Ringen von Erfolg gekrönt: Nordflügel des Sowjetischen Garnisonfriedhofes nun Kulturdenkmal!

Es ist geschafft! Nach mehr als einem halben Jahr Ringen um den Erhalt des Nordflügels des Sowjetischen Garnisonfriedhofes, insgesamt drei Eingaben an das Landesamt für Denkmalpflege, das sächsische Innenministerium und das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) und jeder Menge Öffentlichkeitsarbeit steht seit heute fest: Der Garnisonfriedhof wird von nun an als zusammenhängendes Ensemble von zeithistorischem Wert angesehen und steht vollständig unter Denkmalschutz – und zwar inklusive dem bislang von der Denkmalschutzwürde ausgeschlossenen Nordflügel, auf dem sich rund 600 Gräber von Soldaten, Zivilisten und Kindern befinden, die in der Zeit zwischen 1952 und 1987 in Dresden ums Leben kamen (art und wIEse berichtete). Dies ging heute aus einer Antwort der Sächsischen Staatsregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervor, die hier zu einem späteren Zeitpunkt noch verlinkt wird. Damit haben sich viele Stunden Arbeit, in denen viele Menschen ihre Freizeit geopfert haben, letztlich gelohnt.

Inzwischen gibt es einen „Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof in Dresden“, der von sechs engagierten Dresdner Bürgern am 14. Februar 2011 ins Leben gerufen wurde – ich selbst gehöre auch dazu. Gemeinsam haben wir in den letzten Monaten Gespräche geführt, zuständige Instanzen angeschrieben und um Unterstützung für unseren Standpunkt geworben, dass es keiner Radikalumgestaltung bedarf, die mindestens eine Viertelmillion Euro kosten würde und die Anlage ihres Friedhofscharakters vollständig berauben würde, um eine kostengünstige Pflege zu gewährleisten, wie vom Freistaat in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geplant. Nicht nur aus dem Bürgerlager und von russischer Seite, sondern nun auch von denkmalschutztechnischer wehen den Plänen des unbelehrbaren Herrn Leroff vom Volksbund nun eisige Winde entgegen. Die Losung heißt ganz klar: Wir wollen kein seelenloses, dafür aber teures Denkmal – für wen denn auch? – wir wollen Ursprünglichkeit erhalten und den im Nordflügel beerdigten Toten nach Sitte ihres Heimatlandes eine würdige Totenruhe gestatten – ohne dass ihre Gräber für immer anonymisiert würden, was das Vorhaben des Herrn Leroff unweigerlich bedeutet hätte.

Der Freundeskreis setzt sich aber nun nicht zur Ruhe. Wir hoffen zwar, dass sich die unseligen Abrisspläne des Freistaates nun endgültig erledigt haben, denn ein Abriss von Grabsteinen auf einem unter Denkmalschutz stehenden Friedhof wäre so ohne Weiteres nicht möglich. Wir rechnen jedoch auch damit, dass SIB und Volksbund in irgendeiner Weise versuchen werden, ihre Pläne dennoch umzusetzen. Deshalb stehen in der nächsten Zeit eine Reihe weiterer Aktivitäten auf dem Programm. Unter anderem wird es am 30. April eine Aktion „Frühjahrsputz“ auf dem Nordflügel geben. Freiwillige sind aufgerufen, mit mitgebrachtem Gartengerät wie Spaten, Harken, Besen und Schaufeln den sich in einem katastrophalen Zustand befindlichen Nordflügel von den gröbsten Verwahrlosungserscheinungen zu befreien.
Dabei werden wir uns zunächst den schlimmsten Teil am Südwestende des Nordflügels vornehmen, wo die meisten Grabmale unter eine Schicht aus Unkraut und aufgewühlter Erde verschwunden sind. Die Erde soll gelockert, von Unkraut befreit und geebnet, die Grabmale freigelegt werden. Die Aktion soll ausloten, was das Ehrenamt künftig imstande ist, in Sachen Friedhofspflege zu leisten. 4000 Euro würde die Radikalumgestaltung dem Freistaat im Jahr Pflegekosten sparen – wir wollen zeigen, dass eine Kooperation mit Bürgern und Vereinen das ebenso abfangen kann. Es ist geplant, über das Deutsch-Russische Kulturinstitut dauerhaft Jugend- und Migrantenprojekte in die Friedhofspflege mit einzubeziehen.

Wer also Lust hat, am 30. April bei trockenem Wetter mitanzupacken, der finde sich zwischen 9 und 16 Uhr (jeder macht nur so lange mit, wie er will) am Garnisonfriedhof an der Marienallee ein (zum Nordflügel bitte vom Haupttor aus den Mittelweg rechter Hand zwischen den Grabreihen bis ganz hinter zum Denkmal für die Kinder gehen, dann die Stufen zwischen den hohen Lebensbaumhecken hinunter zum Nordflügel gehen). Für Verpflegung sorgt der Freundeskreis. Dringend benötigt werden für die Aktion Gartengeräte aller Art, Schubkarren, Besen, Eimer, aber auch Bürsten (zum reinigen der Grabsteine) und Wellblech oder Maschendraht (zum Stopfen der Löcher im Maschendrahtzaun, durch die ständig Schwarzwild einfällt) – ganz toll wäre auch ein benzingetriebener oder ein Handrasenmäher sowie eine Gartenfräse.
Falls sich ein Gartenbaubetrieb fände, der mit einer Art Spende oder aber einer dauerhaften Patenschaft die Pflege des zeithistorisch wertvollen Nordflügels unterstützen möchte, wäre das riesig. Wir benötigen jede Art von Geräten, aber auch ein- bis zwei kostengünstige Gehölzrückschnitte im Jahr. Bei Interesse bitte einfach mailen.

P.S.: Ich weiß, ich habe mein kleines Wiesen-Blog in den letzten Wochen arg vernachlässigt. Das liegt daran, dass mir mein Volontariat, das ich im März begonnen habe, einfach keiner Zeit mehr gelassen hat. Und die Zeit, die überblieb, hab ich meinem Privatleben und zum Beispiel dem Garnisonfriedhof geschenkt.

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