Drei Stunden Hass – Dresden am 13. Februar

Großteils friedlich, so titelte die Dresdner Medienlandschaft fast einhellig, sei der diesjährige 13. Februar zu Ende gegangen. Ein saftiger Euphemismus, sage ich als Medienvertreterin, die direkt mittendrin war. Drei Stunden lang war ich zwischen Hauptbahnhof, Lennéplatz und Parkstraße unterwegs, jenem Quadranten, in dem sich die Konfrontation zwischen aufmarschierenden Nazis und protestierenden Antifaschisten hauptsächlich abspielte.

Zwei Stunden davon stand ich mit vielen anderen Pressevertretern in der Pufferzone, die die Polizei mittels menschlicher Absperrungen zwischen eine Gruppe von etwa 270 Nazis und von drei Seiten angreifenden Blockierern gehauen hatte. Von hier aus hat man alles gut im Blick, wird aber gelegentlich auch zur Zielscheibe von Schneeball- und Flaschenwürfen. Auf der anderen Seite des gestoppten Nazimarsches eine weitere, noch größere Wand aus Blockierern. Die Nazis standen mittendrin und mussten sich zähneknirschend Schneeballattacken gefallen lassen, die von allen Seiten geflogen kamen. Ihre Kundgebung samt Fackel-Show und zynischen Tiraden Udo Pastörs hielten sie trotzdem ab – beschützt von Polizeibeamten, die diesen Belagerungszustand über Stunden nicht aufzulösen in der Lage waren. Zum Dank mussten sich die Beamten Hohn von Nazis und Blockierern gleichermaßen gefallen lassen. Obgleich das Recht auf ihrer Seite stehe, sorge die Polizei nicht dafür, dieses Recht durchzusetzen, ätzte Pastörs über sein Megafon. Und der Witz an der ganzen Sache: Er hatte damit noch nicht mal Unrecht. Derweil schlugen „Antifaschisten“ im Schutz der Dunkelheit mit Zaunlatten auf Polizeibeamte in Zivil ein und verletzten sie dabei schwer.

Wenn man so mitten unter den Demonstranten steht, beschleicht einen zusehends das Gefühl, dass es gar nicht darum geht, etwas gegen Rechts zu tun, zumindest vielen geht es nicht darum. Die Stimmung im Lager der Blockierer ist viel zu aufgekratzt, ja regelrecht ausgelassen. „Nazis aufs Maul hauen“, „Nazis erschießen“, die Hassgesänge werden immer expliziter. Neben den Skandeuren stehen feixende Mädels mit Rastas und unschuldiger Stupsnase, die man eigentlich eher an der nächsten Veggie-Bude oder beim Kampfhäkeln vermutet hätte. Die Stimmung ist zu ausgelassen, um der behaupteten Ernsthaftigkeit des Anlasses gerecht zu werden. Und sie ist bisweilen klar aggressiv. Böller krachen, Gesänge werden angestimmt, die an Choreos in Fußballstadien erinnern: „Ihr könnt nach Haaaause fahrn, ihr könnt nach Haaause fahrn…“ tönt es am Hauptbahnhof aus vielen Kehlen in einem so perfekten Kanon, als hätte man einige Routine darin. Kein Zweifel, wer da „demonstriert“. Die gleichen Typen in schwarzen Kapu-Sweats und Picaldi-Hosen kennt man auch von früheren eskalierten BRNs, die Gesänge auch.

Ich klettere auf ein Geländer, um weithin über die tobende Menge fotografieren zu können. Als ich wieder runtersteige, bauen sich plötzlich vor mir fünf junge Männer auf, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Sie umringen mich und schnauzen mich rüde an. Was ich mir erlaube, hier den Leuten ins Gesicht zu fotografieren. Eine Demo sei das hier, und ob ich die Demonstranten an die Bullen verraten wolle. Ich schaue in die aggressiven Gesichter, die feindseligen Augen. Meinen Job sollen sie mich hier machen lassen, ich sei von der Presse, antworte ich ihnen. Doch mit Pressefreiheit kann man die Meute wenig beeindrucken. Die Stimmung lädt sich weiter auf. Angriffslustig umschleicht und beschimpft man mich. Ich versuche zu entkommen, aber man lässt mich nicht. Einer greift nach meiner Kamera, will sie mir vom Hals zerren. „Zeig doch deinen Presseausweis, wenn du einen hast“, grölt mich ein anderer an und kommt mit seinem Gesicht dabei ganz dicht vor meines. Später sagt man mir, dass sie so an meinen Namen kommen wollten.

Ich kann schließlich im Chaos der Menschenmenge doch entrinnen. Um mich herum hatten in diesen drei-vier Minuten Hunderte Leute gestanden. Leute, die jederzeit in eine Kamera sagen würden, dass sie Gewalt bei Blockaden ablehnen. Geholfen hat mir niemand. Und nächstes Jahr werden sie wieder feiernd und singend neben diesen Leuten stehen, überzeugt davon, sich für Demokratie einzusetzen. Keine zehn Meter entfernt standen Polizeibeamte, die – hoffnungslos überfordert – nicht mal hätten einschreiten können, wenn sie diese Szene mitbekommen hätten. Blockieren, das haben mich die drei Stunden gelehrt, ist eine Riesen-Party, ein Happening ohne Gleichen, bei dem sonst gut kontrollierte Triebe und Neigungen kollektiv ausgelebt werden. Hier, in der schützenden, großen Masse, kann man die Sau rauslassen, randalieren, demolieren, toben und auch schon mal überschüssige Energie an vermeintlichen Feinden abarbeiten. Ob das Nazis, Polizisten oder Journalisten sind, ist letztlich egal. Und die Pace dazu gibt coole Mugge vor, die aus Lautis dudelt.

83 Gedanken zu „Drei Stunden Hass – Dresden am 13. Februar“

  1. Danke für den „Insider“-Bericht. Ehrlich gesagt, bestätigt das meine Annahmen zu dieser Art Gegen-„Demonstration.“ Wem als Gegenmittel gegen Rechte nichts besseres als Gewalt einfällt, darf sich nicht wundern, dass die eben nicht aus unserer Gesellschaft verschwinden. Wenn die sich schon, mindestens formal, an die „Spielregeln“ halten, ist es natürlich Wasser auf deren Mühlen, wenn sie dann nicht zu ihrem Recht kommen und die Polizei ihnen nicht zu ihrem Recht verhilft. Dann werden sie womöglich noch in ihrer staatsfeindlichen Haltung bestärkt. Wenn die Polizei dann aber auf Seiten der Rechten eingreift, wird wieder darüber lamentiert, dass die Polizei auf dem rechten Auge blind sei. Die Polizisten sind immer die Dummen in dieser Situation. Und Idioten, die die Polizei oder die Presse angreifen, schaden vor allem ihrer eigenen Sache.

    1. Es ist noch nicht einmal so, dass die Gewalt permanent physisch würde, so wie von mir erlebt. Sie wird es zwar hier und da tatsächlich, aber das eigentlich Beängstigende ist die Macht, die von solch einem entfesselten Mob, der entschlossen ist, etwas durchzusetzen, unweigerlich ausgeht. Ohne dass dabei jeder Einzelne die Fäuste erheben oder anderweitig aktiv gewalttätig vorgehen muss. Und es ist dieser unglaubliche Hass, der aus den Tiraden quillt. Da frage ich mich: Wo ist da noch der Unterschied zu denen, die sie bekämpfen wollen? Seit wann lässt sich Hass mit Gegenhass wirkungsvoll bekämpfen? Nirgendwo lässt sich derzeit besser nachvollziehen, dass Hass den Verstand vernebelt als am 13. Februar in Dresden – oder bei Attacken von Neonazis auf Ausländer. Und schon der Umstand, dass eine solche Analogie greift, ist ein Armutszeugnis für die Blockierer und für diese Stadt.

      Wenn die Beamten an der Parkstraße nicht so besonnen reagiert hätten (selbst, als einige der ihren brutal zusammengeschlagen wurden), hätte es zahlreiche Verletzte gegeben, so viel steht fest. Für ein paar Stunden habe ich das empfunden, was sie empfinden. Mit dem Unterschied, dass ich jeder Zeit realtiv unbehelligt dort wegkonnte – sie konnten das nicht. Sie mussten eine Horde Nazis beschützen und sich dafür „Scheißbullen“ rufen lassen. Diese Situation war nicht nur für die Polizisten eine demütigende. Ich finde, dass es für eine Stadt untragbar ist, sich derart von einem wütenden Mob regieren zu lassen. Wenn so die Verteidigung des Rechtsstaates gegen Angriff von außen aussieht, dann sage ich schon mal Gute Nacht für den Fall, dass es tatsächlich mal wieder einen ganz massiven Angriff auf unsere Grundordnung geben sollte. Die Behörden lassen sich zum Spielball zwischen den einzelnen Gruppen machen, statt rigoros durchzugreifen und für Ruhe zu sorgen. Und sei es, dass eben am 13. Februar keinerlei Demonstrationen oder aufsehenerregende Aktionen erlaubt werden – ähnlich wie an den öffentlichen Trauertagen. es wäre so einfach, eine legitime Grundlage zu schaffen, jedwede unschönen Entwicklungen an diesem Tag im Keime zu ersticken. Das Problem dabei ist: Dann müsste man ja auch die Menschenkette und all die Aktionen der Stadt absagen, mit der diese sich am 13. Februar so gerne in den Vordergrund schiebt. Das Problem ist also ein immanentes, nicht so sehr eins, das von außen hereingetragen würde.

  2. Sie wissen schon, dass im Zusammenhang im diesen Demonstrationen immer rechte Fotografen Gegendemonstranten fotografieren und deren Bilder dann ins Netz stellen, dort die zugehörigen Adressen zusammengetragen werden und dann evtl. mal ein Brandanschlag verübt wird?
    Den Presseausweis nicht zu zeigen, macht einen da zusätzlich verdächtig.

    Wie im anderen Beitrag schon geschrieben ist es furchtbar, dass Polizisten verletzt wurden, aber Zivilpolizisten haben auf einer Demonstration eigentlich nichts verloren, vielmehr haben sie sich dem Veranstaltungsleiter zu melden und bekommen von diesem dann einen Platzt zugewiesen, so steht’s im Gesetzt.

    1. Sorry, Ich, aber wer sich hinstellt und anderen Leuten ihre Grundrechte teils gewaltsam streitig machen will, der muss auch mit entsprechenden Gegenreaktionen klarkommen können. Die Autonomen fühlen sich ja schon zu gewaltsamen Reaktionen provoziert, wenn die Rechten nur demonstrieren wollen. Und da wird sich geärgert, wenn sich die Rechten zu solchen Reaktionen provoziert fühlen, wenn man sie aktiv in ihren Grundrechten beschneiden will?
      Wie schlecht die Ziele und Ansichten der Rechtsextremen auch immer sein mögen – sie sind ein Produkt dieser Gesellschaft wie die linksextremen Gesinnungen auch. Die Linksextremen dürfen schließlich auch demonstrieren. Und solange beide nicht verfassungsmäßig verboten sind, haben wir damit klarzukommen, und nichts und niemand darf ihnen in einer Demokratie ihre Rechte absprechen und schon gar nicht auf eigene Faust. Wer wäre dann der Nächste? Wollen wir Börsenspekulanten, Rüstungsindustriellen und Politikern auch die Grundrechte absprechen? Diese Klientel dürfte wesentlich mehr Menschenleben auf dem Gewissen und Dreck am Stecken haben als alle 270 tumben Neonazis zusammen, die am Mittwoch auf der Parkstraße standen.
      Die Zivilbeamten waren selbstverständlich Teil dieses Einsatzes und waren nicht aus Spaß an der Freude dort vor Ort. Wie naiv kann man denn nur sein. Und bei wem sie sich zu melden haben und wo sie auftreten, das entscheiden gottseidank nicht hassdurchtränkte Pennäler, die ihren Spaß an der Revolte wollen.

      Und wenn ich hier lesen muss, dass ich mich als Journalistin quasi auf die Seite des „Feindes“ stelle, wenn ich mich weigere, jedem vermummten Teenie, der das verlangt, meinen Presseausweis unter die Nase zu halten, da kommen beinahe wehmütige Erinnerungen an so etwas eigentlich Schreckliches wie Jugendwerkhöfe auf (Vorischt, Zynismus).

      1. Ich stimme Dir darin zu, dass der Finanzindustrie Grenzen gesetzt werden müssen und dass Sanktionen gegen bestimmte Finanzgeschäfte endlich auch wirksam werden müssen. Aber ich würde das jetzt wirklich nicht in einen Zusammenhang oder Vergleich mit politischen Extremisten packen. Das sind ganz unterschiedliche Kategorien.

        1. Hallo Stefan,
          es geht nicht darum die Finanzindustrie in einen Topf mit Rechtsextremen zu werfen. Es ging darum, zu veranschaulichen, wie schnell man nach der Argumentation der Blockierer denk Fokus auch auf andere Zielgruppen ausweiten könnte. Denn wenn es reicht, eine bestimmte politische Ansicht zu vertreten, der auch schon Menschen zum Opfer gefallen sind, um den Vertretern dieser Ansicht oder dieser Zielgruppe ihre Grundrechte abzusprechen, dann bleibt es eben nicht zwangsläufig bei Nazis. Denn für Unmenschlichkeit und Unrecht sorgen tatsächlich auch noch andere.

  3. Ich war vor zwei Jahren zum letzten Mal mit vor Ort und hatte ein ähnliches Fazit, auch wenn ich damals nicht so direkt im Epizentrum war, wie Du hier beschreibst. Damals (und das wird diesmal sicher genauso gewesen sein) waren zwar überwiegend ganz normale, gewaltablehnende Leute vor Ort, aber beim Rest war genau dieselbe gewaltbereite Klientel, die Du hier beschreibst und die das Bild gewaltloser Gegendemonstranten so in den Dreck zieht. Diesen Vermummten geht es ganz deutlich überhaupt nicht gegen irgendwelche Nazis – das ist nur der Aufhänger. Denen geht es gegen „die Bullen“, das ist das klare Feindbild. Mit Antifaschismus oder Demokratie-Verteidigung hat das alles absolut nichts zu tun. Ich zitiere mich mal selbst (Text von 2011):

    „An der ebenfalls gesperrten Unterführung Franklinstraße sammelte sich alles. Die Stimmung war hier komplett anders – die normalen Menschen waren klar in der Minderheit und hielten sich mehr im Hintergrund. Was hier herum stand, hätte man vielleicht als „Schwarzen Block“ einstufen können. Dann doch lieber ein paar Antideutsche! Die von vorhin fand ich nun im Vergleich regelrecht vertrauenerweckend. Erste brennende Mülltonnen waren im Umfeld zu sehen. Wieder kam Bewegung auf. Schwarzgekleidete stürzten zu einem Fleck, wo es zu Rangelei kam: „Ein Zivilfahnder!“, wurde gerufen. Ich überlegte, ob ich meinen Fotoapparat besser in der Tasche lassen sollte? Die anwesenden Polizisten (für Antifa-Leute: Die Bullen) taten mir echt leid, denn die Stimmung war eindeutig primär gegen sie gerichtet und weniger gegen Nazis.“

    1. Yep, kann ich bestätigen, Frank. Die friedlichen Demonstranten gehen in dem entfesselten Mob, der sich regelmäßig bildet, vollends unter. Und oft, so scheint es, sind einem die eigenen Demo-Kollegen dann nicht mehr geheuer. Aber wie man sich von solchen Idioten nicht ganz klar distanzieren kann, will mir nicht in den Kopf. Warum muss es unbedingt die große Blockade sein? Erreiche ich tatsächlich etwas gegen Nazis, wenn ich sie am Marschieren hindere? Nein. Hier geht es nur um das süße Gefühl des kleinen Sieges über einen Feind, den viele anscheinend brauchen wie die Luft zum Atmen. Und genau deshalb wird es diesen Feind auch immer geben. Wären es nicht die Rechten, wäre es irgendjemand anderes.

      1. Schau bitte in die einschlägigen Naziforen nach der Stimmung nach ihren Demos oder auf die, seit den erfolgreichen Blockanden, rückläufigen Zahler der Teilnehmer an den Gedenkmärschen. Das sollte reichen. Was bisher nichts gebracht hat sind Menschenketten und weggucken.

        1. Ja, Ich, schau da mal selbst rein! Jedes Mal, wenn Nazi-Märsche blockiert werden, wird das in rechten Foren als lebender Beweis für die Verlogenheit der deutschen Demokratie angeprangert. Einen besseren „Beweis“ dafür, dass man Demokratie nicht braucht, weil sie ohnehin nicht durchsetzbar ist, kann man ihnen für ihre Hasspropaganda gar nicht liefern.
          Wenn Nazis nicht mehr am 13. Februar marschieren, heißt das nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Worin liegt also der Erfolg? Ist es ein Erfolg, lesen zu müssen, dass die Nazis sich – aufgestachelt durch die Pleiten und in dem Gefühl, dass der Rechtsstaat sie eh fallen gelassen hat – umorientieren und nach neuen Strategien suchen, ihr Recht selbst durchzusetzen? So schreibt etwa „Henry von Germanien“ im Forum des Nazi-Blättchens „Deutsche Stimme“:

          Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Strategien. Entweder begegnen wir unseren Gutmenschen mit rücksichtsloser und zügelloser Gewalt um unser Recht durchzusetzen ( denn Radikalität und Gewaltbereitschaft wird uns ja sowieso angedichtet ) oder wir lassen diese Städte mit samt ihren Gutmenschen einfach links liegen. Wir marschieren nur noch in Regionen auf, wo unser Ansinnen in der Bevölkerung überwiegend unterstützt wird. Von da aus muss dann versucht werden nationale Zonen aufzubauen und zu erweitern. Die Gutmenschenstädte sollen getrost in ihrem Multikultisumpf untergehen.

          Wollen wir das erleben? Ich will es nicht. Ein empfundener Sieg ist eben nicht immer auch ein Erfolg im Sinne einer Verbesserung der tatsächlichen Problematik. Manchmal schadet er tatsächlich sogar mehr als er nützt, da er die Gräben unnötig vertieft. Das eigentlich Ziel sollte doch die Reintegration der Rechten in die demokratische Mehrheitsgesellschaft sein, nicht ihr Ausschluss. Nur so könnte es irgendwann eine Gesellschaft ohne Rechtsextremismus geben, wenn das überhaupt möglich ist.

          1. Ich würde nach einem solchen Tag weder in rechtsextreme noch in linksextreme Foren schauen. Wann wird denn noch mehr gelogen, geprahlt und verzerrt, als nach einem solchen Aufeinandertreffen?

            Ich darf daran erinnern, auf welch unerträgliche Weise die Linksextremisten und ihre Sympathisanten die Folgen der Ausschreitungen von 2011 verharmlost haben, als Dutzende Polizisten teilweise schwer verletzt wurden.

            Blockieren hilft in überhaupt keiner Weise gegen das eigentliche Problem: Die Ideologie der Rechtsradikalen. Diese Ideologie kann die NPD in jedem Wahlkampf wochenlang verbreiten.

            Wenn im Wahlkampf neben jedem Nazi-Plakat ein neutrales Plakat für Demokratie, für die Gleichwertigkeit aller Menschen und für den kulturellen Austausch zwischen den Völkern hinge – das wäre mal Werbung gegen Nazis! Der geplante Aufmarsch der Rechtsradikalen hätte zwei Stunden gedauert, aber die braunen Plakate hängen vier Wochen lang!

            Last but not least: Danke an Dich für diesen Bericht. Ich habe im Jahr 2011 am 19. Februar am Hauptbahnhof die Hassgesänge beider Seiten gehört und beiden Seiten aus nächster Nähe dabei zugesehen. Außer in der Kleidung haben sie sich nicht unterschieden. Wenn man die Augen geschlossen hätte, wäre es schwer gewesen, die Hassparolen der einen oder anderen Seite zuzuordnen.

            Im Jahr 2012 habe ich eine Macht- und Hassdemonstration des Schwarzen Blocks in der Halle des Bahnhofs Neustadt erlebt; kurz darauf eine ähnliche Aktion der Neonazis im Hauptbahnhof in Leipzig (in solchen Hallen kann es mit wenigen Blitzknallern und dem Gebrüll von mehr als hundert Leuten sehr laut werden, das befriedigt solche Extremisten vermutlich besonders). Mein persönlicher Eindruck: Sie hassen den Rechtsstaat, sie verachten die Demokratie, sie sind intolerant und von sich selbst eingenommen.

            Man kann nur hoffen, dass von den Jüngeren noch möglichst viele in ein normales Leben finden – meinetwegen in politisch etwas radikaleren Parteien, aber wenigstens ohne Gewalt und Randale.

            1. Die Realität sieht leider so aus, dass diese Foren nach einem solchen Tag einen unglaublichen Zulauf haben. Propganda lässt sich so besonders leicht verbreiten und Emotionen besonders gut schüren. Die Langzeitwirkung ist daher nicht zu unterschätzen. Man sieht das am besten daran, zu welchem Aktivisimus die vergangenen „Erfolge“ des Bündnisses Nazifrei in Sachen Verhinderung von Nazi-Aufmärschen geführt haben. Wenn Triumphgefühl schon zu solchen Auswüchsen führt, dann möchte ich nicht wissen, was ein Gefühl permanenter Demütigung erzeugen könnte. Wohin es schlimmstenfalls führen kann, haben wir 2011 in Norwegen gesehen – oder auch bei uns (Stichwort NSU).

              1. „Wohin es schlimmstenfalls führen kann, haben wir 2011 in Norwegen gesehen – oder auch bei uns (Stichwort NSU).“

                Aus dem „Gefühl permanenter Demütigung“ heraus entsteht also Faschismus, zugegeben interessante These!

              2. „Die Realität sieht leider so aus, dass diese Foren nach einem solchen Tag einen unglaublichen Zulauf haben.“

                Auch da muss ich dementieren, ich verfolge das schon seit Jahren und ich würde behaupten, noch nie wurde so wenig darüber diskutiert wie in diesem Jahr.

  4. Die extremen Haltungen der rechten wie der linken erinnern mich an religiösen Fanatismus. Da wird ein Feindbild aufgebaut und dann auf den Feind eingeprügelt – auch im übertragenen Sinn. Gewalt muss sich nicht in der Form von Schlägen ausdrücken. Auch eine Aufmarsch von hunderten oder tausenden kann Gewalt sein, auch Hasstiraden sind eine Form von Gewalt.

    Wenn man sich extreme Positionen und ihren Umgang miteinander ansieht, dann erkennt man schnell, dass das Problem mit Gewalt und Gegengewalt nicht zu lösen ist. (Nordirland, Baskenland, Balkan, um nur mal drei geographisch naheliegende Regionen zu nehmen). Es dauert enorm lange, solche Positionen so weit zu lösen, dass eine Verständigung möglich wird. Der Nordirlandkonflikt hat eine Vorgeschichte, die in Jahrhunderten mißt. Die Gespräche dauern seit Jahrzehnten an und hatten in der jüngsten Zeit Erfolge, aber auch Rückschlage.

    Ganz fatal wird es, wenn man eine Seite in den Untergrund treibt oder einzelne Gebiete, die vom Staat vernachlässigt werden, von den Extremisten übernommen werden. Dort wird dann deren Ideologie die vorherrschende. Das wieder aufzubrechen wird sehr schwer.

    Was Dresden am 13. Februar angeht: Wenn es politisch durchsetzbar wäre, könnte ich mich mit der Idee anfreunden, jegliche organisierte Aktion zu untersagen und nur ein friedliches Gedenken einzelner zuzulassen. Dass diese Einzelnen sich dann an bestimmten Orten treffen, ist natürlich nicht zu vermeiden. Also müsste dennoch eine große Polizeipräsenz vor Ort sein, um illegale Aktionen zu unterbinden. Ja, damit fiele auch die Menschenkette weg. Aber wenn es gelänge, wäre das leicht verschmerzbar.

    Ich glaube übrigens nicht, dass die Menschenkette so sinnlos ist, wie manche immer wieder behaupten. Sicher ist sie symbolisch. Die Macht von Symbolen sollte man aber nicht unterschätzen. Es hat seinen guten Grund, warum Nazisymbole verboten sind. Symbole repräsentieren eine Geisteshaltung und transportieren Ideen. Das begegnet uns auf Schritt und Tritt, sei es in Handelsmarken, Flaggen, Wappen, den Farben politischer Parteien, einem Kleidungsstil, politischen Symbolen etc. Wenn ich ein Symbol konsequent anwende, wird die Idee hinter dem Symbol damit assoziiert und ich muss gar nichts mehr dazu sagen, weil die Idee allgemein bekannt ist. Die Frage ist, wer die Deutungshoheit über die Symbole hat. Dresden ist zu einem Symbol für die Kriegszerstörungen des 2. Weltkrieges geworden. Nun muss man sehen, wie dieses Symbol gedeutet wird. Und das möchte ich nicht den Extremisten überlassen.

    1. Jane hat recht: Durch permanente Demütigung und soziale Deprivation können sich Menschen so stark an den Rand gedrückt fühlen, dass sie Amok laufen oder aus dem Hinterhalt Menschen umbringen. Das Extrem kommt sehr selten vor. Mindestens können sich aber bestimmte extremistische Überzeugungen verfestigen.

      Nicht umsonst sagt Frank Richter, der Moderator des Einigungsprozesses der demokratischen Kräfte, immer wieder: Die Parole »Nazis raus« müsste eigentlich umgekehrt werden in »Nazis rein«. Damit meint er natürlich diejenigen unter den Rechtsradikalen, die noch bereit für eine Umkehr sind – nicht die Ideologie der Nazis.

      Die Menschenkette sehe ich ambivalent. Es ist eine gute Sache für alle diejenigen, die ohnehin auf der richtigen Seite stehen. Es ist auch für Dresdner Verhältnisse ein Fortschritt, dass sich wenigstens die Demokraten nicht mehr vor jedem 13. Februar streiten und gegenseitig herabwürdigen. Aber ist jemand sicher, dass man damit die Radikalen von einer Umkehr überzeugt?

      Die Menschenkette müsste noch viel überzeugender *für* demokratische Werte positioniert werden. Als bloße Abwehrkette *gegen* die Personen, die momentan am Rande stehen, kann sie ausgrenzend und an den Rand drängend wirken.

      Man kann keine Versammlungen und Demonstrationen willkürlich an bestimmten Tagen untersagen, das ist ja mit dem ursprünglich geplanten Versammlungsgesetz schon mal gründlich in die Hose gegangen. Wenn sich alle Bürger im Rahmen des Grundgesetzes frei versammeln dürfen, kannst Du für den 13. Februar keine Sonderregelung einführen. Ich habe es mir abgewöhnt, von Lösungen zu träumen, die nicht praktikabel sind.

      1. „Nicht umsonst sagt Frank Richter, der Moderator des Einigungsprozesses der demokratischen Kräfte, immer wieder: Die Parole »Nazis raus« müsste eigentlich umgekehrt werden in »Nazis rein«.“

        Da scheint er sich auf die linksextreme Terroristenband „Goldene Zitronen“ aus Hamburg zu beziehen, denn die flimmerten schon 2001.

        1. Nein, auf deren Text bezieht er sich weder inhaltlich noch sinngemäß. Und wenn Sie an einer ernsthaften Diskussion über die Moderation Frank Richters zum 13. Februar 2012/2013 interessiert wären, wüssten Sie das auch.

    2. Der 13. Februar muss meiner Ansicht nach weg von seinem derzeitigen Status als politischer Großkampftag, an dem regelmäßig Geschichtsbilder aufeinanderprallen. Es müsste eine von einer breiten bürgerschaftlichen Masse getragene Initiative geben, die sich gegen eine Vereinnahmung des 13. Februar für politische Zwecke welcher Art auch immer ausspricht. Das würde nicht weniger bedeuten, als das an diesem Tag (am besten gleich in einem Zeitraum von einer Woche rings um dieses Datum)absolute Ruhe herrscht, ähnlich wie am Volkstrauertag. Eventuell ein kurzes Gedenken samt Mahnung auf dem Heidefriedhof, und fertig. Keine Kundgebungen, keine Demonstrationen und ja: auch keine Menschenkette.

      Die Menschenkette war eine mehr oder weniger hilflose Reaktion der Stadt auf die Vorwürfe aus dem linken, aber auch dem bürgerlichen Sprektrum, keine Antwort auf die zunehmende Vereinnahmung des Datums durch Nazis parat zu haben. Der Denkfehler sowohl der Kritiker als auch der Stadt liegt meiner Ansicht nach darin, dass man nicht erkennt, dass der Vereinnahmung durch die Nazis die Vereinnahmung durch die Stadt vorausging. Als man Mitte der 90er-Jahre begann, zunehmend Symbolpolitik mit dem 13. Februar zu machen, um Aufmerksamkeit und vor allem finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau der Frauenkirche nach Dresden zu holen, brachte man einen Stein ins Rollen, der mittlerweile zur Geröllawine geworden ist, und die man eigentlich nur mit einem Riesen-Knall wieder stoppen kann. Denn dieses zunehmend öffentlich zelebrierte Gedenken war es, das Nazis und linksextreme Antideutsche gleichsam zusehends nach Dresden lockte, um sich ebenfalls zu profilieren.

      Der besagte Knall könnte eben genau so aussehen, dass man die Stadt per Ratsbeschluss verpflichtet, Dresden am 13. Februar in eine Kultur des Stillen Gedenkens zu überführen, wie sie in den ersten Jahren nach der Wende an der Tagesordnung war. Das würde allerdings die Einsicht in eigenes Fehlverhalten voraussetzen.

      1. Der Ruf aus Dresden war übrigens schon 1991, wo es vor allem um Spenden eintreiben bei den Engländern und Amis ging. Mag sein, dass die Nazis durch die großen Gedenkveranstaltungen der Stadt, auch auf die Idee gekommen sein, dass sie da ebenfalls was machen könnten. Dass die Nazidemos so groß geworden sind, lag aber vor allem daran, dass Dresden überall bekannt ist, auch ohne das Zutun der Stadt in der Neuzeit und da spielen lokale Diskurse kaum eine Rolle und natürlich daran, dass sie es hier schon ziemlich gemütlich hier hatten, im Vergleich zu anderen Städten. Aber darf man als Stadt keine große Gedenkveranstaltung vor allem zu den runden Jahrestagen wie 1995 mehr machen, nur weil andere auf den Zug mit aufspringen könnten? Damals warend die Veranstaltungen ja auch noch gut besucht, es hat also offenbar auch das Bedürfnis gegeben. Heutzutage nach dem ganzen hickhack um den Tag hat sich das natürlich abgekühlt. Und man hat auch keine Lust darein zu geraten. Ich überlege mir auch dreimal ob ich mit meinen Kindern auf den Heidefriedhof oder an die Frauenkirche gehe, wenn man da jedesmal gleich im Fokus von irgendwelchen linksextremistischen Schwachmaten steht, die das alles zu einer reiner Kindergartenshow verkommen lassen.

        1. „Ich überlege mir auch dreimal ob ich mit meinen Kindern auf den Heidefriedhof oder an die Frauenkirche gehe, wenn man da jedesmal gleich im Fokus von irgendwelchen linksextremistischen Schwachmaten steht, die das alles zu einer reiner Kindergartenshow verkommen lassen.“

          Auf dem Heidefriedhof war abgesehen von einer kurzen Protesteinlage (aber eben nicht störungsfrei wie in der DNN behauptet) in diesem Jahr alles ruhig. Mich würde schonmal interessieren, was Kinder auf solchen Veranstaltungen zu suchen haben, Meinungsbildung mit der Brechstange oder?

          1. Meinungsbildung mit der Brechstange ist wohl eher Ihr Metier.

            Ich stehe nun mal nicht gern unter Beobachtung, von wem auch immer. Ich habe z.B. auch keine Lust darauf, dass meine Familie auf irgendwelchen Antifahetzseiten auftaucht um dann als „dummdeutsche Trauerbürger“ oder Schlimmeres in den Dreck gezogen zu werden. Persönlichkeitsrechte haben Ihresgleichen noch nie interessiert.

            1. „Meinungsbildung mit der Brechstange ist wohl eher Ihr Metier.“

              An welcher Stelle habe ich denn eine Meinung abgegeben?

              „Ich stehe nun mal nicht gern unter Beobachtung, von wem auch immer. Ich habe z.B. auch keine Lust darauf, dass meine Familie auf irgendwelchen Antifahetzseiten auftaucht um dann als “dummdeutsche Trauerbürger” oder Schlimmeres in den Dreck gezogen zu werden. Persönlichkeitsrechte haben Ihresgleichen noch nie interessiert.“

              Welche Seiten wären das denn?

              1. Kleine Kostprobe gefällig? Hier bitte sehr. O-Ton: „Gedenken der guten Mitte und Rechtsextremer in Dresden“ bzw. „Künftig auch in der Verbunddatei Rechtsextremismus zu finden?“ und dazu ein Bild ganz normaler Dresdner beim Gedenken auf dem Heidefriedhof. Typischer linksradikaler Blog.

                1. Ich meide solche Seiten. Das ist doch die uralte Methode der Trolle: Hass in die Welt setzen und sich dann darüber freuen, wenn sie beachtet werden. In diesem Fall erreichen sie die maximale Wirkung, wenn sie friedlich gedenkende Menschen in die Nähe von Nazis rücken.

                  1. Naja, zu meiner bevorzugten Sonntagslektüre zählen sie ja nun auch nicht gerade. Aber man findet solche Beispiele eben in fünf Minuten, man muss nur Google bemühen.

                2. Patrick Gensing schreibt für einen „linksradikalen“ Blog? Vielleicht sollte das mal jemand der ARD, der Zeit und dem Springer-Verlag stecken!

                  1. Umso schlimmer – es ist offenbar noch nicht mal ein linksradikales Blog, sondern eine Seite der Amadeu-Antonio-Stiftung. Nichts destotrotz hat man das ganz geschickt gemacht: Man nimmt ein Kapitel aus einem Buch, das Gensing geschrieben hat („Terror von rechts“, Rotbuchverlag), und baut ganz geschickt ein paar Fotos mit eindeutigen BUs ein. Mich würde interessieren, ob Gensing davon eigentlich weiß. Ich würde so was mit meinen Texten jedenfalls nicht machen lassen, denn sie bekommen dadurch unter Umständen einen völlig neuen Dreh, denn ich vielleicht gar nicht will. Um die in den BUs gemachten Aussagen geht es in Gensings Text nämlich nicht mal ansatzweise.

                    1. Was bei publikative.org über Dresden am 13.02.2013 veröffentlicht wurde, ist eine Mischung aus Meinung und einseitigem Bericht. Auch der Gewaltexzess der Linksextremen im Jahr 2011 wurde (und wird) bei publikative.org systematisch verharmlost.

                    2. Stefan: Das mag auch daran liegen, dass Gensing selbst ziemlich weit links zu stehen scheint. Auch der Rotbuchverlag, bei dem er veröffentlicht, ist eine linker Verlag. Ich habe nichts gegen Linke, wie die meisten hier eigentlich wissen müssten, würde mich selbst eher politisch links einordnen. Aber ich kann es nicht leiden, wenn jemand selbst vor radikalsten und regelrecht niederträchtigen Methoden nicht zurückschreckt, wenn er die eigenen Ansichten und Ziele nicht genug gewürdigt oder gefährdet sieht. Und das in die rechte Ecke Stellen von einfachen Bürgern, die lediglich ihrer Toten gedenken wollen, gehört für mich dazu.

                3. Jane: auf dem Bild mit den in deinen Augen »ganz normalen Dresdnern“ erkenne ich erstaunlich viele Nazis, zum Beispiel den NPD-Vorsitzenden Holger Apfel, den langjährigen sächsischen NPD-Landesvorsitzenden Winfried Petzold und den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Maik Scheffler. Und das sind jetzt nur wenige prominente Beispiele.

                  Gute »Recherche«. Mir wäre sowas ja peinlich – gerade wenn ich immer damit angebe »Pressevertreterin« zu sein.

                  1. Hallo Lissan, freut mich ja, dass du dich auf mein reaktionäres Blog verirrt hast. Was mich nicht so freut, ist, dass auch du anscheinend lieber unerkannt ätzen möchtest, als Offenheit zu signalisieren.
                    Was deine Einlassung betrifft, sei auch hier angemerkt: Bitte lies doch mit weniger Aufregung, dafür aber genauer. Ich hatte mich auf ein ganz konkretes Bild bezogen und das auch deutlich mit der entsprechend zitierten Bildunterschrift kenntlich gemacht. Da sind KEINE Nazis von der NPD drauf zu sehen, sondern ganz normale Dresdner Bürger, wie sie jedes Jahr anwesend sind. Das Bild mit Holger Apfel meinte ich nicht. Nichtsdestotrotz hat der Artikel eine ganz klare Stoßrichtung: Normale Bürger, die nur gedenken wollen, mit den Nazis gemein machen, die eben blöderweise auch bis 2011 mit vor Ort waren. Seit mittlerweile zwei Jahren ist das grundlegend anders. Wäre schön, wenn ihr das mal zur Kenntnis nehmen würdet.

                    Aber mir scheint’s ja fast, als ärgere man sich darüber, dass man nun keinen Anlass mehr hat, am Heidefriedhof Radau zu machen. 2011 ging’s noch gegen die Nazis. Im vergangenen Jahr waren die nicht mehr mit von der Partie, da produzierte sich Lothar König mit seinen Schäfchen dann im Mönchsgewand und Römerlatschen im Dresdner Schnee als Kämpfer gegen den Dresdner „Opfermythos“. In diesem Jahr hat man wohl eingesehen, dass es langsam lächerlich wird.

                    1. Jane: Ich weiß welches Bild du gemeint hast. Und ich meine genau dasselbe. Für dich als Hilfe:

                      – linke Bildhälfte, hinten, der Herr mit der schwarzen Wollmütze: Maik Scheffler, NPD (gleich neben Sabine Friedel von der SPD).
                      – Bildmitte, zwischen dem älteren Herrn mit Zipfelmütze und der Frau mit dem roten Schal: Holger Apfel, NPD.
                      – dritte Person von rechts: Winfried Petzold, NPD.
                      – und das ist wie bereits gesagt nur ein Teil von denen, die zu erkennen sind.

                      Ganz schön viele für »KEINE Nazis«, oder?

                      Mich wundert es ja schon, wie du einerseits weniger Stimmungsmache einforderst, das selbst aber ganz gut hinbekommst und publikative.org mit falschen Unterstellungen mal eben zum »typisch linksradikalen Blog« abstempelst. Aber mit Projektionen bist du ja schnell bei der Hand, wie deine Antwort recht deutlich zeigt. Da will ich dich jetzt auch gar nicht weiter aufhalten.

                    2. Ok, jetzt habe den faulen Apfel auch entdeckt. Und ich glaube, es spricht eher FÜR mich, dass ich nicht jede einzelne Hackfresse aus deren Reihen kenne. Aber eines möchten wir hier mal festhalten. Nur, weil sich Nazis einfach mit unter die Gedenkenden mischen, macht das aus dem Rest noch lange keine Nazis. Und genau um diesen und keinen anderen Umstand ging es mir. Dass Nazis zugegen waren, leugnet niemand. Aber der Tenor des Artikels geht eindeutig in die Richtung: Und die „Mitte“ macht sich mit denen gemein. Nein, genau so ist es eben nicht. Mit so einer „Logik“ vermittle ich ein Bild, als würden normale Dresdner eine Veranstaltung der NPD besuchen. Und genau das ist eine bösartige Verzerrung der realen Fakten.

                      Und was das „linksradikale Blog“ anbetrifft: Es spricht nicht gerade für publikative.org, wenn es solche Artikel mit solch hinterhältigen Botschaften veröffentlicht. Der Inhalt ist auf alle Fälle einseitig und eindeutig sehr weit links zu verorten. Mindestens so links wie der „linke Pfarrer“, dessen permanente Respektlosigkeiten und Störversuche auf dem Heidefriedhof im vergangenen Jahr der Autor unter „Grundrechten“ verbucht – das schlägt dem Fass der Tendenziosität dann wahrlich den Boden aus. Das ist genau der Tenor, wie er mir regelmäßig aus linksradikalen Blogs entgegenschlägt – nicht eine Sekunde wird diese Art von Verhalten kritisch hinterfragt: Solange „Nazi“ draufsteht auf dem, das es zu bekämpfen gilt, kommt das in den Augen des Autors einem Freifahrtsschein in der Wahl der Protestmittel gleich. Dass so was dann auch noch mit Demokratie in Verbindung gebracht wird, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden aufrechten Demokraten. Grundreche gelten in einer Demokratie immer noch für alle Bürger, die davon nicht ausdrücklich durch Richtspruch ausgenommen wurden. Und man kann den Leuten nun mal nicht verbieten, einer bestimmten Weltanschauung anzuhängen. Vielmehr lohnt es auch zu überlegen, ob linksradikale Tendenzen nicht sogar das andere Extrem regelrecht bedingen, um selbst eine Existenzberechtigung zu haben und umgekehrt. Man kann vielleicht die NPD oder die DKP verbieten, aber das heißt nicht, dass es keine Nazis und Antifas mehr geben wird, die einen Trauermarsch oder eine Blockade anmelden können.

                    3. Vielmehr lohnt es auch zu überlegen, ob linksradikale Tendenzen nicht sogar das andere Extrem regelrecht bedingen, um selbst eine Existenzberechtigung zu haben und umgekehrt.

                      Das wurde von Vietnamesen, denen ich mal im Zug nach Dresden gegen eine Gruppe Faschos beigestanden habe, strikt verneint, die wollten sich den Vorwurf der Linksradikalität einfach nicht anheften lassen, sie wären nur als Gastarbeiter hier. Auch der Anfang der 90er aus der Straßenbahn geworfene Afrikaner soll keiner politischen Richtung angehangen haben. Er war nur allein und nicht weiß genug, eine Fahne oder linksradikale Anstecker wurden nicht gefunden.

                    4. Peter: Leider hast du nichts von dem verstanden, was ich hatte ausdrücken wollen. Es geht hier um die Makroperspektive. Warum schließe ich mich heute der linksradikalen Antifa an? Weil sie ein Feindbild vor sich herschiebt, das ich dann meist teile, und ich dort ganz ungeniert gegen dieses Feindbild zu Felde ziehen kann. Gäbe es keine Nazis, die definitiv immer als Feinde taugen, machte das Ganze schon wieder viel weniger „Spaß“, und ich würde mich unter Umständen sogar rechten Gruppen anschließen, um irgendwie ein ähnliches gruppendynamisches, identitätsstiftendes und gleichzeitig provokantes Erlebnis zu haben. Genau deswegen wird man in solchen Vereinigungen – egal ob links oder rechts außen – auch immer vorrangig junge Leute finden (U40). Weil in dieser Altersgruppe der Drang danach, auszuscheren, sich zu reiben und die Suche nach Identität am größten ist.

                    5. Man kann vielleicht die NPD oder die DKP verbieten, aber das heißt nicht, dass es keine Nazis und Antifas mehr geben wird, die einen Trauermarsch oder eine Blockade anmelden können.

                      Es geht hier um die Makroperspektive. Warum schließe ich mich heute der linksradikalen Antifa an?

                      Und ich glaube, dass Du das viel zu vereinfacht siehst. Wenn ich das richtig gesehen habe, ruft sogar der DGB dazu auf, den Trauermarsch zu blockieren. Das sollte man nicht so ohne Weiteres unter Linksradikal oder Antifa verbuchen (was meiner Meinung nach eher die Mikroperspektive ist, Du greifst Dir nämlich einfach zwei Bestandteile aus der Menge heraus, statt das Gesamtbild zu betrachten), dafür muss es noch andere Gründe geben. Der DGB ist nicht gerade dafür bekannt, gegen die Verfassung zu kämpfen, ebensowenig Teile der SPD, Grünen, Kirchen, wahrscheinlich finde ich sogar in der CDU Befürworter (solange dabei keine Mülltonne kaputt geht).
                      Wir reden von Teilnehmern eines Trauermarsches, deren Ideologie nach wie vor, auch im 21. Jahrhundert, mitten in Deutschland, Menschen umbringt, die nichts tun können, um nicht zum Feindbild von Neonazis zu gehören. Das kommt mir bei der ganzen Räuber-und-Gendarm-Romantik, die Du hier siehst, alles ein bißchen zu kurz. Und ich glaube, genau aus diesen Gründen – gezielter Mord an Migranten, Schwulen, Obdachlosen – ist der symbolische Akt, den aktuellen Tätern nicht auch noch Macht und Stärke auf der Straße zu überlassen, mir und auch den meisten anderen Teilnehmern wichtig. Der Verfassungsschutz und das BKA können sie ja anscheinend nicht stoppen bzw. scheinen Teil des Problems zu sein. Die Geschichtsverzerrung durch Trauermarschierende ist mir persönlich zum Beispiel dabei relativ egal.

                      Stefanolix wird jetzt sicher gleich sagen, Stalinisten und Linksextremisten auch, da würde ich einfach mal eine Recherche in den Auslandsämtern unserer Universitäten empfehlen, ob unsere Gäste eine ähnlich akute Bedrohung aus dieser Richtung empfinden.

                    6. Sorry, Jane. Aber deine Unterstellungen werden nicht dadurch besser, dass du sie einfach nur wiederholst.

                      Wenn du als »Pressevertreterin« langjährige NPD-Vorsitzende und -Landtagsabgeordnete auf einem Foto nicht erkennst, dann ist das bedauerlich, aber kein Beinbruch. Peinlich ist aber, wenn du dich hinstellst und versicherst, niemals sind da Nazis dabei, wo du es doch mangels Wissen gar nicht einschätzen kannst. Dann wäre es sinnvoller die Bälle flach zu halten und darauf zu verzichten, die eigene Unwissenheit anschließend noch als Vorteil verkaufen zu wollen.

                      Aber hey, mit solchen Kleinigkeiten hälst du dich nicht auf. Stattdessen pullst du gleich den nächsten Vorwurf, den du aus einem großzügig herbei interpretierten »Tenor« des Artikels herleitest, wofür du aber blöderweise keinen belastbaren Beleg anführen kannst. Klar ist es eine Verzerrung der Realität, wenn behauptet wird Bürger besuchen eine Veranstaltung der NPD. Aber genau deswegen behauptet das niemand – schon gar nicht publikative.org. Du bist es, die aus der unbelegten Behauptung eine »hinterhältige Botschaft« im publikative.org-Artikel machst, obwohl es diese nie gegeben hat. Du bist es, die damit die Realität verzerrt, in dem du den Eindruck erweckst, publikative.org hätte soetwas behauptet, nur um in der Folge die von dir ebenfalls unterstellte »Linksradikalität« des Blogs zu belegen. Das ist ziemlich mies und weit entfernt von sauberem journalistischem Handwerk. Pressekodex und Sorgfaltspflicht sollten dir ja eigentlich was sagen.

                    7. In der Bildversion mit voller Auflösung ist ein Kranz mit einer Schleife der NPD zu erkennen. Es ist aber auch deutlich zu erkennen, dass die NPD den Trauernden ihren Kranz und ihre Anwesenheit aufgedrängt hat. Denn die Weiße Rose stand im Dresdner Gedenken immer als Symbol gegen die Vereinnahmung durch Rechtsradikale.

                      Allerdings kann man Rechtsradikalen auch nicht das Recht absprechen, um Tote zu trauern. Solange sie während des stillen Gedenkens keine strafbaren Handlungen begehen, haben sie grundsätzlich das Recht, einen Kranz abzulegen.

                      Dieses Recht gesteht man schließlich auch ausgewiesenen Stalinisten zu. Selbstverständlich können Stalinisten und Kommunisten in einem demokratischen Rechtsstaat um ihre Toten trauern, obwohl der Stalinismus und ähnliche linkstotalitäre Systeme Millionen Menschen das Leben gekostet haben. Auf linken Gedenkmärschen zum 13. Februar und auch zu anderen Gelegenheiten werden immer wieder Fahnen von stalinistischen Organisationen mitgeführt.

                      Stille Trauer und stilles Gedenken billigt man in einer zivilen Gesellschaft sogar Menschen zu, die schwere Verbrechen begangen haben. So schwer es uns fällt: Dieses Recht muss auch Politikern zugebilligt werden, die im politischen Alltag die Verbrechen totalitärer Systeme verharmlosen und unerträgliche Parolen in die Welt setzen. Auf der einen Seite steht die Politik und auf der anderen Seite steht das Persönlichkeitsrecht.

                      Sollte das Gedenken für strafbare Handlungen oder die Verbreitung totalitärer Ideologie missbraucht werden, muss der Rechtsstaat eingreifen. Solange man den Personen solche Handlungen in der konkreten Situation nicht nachweisen kann, darf der Rechtsstaat nicht eingreifen.

                      Und nun noch zum Thema publikative.org – das ist eine offen parteiliche Organisation. Das ist im Rahmen der Meinungsfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft legal und legitim. Folglich kann man aber keine Berichterstattung nach den Regeln des journalistischen Handwerks erwarten, die alle Seiten des Gegenstands der Berichterstattung berücksichtigt. Insbesondere kann man nicht erwarten, dass Meinung und Bericht getrennt werden oder dass Sachverhalte zur Sprache kommen, die nicht ins Bild der parteilichen Berichterstattung passen.

          2. Vielleicht wären dein Geschichtsbild und deine Einstellung zum Thema Gedenkkultur ein klein wenig ausgewogener, hätte man dich schon von Kindesbeinen an mit diesen Themen vertraut gemacht. Und wenn man sich die Krawalle der vergangenen Jahre auf dem Heidefriedhof vor Augen führt, dann berechtigt die diesjährige Veranstaltung sehr wohl die Einordnung „störungsfrei“. Da lass ich mich auch nicht von abbringen, wenn ein einsamer Verirrter ein DIN-A4-Blatt mit einem blöden Spruch hochreißt. Ich hab die Aktion nocht nicht mal bemerkt gehabt – deshalb schrieb ich auch nicht davon. Und im Nachhinein war das für mich kein Anlass, das im Text noch mal abzuändern. Die wahren Krawalle fanden in diesem Jahr anderswo statt.

            1. „Vielleicht wären dein Geschichtsbild und deine Einstellung zum Thema Gedenkkultur ein klein wenig ausgewogener, hätte man dich schon von Kindesbeinen an mit diesen Themen vertraut gemacht.“

              Ich bin hier groß geworden, keine Sorge. Das Märchen von der zu Unrecht vollständig zerstörten Kunst- und Kulturstadt wurde mir schon zu DDR-Zeiten beigebracht.

          3. Und außerdem konnte man nicht davon ausgehen, dass es im Jahr 2013 bei einer (geringfügigen) Störung bleiben würde, nachdem es im Jahr 2012 ganze Gruppen von wirklich böswilligen und lauten Störern gegeben hat.

            Es ist schön, dass es 2013 relativ ruhig blieb. Aber es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass ein Friedhof nicht zum Platz der Häme und Hassverbreitung gemacht wird.

            1. Stimmt. Im Vorfeld hatte ja irgend ein Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ (Schon der Name ist ja hier Programm) angekündigt, unter anderem auf dem Heidefriedhof protestieren zu wollen. Da war es tatsächlich überraschend, dass es ruhig blieb.

            2. „Es ist schön, dass es 2013 relativ ruhig blieb. Aber es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass ein Friedhof nicht zum Platz der Häme und Hassverbreitung gemacht wird.“

              Vollkommen richtig, dazu zähle ich jedoch auch die politischen Vereinnahmungsversuche, die es auch in diesem Jahr wieder gegeben hat. Wann wurde egt das Protokoll geändert und nicht mehr im Stelenkreis halt gemacht?

              1. Euch kann man’s auch nicht recht machen. Sonst heißt es immer: Der Stelenkreis ist eine Frechheit! Ein Schlag ins Gesicht der Opfer von Auschwitz, Theresienstadt oder Coventry!! Denn immerhin steht da ja auch eine Stele mit dem Namen Dresdens – Geschichtsrevisionismus!
                Und wenn man den Stelenkreis nur passiert, ist es auch wieder nicht in Ordnung. Entscheidet euch mal, was ihr wollt. Ich kann dich aber beruhigen. Es gibt Bestrebungen in der AG 13. Februar, den Stelenkreis künftig mit klarer Bezugnahme auf dessen historische Belastung als ehemaliger Thing-Platz der Nationalsozialisten, der später von der SED einfach nur umgewidmet wurde, in das Gedenken einzubeziehen.

                1. „Euch kann man’s auch nicht recht machen. Sonst heißt es immer: Der Stelenkreis ist eine Frechheit!“

                  Habe ich denn das Gegenteil behauptet? Ich finde super, dass das geändert worden ist, die geringe Anzahl der Rosen vor der Dresden-Säule war doch politischer Protest genug 😉

                  1. Also ich hab vor der DD-Säule genauso viele Rosen gesehen wie vor den anderen. Und ich finde es auch genrell nicht falsch, dass Dresden in einer Reihe mit Leningrad oder Coventry steht. Wenn man das Gedenken so ausrichtet, dass die Dresdner Opfer nicht in den Vordergrund geschoben werden, wie die Nazis das tun. Es muss um ALLE Luftkriegsopfer gehen, von denen die Dresdner aber eben auch unbestreitbar einige zu beklagen hatten, um die man auch trauern dürfen sollte. Und nein, ich weigere mich auch, in der Art und Weise, wie der Angriff auf Dresden und viele deutsche Städte stattgefunden hat, auch nur irgendetwas zu entdecken, was besser oder weniger verbrecherisch gewesen wäre als die Bombardements der Nazis zuvor.

                    1. „Und nein, ich weigere mich auch, in der Art und Weise, wie der Angriff auf Dresden und viele deutsche Städte stattgefunden hat, auch nur irgendetwas zu entdecken, was besser oder weniger verbrecherisch gewesen wäre als die Bombardements der Nazis zuvor.“

                      Das ist mir klar, dennoch musst du akzeptieren, dass es Menschen gibt, die das eben anders sehen. Meine Großeltern können da beispielsweise auch ohne Parteibuch als quasi unmittelbar Betroffene durchaus differenzieren. Sie interessiert der Tag und vor allem was jetzt daraus gemacht wird schlichtweg überhaupt nicht.

                    2. Und abgesehen davon, sieht das angesichts der sehr überschaubaren Anzahl von den im Rahmen des „politisch vereinnahmten Gedenkens“ trauernden Menschen auf dem Heidefriedhof scheinbar auch die übergroße Mehrzahl der unmittelbar betroffenen Menschen/Angehörigen/Beteiligten inzwischen so. Für so etwas wie vollkommen nachvollziehbare Trauer um Angehörige muss nicht extra die sächsische Politprominenz herangekarrt und der Heidefriedhof in den Belagerungszustand versetzt werden.

                    3. Natürlich akzeptiere ich, dass es Menschen gibt, die das anders sehen. Und sie dürfen das jederzeit auch sagen. Aber sie dürfen anderen eben nicht gewaltsam (und so war das bis letztes Jahr jedes Jahr auf dem Heidefriedhof) ihren Willen aufzwängen. Wenn sie sich vor den Heidefriedhof stellen und dagegen protestieren – bitteschön, meinetwegen. Aber in den vergangenen Jahren wurde jedes Mal alles unternommen, um andere zu brüskieren oder zu stören.
                      Und ich bin immer sehr vorsichtig mit Mehrzeiten oder gar „übergroßen Mehrzahlen“ zu operieren. Wer hat das erhoben? Wovon man hingegen ausgehen können sollte, ist, dass es Leute geben wird, die gerne für sich trauern wollen, und dass es aber auch jene gibt, die von der „Politprominenz“ erwarten, an diesem Tag wenigstens ein paar Worte zu verlieren. Das Bombardement war einfach mal ein einschneidender Moment der Stadtgeschichte, und es sind um die 25.000 bis 35.000 Menschen (irgendwo dazwischen wird die Wahrheit wohl liegen) dabei gestorben. Was mich ärgert, ist der ganze Zirkus ringsrum. Die Demos, die Märsche, die Menschenkette, all die neuen Mätzchen mit klarer politischer Botschaft wie Täterspurengang oder der Mahngang der Frauenkirche – hier stehen doch nicht Gedenken, Erinnern oder Information im Vordergrund, sondern einfach die Konkurrenz zwischen opponierenden Deutungsansätzen. Und das ist an diesem Tag einfach eine Schande.

        2. Dummerweise ist es eben nicht bei einer Gedenkveranstaltung zum runden Jahrestag geblieben. Wie ich schon schrieb, ist gegen eine kleine Gedenkfeier für die Opfer ja gar nichts einzuwenden. Aber es bleibt eben schon seit Langem nicht mehr dabei. Stattdessen ist ein regelrechter Gedenksturm am 13. Februar losgebrochen, mit einem ganzen Reigen von Vorträgen, Kundgebungen, Lesungen, Ausstellungen – und das jedes Jahr! Andere Städte machen das doch auch nicht, und sie sind bisweilen noch viel schlimmer zerstört worden als Dresden. Ich verstehe einfach nicht, warum am 13. Februar nicht einfach Ruhe herrschen kann. Wer eine Kerze anzünden möchte, sollte dazu an der Frauenkirche die Möglickeit haben, oder auf den Heidefriedhof gehen. Aber mehr braucht es nicht, wie ich finde. Mehr ist einfach zu viel des Guten.

          1. „Andere Städte machen das doch auch nicht, und sie sind bisweilen noch viel schlimmer zerstört worden als Dresden. Ich verstehe einfach nicht, warum am 13. Februar nicht einfach Ruhe herrschen kann. Wer eine Kerze anzünden möchte, sollte dazu an der Frauenkirche die Möglickeit haben, oder auf den Heidefriedhof gehen. Aber mehr braucht es nicht, wie ich finde. Mehr ist einfach zu viel des Guten.“

            Wurde der Account Opfer einer Hackerattacke?!?

          2. Die Veranstaltungen werden aber nicht alle von der Stadt organisiert. Es gibt die offizielle Veranstaltung auf dem Heidefriedhof. Dann könnte man die Veranstaltung an der Frauenkirche noch als halboffiziell sehen, obwohl sie auch schon von der Kirche organisiert wird. Die ganzen anderen Veranstaltungen sind alle von Kirchen, Konzertveranstaltern und irgendwelchen Vereinen und Künstlern. An den meisten hat die Stadt überhaupt keinen Anteil. Soll man jetzt den Leuten die Andachten, Konzerte und Zeitzeugengespräche verbieten? Auf die bloße Behauptung hin, dass das den Naziaufmarsch ins Rollen gebracht hätte?

            Warum sollte es dabei eine Rolle spielen, ob andere sich mit ihrer Stadtgeschichte in derselben Form beschäftigen oder nicht?

            Dann halte ich auch diese Vergleicherei für nicht zielführend. Es mag sein, dass andere Städte insgesamt stärker zerstört wurden. Aber es war nun mal einer der schwerwiegendsten Einzelangriffe. Mehr Tote hatte nur Hamburg. Obwohl dort nie so genau nachgezählt wurde, wie hier. Aber was soll dieses Nebeneinanderstellen von Tod und Zerstörung bringen?

            Irgendwann wird sich das mit dem Gedenken von allein erledigen. Aber momentan ist der 2. WK mit seinen ganzen Begleiterscheinungen und Folgen noch prägend für das Politikverständnis in unserer Gesellschaft. (Die politischen Ränder definieren sich momentan nicht zufällig zu einem großen Teil über dieses Thema.) Und solange das so ist, wird man sich auch mit solchen Themen in der Öffentlichkeit beschäftigen. Warum sollte man da willkürlich einzelne Bereiche aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängen?

            1. Du hast die Menschenkette vergessen, Zschertnitzer. Und ja, wenn sich der alljährliche Bürgerkrieg am 13. Februar nicht anders vermeiden lässt, dann sollten mE alle Großveranstaltungen untersagt werden. Das betrifft ja keine kleinen Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Ausstellungen oder so. Die können ja trotzdem stattfinden. Aber auf so krasse Stilblüten wie „Rave gegen Rechts“ oder so kann ich an einem solchen Gedenktag getrost verzichten (hatten wir 2009 vor der Altmarktgalerie, hörte man bis vor zum Neumarkt). Ich will gar nicht, dass sich das Gedenken „erledigt“, im Gegenteil. Aber ich möchte gern, dass es still und friedlich abläuft und ohne Großaufmärsche, Blockaden und dergleichen, die die Stadt regelmäßig nicht unbedingt positiv in die Schlagzeilen bringen.

              1. Die Menschenkette habe ich mehr oder weniger bewusst, nicht mitgezählt, weil das für mich eine Anti-Nazi-Aktion ist und mit dem Gedenken nicht viel zu tun.

                Aber mit der Variante, dass alle großen Veranstaltungen untersagt werden könnte ich leben. Das Gedenken an der Frauenkirche könnte man sicher auch nach drinnen verlegen, wenns denn sein muss.

                1. Ich denke auch, dass man damit leben könnte. Gedenken ist doch eigentlich ohnehin etwas, das hauptsächlich innerlich stattfinden sollte. Dass die Stadt auch ein offizielles Zeichen setzen will – meinetwegen. Aber das reicht auf dem Heidefriedhof und fertig. Ich brauch einfach keine Leute, die am 13.2. Reden schwingen, die sie selbst am Abend wieder vergessen haben. Das ist alles aufgebelasener Mummenschanz, mehr nicht. Und natürlich immer auch eine Bühne für die Redner.

  5. Stefanolix: Mit dem Versammlungsrecht hast Du natürlich recht. Für Versammlungen unter freiem Himmel können andere Gesetze eine Rolle spielen, so sieht es das Grundgesetz vor. Insofern gibt es Einschränkungen, aber diese kann man sicher nicht auf einzelne Tage beziehen. Und so lange keine Gründe für ein Verbot einer Demonstration im Vorfeld vorliegen, so lange darf man auch nichts verbieten.

    In einem Punkt hast Du vielleicht recht: Die Menschenkette könnte das Gegenteil von Toleranz ausdrücken. Damit werden Andersdenkende ausgeschlossen. Man will natürlich der braunen Ideologie keinen Platz lassen. Aber so bestätigt man die braunen womöglich in ihrer selbstgewählten Opferrolle. So ganz einfach ist das alles nicht…

  6. Die Braunen haben vor allem den Krieg verloren, wie willste das denn auf die Schnelle ändern. Die effektivste Form, rechten militanten Extremismus zu verhindern wäre demnach gewesen, den Krieg zu gewinnen. Na ja. Klar dass dies an einigen nagt, aber es wird ja keiner gezwungen, sich 70 Jahre später in die Opferrolle reinzusteigern.
    —–
    Als die Demos noch stattfanden, waren die Tiraden in Foren genau die gleichen, man sah sich bestätigt in der Unterdrückung / Nichtbeachtung / Geringschätzung der eigenen richtigsten Meinung (ein Gefühl, dass bei allen möglichen Menschen immer mal auftaucht, sogar bei Journalisten). Insofern, wessen Welt ist denn nun zusammengebrochen? Die deutsche? Oder Janes? Wirklich? Die der Neonazis? Unwahrscheinlich. Und meine auch nicht.
    Am Ende ist das alles medial übliches Aufblasen und Hochstilisieren. Alltag auf dem Aufmerksamkeitsmarkt.

    1. Für die heutigen „Braunen“ ist der Zweite Weltkrieg gar nicht das entscheidende Moment. Denn sie haben diesen Krieg ja gar nicht verloren, ihn nicht mal mehr selbst miterlebt. Wer sich heute dafür entscheidet, ein Brauner zu werden, der tut das nicht aus geschichtsrevisionistischen Gründen (dafür fehlt es meist ohnehin an Wissen und Interesse), sondern aus sehr existenziellen, durch gegenwärtige Themen beeinflussten Wahrnehmungen heraus. Und am gegenwärtigen Klima der sozialen Segregation, der Benachteiligung sozial schwacher Menschen etwa schon im Bildungswesen, kann man sehr wohl etwas ändern. Wenns sein muss, sogar sehr schnell. Man muss es nur wollen.
      Den Krieg, den haben übrigens nicht nur die Braunen verloren, sondern alle Deutschen. Dazu gehören auch wir.

      Bei dir klingt das so, als wäre das alles eine Lappalie. Eine Million Euro Kosten für einen Polizeieinsatz, der Olympischen Spielen angemessen wäre, verletzte Polizisten, bedrohte Journalisten und Menschen, die anderen aufgrund ihrer politischen Gesinnung das Recht zu existieren absprechen wollen und bürgerkriegsähnliche Zustände und gröhlende Idioten, die eine ganze Stadt stundenlang lahmlegen – alles n Fliegenschiss. Tut mir bloß einen Gefallen: Lasst im nächsten Jahr die „Demokratie jetzt!“-Schilder daheim, ja?

      1. Nein, für mich ist das keine Lappalie, für mich ist Gewalt gegen Menschen nie eine Lappalie. Tut mir auch leid für Dich, dass Du immer die Frontberichterstattung übernehmen musst, denn aus meinem ganz persönlichen Erleben, ich war übrigens ohne Schild unterwegs und brülle aus Prinzip nicht, auch keine Parolen, waren die Blockaden nicht durch Gewalt geprägt. Was nicht heisst, dass irgendwelche Idioten den Anlass nicht trotzdem missbraucht haben, auch wenn ich es nicht erlebt habe.
        Ich sehe die Blockaden genauso wie die Menschenkette als symbolischen Akt, keins von beiden ist in der Lage, Rechtsextremismus zu bekämpfen.

        Ob ein besseres Bildungssystem ausreicht weiß ich nicht, ich glaube es aber nicht. Ich fände es für die Glaubwürdigkeit unserer Politik gut, wenn wenigstens bestehende Angebote zum Ausstieg aus rechtsextremen Milieus weiterfinanziert würden. Ich vermute die Ursache eher in einer allgemeinen Verschärfung des Konkurrenzkampfes um Dinge wie Geld, mediale Aufmerksamkeit, Anerkennung etc. Ab und zu will sich eben jeder mal als Sieger fühlen.
        Manch einer mag mich jetzt als konservativ einstufen, ich persönlich glaube, dass vor allem intakte Familien im weitesten Sinne dieser Entwicklung Einhalt gebieten können. (Und bevor jemand kräht, nein, die müssen nicht zwangsläufig aus Vater, Mutter, Kind bestehen, zentrale Elemente sollten zB. Liebe, Respekt und Verantwortung füreinander sein.)

        1. Dann rede doch bitte einmal Klartext, ohne Sarkasmus, Ironie, Pointen oder was auch immer. Ich finde, das schafft hier unnötig Distanz.

          Ich muss nicht immer die Frontberichterstattung übernehmen, es war das erste Mal, dass ich derart mittendrin war (vom Heidefriedhof mal abgesehen, wo es ja dieses Jahr tatsächlich ruhig blieb, da Pfarrer König uns mit einer Performance verschonte). Und ich war entsetzt. Was ich gesehen habe, war nicht friedlich. Und es war nicht nur an einem bestimmten Punkt so, sondern an mehreren. Es war an der Güntzstraße so, es war am Hauptbahnhof so und es war an der Parkstraße so.

          Und selbst wenn es Teileinheiten der Blockadestreitmacht gibt, in denen halbwegs vernünftige Menschen stehen und es friedlich bleibt: Diese Leute tun imho nichts oder nicht genug, um den Randalierern Einhalt zu gebieten. Stellenweise fraternisieren sie sogar offen mit ihnen. Und genau das kritisiere ich. Denn Gewalt, die aus den eigenen Reihen heraus entsteht, nicht zu verhindern, ist fast genauso schäbig wie sie selbst auszuüben.

          Was die Problematik der Prävention anbetrifft, hast du natürlich recht. Aber dann stellt sich doch gleichzeitig die Frage, warum man nicht dort ansetzt? Gegen unsoziale und unterfinanzierte Bildungspolitik demonstriert? Prävention ist meiner Ansicht nach viel wichtiger, als Symptome zu bekämpfen und schon gar nicht auf so wirkungslose Art, wie das am 13. Februar in Dresden geschieht. Das ist doch kein Kampf gegen Rechtsextremismus, das ist regelmäßig nichts anderes als ein sehr martialischer Kampf gegen ein Feindbild, das nur allzu oft auf pauschalierenden Vorstellungen und Halbwissen beruht. Da geht es mehr um das eigene gute Gefühl dabei als darum, wirklich etwas gegen eine menschenverachtende Ideologie zu tun.

          Um übrigens erfolgreich aus der rechten Szene aussteigen zu können, braucht es in Deutschland kein Klima der Feindseligkeit und Unversöhnlichkeit, sondern ein Klima der Willkommenskultur. Die signalisiere ich für gewöhnlich nicht, indem ich jemandem „aufs Maul“ androhe und ihn willkürlich in seinen Rechten beschneide. Ich vermisse hier die gute alte Taktik, mit gutem Vorbild voranzugehen. Wenn ich Menschen bessern, sie von der Richtigkeit demokratischer Werte überzeugen will, um sie zur Rückkehr zu bewegen, erreiche ich das sicher nicht, indem ich ihnen vorlebe, wie man sie mit Füßen tritt.

          1. Überall wo ich rumgelaufen bin oder rumgestanden habe, war es zu dieser Zeit friedlich, ich meide aggressive Menschenansammlungen. Vielleicht habe ich deshalb davon erst im Radio gehört bzw. am Tag danach gelesen. Da ich immer als Vorbild unterwegs bin, an diesem Tag aber ganz konkret, hätte ich auf jeden Fall eingegriffen.

            Die momentane Bildungspolitik ist seit längerem immer wieder Gegenstand von Streiks, Petitionen, Demonstrationen. Mir drängt sich zunehmend die Vermutung auf, dass eine grundlegende Änderung in unserer aktuellen Gesellschaftsordnung nicht stattfinden wird.

            Blockaden sind wie gesagt auch ein Symbol, über den Sinn und Unsinn von Symbolen kann man gern streiten, sehr viele Leute brauchen aber Symbole bzw. symbolisches Handeln.

            Die überwiegende Mehrheit der Menschen droht niemandem aufs Maul an, ich beobachte kein Klima der Feindseligkeit in Deutschland, schon gar nicht gegenüber Neonazis. Ich wünschte es mir aber manchmal. Heimlich.

  7. Wer „Hass“ sucht, wird ihn auch finden. Ich empfand die Lage vor Ort egt als relativ entspannt, dafür dass dort ja quasi Deiner Ansicht nach zwei Seiten gemeinsam auf der Straße waren, deren Ziel die Abschaffung der Demokratie sein soll.

  8. Ich habe auch keine Lösung für die vielen Dilemmata rund um diesen Tag, aber ich möchte trotzdem für diesen Artikel, der der einhelligen Beschönigung der Leitmedien einen authentischen und alarmierenden Bericht gegenüber stellt, danken.

  9. Lies doch bitte wieder Korrektur, sich mit einem dir zweifellos zustehenden Presseausweis inkompetent irgendwohin stellen und mal wieder nichts zu verstehen (und offenbar noch nicht mal zu wissen, wie man sich als Pressefotograf benimmt) hilft Dir nicht und eine professionelle Öffentlichkeit scheint es für die Ergebnisse Deiner Bemühungen auch nicht zu geben. Manchmal muss man sich mit den eigenen Grenzen einfach abfinden..

    1. Hallo lieber Sich Sorgender, schön, dass du dich so um dich sorgst… Ich sorge mich mit dir! :mrgreen: :mrgreen:

      Das mit den eigenen Grenzen ist doch echt mal ein tolles Stichwort – Komisch nur, dass sich diejenigen, die sich solcher Ratschläge befleißigen, selbst immer nur die anderen im Blick haben. Ein wirklich beeindruckendes Zeugnis eines Gefangenen der eigenen eng gesteckten Grenzen… die beginnen ja schon dort, dass du dich nicht in der Lage siehst, mir deine Kritik offen und ehrlich unter deinem Klarnamen bzw. mit echter E-Mail-Adresse vorzutragen. Stattdessen versteckst du dich wie ein Feigling hinter Pseudonymen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um etwa anderen „schlechtes Benehmen“ vorzuwerfen. Aber weißt du, es überrascht mich nicht – diese Art Verhalten hat einen hohen Wiedererkennungswert und lässt sich auch im extremen Flügel der Blockierer wiederfinden.

    1. Tja, ich enthalt mich da mal. Aber so viel sei gesagt: Ich persönlich identifiziere mich bei Weitem nicht mit jedem Artikel, der in den DNN erscheint. 😉
      Die Berichterstattung der Dresdner Medien zum Thema 13. Februar hatte ich ja eingangs auch relativ deutlich kritisch erwähnt.

      1. Ich will aber auch mal etwas Positives dazu sagen: Es gab Jahre, in denen die Berichterstattung wesentlich schlimmer war. Ganz ohne Hintergedanken: 2012 und 2013 sehe ich eine Verbesserung.

        1. Wirklich besser wird es erst, wenn keine Stimmungsmache mehr zugelassen wird. Leider findet man diese sehr inobjektiv-einseitige PR immer noch oft.

          1. Deshalb schrieb ich »Berichterstattung«. Meinung und auch Meinungsmache haben die eigentliche Berichterstattung deutlich weniger überlagert als in früheren Jahren.

            Der Artikel mit der schlimmsten Stimmungsmache stand nach meiner Erinnerung im Vorfeld des 13. Februar im Kulturteil einer (nicht näher zu benennenden) Zeitung. Aber nachdem ich es geschafft habe, diesen Artikel weitgehend zu ignorieren und nicht darüber zu bloggen, werde ich jetzt auch nichts mehr dazu sagen.

    2. Diese Take-That-Aktion ist doch echt Kindergarten. Im besten Fall haben ein paar Kindsköpfe die Zufälligkeit des Datums genutzt, um eine „lustige“ (im Sinne von Fernseh-Comedian-Humor) Aktion abzuziehen. Oder es waren ein paar politisch motivierte Spinner, die den Vorwand genommen haben, um das Gedenken zu stören. In jedem Fall eine dämliche Aktion. Dass das ausgerechnet am 13.2. auch eine Reaktion der Polizei hervorrufen könnte, die dann vielleicht auch sehr heftig ausfällt, ist natürlich völlig überraschend. Sofern an den Vorwürfen der überzogenen Polizeireaktion was dran ist, ist das natürlich absolut nicht ok. Aber wer am 13. so ne Nummer vor der Frauenkirche abzieht, sollte eine Reaktion entweder einkalkulieren (und sie womöglich bewußt provozieren. Vielleicht, um sich hinterher drüber aufregen zu können, wie brutal die Staatsmacht agiert.), oder ist echt extrem naiv.

      1. Es waren tatsächlich „politisch motivierte Spinner“, Stefan. Die hatten sogar eine Pressmitteilung an alle Medien geschickt und die Aktion groß angekündigt. So was machen nur Organisierte, und der Absender ließ da keinen Zweifel offen, aus welcher Ecke diese Aktion kam. Und wenn die Polizei so rigoros durchgriff, wird es dafür auch einen Grund gegeben haben. Ich habe die Polizei ansonsten im gesamten Stadtgebiet als ausgesprochen deeskalativ und vorsichtig wahrgenommen. So vorsichtig, dass ich mich an der Parkstraße (wo immerhin zwei Kollegen von Vermummten zusammengeprügelt wurden) zwischenzeitlich fragte, wie lange dieser Sitzkrieg eigentlich noch gehen sollte. Die haben wirklich in Situationen höchster Spannung absolute Ruhe bewahrt. Da ziehe ich heute noch meinen Hut vor. Da waren sie gegenüber den Demonstranten sogar friedlicher als gegenüber der Presse 😉

      2. „Sofern an den Vorwürfen der überzogenen Polizeireaktion was dran ist, ist das natürlich absolut nicht ok. Aber wer am 13. so ne Nummer vor der Frauenkirche abzieht, sollte eine Reaktion entweder einkalkulieren (und sie womöglich bewußt provozieren. Vielleicht, um sich hinterher drüber aufregen zu können, wie brutal die Staatsmacht agiert.), oder ist echt extrem naiv.“

        Ach da ist das dann also doch ok oder wie darf ich das verstehen?

        1. Wir wissen doch gar nicht, wie’s wirklich war. Oder warst du dabei? Mittlerweile weiß man aber aus Erfahrung, dass die Leute, die solche Sinnlos-Aktionen anzetteln, das mit schöner Regelmäßigkeit tun, UM zu STÖREN und JEDEN wie auch immer gearteten Versuch der Polizei, diese zu unterbinden, als „gewaltsam“ empfinden und von „Prügel“ reden. Selbst, wenn man sie lediglich etwas unsanft abdrängt, weil sie freiwillig der Aufforderung zu gehen durch die Polizei nicht nachkommen. Wenn ich Aktionen plane, die einzig zum Ziel haben, andere Veranstaltungen oder Personen zu stören, ihr Gedenken lächerlich zu machen oder in den Dreck zu ziehen, dann muss ich auch damit rechnen, dass das nicht geduldet wird. Wenn das jeder so machen würde, hätten wir das Recht des Stärkeren in diesem Land. Wenn eine Gedenkveranstaltung angemeldet und genehmigt ist, hat niemand das Recht, diese so zu stören, dass sie ihre Würde und ihren Gedenkcharakter verliert. Punkt.

          1. „Selbst, wenn man sie lediglich etwas unsanft abdrängt, weil sie freiwillig der Aufforderung zu gehen durch die Polizei nicht nachkommen.“

            Ja richtig, die Polizei darf das, aber nicht irgendwelche Aushilfsrambos von der Polizeibehörde.

            1. Keine Ahnung, wovon du sprichst. Ich habe am 13. Februar lediglich Polizisten in entsprechenden Uniformen gesehen. Anscheinend waren auch noch ein paar Zivile vor Ort, aber das waren alles ganz normale Polizisten. Und wie Stefan schon schrieb: Wenn ich am 13. Februar in einer Situation, in der die Polizisten ohnehin unter erheblichem Druck stehen, provoziere, dann bin ich selbst schuld, wenn ich unsanft angepackt werde, wenn ich dann noch die Geduld der Beamten bis zum Letzten auf die Probe stelle. Aber ich habe das Gefühl, dass das sogar gewollt ist: So lange provozieren, bis ein „Bulle“ überreagiert, damit man wieder seinen Aufhänger für den darauf folgenden obligatorischen Aufschrei der Sorte „Unrechtsstaat!“, „Prügelnde Bullen!“ etc. hat.

        2. Nein, Polizeigewalt ist nicht ok, egal warum und wieso.
          Aber wenn ich so eine Aktion fahre und sie vorher groß ankündige, lege ich es doch geradezu darauf an, dass irgendjemand überreagiert. Provokation nennt man das glaube ich. Ist vielleicht am 13.2. keine so brilliante Idee, die Polizei zu provozieren.

  10. Übrigens möchte ich noch mal allen für die ausgesprochen interessante und umfangreiche Diskussion hier zum Thema danken. Bis auf den „Besorgten“ sind auch alle freundlich und sachlich geblieben. Ich musste nicht ein Posting entfernen. Sogar Antifa hat sich zusammengerissen :mrgreen:
    Und den Schrieb von „Dr. Sorge“ wollt ich dann doch exemplarisch stehen lassen – weil es so schön das Gemüt solcher Leute porträtiert: schlicht, dafür aber umso mehr auf Krawall und Attacke gebürstet 😉

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