Update: Schutz des Zivilteils des Garnisonfriedhofes vor Abriss und Umgestaltung.

Eine Eingabe zur Ausweitung des Denkmalschutzes für den Garnisonfriedhof von der Kriegsgräberstätte auf den Nordflügel ging im September 2010 an das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege. Darin wurde geschildert, wie wichtig der Erhalt eines zeithistorisch in Dresden einmaligen Ortes ist und dass eine Trennung in Kriegsgräberstätte und „Zivilteil“, wie es im offiziellen Behördendeutsch der Fall ist, unsinnig ist, da die Linie zwischen Kriegsgräber und Nichtkriegsgräber selbst auf der unter Denkmalschutz stehenden Kriegsgräberstätte im Zickzack verläuft.
Im April erfuhr der zwischenzeitlich gegründete Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof in Dresden aus einer Antwort der sächsischen Staatsregierung an die anfragende Linksfraktion im Landtag, dass das Landesamt für Denkmalpflege bereits im November 2011 dieses Ersuchen positiv beschieden und die Anpassung der Liste der Dresdner Kulturdenkmäler um den Nordflügel beschlossen hatte. Der Freistaat Sachsen informierte über diese Entscheidung weder den Freundeskreis als Antragssteller noch das Deutsch-Russische Kulturinstitut, das sich seit 1993 um den Garnisonfriedhof bemüht und eigentlich auch bei den Gesprächen über die Zukunft des Nordflügels mit am Tisch sitzen sollte. An das Sächsische Immobilien- und Baumangement (SIB) als verantwortliche Institution für die Umgestaltungspläne, die den Abriss der Grabmale vorsehen, gab das Landesamt für Denkmalpflege diese für den Umgestaltungsprozess essenziell wichtige Information nach SIB-Angaben erst Mitte März 2011 weiter.

Im Gespräch zwischen Vertretern des SIB und dem Freundeskreis, dem auch zwei Mitglieder des Deutsch-Russischen Kulturinstitutes angehören, am 12. Mai 2011 war die Verachtung des Freistaates für das bürgerschaftliche Engagement des Freundeskreises zum Erhalt des Nordflügels unüberhörbar. Unter anderem attestierte man mir als für den Freundeskreis anwesende Journalistin unlautere Methoden („wahrscheinlich haben sie da irgendwo ein Tonbandgerät mitlaufen“) und machte den Freundeskreis offen dafür verantwortlich, dass die Umgestaltungspläne bis heute nicht von der russischen Seite abgesegnet seien und durch den veränderten Denkmalschutzstatus zusätzlich ins Stocken gerieten. Die russische Seite, der derzeit der aktuelle Entwurf für den Nordflügel zur Prüfung vorliegt, wurde über diesen veränderten Status bis heute nicht informiert. Auf Anfragen reagiert der SIB ausweichend.
Man warf uns in Geheimdienst-Manier Fotos unseres am 30. April stattgefundenen Arbeitseinsatzes auf dem Nordflügel auf den Tisch und meinte, dies sei gesetzeswidrig gewesen. Wir hatten den Arbeitseinsatz initiiert, weil der 8. Mai anstand und der SIB bis dahin keine Anstalten unternommen hatte, wie versprochen den Nordflügel herzurichten. Just am Tag vor dem Einsatz hatte man einen Gärtnertrupp über das Gelände gescheucht, der in Windeseile Rasen mähte und Sträucher zurückschnitt, die in jahrelangem Wildwuchs Grabmale vollkommen überwuchert hatten – natürlich außerhalb der gesetzlich dafür zulässigen Gehölzschnittzeiten (30.9.-31.3.) – wo wir schon bei Gesetzeswidrigkeiten wären.

Fazit: Der Freundeskreis versteht nicht, warum der Steuerzahler für die Zerstörung eines zeithistorisch wertvollen Friedhofes und die Errichtung eines seelenlosen Gedenkschreins, der über Bestattungs- und Trauerkultur zur Besatzungszeit keinerlei Auskunft mehr geben wird, eine Viertelmillion Euro zahlen soll. Es sind für jedes Grab Grabsteine vorhanden, die sich in hervorragendem Zustand befinden, ihr Abriss ist vollkommen irrational und aus kulturwissenschaftlicher Perspektive als absoluter Frevel zu bezeichnen. Alles, was der Nordflügel an Instandsetzung bräuchte, ist die Errichtung eines stabilen Zaunes zum Schutz vor Wildbefall sowie etwas Auslichtung und Grünflächensanierung. Dies wären einmalige Arbeiten, die um ein Vielfaches weniger Kosten verursachen würden als die geplante Generalumgestaltung.
Auch das Argument der aufwendigeren Pflege bei Belassen der Grabsteine ist nicht nachvollziehbar. Der Freundeskreis und auch das Deutsch-Russische Kulturinstitut haben mehrfach dem Freistaat ihre Unterstützung bei der Pflege und Instandhaltung des Nordflügels angeboten. Der Arbeitseinsatz vom 30.4. sollte dieses Angebot unterstreichen. In Kooperation mit grenzübergreifenden Schüler- und Migrantenprojekten soll künftig ein großer Teil der Pflege des Nordflügels ehrenamtlich – also ohne Kosten für den Freistaat – bewerkstelligt werden. der Freistaat nimmt dieses Angebot weder an noch ernst, er belächelt es vielmehr als halbseiden und unzuverlässig. An dieser Reaktion kann man erkennen, was das Ehrenamt in einem Land, in dem praktisch permanent die vorgebliche Bedeutsamkeit des Ehrenamtes besungen wird, tatsächlich wert ist: nämlich gar nichts, wenn es nicht imstande ist, Aufgaben mit derselben chirurgischen Präzision zu meistern, wie das Prinzp „kurzer Prozess“, mit dem der Freistaat das Thema „Nordflügel des Garnisonfriedhofes“ ein für allemal vom Tisch haben will.

0 Gedanken zu „Update: Schutz des Zivilteils des Garnisonfriedhofes vor Abriss und Umgestaltung.“

    1. Du hast recht. Und du bist nicht der Einzige, der mich bislang darauf hingewiesen hat.
      Die erste Box ist auf jeden Fall für den vollen Namen, die 2. für die email-Adresse. Das „won’t be published“ bezieht sich auf die email-Adresse.
      Die untere Box ist für optionale Informationen gedacht. Dort kann der Unterzeichner *freiwillig*

      Danke fürs Unterzeichnen und Weiterleiten 😉

  1. Nanu, was ist denn hier von meinem Kommentar übrig geblieben? Rätsel der EDV … Ich hatte eigentlich ungefähr folgendes geschrieben:

    Es ist aber eine Frage wert, warum man einen nicht mehr genutzten Friedhof bzw. Friedhofsbereich überhaupt erhalten sollte? Dort wird ja anscheinend schon lange niemand mehr begraben. Da von den Toten nun aber längst nichts mehr übrig sein dürfte (eine Leiche ist je nach Bodenbeschaffenheit etwa nach 12, spätestens nach 30 Jahren zersetzt), und da diesen Abschnitt praktisch niemand kennt, darf man auch über ein Entfernen des Gebietes nachdenken. Du hast ja selbst geschrieben, dass bei Deinen Recherchen praktisch niemand dorthin kam. Und dass am Tag des Friedhofes die Leute nur deshalb etwas damit anfangen konnten, weil sie von Dir Infos bekamen.

    Man kann schließlich nicht jeden alten Friedhof ewig behalten. Klar ist jeder Friedhof auch immer eine Gedenkstätte, aber wie viele Gedenkstätten und Mahnmale wollen wir denn noch errichten? Die Verwandten der Soldaten werden hier wohl auch kaum herkommen. Das Schicksal der Soldaten war sicher schlimm. Doch insofern drängt sich die Überlegung auf, ob es nicht sinnvoller ist, die Geschichte des Geländes zu recherchieren und zu veröffentlichen (was Du ja begonnen hast), statt seines eigentlichen Erhalts. Ein oder zwei Gedenkstelen vor Ort sind vielleicht in diesem Zusammenhang mit einer vorhandenen Dokumentation ausreichend?

    Übrigens ist Dein Hinweis, die Einebnung würde Geld kosten, nicht ganz stimmig. Denn auch die Restaurierung und der weitere Erhalt würden Geld kosten, welches ebenfalls von uns Steuerzahlern stammt (von wem auch sonst?).

    1. Es geht doch aber bei der Frage, ob ein Friedhof aus einer historisch in sich abgeschlossenen Epoche erhalten werden sollte oder nicht, nicht nur darum, inwieweit noch menschliche Überreste vorhanden sind oder nicht. Da es sich bei den meisten Gräbern um Urnengräber handelt, stellt sich die Frage im Prinzip ohnehin nicht.
      Hier geht es um die historische, kulturelle und architektonische Komponente. Aber das steht auch alles im Petitionstext. Dieser Friedhof ist eben nicht wie „jeder alte Friedhof“, er stellt vielmehr ein historisches Dokument dar – und das gerade, WEIL die Bestattungen dort mit dem Ende einer zeitgeschichtlichen Epoche – nämlich der der sowjetischen Besatzung – endeten.

      Und was das Kostenargument betrifft:
      1. Es sind überhaupt keine Restaurationsarbeiten vonnöten, die Grabsteine als solche sowie die Bausubstanz sind hervorragend erhalten. Es müsste lediglich ein stabiler Zaun gebaut werden (der ja jetzt ohnehin gebaut werden soll), und jemand müsste die bestehenden Wildschäden beseitigen. Das könnten durchaus auch Ehrenämtler tun, dann würde es den Steuerzahler gar nichts kosten.
      2. Hätte sich der Freistaat die Kosten für Zaun und Aufräumarbeiten jetzt zu Zeiten knapper Kassen locker sparen können, wenn er den Zaun schon vor Jahren gebaut hätte, wo noch mehr Mittel zur Verfügung standen. Viele Schäden, die sich heute auf der gesamten Anlage zeigen, hätten so nämlich verhindert werden können.
      3. Die Möglichkeit, gegen einen geringen Unkostenbeitrag oder eine freiwillige Spende Führungen auf dem Areal des sowjetischen Friedhofes durchzuführen, hat der Freistaat noch nie in Betracht gezogen. Im Gegensatz etwa zum jüdischen Friedhof in der Neustadt, dessen Erhalt vom Hatikva-Verein zu großen Teilen durch die Eintrittsgebühren sowie durch Spenden realisiert wird. Dadurch könnte mit Sicherheit auch für den Sowjetfriedhof eine Pflegekraft finanziert werden, die gegen ein geringes Entgeld (z. B. als Zuverdienst zu einer knappen Rente) ein- bis zweimal im Monat nach dem Rechten sehen geht, ggf. mal Hecken zurückstutzt oder Müll beseitigt. Viele ältere Menschen würden sich über so eine kleine Betätigung in der freien Natur sicher freuen.

      Wie würdest du es übrigens logisch erklären wollen, dass ein Grab von 1956, nur weil es noch auf der Hauptanlage Platz fand, unter Denkmalschutz steht, eines von 1955 aber nicht, weil es auf der Erweiterung liegt? Hier kommt man wohl nicht weit, ohne eine ziemlich merkwürdige Zweierlei-Maß-Rechnung aufzumachen.

  2. Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen? Wenn du es für „Scheiß“ hältst, wieso hast du dann deinen Namen auf die Liste gesetzt? Versteh ich jetzt nicht.

    Außerdem: Mein Blog hat nur eine begrenzte Reichweite. Ich kann momentan aber so viel verraten, aldass es ein reges Interesse aufseiten von Interessensverbänden in Russland und auch hier in Dresden gibt. Sogar das russische Verteidigungsministerium ist involviert. Die unterschreiben natürlich nicht zwangsläufig meine Petition, aber sie geben der Angelegenheit eine Stimme und setzen sich aktiv für den Erhalt der Anlage ein. So haben ehemalige sowjetische Offiziere in Russland eine Aktion gestartet, Menschen ausfindig zu machen, die Angehörige auf dem Friedhof haben. Auch das Deutsch-Russische Kulturinstitut will die Sache aufgreifen.
    Wie du siehst: Zu sagen, es interessiere sich niemand für „den Scheiß“, ist also nicht zutreffen 😉
    Eventuell besteht die Möglichkeit einer Podiumsdebatte und einer Ausstellung im Landtag. Das ist aber alles noch nicht spruchreif und deshalb wollte ich es hier bisher auch noch nicht ansprechen.
    Demnächst wird es hier im Blog mehr Infos dazu geben.

    1. Ich finde es einfach aus humanitären Gründen wichtig, dass ein Friedhof auch als solcher respektiert wird. Schließlich werden Soldatenfriedhöfe mit Gräbern deutscher Soldaten auch in Ländern gepflegt, die mit Deutschland Krieg geführt haben. Dafür gibt es unter anderem die »Stiftung Kriegsgräberfürsorge«. In Zusammenarbeit Deutschlands mit dem russischen Staat und privaten Spendern beider Seiten sollte man doch zumindest einen ordentlichen Grundzustand schaffen können. Das muss keine Unsummen kosten, wenn man es pragmatisch tut. Man kann ehrenamtliche und geförderte Arbeit einsetzen, man kann Patenschaften organisieren und vieles andere mehr.

      1. Dem kann ich mich nur anschließen. Leider ist die Pflege der Gräber der jeweils „anderen Seite“ allgemein – auch in Russland – noch immer ein Reizthema und von Ressentiments und ungeklärten Schuldfragen überschattet. Doch gibt es in Russland beispielsweise Organisationen, die sich aktiv um die Pflege ihrer hier in Deutschland bestatteten Staatsangehörigen kümmern. Mit denen stehe ich über drei Ecken in Kontakt. Hier in Deutschland hingegen mangelt es da noch so ein wenig an Einsicht und Pietät. Für mich ist das Pflegen der Gräber von Menschen, deren Angehörige die Pflege selbst aufgrund der Distanz nicht übernehmen können, eine Anstandsfrage. Von der historischen Relevanz ganz zu schweigen.

        1. Alternativ dazu könnte doch seitens CDU/FDP zusätzlich der Vorschlag kommen, in allen Stadtteilen die mit „Fürs Vaterland gefallen“ gravierten Steinklumpen wegzuräumen. Auch die müssen schließlich gepflegt werden und Kleinvieh macht bereits Mist.

  3. ups, man muss ja nur suchen, dann findet man: Jetzt habe ich gesehen, dass diese Geschichte sich schon weiterentwickelt hat und, dass es sogar schon einen Freundeskreis für den Friedhof gibt. Wie ermutigend! Gruß BL

    1. Hallo Barbara!

      Schön, dass Sie mich bzw. unseren Freundeskreis gefunden haben. Wie Sie sicherlich gemerkt haben, ist aus der anfänglichen Initiative Einzelner inzwischen genau das geworden: ein Freundeskreis, in dem zurzeit 7 Mitglieder aktiv sind und der unter dem Dach des Deutsch-Russischen Kulturinstituts Dresden arbeitet.

      Der Sowjetische Garnisonfriedhof liegt in der Dresdner Heide, an der Marienallee. Er wurde 1946 für die vielen Gefallenen der Roten Armee angelegt, die während und auch noch lange nach den finalen Kämpfen im Mai 1945 an Verletzungen und Unterversorgung starben. Sie fanden auf der Kriegsgräbestätte ihre letzte Ruhe.
      Später, etwa ab den 50er-Jahren, wurde er aus Platzgründen nach Norden und Westen hin erweitert. Auf dem sogenannten Nordflügel und auch auf dem West- und Südwestflügel wurden dann sukzessive Soldaten, Zivilangestellte und Familienangehörige der Offizere beerdigt, die während der Besatzungszeit an Krankheiten, schlechter Versorgung, Unfällen, Gewalteinwirkung oder Selbstmord starben. Aus dieser Zeit stammen mehr als 600 Grabstätten auf dem Nordflügel, davon mehr als 400 vorrangig von jungen Wehrpflichtigen zwischen 16 und 25 Jahren. Hinzu kommen mehr als 250 Gräber auf der Hauptanlage. Insgesamt befinden sich auf dem Sowjetischen Garnisonfriedhof die Ruhestätten von mehr als 2200 Menschen – Männer, Frauen und Kinder, Soldaten und Zivilisten.

      Was uns nun im Jahr 2010 auf die Barrikaden rief, war der Umstand, dass der Eigentümer der Liegenschaft, der Freistaat Sachsen, den Nordflügel so stark verwahrlosen ließ, dass man erst auf den zweiten Blick erkannte, dass hier ein Friedhof seine Fortsetzung findet. Das Problem: Der Nordflügel stand nicht unter Denkmalschutz wie der Rest des Friedhofes, da auf ihm ausschließlich Gräber sind, die nicht als Kriegsgräber (alle bis 31.3.1952 infolge des Krieges Verstorbenen) im Sinne des Gräbergesetzes fallen, sondern aus der Zeit zwischen Juli 1952 und September 1987 stammen. Er befand sich also quasi in einem rechtsfreien Raum, und der Freistaat sah mangels gesetzlicher Verpflichtung keinen Anlass, Geld für seine Pflege auszugeben.
      Als Nächstes tat sich das Problem auf, dass der Freistaat offensichtlich eine dauerhafte Lösung für den Nordflügel anstrebte und auch bereits kräftig Pläne geschmiedet hatte, das Areal umzugestalten. Bei Beibehaltung der unterirdischen Grabanlagen sollen die originalen Grabsteine mit den kyrillischen Inschriften abgerissen, dazu die terrassenartige Gestaltung der Anlage zerstört und letztlich nur noch eine einfache (und pflegeleichte) Grünfläche belassen werden. Zusätzlich soll ein zentraler Gedenkbereich mit mehreren Stelen entstehen, auf denen die Namen und Lebensdaten der Bestatteten verzeichnet sind. Eine Viertelmillion Euro soll das kosten.

      Wir sahen das Problem, dass alles, was vom Freistaat Sachsen laut eines uns vorliegenden Dokuments im Jahr 2002 noch als schützenswert am Nordflügel eingestuft wurde, nun einfach verschwinden sollte, um Pflegekosten zu sparen und stattdessen eine seelenlose, forschungstechnisch kaum noch relevante Gedenkstätte in Form eines riesigen Massengrabes entstehen sollte. Angehörige hätten dann keine Möglichkeit mehr, explizit das Grab ihres Lieben zu besuchen, sondern müssten ihre Blumen am zenetralen Gedenkstein niederlegen. Deshalb setzten wir uns dafür ein, dass der Nordflügel wie die Kriegsgräberstätte offiziell unter Denkmalschutz gestellt wird – seit November 2010 ist dies der Fall, wenngleich uns der Freistaat bis heute nicht darüber informiert hat. Wir erfuhren davon aus einer Anfrage der Linkspartei im sächsischen Landtag an die Staatsregierung – auf diese MUSSTE man antworten, uns nicht.
      Die Umgestaltungspläne sind nach wie vor nicht vom Tisch, das zuständige Sächsische Immobilien- und Baumanagement betrachtet uns als Störenfriede, die ihnen in ihre Pläne pfuschen und behandelt uns auch so. Wir haben unterdessen viele Kontakte in die ehemaligen Sowjetrepubliken geknüpft, unter anderem mit Veteranenverbänden und ehemals hier stationierten Soldaten. Wir machen wann immer wir können auf das Problem des Nordflügels und vor allem des mangelnden Interesses für die Gräber aus der Besatzungszeit sowohl hier in Deutschland als auch in den postsowjetischen Staaten aufmerksam. Unter anderem hatten wir Gäste aus Russland und Weißrussland zu unserem Arbeitseinsatz da, die früher in bzw. bei Dresden in sowjetischen Garnisonen lebten, die St. Petersburger Bürgermeisterin Valentina Matwienko war da, und gestern der Erzpriester der St. Petersburger Himmelfahrtsgemeinde. Es sind auch mehrere Schreiben an Premierminister Putin gegangen (von Russland aus und von uns), die das Problem adressieren und vor allem auch um finanzielle Unterstützung der russischen Regierung für die Gräber aus der Besatzungszeit werben – denn am Geld hängt im Prinzip alles.
      Das Resultat ist ganz einfach: Durch die viele Präsenz der Medien und Personen der öffentlichen Sphäre in Russland ist der Freistaat gezwungen, den Friedhof besser als sonst zu pflegen. Unter anderem wurde erstmals seit vielen Jahren vor dem diesjährigen 8. Mai auch der Nordflügel in Schuss gebracht.

      Vielen Dank für die Erwähnung in Ihrem Blog. Eine kleine Anmerkung hätte ich: Der Motorrad-Club hieß „Schtrafbat“, nicht „Schtraftat“, vielleicht ändern Sie es? 😉 Die Bloggerin Jane und die Journalistin Jane Jannke sind übrigens eine Person 😉 Ihre Arbeit finde ich toll. Friedhöfe sind wunderbare Orte, mystisch, verwunschen, friedlich und voller Geschichten, die entdeckt und erzählt werden wollen. Sie verdienen Achtung und Erhalt, ganz egal, wer darauf begraben liegt. Wir hier im Osten haben generell das Problem, dass die sowjetischen Friedhöfe, soweit sie nicht unter das Gräbergesetz fallen, sehr stiefmütterlich behandelt werden. Leider Gottes ist auch 20 Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs der Kalte Krieg in vielen Köpfen längst nicht beendet.

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