Was zerreißt die Ukraine?

Darf man auf einen friedlichen Ausgang der Krise in der Ukraine hoffen? Gestern kamen die Konfliktparteien gemeinsam mit den USA und der EU in Genf zum Krisengipfel zusammen. Das Ergebnis überrascht – im positiven Sinne: Ein Friedensfahrplan wurde beschlossen mit dem Ziel eine Spaltung der Ukraine zu vermeiden. Überraschend ist das deshalb, als Russland über Wochen – seit der Eskalation des Konfliktes im Zuge der russischen Annexion der Krim im März – sich jedwede Einmischung durch EU und USA verbat, Gesprächsangebote Kiews kategorisch ablehnte und seine westlichen Amtskollegen regelrecht auflaufen ließ und gar öffentlich verhöhnte.

Doch wie sind die Beschlüsse von Genf wirklich zu bewerten? Hat Russland wirklich eingelenkt, oder ist die scheinbare Kompromissbereitschaft lediglich dem Wissen um die tatsächliche Lage geschuldet? Wer kann heute sagen, ob die Lawine, die Putin mit der Annexion der Krim und einer antiwestlichen Propagandamaschinerie in weitgehend gleichgeschalteten russischen Medien, die selbstverständlich auch in der Ukraine empfangen werden, in der Ostukraine losgetreten hat, nicht längst zum Selbstläufer geworden ist? Erstmals hat Russland zumindest indirekt die Bewertung westlicher und ukrainischer Vertreter bestätigt, dass es sich bei den Rebellen im Osten der Ukraine um „illegale Kräfte“ handelt. Zumindest wurde dieser im Beschluss gewählten Formulierung offenbar nicht widersprochen. Der Friedensfahrplan sieht die völlige Entwaffnung dieser Kräfte vor – im Gegenzug wird ihnen Straffreiheit gewährt. Ebenfalls eine Premiere: Wladimir Putin schlug parallel zur siebenstündigen Genfer Krisensitzung neue friedfertige Töne an: „Weder Flugzeuge noch Panzer können die Krise beenden“, so derselbe Mann gegenüber russischen Medien, der seit Wochen Truppen an der ukrainischen Grenze zusammenzieht und in „false-flag-operationen“ auch in der Ukraine selbst einsetzt. Die soll Putin nun laut dem Genfer Beschluss zurückziehen. Dass das aber alsbald der Fall sein wird, von der Vorstellung haben sich alle Beteiligten in Genf bereits jetzt verabschiedet. Russland macht den Rückzug der Truppen von der Umsetzung der Genfer Beschlüsse – und somit auch von einer tatsächlichen Beruhigung der Lage in der Ukraine abhängig.

Doch was, wenn die Rebellen ihre Waffen nicht abgeben wollen? Eine Befürchtung, die absolut real ist. Hinzu kommt, dass Russland weiterhin standhaft leugnet, selbst Truppen in der Ukraine einzusetzen. Und das, obwohl der ukrainische Vizepremier Vitali Jarema Name und Standort der in der Ukraine zum Einsatz kommenden russischen Einheiten benannt hat. Die Entsendung von Truppen ohne Nationalitätenkennzeichnung scheint wesentliches taktisches Moment russischer Militärstrategie in diesem Konflikt zu sein. Militärfahrzeuge, die von Bauart und Ausrüstungsgrad klar dem russischen Militär zuzuordnen sind, fahren mit entfernten Kennzeichen durch ostukrainisches Gebiet. Und selbst die 40000 Soldaten, die Putin an der Grenze zur Ukraine aufgestellt hat und diejenigen 15000, die noch auf der Krim weilen, tragen häufig keinerlei Nationalitätskennzeichnung.

Vor diesem Hintergrund sollten die Genfer Gespräche äußerst vorsichtig bewertet werden. Es ist derzeit nicht anzunehmen, dass Russland seinem Teil der Vereinbarungen – auf die bewaffneten Rebellen dahingehend einzuwirken, die besetzten Gebäude zu räumen, ihre Waffen abzugeben und ihre Aktivitäten zur Spaltung der Ukraine aufzugeben – tatsächlich nachkommen wird. Denn Bedingung hierfür wäre ja zu allererst der Rückzug der eigenen Truppen aus der Ukraine, die zu einem guten Teil die separatistischen Bemühungen unterstützen und ohne die die Rebellen nur halb so schlagkräftig wären.

Zerrüttung zwischen Moderne und Kommunismus

Ein weiteres großes Problem dürfte die Lage innerhalb der Ukraine selbst sein. Das Land ist bereits tief gespalten. Das Vertrauen eines erheblichen Teils der Bevölkerung in die Regierung insbesondere im Süden und Osten des Landes ist gleich null. Rechtsextremisten und Altkommunisten erleben über der wirtschaftlichen und politischen Krise einen nie geahnten Aufwind – Wladimir Putin kann das nur in die Hände spielen. Seine ganze Rhetorik im Zuge des heraufziehenden Konfliktes sprach dahingehend Bände. Gab sich der russische Staatschef sonst immer als moderner, weltoffener, fortschrittsorientierter Mann, der sein Land in den letzten Jahren mit westlichem Teufelszeug wie Mobilfunknetzen, Internettechnik, deutschen Autos und amerikanischer Ölfördertechnik ausstattete, so beschwor Putin nun den Zusammenbruch der Sowjetunion als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ (und verharmlost darüber die raumgreifenden territorialen Verschiebungen, der der Erste und Zweite Weltkrieg sowie Auseinandersetzungen im Zuge der Oktoberrevolution insbesondere durch die Feldzüge Deutschlands und Russlands mit sich brachte und die viele der zuletzt zum Sowjetreich gehörenden Gebiete überhaupt erst diesem zutrugen).

Putin weiß genau wie es um die Gemütslage seines und um die großer Teile des ukrainischen Volkes bestellt ist. Der Oppositionelle Michail Chodorkowsky, der mehr als 10 Jahre seines Leben in Haft saß und erst letztes Jahr freikam, meinte einst, dass Putin liberaler sei als 80 Prozent seiner Landsleute. Genau deswegen war Putin bei vielen – insbesondere unter den Anhängern des alten Systems – nicht sonderlich beliebt. Man duldete ihn quasi als „kleineres Übel“, denn den wirtschaftlichen Fortschritt unter dem kleinen, verbiesterten Mann – den konnte man schlecht leugnen. Doch genau diese große, duldsame Masse brachte Putin nun mit diesem einen Satz, nach dem das nostalgisch verklärte Volk viele Jahre lächzte, fast geschlossen hinter sich. Diesen Satz hatte er das letzte Mal 2005 auf einer Pressekonferenz gesagt – und für Aufhorchen im Westen gesorgt.

Putin, der in fast 20 Jahren an der Spitze des riesigen Landes nichts unternahm, um die Sowjetära irgendwie zum Thema gesellschaftlicher Auseinandersetzung zu machen, weiß um die Wirkung solcher Worte. In höchsten russischen Ämtern sitzen bis heute ehemalige Leistungsträger der kommunistischen Partei wie Nikolai Haritonow. Der heute 65-Jährige tritt für die Wiedererrichtung der Sowjetunion ein und wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2004 mit diesem Anliegen mit knapp 14 Prozent der Stimmen Zweiter hinter Wladimir Putin. Zu Sowjetzeiten war Haritonow wie Putin beim KGB, verehrte dessen Urvater Felix Dzerdzinsky wie einen Gott und wollte 2000 sogar dessen 1991 vom Platz vor dem berüchtigten Moskauer KGB-Gefängnis Lubjanka entfernte Statue wiedererrichten. Und Haritonow ist nur ein Beispiel, das berühmteste freilich bietet Putin selbst, der 1985 im Alter von nur 33 Jahren bereits Leiter der Dresdner Dependance des KGB im Range eines Majors war.

Ein weiteres ist Walentina Matwijenko – die mächtigste Frau Russlands. Auch sie hat die einschlägige Karriere in der KPdSU hinter sich. Sie verhalf der Tochter eines einfachen Soldaten und einer Schneiderin zum Studium an der Akademie der Sozialwissenschaften der Partei und schließlich zum Aufstieg zur Leiterin des Ausschusses für Kinder und Familien im Obersten Sowjet 1989. Der Zusammenbruch der UdSSR tat Matwijenkos Karriere keinen Abbruch – im Gegenteil. Als erste Frau überhaupt wurde sie 2011 zur Vorsitzenden des Föderationsrates der Russischen Föderation ernannt und bekleidet seither das dritthöchste Staatsamt in Russland. Ihre Inthronisierung erfolgte unter mehr als fragwürdigen Umständen. Die Wunschkandidatin von Wladimir Putin und Dmitrij Medwedjew ist gleichsam wie diese Mitglied der Partei „Einiges Russland“ – und sollte anscheinend aus St. Petersburg entfernt werden, wo ihre Tätigkeit als Gouverneurin die Werte der Partei in den Keller getrieben hatte. Solche Machtschiebereien, Umbesetzungen und dergleichen mehr sind Alltag in Russland. Zum Nachfolger von Walentina Matwijenko im Amt des Gouverneurs von St. Petersburg wurde übrigens mit Georgij Poltawtschenko – wen wundert’s? – ein Ex-KGB-Offizier ernannt. Ernannt wurde er bereits 1999 von Wladimir Putin – zum Stellvertreter des Präsidenten für die Oblast St. Petersburg sowie später zum Generalgouverneur für die Region Zentralrussland.

Stalin, Lenin, Rote Armee … seither kam nichts mehr

Putin weiß, die Masse ist ihm deshalb nicht gram, weil sie selbst nicht verstanden hat und zu Teilen auch nicht verstehen will, WARUM die Sowjetunion unterging. Für viele ist ihr Ende noch immer das Werk feindlicher Kräfte aus dem Westen. In unzähligen Forenbeiträgen in russigsprachigen sozialen Netzwerken wird der Tag der Abrechnung förmlich herbeigesehnt – und in der aktuellen Krise um die Ukraine erblicken nicht wenige sein Heraufdämmern. Hunderte von Gruppen mit teils mehreren Zehntausend Mitgliedern bevölkern die soziale Netzwerklandschaft in den beiden größten Plattformen „Vkontaktje“ und „Odnoklassniki“ Das Volk hat die Demütigung von 1991 nicht vergessen, und es braucht sein Imperium, um stolz sein zu können: militärische Stärke und territoriale Größe waren das, worüber sich Russland seit Katharina der Großen definierte, nicht sein unermesslicher kultureller Reichtum – den wusste man dagegen umso mehr im Ausland zu schätzen. Ein wenig ist es so, als hätte ein ganzes Volk Angst, in diesen 80 Jahre tiefen schwarzen Brunnen zu schauen und möglicherweise – wie zwei mal zuvor das deutsche Volk – zu erkennen, dass man sich durch seine Duldsamkeit und sein Augenverschließen vor den grausigen Wahrheiten der Sowjetära mitschuldig gemacht haben könnte, dass man an einem Gesellschaftsideal mitgefeilt hat, dessen Preis das Unglück und oft genug auch der Tod von Andersdenkenden war. Wenig galt dabei das berühmte Zitat Rosa Luxemburgs, dass Freiheit immer auch die Freiheit der Andersdenkenden sei. Es gilt bis heute wenig in Russland. Ob Homosexuelle, Oppositionelle oder behinderte Menschen – sie alle haben keine Lobby in Putins Russland. Der Westen ist schon deshalb vielen Menschen dort ein Graus, weil hier ein Mann öffentlich einen Mann küssen und ihn sogar ehelichen darf. Stattdessen klammert man sich trotzig an den alten Helden fest: Stalin, Lenin, die Rote Armee und ihr großer Sieg über den Faschismus 1945. Seither kam einfach nichts mehr.

Von dem Gefühl der nationalen Verlorenheit und Demütigung ist die Ukraine als SU-Nachfolgestaat keinesfalls ausgenommen. In die mit dem Zusammenbruch ausgelöste Identitätskrise platzte die Existenzangst. Die Armee war einst ein Hauptarbeitgeber in der SU. Für viele ehemalige ukrainische Offiziere und Berufssoldaten, aber auch Zivilangestellte war die Unabhängigkeitserklärung 1991 in der Tat eine Katastrophe, denn der kümmerliche Rest, der nun das Fundament der neuen ukrainischen Armee bilden sollte, bot für viele von ihnen keinen Platz mehr.

Rapport eines in Meißen stationierten ukrainischen Oberfähnrichs in der Armee der GUS vom Juli 1992. Darin bittet er seinen Kommandeur um Mitteilung hinsichtlich der Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung in den ukrainischen Streitkräften. Quelle: Privat.

Stattdessen wartete Arbeits- und Wohnungslosigkeit, denn ihre einstigen zivilen Berufe, ebenso wie ihr Zuhause, hatten viele vor Jahren für die Armee aufgegeben. Die Selbstmordrate schnellte damals in die Höhe, und die Lebenserwartung der Männer sank auf ein Allzeittief von 61 Jahren, in Russland sogar auf 59 Jahre. Wer sich durchbiss, ist heute 50, 60 und dämmert im Regelfall einer kargen Rente entgegen. Nur wenige haben es zu echtem sozialem Aufstieg gebracht. Das funktionierte in Russland wesentlich besser, wo alte Parteistrukturen weitgehend erhalten blieben und man sich gegenseitig „half“. Geblieben ist häufig ein Groll auf alles Westliche und ein bewusster Rückzug in die Vergangenheit, die zum verlorenen Leben im Paradies der Gleichheit, des Glücks und der moralischen Anständigkeit verklärt wird, in der noch Recht und Ordnung herrschten und niemand um Lohn und Brot fürchten musste. Insbesondere diejenigen, die vor der Wende gut da standen und mit ihr tief fielen, ohne je wieder nach oben zu kommen, können das zeitlebens nicht verzeihen – und suchen Schuldige. Viele von ihnen haben nun die Uniformen wieder angezogen. Endlich kann man etwas tun, statt ohnmächtig im Sessel zu sitzen und alles stumm zu ertragen! Waffen und Uniformen – zwei Dinge, an denen es weder in Russland noch in der Ukraine einen Mangel gibt. Zu kaufen sind sie überall, fast jeder besitzt sie. Putins Satz von der größten Katastrophe des Jahrhunderts, dem Zusammenbruch der UdSSR, führt sie an. Denn er hat mal wieder ausgesprochen, was sie seit 23 Jahren dachten, und sie förmlich dazu aufgerufen, mit der Heimholung zumindest von Teilen des entrissenen „Brudervolkes“ die alten Strukturen wiederherzustellen.

Dass ihr Utopia zum größten Teil auf Pump und nicht zuletzt auf Kosten der Lebensqualität der Bürger errichtet wurde, die den ideologischen Wettstreit mit dem Westen und die damit verbundene absolute Konzentration der Ausgaben auf die Rüstung mit einem Größtmaß an Unfreiheit, absoluter Gleichschaltung und einer Mangelwirtschaft bezahlen mussten, die zu Versorgungsengpässen, völlig veralteten Technologien und Instrumenten im Sozial-, Medizin- und Agrarsektor und nicht zuletzt zum Kollaps der SU führte, ohne dass irgendwer von außen auch nur einen Schuss abgeben musste – man sieht es nicht, denn die SU brach zusammen, bevor die marode Technik in den Werken und Gruben es ihr gleichtun konnte. Die bescheidenen wirtschaftlichen Ausgangslagen in den SU-Nachfolgestaaten brachten viele Menschen dort nicht etwa mit fast einem Jahrhundert zentral gesteuerter Wirtschaft in Verbindung, die auf schnelles Wachstum, nicht aber auf Nachhaltigkeit und fortwährende Innovation ausgerichtet war, sondern mit einer schmählichen Niederlage im Kalten Krieg mit dem Westen.

In den 30er- und 40er-Jahren war das sowjetische System bestrebt, seine völlig veraltete Armee für eine Auseinandersetzung mit den westlichen Staaten zu rüsten. So wuchs der Fuhrpark an Panzern und Bombern innerhalb von nur 15 Jahren auf das x-fache der Ausgangslage an. In den sowjetischen Hangars und Panzerhallen stapelten sich Fuhrwerke, für die nach den Säuberungswellen des stalinistischen Terrors der 20er- und 30er-Jahre innerhalb der Armee kein adäquat ausgebildetes Personal mehr vorhanden war. Milliarden wurden dafür ausgegeben – für Technik, die nach wenigen Jahren veraltet war, bevor es überhaupt jemanden gab, der sie bedienen konnte. Natürlich brachte diese Massenproduktion vielen Menschen Lohn und Brot und kurbelte die Wirtschaft an – aber es sorgte auch dafür, dass nach 20 Jahren kein Geld mehr da war, die Produktionstechnik zu modernisieren. Hätte man dies ohne Schuldenaufnahme bewerkstelligen wollen, hätte man am Rüstungsetat sparen müssen, was nicht infrage kam. Das so viel gerühmte Sozial- und Gesundheitssystem der Sowjetunion – es hinkte schon in den 60er-Jahren weit hinter den westlichen Staaten zurück, weil versäumt wurde, in neue Technologien und Behandlungsverfahren zu investieren. Mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandproduktes ballerte man stattdessen noch in den 70er-Jahren in Rüstung – zum Vergleich: Das war das Dreifache von dem, was Russland heute für Rüstung ausgibt (3,5 Prozent BIP). 1948 gab die Sowjetunion noch fast 20 Prozent ihres Etats für die Rüstung aus, da hatten die USA die Ausgaben bereits auf 3,5 Prozent zurückgefahren (siehe auch in „Krieg um Berlin“, Matthias Uhl). In der SU dagegen wurde die Armee als Hüterin der Heimat und des Imperiums zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Ihre Verehrung im Volk hält – trotz aller Skandale, die zwischenzeitlich ans Licht kamen – beinahe ungebrochen bis heute an.

So wundert es nicht, dass sich unter den Rebellen im Osten sowohl Russen aus den Grenzgebieten des Nachbarstaates als auch Ukrainer finden, die dem Nationalbolschewismus des Eduard Weniaminowitsch Limonow anhängen, der die Wiederherstellung der Sowjetunion anstrebt. Verstehen lässt sich das alles nur, wenn man berücksichtigt, dass sowohl seitens der Politik in Ukraine und Russland als auch in großen Teilen des Volkes 70 Jahre Sowjetherrschaft quasi in einer Zeitkapsel konserviert wurden. Wie schwer es ist, mit einer in der Stunde ihrer Geburt so großartig scheinenden Idee grandios zu scheitern, deren hässliches Gesicht voller Unmenschlichkeit, Zwang und Unfreiheit zu erkennen – keiner weiß es besser als die Deutschen. In Russland und auch in der Ukraine, die lange Jahre von Kreml-treuen und politisch unfähigen Leuten wie Leonid Kutschma und Viktor Janukowitsch autoritär regiert wurde, hat man sich diesen Albträumen der eigenen Vergangenheit und deren unzähligen Opfern nie wirklich gestellt. Die Folgen erntet die Welt heute. Nur wenn man der Annahme ist, dass die Ukraine nach wie vor Teil eines vor 23 Jahren in einem unrechtmäßigen Akt zerstörten Großreiches ist und ihre bzw. die Rückholung von Teilen von ihr legitimes Recht sei, kann man mit einer derartigen Selbstverständlichkeit von einem völkerrechtlich einwandfreien Anschluss der Krim sprechen, von „russischer Erde“ und dergleichen mehr.

20 Gedanken zu „Was zerreißt die Ukraine?“

  1. Hallö,
    da gibts gerade eine Mahnwache für Frieden in Dresden, die sucht noch Redner die sich mit dem Thema Ukraine/Russland/NATO bisschen auskennen. Lust am Montag 19 uhr am Jorge-Gomondai-Platz vorbeizukommen und ein paar Leute aufzuklären?

    1. Ich bin dort auf dem Heimweg vom Osterspaziergang mit der Family vorbeigekommen. War das euer Ernst? Völlig entrückte ultra-links-Propaganda ala Ken Jebsen vom Band gegen so ziemlich alles – gegen das Kapital, gegen die Politik, den Staat – und natürlich den menschenfressenden Westen… Inwiefern war das eine Mahnwache für den Frieden? Der Tenor richtete sich ja ziemlich deutlich gegen jedwede Bemühungen, das militärische Eingreifen Russlands in der Ukraine zu beenden. Für mich ein eklatanter Widerspruch, der die ganze Veranstaltung (da lungerten vielleicht zwei Dutzend Leute rum) völlig unglaubwürdig erscheinen ließ.

      1. Ich war eine Woche vorher dort und ziemlich verblüfft über a) diese unglaubliche Naivität und vor allem b) dass dort rechtsverharmlosende Äußerungen von einem eher links aussehenden Publikum beklatscht wurden. Hier meine Schilderung.

        Letzte Woche war es dann fast noch wirrer. Man kann sich das hier im Video anschauen. Da traten Impfgegner und Chemtrails-Gläubige auf, die abstruse Krönung war eine spontane Rede Lothar Langes … wer dechiffrieren kann, was uns der Künstler damit sagen will, kann sich ja gern mit dem Rätsel befassen. Eigentlich fand ich nur einen Redner recht vernünftig, es war der, welcher an die Montagsdemos in der DDR erinnerte. Und auch wenn ich eigentlich kein Sympathisant von Antideutschen bin, war mir der Typ mit der Israel-Flagge dann doch wieder fast sympathisch, weil er seinen Standpunkt sehr souverän verteidigte und ruhig erklärte, nachdem ihm ein sehr Empörter aufgefordert hatte, jetzt gefälligst mal Stellung zu beziehen (usw.).

        1. Mich stößt einfach nur ab, was sich heutzutage alles unter dem klangvollen Trademark „Montagsdemo“ profilieren darf. Die übergroße Mehrheit davon – ob hier oder in Berlin – sind ein Haufen verblendeter Spinner. Sorry, aber mehr ist da einfach wirklich nicht. Nichts als krude Verschwörungstheorien, wütende Kapitalismus- und Systemkritik, die einfach nur dämonisiert und nichts mehr mit der Realität zu tun hat, und eine wilde Hetze gegen Medien und Politik im Falle der Ukraine-Krise, die völlig außen vor lässt, dass wir es mit Herrn Putin nicht etwa mit einem lupenreinen Demokraten, sondern mit einem gefährlichen Machtmenschen zu tun haben, der hofft, mit der Rückführung der Ukraine nach Russland die Sowjetunion wiedererstehen lassen zu können und sich so vor seinem Volk ein Denkmal zu setzen.

          Sorry, dass die Freischaltung so lange dauerte. Ich hab’s einfach nicht eher gesehen.

  2. Hallo Jane,
    Deine zwei Berichte über die Kriese in der Ukraine sind nun nicht mehr auf den neusten Stand, haben aber an der Aktualität nichts verloren. Ich hoffe Du hast Deine Meinung etwas über die Politik von Putin und der Deutschen Regierung gegen die Regierung Russland etwas geändert. Die Hauptschuldigen für die Verschärfung des Konflikts ist die neue Übergangsregierung der Ukraine und westliche Politiker. Die einen klaren Hass gegen die russische Bevölkerung erzeugt haben, Faschisten in der Übergangsregierung, nicht vergessen die Katastrophe von Odessa, dem Brandanschlag auf das Gewerkschaftsgebäude. Die Ostukraine ist zu etwa 80% ( vielleicht hast Du eine genauere Zahl) bewohnt von der russisch sprechenden Bevölkerungsgruppe. Was damals auf dem Meidan Platz passiert ist, war die Vorstufe zur Spaltung.
    Ich kann nicht nachvollziehen das Du den Hass der Deutsche Politiker oder Zeitungen für gerecht hältst. Die Politik Putins ist kritisch zu interfragen, aber warum wird jetzt so ein Geschrei gemacht. Wenn bei dem Einmarsch der USA im Irak nur halb so viel Geschrei gemacht würde, oder bei der Besetzung und Ermordung tausender Palästinenser, könnte man den Hut ziehen vor unseren Politikern. Aber so finde ich es nur peinlich und eine Aktion der Verblendung.
    Die Anfänge waren die Beleidigende Berichterstattung der Winterspiele in Sotchi, keiner beschwert sich über die Verhältnisse zur zeit in Brasilien( Fußball WM). Daran sieht man es geht nicht um eine faire Berichterstatung sondern nur um Hass und Angst gegen Russland aufzubauen.
    Schade nur das Du in Deinem Artikel darauf nicht eingegangen bist, den Lügen verbreiten unsere Politiker schon genug.

    1. Hallo Jürgen,

      nein, ich wüsste nicht, weshalb ich meine Meinung zum Thema ändern soll. Deine Einschätzung, dass die ukrainische Regierung die Krise verschärfe, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Inwiefern tut sie das? Weil sie sich gegen staatszersetzende, von Russland aus gesteuerte Kräfte wehrt, die mit brachialer Gewalt eine ostukrainische Stadt nach der nächsten in ihre Gewalt bringen, um diese später Russland zuschlagen zu können? Das kann unmöglich dein Ernst sein. Wie lange hat Kiew nur gedroht und an die Vernunft der Rebellen appelliert? Was sollen sie tun? Zuschauen, wie das Land zerfällt und wieder in den russischen „Schoß“ zurückkehrt?
      Ebenso wenig kann ich dein Gerede von „Hass“ nachvollziehen, den angeblich deutsche Politiker schüren. Wenn du jemanden Hass schüren sehen willst, dann sieh dir die absolut gefälschten russischen TV-Beiträge an. Dort werden angebliche Interviews mit OSZE-Mitarbeitern geführt, die sich abwertend über die Regierung in Kiew äußern, die sich bei Nachforschung allerdings als Pappkameraden herausstellen, die mit der OSZE überhaupt nichts zu tun haben. Da wird über KZs schwadroniert, die angeblich wieder in der Ukraine für Angehörige des „Volkswiderstandes gegen den Faschismus“ errichtet würde usw. DAS ist geistiges Brandstiftertum. Etwas Derartiges wirst du in deutschen Medien nicht finden, Jürgen. Du übernimmst den Duktus dieser russischen Propaganda absolut unkritisch, das finde ich unverantwortlich.
      Auf dem Maidan haben Menschen für eine freie Ukraine gekämpft, die nicht von einem Diktatoren regiert wird, der die Menschenrechte immer weiter einschränkt und das Land wieder in russische Abhängigkeit führt. Das war ihr gutes Recht – und sie wurden auch von Menschen aus der Ostukraine unterstützt. Janukowitsch hatte unter seinen eigenen Wählern keine Mehrheit mehr für seinen prorussischen Kurs.
      Die, die derzeit in der Ostukraine Stimmung machen, sind Altbolschewisten, die sich zum großen Teil die Sowjetunion zurückwünschen! Willst du solch eine Zukunft für Russland und die Ukraine? Dann würde ich ernstlich an deinem gesunden Menschenverstand zweifeln wollen. Und allein das ist Grund genug, jetzt „so ein Geschrei“ zu machen.

      Übrigens: Es ist einfach nicht wahr, dass beim Einmarsch der USA in den Irak in deutschen Medien nicht „halb so viel Geschrei“ gemacht wurde. Im Gegenteil: Recherche zeigt: Es wurde noch weit lauter geschrien, schon wegen der Kontroverse um die Zuweisung Deutschlands zum „alten Europa“ durch George W. Bush, denn schon damals wandte sich Deutschland gegen eine militärische Lösung. Das tut es heute wieder. Deshalb verstehe ich deinen Vorwurf des „Hass schürens“ überhaupt nicht. Hass schürt, wer mittels Lügen und Propaganda ganz bewusst Aggression schürt und separatistische Kräfte eines fremden Landes mit Waffen und Truppen unterstützt – und das hat nicht Deutschland, sondern Putin getan. Wer das Gegenteil behauptet, sollte es beweisen können.

  3. Hallo Jane,
    danke das Du Dir die Mühe gemacht hast mir so ausführlich zu antworten, wenn Du auch an meinen Menschenverstand zweifelst, versuche ich trotzdem eine andere Meinung zu vertreten. Eins muss ich aber zum Vorteil für Dich eingestehen, meine Russisch und Englisch Kenntnisse sind nicht so berauschend das ich original Texte lesen kann, bin also auf deutsche Informationen angewiesen.
    „….dass die ukrainische Regierung die Krise verschärfe, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Inwiefern tut sie das? “
    Wenn man es genau nimmt, dann wurde mit dem Putsch in der Ukraine nur eine Gangsterbande durch eine andere ersetzt, wobei die Mitglieder in beiden teilweise die selben sind. Der Jazenjuk ist jetzt Regierungschef und war vorher mal Aussenminister. Es ist sogar so, für die Ukrainer ist das neue Regime noch viel schlimmer, denn jetzt sind korrupte Politiker zusammen mit gierigen Oligarchen, aber um das ganze zu toppen sind Nazis auch noch dabei.

    „01.03. Es gibt ein Foto des neuen Anführer der Ukraine. Es zeigt Arseni Jazenjuk der den Hitlergruss macht. Neben ihm stehen Vitali Klitschko (Udar) und Oleg Tyagnibok der Nazi-Swoboda-Partei.
    18.03. Julia Timoschenko Tötet die Russen
    10.05.Die faschistische Mentalität und Ideologie des Putsch-Regimes in Kiew wurde am Freitag wieder sichtbar, als ausgerechnet am 69. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland der Gouverneur der ukrainischen Provinz Oblast Cherson bei der Gedenkfeier die Behauptung aufstellte, Hitler wäre ein Befreier der Ukraine gewesen.“
    Diese Beiträge und Informationen habe ich von der Seite: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/ ( von dieser Seite hatte damals auch die Information von den Vorgängen auf der „ Mavi Marmara“)
    Es gibt noch viele andere Beiträge auf diesem Blog, diese möchte ich nicht alle aufführen. Garantiert wirst Du mal einen Blick hinein werfen und Dir Deine Meinung zu den Artikeln und Beiträgen bilden.
    Aber ich habe noch etwas anderes gefunden:
    25.03. Spiegel Online http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-kiews-regierung-ist-zum-scheitern-verurteilt-a-960461.html
    Jetzt nur kurz zum Irakkrieg: http://www.connection-ev.de/article-307
    Ich kann es eigentlich nicht fassen so viele Artikel zu finden die Deiner Auffassung entgegen stehen, da Du garantiert über noch mehr Quellen verfügst als ich. Ich frage mich bist Du wirklich die gleiche Jane, die bei Ihren Kommentaren und Berichten über den Nahen Osten, eine objektive Analyse und Bearbeitung der Lage durchführte. Aber jetzt, Putin und Russland, sind die einzigen Schuldigen. NATO, USA, Deutschland und die jetzige Regierung sind die wahren Verfechter für Freiheit und Ordnung!

    1. Also erstens, Jürgen: Bitte lies richtig. Ich schrieb nicht, dass ich an deinem gesunden Menschenverstand zweifele, sondern knüpfte diese Möglichkeit an das Erfülltsein bestimmter Bedingungen – hier: Das Bejahen einer Rückkehr zu sowjetischen Verhältnissen.
      Soll ich deine Einleitung jetzt also als Bekenntnis diesbezüglich werten?

      Zweitens: Der Umsturz in Kiew im Februar war genauso wenig ein Putsch, wie es die friedliche Revolution 1989 in der DDR war. Bitte lies die Definition des Wortes Putsch nach. Ein Putsch ist die meist gewaltsame Vertreibung eines Staatsoberhauptes aus seinem Amt durch Angehörige des Staatsapparates oder des Militärs. Das heißt: Ein Putsch geschieht immer auf Staatsebene, um einen Machtwechsel herbeizuführen. Im Falle des Maidan war das gar nicht der Fall. Der Maidan begann mit friedlichen Demonstrationen für Freiheit und Unabhängigkeit sowie gegen den plötzlich wieder eingeschlagenen prorussischen Kurs und die Einschränkung der Grundrechte durch die Administration Janukowitsch. Das heißt: Der Maidan ging vom Volk aus, dem schlossen sich Oppositionsparteien lediglich an. Das Volk aber ist laut Demokratiebegriff der oberste Souverän, der Regierungschef von dessen Legitimation abhängig. Außerdem: Die Amtsenthebung Janukowitschs geschah weder überraschend plötzlich noch gewaltsam: Sie zog sich über Monate hin und baute sich über intensive Verhandlungen, Anträge und Misstrauensvota im Parlament auf, an deren Ende ein Parlamentsbeschluss zur Amtsenthebung stand.

      Ich denke, du solltest dich zunächst einmal ganz objektiv und auf bloßen Erkenntnisgewinn (also nicht auf Bestätigung eines bereits vorhandenen Standpunktes ausgerichtet) orientiert über die tatsächlichen Vorgänge während des Maidan bis hin zur Amtsenthebung Janukowitschs belesen.

      Dass sich in der 21-köpfigen Übergangsregierung auch drei Angehörige der Svoboda-Partei befinden, ist unzweifelhaft richtig. Allerdings muss betont werden, dass es sich dabei um eine Übergangsregierung handelt, bei der zunächst provisorisch die Ämter den politischen Hauptprotagonisten aufgeteilt wurden, die sich im Parlament an den Verhandlungen zur Amtsenthebung beteiligt hatten. Es ist – wie der Name schon sagt – eine ÜBERGANGSregierung, ein Provisorium. Diese Regierung – und auch hier wird deutlich, dass es sich mitnichten um einen Putsch handelte – war nie auf dauerhafte Machtübernahme ausgerichtet, sondern beschloss quasi mit der Festsetzung demokratischer Neuwahlen am 25. Mai das Datum ihrer Selbstauflösung gleich mit. Zeige mir ein Putschistenregime der Geschichte, das Derartiges vollbrachte.
      Das Ziel war hier nicht Machterhalt, sondern das Volk neu entscheiden zu lassen – frei, fair und demokratisch. Das Volk kann in zwei Wochen selbst entscheiden, ob es künftig auch von Rechtsextremisten regiert werden möchte oder nicht. Und vor diesem Hintergrund ist die Argumentation prorussischer Aktivisten überhaupt nicht nachvollziehbar. Denen geht es gar nicht darum, dass die Ukraine demokratisch wird, die Menschen in Freiheit leben. Denen geht es um den Anschluss an Russland. Das Geschrie vom „Faschistenregime“ in Kiew ist nichts als heiße Luft, denn es ignoriert die Möglichkeit der Abwahl der Rechten durch eigene Hand.

      Ich halte übrigens nichts von „Quellen“, die mit pauschalen Schuldzuweisungen und einseitiger Medienschelte um sich werfen, um ihre Verschwörungstheorien zu befeuern. Übrigens gibt es selbst in Russland und der Ukraine große Unterschiede in der Wahrnehmung des Konfliktes. Russische Linke, die sich von den radikalen Kommunisten, zu denen viele der prorussischen Aktivisten in der Ukraine gehören, distanzieren, sprechen selbst von „imperialistisch-nationalistischen Aktivitäten“ Russlands auf der Krim und in der Ukraine. Überhaupt halte ich es für zuverlässiger und sinnvoller, Originalquellen aus Russland und der Ukraine zur Wahrheitsfindung zu bemühen, statt irgendwelcher Wald-und-Wiesen-Blogs aus meist fragwürdiger Ecke.

    2. Übrigens Jürgen: Dieses Foto von Arzeni Yazenyuk, das von „Schall und Rauch“ als „Hitlergruß“ verkauft wird, um die ukrainische Übergangsregierung als „von Faschisten durchsetzt“ darzustellen, ist einer der Hauptgründe, weshalb ich diesem Medium nicht traue. Es geht offensichtlich zielgerichtet und tendenziös vor und schreckt auch nicht davor zurück, fragwürdige Quellen wie dieses Foto zu gebrauchen, um eine bestimmte Meinung zu befördern. Hier wird gezielt mit manipulativen Bildern gearbeitet: Yazenyuk neben dem rechten Tyahnibokh, die rechte Hand erhoben – klar, der macht den Hitlergruß und ist somit erwiesenermaßen ein Faschist! Ob er vielleicht einfach nur Rechtshänder ist und enthusiastisch in die Kamera winkt und Tyahnibokh einfach nur als einer der Hauptprotagonisten der Verhandlungen zur Absetzung Janukowitschs in der Werchnaja Rada neben ihm steht – wen interessiert’s? Jürgen offensichtlich nicht.

  4. Hallo Jane,
    ersten wenn Du es so verstehen möchtest, dann zweifele bitte an meinen gesunden Menschenverstand. Ich bin dann zwar etwas von Deiner einseitigen Meinung über mich enttäuscht aber so ist es eben dann mal.
    Diese Menschen(Russen) aus der Ostukraine, wollen lieber unter einer russischen Führung leben als unter irgendeiner von etwa 78% Ukrainer gewällten Regierung. Ich kann nicht verstehen warum Du einer Volksgruppe nicht das Recht zusprichst sich von einer Regierung ab zuwenden, in der Sie sich nicht mehr vertreten sieht. Nach dem in den letzten Wochen soviel Hass gesät wurde. Beispiele hatte ich im vorhergehenden Artikel angezeigt.
    Zweitens: Wie man es nun nennt ist eigentlich egal. Ich würde mich hüten 1989 mit den Ereignissen von Kiew zu vergleichen, in Kiew brannten Regierungsgebäude, vielen Schüsse.
    In den ersten Reihen des Maidans kämpften paramilitärische Einheit von D.Jarosch. http://www.vorwaerts.de/116882/ukraine_rechte_parteien_in_neuer_regierung.html
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-400-us-soeldner-von-academi-kaempfen-gegen-separatisten-a-968745.html
    Wie lange diese Einheiten in der Ukraine sind weiß keiner, vielleicht waren Sie auch auf dem Maidan.
    Mir wird irgendwie zu viel Geschrei gemacht, ich glaube einfach nicht das die USA nicht Ihre Finger hier im Spiel haben. Vielleicht wegen Snowden oder die wollten eine Militärbasis auf der Krim haben. Die Amis interessieren sich nicht für irgendwelche Menschenrechte in irgendeinem Land, es geht Ihnen alleine um Ihre Ziele.
    Es entspricht nicht der Wahrheit: … an deren Ende ein Parlamentsbeschluss zur Amtsenthebung stand. http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/krim-ukraine-russland-kompromiss

    Was soll am 25.5 bei den Neuwahlen heraus kommen, Vertreter der Ostukraine(Oleg Zarjow )wurden durch Mitglieder der Svoboda Partei zusammen geschlagen. Auf welcher Basis soll ein gemeinsames Miteinander stattfinden, wenn Vorurteile alle Gesellschaftsschichten erreicht haben.
    Der Teil der russisch sprechenden Bevölkerungsschicht kein Vertrauen hat in eine neue Regierung. Der Anteil der Russen liegt gerade mal in der ganzen Ukraine bei etwa 17%. Sie erleben Einschnitte bei der Sprache und Kultur. Sie wollen nicht in einem Land leben das von westlichen Strukturen geprägt ist, ist dies so schwer nach zu vollzieren. Sie wollen lieber im „ärmlichen Russland“ leben als im „ Goldenen Europa“.
    Durch den Verlust der alten Regierung haben Sie jetzt auch Ihre Identität verloren, damals waren Sie ein Teil der Ukraine, jetzt sind Sie nur ein Spielball einer von Russen hassenden Bevölkerungs Mehrheit von Ukrainern geworden.
    Jetzt noch etwas zur so genannten Übergangsregierung. 9 Mitglieder( wichtigsten) sind der Vaterlandspartei übertragen Vorsitzende J. Tymoschenko (ihre Meinung über die Russen ist bekannt). Einige unwichtige Ämter haben parteilose, dann noch die Swoboda Partei mit 3Mitgliedern. Vergessen sollte man nicht einige wichtige Ämter. Generalstaatsanwalt und Sicherheitsrat Swoboda Partei .
    Vertreter der südlichen und östlichen Regionen gehören der Regierung nicht an.

    Ich kann Deine Kritik nicht verstehen gegen Blogs,die die ungenauer Berichterstattung anderer Medien offenlegen.

    1. Jürgen, ich möchte dir gewiss nicht zu nahe treten, aber dein Bekenntnis lässt mich einfach nur kopfschüttelnd zurück. Was kann es für rationale Gründe geben, ein menschenverachtendes System wie das sowjetische wiederaufbauen zu wollen? Nenne mir nur einen, bitte, damit ich wenigstens versuchen kann, das irgendwie zu begreifen. Und vor allem schließt sich daran zwangsläufig folgende Frage an: Mit welchem Recht stellt eigentlich jemand, der das Sowjetsystem, das ungefähr 20 bis 30 Millionen Menschen auf dem Gewissen hat, offenbar für einen Ponyhof hält, drei radikale Minister in einer ukrainischen Übergangsregierung infrage, die ein paar Leute haben zusammenschlagen lassen (ohne dass ich das in irgendeiner Weise kleinreden oder rechtfertigen will!)? Zumal diese Regierung ohnehin in ein paar Tagen Geschichte sein wird.

      Und bitte entschuldige: Aber wenn einigen Polen morgen einfallen sollte, dass sie viel lieber unter einer deutschen Regierung leben möchten, weil ihre Oma Deutsche war und das Gebiet, in dem sie heute leben, früher mal zu Deutschland gehörte, dann klatschst du auch Beifall, wenn die gewaltsam ein Referendum ihres Rajons zum Anschluss an Deutschland initiieren und damit einen Krieg zwischen Deutschland und Polen bzw. in Polen selbst vom Zaun brechen, ja? Das kannst du doch unmöglich ernst meinen! Wenn diese Leute unter einer russischen Regierung leben wollen, dann müssen sie nach Russland ziehen. Sie können aber nicht einfach ukrainisches Territorium mit nach Russland nehmen. Wirklich, ich habe noch nie in meinem Leben solch einen Unfug gelesen. Ganz zu schweigen, was das das für ein Demokratieverständnis offenbart. Aber damit kann es ja auch nicht weit her sein bei jemandem, der gerne sowjetische Verhältnisse hätte.

      Die Ostukrainer hätten genau wie die anderen Bürger des Landes in zehn Tagen die Gelegenheit, ihre künftige Regierung mitzugestalten. Es stehen wahrlich genügend Leute aus dem Janukowitsch-Lager zur Wahl. Das Problem ist: Hier geht’s schon gar nicht mehr um Mitbestimmung. Hier geht’s darum, dass man sich nicht mehr der ukrainischen Bevölkerungsmehrheit unterordnen und stattdessen alte sowjetische Verhältnisse wiederherstellen will. Bei diesen Leuten handelt es sich um einen kleinen, nationalbolschewistischen Kern, der mit russischen Nationalisten zusammenarbeiten. Der ukrainische Geheimdienst hat ein Gespräch zwischen beiden Fraktionen mitgeschnitten, in dem die Fälschung des Referendums vereinbart wurde. Ukrainische Medien berichten, dass gerade einmal 10 Prozent der Leute im Donbecken überhaupt ihre Stimme abgegeben haben – nun müssen aber wie es aussieht die anderen 90 Prozent trotzdem mit nach Russland! Ein paar Tausend Verblendete, die Millionen Menschen im Donbass terrorisieren. Und das findest du fair?

  5. Jane, es ging nicht um die Aufzählung der Toten in unserer Diskussion und auch nicht ob der Sozialismus oder der Kapitalismus die bessere Gesellschaftsform ist mit mehr oder weniger toten. Ob nun unter Sowjetischer Zeit 25Mill. Menschen starben oder die USA nur ? Menschen auf dem Gewissen haben.
    Ich wollte eigentlich meine Meinung zu den Ereignissen 2014 im Konflikt der westlichen Welt zu Russland äußern, um die Ukraine. In meinem ersten Artikel habe ich darauf hingedeutet, das die Politik Putins auch kritisch zu hinterfragen ist, auch wegen Tschetschenien.
    Einigen Beispiel die mich eben nachdenklich gemacht haben: Die negativen Schlagzeilen zu Beginn der Winterolympiade in Sotschi vom 8.2.- 23.2. man hat nichts ausgelassen um ein Sportereignis zur Hetze zu gebrauchen. Am 20.02. kam es dann zur Tragöde vom Maidan mit dutzenden Toten und Verletzten( vielleicht waren es die Spezialeinheiten der USA). Aber ich möchte mich jetzt nicht wieder an Spekulationen beteiligen.
    Dann die Bildung einer Übergangsregierung ohne Teilnahme eines Vertreters der Ost oder Südukraine.
    Selbst in dem Artikel ( von Dir als Link) vom 11.05. etwas zum Schluss, die Kritik geäußert worden das westliche und östliche Mächte die Kriese zu Ihren Zwecken ausnutzen wollen und es auch machen. Nicht versucht wird den Dialog zwischen den Seiten zu suchen. („Die Regierung in Kiew selbst, die sich weigert, in den Dialog mit den Rebellen der Regionen einzutreten und herauszufinden, wie die tatsächliche Situation in dem Land ist, das die Vertiefung der politischen und wirtschaftlichen Krise auseinander bricht, aber auch die Russische Regierung, die EU und die Vereinigten Staaten betreiben Anstiftung zum Bürgerkrieg.“)
    Das mit dem Landraub geht natürlich nicht ( außer bei Israel) Aber ich glaube die Russen hatten wegen der Krim Angst, das sich dort die USA festsetzt, sind ja auch mit einen Kriegsschiff ins Schwarze Meer eingefahren und Ihre eigene Flotte liegt in Sewastopol.
    Die Propagandamaschinen laufen auf Hochtouren, zugleich wird deutlich, dass die Ukraine nur ein Anlass für den neuen Konflikt zwischen West und Ost ist, an dessen Hochkochen beide Seiten interessiert sind.
    Fast jeden Tag kommen neuen Enthüllungen ans Tageslicht das hochrangigen Personen aus der USA in irgendeiner Weise im Konflikt beteiligt sind und das schon über Monate, diesmal nicht von irgendwelchen Blogs.
    http://www.n-tv.de/politik/Was-wusste-das-Kanzleramt-article12812346.html

    1. Natürlich geht es um genau diese Frage, denn die Tatsache, ob jemand die Ziele der Seperatisten selbst für erstrebenswert hält oder nicht, ist von essentieller Bedeutung für die Art, wie er sich zur Krise in der Ukraine positioniert. Deine Position (Westen Böse, Russen gut) lässt sich ja durchaus mit deiner offensichtlichen Affinität für nationalbolschewistische Ideale erklären. Denn wie du wollen die Separatisten wieder sowjetische Verhältnisse einführen. Und ich sehe, du weichst der Frage aus, warum man so etwas gut finden kann.

      Jürgen, worum es hier allerhöchstens am Rande geht, das ist der Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Der Fokus liegt hier auf dem Konflikt innerhalb der Ukraine, der in erster Linie ein Konflikt von Moderne und Nostalgie und um die grundlegende nationale Identität der Ukraine selbst ist. Und es hilft den Ukrainern sicher nicht, wenn wir hier diesen Konflikt auf Teufel komm raus auf eine andere Ebene verlagern, weil wir das so wollen, weil UNS andere Konfliktfelder vielleicht wichtiger sind. Arrogant und überheblich ist das gegenüber den Ukrainern, die wahrlich genug Sorgen am Hals haben. Da kommen die Deutschen jetzt auch noch und überlagern das Ganze mit ihrer Systemkritik und ihren eigenen Problemen wie z.B. ihrem Zorn über amerikanische Bevormundung und Spionage oder über den deutschen Einsatz in Afghanistan.

      Und ganz gewiss nicht zur Lösung des Konfliktes werden solche völlig aus der Luft gegriffenen Schüsse ins Blaue ala „vielleicht waren es die Spezialeinheiten der USA“ beitragen. Wirklich, Jürgen – was soll das? Wir haben es hier mit einem verdeckten Angriff eines Staates auf ein anderes Land zu tun! Ganz egal, was immer auch zwischen dem Westen und Russland vorgefallen ist, nichts von alledem rechtfertigt in irgendeiner Weise das Putin’sche Vorgehen in der Ukraine. Die Ukraine hatte stets auf ihre Blockfreiheit gepocht. Allerdings hatte die Administration Janukowitsch das Land zuletzt derart zugrunde gewirtschaftet, dass es auf einen starken Partner angewiesen war. Um die Ukraine haben BEIDE Blöcke gleichermaßen gebuhlt, nicht nur der Westen. Deshalb ist es verfehlt, dem Westen allein die Schuld an der Krise zu geben. Dazu, die Ukraine zu opfern, sich Teile ihres Territoriums einzuverleiben, wenn man sie schon nicht ganz auf seine Seite zerren kann, hat sich Wladimir Putin entschieden, nicht der Westen. Es war nicht der Westen, der Truppen in die Ukraine schickte, nachdem sich Janukowtisch entschlossen hatte, näher an Russland heranzurücken. Es waren die Menschen im Land selbst, die diesen Kurs nicht mehr bereit waren, mitzutragen.

      Die Übergangsregierung ist nicht nach der Zugehörigkeit zu einer Region gebildet worden. Sie wurde als PROVISORIUM aus jenen politischen Kräften gebildet, die aktiv in der Werchnaja Rada den politischen Wechsel vorangetrieben hatten. Wer hätte dieser „Vertreter der Ost- oder Südukraine“ denn bitte sein sollen? Glaubst du wirklich, die Separatisten vertreten die Süd- oder Ostukraine? Auf welcher Grundlage glaubst du das? Bis jetzt deutet alles darauf hin, dass diese Leute eigentlich niemanden groß vertreten, außer ein paar spinnerten Radikalen oder ein paar Perspektivlosen am unteren Ende der Gesellschaft.
      Schau dir diese Leute doch mal an! Die lungern da mit ihren billigen Uniformen und ihren Kalaschnikows rum, spielen Krieg, rufen Räterepubliken aus, die überhaupt nicht lebensfähig sind, und terrorisieren die Menschen – und so was soll ein Anrecht auf irgendeine Art von Beachtung oder Berücksichtigung haben?

      Ich bestreite gar nicht, dass West und Ost nun diesen Konflikt nutzen, um eigene Scharmützel auszutragen. Aber eines darf man niemals vergessen: Den Konflikt selbst eskaliert haben allein die Russen mit ihrem militärischen Eingreifen. Niemand sonst hat Panzer und Truppen dort stehen. Oder sehen wir die alle wieder bloß nicht, Jürgen?

      1. @Jane: In der Ablehnung eines neuen (mutmaßlich totalitaristischen) russischen Reichs sind wir uns einig. Ich sehe auch mit Sorge, dass Putin die Situation mit allen Mitteln ausnutzt. Aber sie machen es ihm auch leicht.

        Die Ukraine war nicht erst unter Janukowitsch ein kaputter, versagender Staat. Die Korruption war vorher schon endemisch. Die Oligarchen hatten das Land unter sich aufgeteilt, auch die »pro-westlichen«. Obwohl die Ukraine ein reiches Land sein könnte, ist sie heute ausgeplündert und abgewirtschaftet.

        Die Übergangsregierung der Ukraine hat m. E. einen entscheidenden Fehler gemacht: Das berüchtigte Sprachengesetz ging (auch als Entwurf) direkt ins Herz der Menschen aus den russischsprachigen Bevölkerungsgruppen. Das hätte niemals geschehen dürfen. Kontext:

        http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/krim-krise-ukraine-verzichtet-auf-umstrittenes-sprachengesetz-12826788.html

        Dieser große Fehler bestand darin, dass man den russischsprachigen Leuten damit gesagt hat: Ordnet Euch gefälligst dem Ukrainisch unter, Russisch ist nichts mehr wert. Sprache ist aber Identität und Kultur. In anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion war man in dieser Angelegenheit wesentlich geschickter.

        Ich würde gern differenzieren zwischen Ost-Ukraine und Krim. Die Integrität der jetzt bestehenden Ukraine (ohne Krim) muss gewahrt bleiben. Es darf keine Teilung dieses Staates geben. Der Bürgerkrieg muss beendet und ein föderales System muss aufgebaut werden. Das schließt allen Minderheitenschutz ein, der heute international in zivilisierten Staaten Standard ist. Zwischen Russland und der Ukraine muss es Handel zum gegenseitigen Vorteil geben, genauso wie zwischen Ukraine und Europa.

        Auf der Krim sehe ich allerdings keine Annexion, sondern eine Sezession. Auch wenn man sich über die wahre Zustimmungsquote beim Referendum streiten mag: Eine Mehrheit von zwei Dritteln dürfte locker auch heute für einen Anschluss an Russland sein. Die Krim wurde in der Zeit der UdSSR völlig willkürlich der Ukraine zugeschlagen – eigentlich war sie vorher immer russisch. Nachdem sie allein nicht lebensfähig ist, scheint ein Anschluss an Russland logisch.

        1. Hallo Stefan, schön, dass du mal wieder vorbeischaust.

          Wir sind uns sogar noch in viel mehr Sachen einig.
          Dass die EU Fehler gemacht hat, steht außer Frage. Ein Riesen-Fehler bestand meiner Meinung nach z.B. darin, mit der Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens so lange zu warten, bis Janukowitsch keine andere Wahl mehr hatte, als sich den wartenden Russen zuzuwenden. Auch darin, dass die wirtschaftliche Schieflage sowie Korruption und dergleichen nicht erst unter Janukowitsch auftraten, sind wir uns einig. Aber Janukowitsch war ja auch früher schon mal an der Macht, und auch die jahrelange autoritäre und Moskau-freundliche Regierung Kutschma hat nicht gerade die besten Voraussetzungen für blühende Landschaften geschaffen. Und genau diese gewachsene Situation bedürfte IM Land mal einer genauen und kritischen Analyse. Die wäre aber unter Janukowitsch vermutlich nie gekommen – deshalb begrüße ich die Ambitionen vieler Menschen, etwas ändern zu wollen (Maidan).

          Man zeige mir übrigens eine Regierung, die keine Fehler macht. Auch unsere Regierung hat in der Vergangenheit Fehler gemacht. Ich erinnere nur an die diskriminierenden Hartz-Gesetze oder den Einbürgerungstest usw. Nun muss man sich fragen, warum es in der Ukraine fast zum Bürgerkrieg kommt, obwohl die Regierung ihren Fehler sogar rückgängig machte, indem sie den Entwurf nicht zu Beschluss kommen ließ, in Deutschland aber nicht? In Deutschland gibt es eine starke, mit Beteiligungsrechten ausgestattete Zivilgesellschaft. Die gab es in der Ukraine meiner Meinung nach nie, weil sie von fast allen Herrschenden seit der Unabhängigkeit 1991 mal mehr mal weniger unterdrückt wurde – zuletzt unter Janukowitsch. Hinzu kommen nicht nur die ethnischen Unterschiede, sondern auch der stete Einfluss durch Russland insbesondere im Osten der Ukraine, auf den Kiew nie irgendeine Reaktion parat hatte. Die Spaltung der Ukraine geschah nicht erst jetzt, in Wirklichkeit war das Land die ganze Zeit gespalten. Der Maidan war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Eine weitere Problematik ist die von mir oben im Artikel beschriebene: Der alte Geist der Sowjetära konnte sich insbesondere im Osten der Ukraine erstaunlicher Beliebtheit erhalten – auch das ist maßgeblich dem Einfluss Russlands geschuldet. Welche nationalen Helden hat die Ukraine in den letzten 20 Jahren hervorgebracht,die Vorbild sowohl für die ukrainisch- als auch die russischstämmie Bevölkerung des Landes hätten sein können, um die alten, unseeligen Vorbilder aus Sowjettagen endlich abzulösen? Nicht ein einziges. Das heißt für mich, dass das Land auf einem ständigen Pulverfass saß. Schon vor Jahren warnten Leute vor der drohenden Eruption.

          Die Sprachproblematik ist übrigens ein Teil der – wie ich finde wichtigen – Suche nach einer nationalen Identität des Landes. Die braucht es, wenn es künftig eine starke Zivilgesellschaft aufbauen will, die nicht ständig danach strebt, das Land von innen zu destablisieren. In anderen Staaten ist das z.B. gar kein Thema. Deutschland etwa verfügt über eine große türkische und russische Minderheit – Russisch oder Türkisch als Amtssprach einzuführen, würde hier aber niemandem in den Sinn kommen. Vielleicht war die ukrainische Regierung naiv – es aber darauf zu schieben, dass sie die Russen unterordnen wollte, halte ich für überzogen. Wäre dem so gewesen, wäre man nicht sofort zurückgerudert, als man merkte, dass das auf erheblichen Protest stieß. Der Entwurf sah übrigens nicht ein Verbot der russischen Sprache vor, es ging lediglich um die Amtssprache. In anderen ehemaligen Sowjetrepubliken stellte sich diese Frage nie. In Usbekistan, Georgien oder Armenien z.B. ist Russisch seit der Unabhängigkeit keine Amtssprache mehr gewesen. Vielleicht sollte man es in der Ukraine wie in Georgien machen: Dort ist die Amtssprache Georgisch, aber in bestimmten Regionen ist als zweite Amtssprache das Russische zulässig. Ich glaube nicht, dass diese Frage im Normalfall zu einem Bürgerkrieg führen muss. Hier lagen weit tiefere Verwerfungen ohnehin schon vor.

          Was die Krim betrifft, würde ich dir widersprechen wollen. Eine Abspaltung geht immer vom Volk selbst aus, nicht durch Einwirkung einer dritten Kraft. Genau die hat in Gestalt Russlands dabei aber eine entscheidende Rolle gespielt – ganz unabhängig von den letztlichen Zustimmungsquoten, die – wie du schon andeutetest – zudem jenseits jedweder Nachprüfbarkeit liegen. Im Donbass wurde von 89 Prozent Zustimmung schwadroniert, was sich letztlich als Fälschung erwies. Auch war beim Krim-Referendum nie das Ziel, sich als souveränes staatliches Gebilde von der Ukraine loszulösen, sondern es war von Beginn an der Anschluss an Russland das Ziel, und dieser wurde von Russland vehement vorangetrieben. Sowohl die Idee für das Referendum als auch die Initiative gingen von Russland aus, nicht von den Krim-Bewohnern. Und auch das Hauptinteresse für eine Abspaltung lag aufseiten Russlands, nicht aufseiten der Bevölkerung.

    2. „Die Regierung in Kiew selbst, die sich weigert, in den Dialog mit den Rebellen der Regionen einzutreten und herauszufinden, wie die tatsächliche Situation in dem Land ist,“

      Und auch hier gibt es von mir nur ein Kopfschütteln. Wo nimmst du denn diese Behauptungen her? Man möchte meinen,du hast die Geschehnisse überhaupt nicht verfolgt. Die Regierung in Kiew hat MEHRFACH dazu aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, nachdem absehbar war, dass sich in der Ostukraine ähnliche Szenarien anbahnten wie auf der Krim. Die Rebellen haben das abgelehnt wie sie auch heute noch eine Teilnahme am Runden Tisch ablehnen. Nur dass die Regierung in Kiew dies mittlerweile ebenso ablehnt. Zur Militärgewalt griff man aber tatsächlich erst, als die Rebellen immer mehr Regierungsbehörden gewaltsam unter ihre Kontrolle brachten und dabei rücksichtslos auch gegen die dortige Bevölkerung vorgingen. In Donezk und Lughansk werden Menschen durch die Straßen gejagt, die es wagen, für eine einige Ukraine zu demonstrieren! Was glaubs du, wie die Kiewer Regierung da reagieren sollte? Sie hat die Aufgabe, ihre Bevölkerung zu schützen! Zumal ein Großteil der Rebellen in der Ostukraine aus Russland kommt und sich praktisch anmaßt, politische und territoriale Fragen der Ukraine gewaltsam zugunsten Russlands zu entscheiden.

  6. Jane, diese Aussage habe ich von Deinem erwähnten Link vom 11.05. der Text steht fast zum Schluss des Beitrages kurz vor den Kommentaren.
    ttps://www.freitag.de/autoren/berlino1010/russische-linke-wuenschen-sich-maidan-zurueck
    Aber vergessen solltest Du aber auch nicht den sinnlosen Tot und die Verletzten in Odessa. Übergriffe gibt es auf beiden Seite gegen anders denkende. Darum sollte die Schuld nicht nur einer Seite gegeben werden. Aber eins fällt mir auf, die Berichterstattung in den Medien über die Ukraine sind stark zu rückgegangen, entweder passiert nichts wesentliche oder man ist nicht mehr so überzeugt vom bisherigen Handeln.

    Jane, ich habe das Original Video im Netz gefunden. Ob es ein winken oder ein Gruß ist, es kann zweideutig aufgefasst werden. Wenn man das Umfeld der Kundgebung sieht, wirst Du garantiert auch der Meinung sein das es kein Glücksfall ist, in einem Fahnenmeer der Swoboda Partei eine Rede zu halten.

    1. Jane, diese Aussage habe ich von Deinemerwähnten Link vom 11.05. der Text steht fast zum Schluss des Beitrages kurz vor den Kommentaren. ttps://www.freitag.de/autoren/berlino1010/russische-linke-wuenschen-sich-maidan-zurueck

      Oh – und was macht diese Aussage automatisch wahr? Ich finde einfach, dass du die Positionen von dir politisch Nahe Stehenden viel zu schnell übernimmst, Jürgen. Dass die Regierung in Kiew bis kurz vor den „Referenden“ in Donezk und Lughansk den Dialog mit den Regionen und auch mit Russland angeboten hatte, ist Fakt.
      Man kann aber eben nur mit Menschen in Dialog treten, die dazu auch bereit sind bzw. nicht von Terroristen gewaltsam daran gehindert werden. An beidem scheiterte das Ganze. Die Separatisten sind ihrerseits bis heute ohnehin nicht zum Dialog bereit, deshalb verstehe ich weder deine noch die Forderungen Russlands nach einem Dialog, die zudem immer mit dem leisen vorwurfsvollen Unterton an die Adresse Kiews vorgetragen wird. Soll die ukrainische Regierung wirklich mit Freischärlern und Radikalen verhandeln, die gerade gewaltsam Staatsgebiet erobert haben und dieses besetzt halten? Stell dir vor, deutsche Rechtsextremisten würden in Polen einfallen und „Ostpreußen“ für Deutschland zurückerobern. Würdest du von der polnischen Regierung allen Ernstes verlangen, dass dieses sich mit solchen Leuten an einen Tisch setzt und verhandelt? Wenn in der Ukraine verhandelt werden soll (und ich finde, dass MUSS so sein), dann zwischen den legalen Vertretern der betroffenen Regionen (Gouverneure, Bürgermeister) und der Kiewer Regierung, nicht aber mit denen, die sich diese Ämter gewaltsam angeeignet haben.

      Nichts vergessen ist eine Sache, alles in einem Topf zusammenzuwerfen und gründlich drin herumzurühren, wieder eine ganz andere. Die Toten von Odessa haben überhaupt nichts mit der Regierung in Kiew zu tun. In Odessa sind zwei völlig aufgestachelte und bewaffnete Mobs der verschiedenen radikalen Strömungen (ukrainische und russische Nationalisten) aneinandergeraten. Und wenn wir schon bei „vergessen“ sind, scheinst du wohl irgendwie übersehen zu haben, dass die Ursprünge der Auseinandersetzung auf die Aktivitäten der prorussischen Fraktion zurückzuführen waren, die versuchten, ein Behördengebäude zu stürmen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Das rechtfertigt keineswegs die Eruption der Niedertracht und der Gewalt, die dann folgte. Aber es zeigt auch, dass hier im Vorfeld provoziert wurde ohne Ende. Odessa ist für mich zum Symbol eines Größtmaßes an Menschenverachtung geworden, die Menschen einander entgegenbringen können. Aber diese Eskalation ist klar von den Bestrebungen der Kiewer Regierung zu trennen und sie wurde großteils von Separatisten heraufbeschworen.

      Und ob es nun ein „Glücksfall“ ist oder nicht, mit Tjagnibok gemeinsam auf dem Dach eines Transporters zu stehen und eine Rede zu halten – ich glaube, diese Frage ist absolut zu vernachlässigen, wenn man sich die Situation vor Augen führt, die zu diesem Szenario überhaupt geführt hat: Ohne die Stimmen von Swoboda im Parlament hätte Janukowitsch nicht aus seinem Amt enthoben werden können. Und in diesen Tagen, in denen es wichtig war, Einheitlichkeit und Geschlossenheit zu demonstrieren, hat glaube ich keines der Mitglieder der Übergangsregierung auch nur einen Gedanken daran verschwendet, mit wem er da steht. Ich werde nicht diejenige sein, die jetzt – nachdem ein neuer Präsident demokratisch gewählt wurde – weiterhin den Hauptprotagonisten des politischen Maidan einen Hang zum Faschismus anzuheften sucht. Swoboda ist in der Präsidentschaftswahl vom letzten Samstag klar abgewatscht worden, ebenso der Rechte Sektor. Wenn rechte Parteien bei Bundestagswahlen in Deutschland so wenig Stimmen bekommen würden wie in der Ukraine, könnten wir uns glücklich schätzen. Und wie man angesichts des Originalmaterials noch allen Ernstes davon ausgehen kann, Jazenyuk hätte einen Hitlergruß dargeboten – es erschließt sich mir nicht. Wenn, dann hat anscheinend auch Klitschko einen gemacht, der winkte nämlich genauso den Demonstranten zu.

      Ich verstehe einfach nicht, wie man so viel Zeit und Hartnäckigkeit darauf verwenden kann, um jeden Preis die Mitglieder einer ungeliebten Regierung diskreditieren und als Faschisten entlarven zu wollen. Entschuldige Jürgen, aber da klaffen unsere Auffassungen sehr weit auseinander.

  7. Hallo Jane,
    Gratulation zu 5 erfolgreichen und super Jahren die Du den Blog betrieben hast. Es waren tolle Artikel und Berichte über das Zeitgeschehen von Geschichte und Gegenwart, die Du behandelt hast und ich habe viel Hintergrundwissen erhalten. Wünsche Dir für die nächsten 5Jahre viel Spaß und Zeit, für das Aufarbeiten von interessanten Themen und das viele den Weg zu Deinem neuen Blog finden.
    Nun zur Ukraine, meine letzten Artikel sind vor der Wahl entstanden. Es hat sich seit dieser Zeit einiges geändert, es gab einen eindeutigen Sieger Petro Poroschenko, der Kantidaten der Swoboda Partei wurde abgestrafft. Selbst J. Tymoschenko erhielt gerade mal 12%.
    Meine größte Enttäuschung an der ganzen Wahl war das Verhalten der Separatisten in der Ostukraine. Dort hätten Sie beweisen können das der größte Teil der Bevölkerung der Ostukraine hinter Ihnen steht. Hätten Sie einen eigenen Kandidaten aufgestellt und die Wahl ermöglicht. So viele Stimmen wie Poroschenko hätte es garantiert nicht gebraucht, wenn eine ganze Region für einen Anführer der Separatisten gestimmt hätte wäre es auch ein eindeutiges Zeichen für Veränderungen gewesen. Aber so, war es eine vertane Chance, denn mit dem zerstören von Wahlurnen und der Bedrohung der Bevölkerung kann man sich kein Vertrauen aufbauen.
    Ich hätte mir gewünscht das Poroschenko nach seinem Wahlsieg nicht gleich zur Schlacht gegen die Separatisten aufruft, da Putin das Ergebnis der Wahl anerkannt hat. Schön wäre es gewesen nach Moskau zu fahren um mit Putin ein Ende des Konflikts zu besprechen. Den die Gegenwart und auch Vergangenheit zeigen doch, das mit Krieg keine Konflikte gelöst werden können, nur die Zivilbevölkerung darunter leidet. An schnellen Feldzügen sind schon andere gescheitert. Ein anderes Zeichen ist das die Bevölkerung müde ist und auch endlich Frieden haben will (Separatisten haben mehr Waffen als Leute die Kämpfen wollen).

  8. Danke für die Glückwünsche, Jürgen. Und auch, wenn wir beim Thema Ukraine-Konflikt ziemlich verschiedener Meinung sind: Deine Meinung ist hier stets willkommen, sie muss nur auch mal ein wenig Gegenwind abhalten 😉

    Dass die Separatisten in der Ostukraine die Wahl boykottieren würden, war absehbar. Denn sie hätten sich quasi selbst abgesägt, wenn sie zugelassen hätten, dass das Volk ihrer neu gegründeten „Volksrepubliken“ einen ukrainischen Präsidenten wählt. Sie hätten sich selbst zu Terroristen erklärt, statt zu „Staatsmännern“, als die sie sich selbst sehen.
    Was Poroshenko betrifft: Was hätte er tun sollen? Sein Volk erwartet von ihm, dass er wieder Ordnung ins Land bringt. Deshalb haben sie ihn gewählt. In Moskau sitzen jene Leute, die alles tun, dies zu verhindern. Ihm bleibt gar keine andere Wahl, als die Separatisten mit allem was möglich ist zu bekämpfen, weil sie sonst immer weitere Teil des Landes destabilisieren werden, um sie dem zuzuschlagen, was sie und eben auch Putin „Noworossija“ nennen. Dazu zählen weite Teile des Ostens, aber auch des Südens der Ukraine. Mit solchen Leuten kann man nicht verhandeln. Und bevor man mit Russland verhandelt, muss man die Stabilität im eigenen Land wiederherstellen, sonst wird Russland in Verhandlungen stets am längeren Hebel sitzen.
    Wie Ministerpräsident Jazeniuk neulich schon richtig feststellte: Wenn wir uns jetzt mit Moskau allein an einen Tisch setzen, werden sie uns nach Strich und Faden betrügen.

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