waren. Es nannte sich „Der Pinguin“.
                  Michail Gordejew hatte übrigens vor seinem Wehrdienst in Dresden eine halbjährige Spezialausbildung in Vorbereitung auf seinen Dienst in den Nachrichtentruppen absolvieren müssen. Dennoch stieg er in den Wehrdienst in Dresden als einfacher Soldat ein, beendete ihn aber im Range eines Sergeanten (drei Balken auf der Schulter). Fotos belegen das. Der Rang des Sergeanten ist in der SA zudem nochmal dreimal untergliedert in Untersergeant, Sergeant und Obersergeant. Sie richteten sich zum einen nach Funktion in der Truppe (Gruppenführer, Chauffeur, Schreiber, Ausbilder usw.) als auch nach Dienstzeit. So konnten Obersergeanten in der SA sogar (truppenteilabhängig) als Zugführer fungieren – in der NVA wäre das undenkbar gewesen. Genau das war auch der Grund, warum die Unteroffiziere in der Sowjetarmee vergleichsweise schlecht ausgebildet waren – etwa gegenüber der NVA, geschweige denn der Bundeswehr – weil sie nicht zwingend eine Spezialausbildung dafür absolvieren mussten.
                  Wenn du mal ein wenig mehr in meinem Blog (oder anderswo) dazu gelesen hättest, hättest du das alles wissen können.

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