Heil dir, Profit.

Gewitterstimmung im Reichstag, Bombenstimmung beim Feudalregime in Riad – dort freut man sich derzeit nämlich über 200 nigelnagelneue Kampfpanzer des Typs Leopard, bestückt mit allen Rafinessen, die das Herz eines jeden Kriegstreibers höher schlagen lassen würden. Im Reichstag rümpft man derweil politisch korrekt die Nase: Linke, SPD und Grüne sind vergrätzt – die Koalition hat nicht Bescheid gesagt, als man den Milliardendeal mit Riad ausheckte.
Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass unser wohlstandsverwöhntes Land gerade mal wieder den Reibach auf Kosten anderer Menschen macht, die durch diese Panzer sterben werden: Wir machen dicke Geschäfte mit Leuten, die wir an anderer Stelle für ihre Rückständigkeit und Skrupellosigkeit an den Pranger stellen. Und wir tun das, obgleich die Debatten über Waffenlieferungen an den Verrückten Gaddafi in Libyen, der diese momentan gegen sein eigenes nach Freiheit strebendes Volk einsetzt, noch nicht ganz verklungen sind.

Der deutschen Führung ist es schlicht wurst, ob gefährliche Waffen in die Hände von Leuten geraten, die nicht unterstützt, sondern geächtet gehören. Es ist genau so lange wurst, wie diese Leute auf der „richtigen Seite“ stehen, da wichtig im geostrategischen Sinne – soll heißen: zur Absicherung der eigenen Vormachtstellung in der Welt. Was interessiert es da, ob man Despoten Mittel in die Hand gibt, die zur Not auch zur Absicherung einer totalitären Diktatur beitragen könnten? Was interessiert es uns schon, ob wir die Fehler, die wir in der Vergangenheit schon x-mal gemacht und die immer wieder zu blutigen Verbrechen geführt haben, noch mal machen? Es lebe der Profit, und es lebe die Weltmacht Deutschland! … Heil!

Jetzt sollte man aber nicht so naiv sein und ins Träumen geraten. Weltmacht? Hand aufs Herz: Deutschland ist ohne die Zustimmung der USA und ihrer Nahost-Exklave Israel nicht handlungsfähig. Die Erlaubnis für den Panzerdeal mit dem Ölprinzen von Riad mussten wir uns in Washington und Westjerusalem abholen. Heißt im Klartext, dass das eigentliche Geschäft zwischen Washington, Berlin und Westjerusalem ablief: Wir kriegen die Rüstungsaufträge, die uns in den nächsten Jahren Kohle satt bringen werden, die USA mehr Einfluss in Nahost und Israel weiß deutsche Panzer als Rückendeckung für eventuelle militärische Vorstöße gegen den Iran oder andere Staaten der Region

Mir wird übel, wenn ich sehe, in welche Richtung dieses Land treibt. All dieses standhafte Beharren auf der bedingungslosen Unterstützung Israels, vermeintlich aus historischer Verantwortung heraus, kann längst nicht mehr kaschieren, worum es eigentlich geht: Es geht nicht um historische Verantwortung aufgrund des Holocaust, es geht um Macht, um nichts anderes. Wenn Deutschland Israel nicht derart für seine Ziele im Nahen Osten brauchen würde, wäre uns das Existenzrecht dieses durch Verdrängung und Aggression und nicht zuletzt unsere eigenen Verbrechen entstandenen Staates nicht wichtiger als das des Iran oder von Burkina Faso. Und an die liefern wir bekanntlich keine Leopard-Panzer.
Dafür aber an ein Regime, gegen das die Schreckensherrschaft eines Saddam Hussein wie das reinste Zuckerschlecken daherkommt. Ein Mensch zählt dort nichts, von der Situation der Frauen mal gar nicht zu sprechen.

Und die deutsche Öffentlichkeit? Sie übt sich in Schweigen. Natürlich, ja! Schlimm ist diese Geschäftemacherei mit Waffen und dann ausgerechnet auch nicht mit muslimischen Tyrannen. Hätte man die Panzer nicht stattdessen gleich nach Israel schicken können?
Aber letztlich haben wir ja keinen Schaden davon, oder? Im Gegenteil – bei uns haben Firmen wieder die Auftragsbücher voll und können neue Zeitarbeiter einstellen. Die Kasse klingelt da natürlich bei den Unternehmen, weniger bei den Arbeitern. Aber was soll’s? Es geht ja ums Prinzip…
Außerdem haben wir ja ohnehin keine Zeit für Protest und Widerstand: Es gibt andere Felder zu beackern – die Stuttgarter Innenstadt zum Beispiel, dort soll schließlich ein unterirdischer Bahnhof gebaut werden. Das kostet Zeit, da Zehntausende auf die Straße zu bringen, für Protest gegen Waffengeschäfte mit Despoten bleibt da nix über.
Ja, als Wohlstandskind hat man’s schon nicht leicht.

3 Gedanken zu „Heil dir, Profit.“

  1. Jane, das wiedervereinte Deutschland hat in den 90 ziger Jahren Panzerbestände aus DDR beständen nach Israel verschickt es kamen auch andere Lieferungen zu Stande wie z.b. eine U-Boot Lieferung. Ich glaube mit dem T-72 sind sie zufriedener als mit einem teuren Leopard, der das wüsten Klima nicht vertragen wird.
    Während der Regierungszeit von Rot-Grün in den Jahren 1999-2005 liefert Deutschland Waffen im Wert von $1,04 Mrd. an Israel.

    1. Ich weiß Jürgen, und deshalb finde ich es auch so scheinheilig, wie sich SPD und Grüne jetzt erzürnen. Ich bin davon überzeugt, dass es sogar notwendig ist, sich darüber zu erzürnen, aber das können nicht die Politiker, denn die haben dahingehend jegliche Glaubhaftigkeit längst verloren. Ich bin mir auch sicher, dass auch die Linkspartei Waffen verhökern würde, wenn sie an der Macht wäre. Das ist der Preis, den man unweigerlich zahlen muss, wenn man den Anspruch hat, in der Weltpolitik ganz oben mitmischen zu wollen.
      Allerdings: Wenn der Leopard das Wüstenklima nicht verträgt, was macht er dann in Saudi-Arabien?? 😯

  2. Die Deutsche Bevölkerung, ist eigentlich nicht so auf Protesten gegen irgendeine Außenpolitik eingestellt und macht lieber auf unpolitisch. Ein kleiner Teil richtet seine Proteste lieber gegen Bauprojekte, Atomtransporte oder Naziaufmärsche. Denn in der Außenpolitik sind die ansichten so unterschiedlich, das man sich auf keine gemeinsamen Aktion eignen könnte. So zum Beispiel bei der Linken, in ihr sind so vielen verschiedene Richtungen vertreten, das es zu keiner gemeinsamen Sache kommen könnte, ohne große Grundsatz Diskussionen.
    Der Staat hat sich jetzt auf die Islamische Welt eingeschossen und möchte sie zur westlichen Demokratie führen. Jeder versuch eines Landes dagegen, wird gleich als Kriegserklärung gegen das westliche Weltbild verstanden.
    Man sieht es zur zeit in Afghanistan wo der größte Teil der Bevölkerung für den Krieg ist, man will ja das “Böse” vernichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.