Neues Jahr hinten runtergefallen.

Nach einer doch etwas längeren Weihnachts-, Neujahrs- und zuletzt Krankheitspause melde ich mich nun endlich im Jahr 2011 wieder zurück und wünsche allen Lesern, Freunden und (Blogger-)Kollegen ein gesundes und glückliches neues Jahr. Lasst uns hoffen, dass es der Welt ein Stück Menschlichkeit zurückgeben und den Menschen ein wenig mehr Weltoffenheit bescheren möge.

Noch habe ich nur eine diffuse Vorstellung davon, wie mein Jahr 2011 verlaufen wird – oder zumindest sollte. Beruflich wird es hoffentlich wieder ein Stückchen vorangehen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in den vergangenen Monaten den Satz gehört habe: „Du hast wirklich unheimlich viel Potenzial, mach auf jeden Fall weiter so!“.
Tatsächlich arbeite ich derzeit fast rund um die Uhr, die meisten meiner Wochen- und allzu oft auch Sonn- und Feiertage sind Vollzeitarbeitstage, viele davon umfassen mehr als zehn Arbeitsstunden. So weit so gut, möchte man denken – so ist das halt, wenn man einen Fulltimejob hat. Allein, mein voller Terminkalender verteilt sich auf zwei Jobs in zwei Redaktionen, oft hetzt man vom Freiberufler-Zimmer direkt rüber in den Newszroom. Blöderweise ist man auch nur ein Mensch, und da kann es dann auch schon mal zur einen oder anderen terminlichen Verwirrung kommen. Weder für mich noch für den Arbeitgeber ist es ein Genuss, wenn ich in der einen Redaktion auf pünktliches Verschwinden poche oder aber wahlweise drüben zu spät komme – Journalismus ist eben ein Betätigungsfeld, das absolute Flexibilität abverlangt, ein Luxus, den ich mir momentan nicht oder nur sehr eingeschränkt erlauben kann.

Das ist oft einfach nur purer Stress – man merkt’s, war ich doch in den letzten 7 Monaten insgesamt 4 Mal erkältet, so oft wie sonst in Jahren nicht. Und dennoch scheint es das alles wert zu sein. Das Schreiben und vor allem das Druchgraben zu den Geschichten ist etwas, das Offenheit und Weitsicht schafft, eine wirksame Pille gegen Vorurteile jeglicher Art, Berührungsängste und Selbstüberschätzung.

Das Frustrierende am momentanen Zustand ist, dass ich (Abitur, abgeschlossene Ausbildung, Studium) trotz eines Fulltimejobs und mindestens 50-Stunden-Woche weiterhin gezwungen bin, zusätzliche Unterstützung beim Amt zu beantragen und mich durchleuchten und überwachen zu lassen wie ein Verbrecher. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wird man traurig. Es ist beängstigend, welchen Weg Deutschland genommen hat. Es gäbe viel zu bewegen in 2011, viel zu viel…

Und weil das neue Jahr – wenn schon mit Schnupfen und Husten – nicht mit Traurigkeit anfangen soll, hier zur Aufmunterung ein Schnappschuss, der es mir angetan hat. Auch wenn man vielleicht beim ersten Hinschauen meinen könnte, er wäre irgendwo in den weiten schneebedeckten Ebenen Sibiriens entstanden: Er gelang mir im Morgengrauen des 3. Dezember auf einer Zugfahrt von Dresden nach Berlin durchs Zugfenster hindurch mit dem Handy und zeigt die tiefverschneite Landschaft des vorwinterlichen Südbrandenburg. Diese wunderschöne in reinstes Weiß gehüllte Landschaft draußen vor dem Fenster war das Einzige, das mir die ansonsten katastrophale, durch zahlreiche Verspätungen, unfreiwillige Zwischenstops und Umleitungen aufgrund des Wetterchaos geprägte Berlin-Reise erträglich machte.

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Beim Stichwort Sibirien kämen wir dann auch schon zu den privaten Plänen für 2011. Nein, die große Reise mit der Transsib durch Zentralrussland und Nordasien gibt der Geldbeutel noch nicht her – auch wenn ich an jenem 3. Dezember schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen durfte, zumindest, was den Blick aus dem Fenster betrifft.

Doch aufmerksamen Lesern ist sicherlich mein großes Interesse für die deutsch-russische Geschichte nicht entgangen. Seit Längerem schon betätige ich mich als Hobby-Historikerin auf den Spuren der sowjetischen Besatzungszeit. Das ist etwas, in dem ich völlig aufgehen kann. Ich weiß nicht, wie viele Hundert Fotos ich in den letzten Monaten geschossen habe, die „Buchengalerie“ ist unter anderem daraus entstanden. Ich habe nahezu alle ehemaligen Standorte sowjetischer Kasernen besucht, darunter jene in der Albertstadt, der Neustadt, der Radeberger Vorstadt, in Hellerau, Klotzsche und in Nickern, und das im Bild festgehalten, was noch heute an die Präsenz von Menschen erinnert, denen man seinerzeit auf unheimliche Art zur Nähe verpflichtet war, ohne sie, ihre Kultur, ihre Gedanken jemals wirklich kennengelernt zu haben.
Einmal auf den Geschmack gekommen, macht es förmlich süchtig. Man streift durch die ehemaligen Truppenstandorte, und ständig entdeckt man Neues.

Halt! Schissen!
Halt! Schissen!
Sperrgebiet.
Sperrgebiet.

Unter anderem diese (handgemalten!) Warnzeichen, die in wenigen Metern Abstand überall an den Grenzmauern zum Kasernengelände des Hauptquartiers der 1. Gardepanzerarmee an der Stauffenbergallee (heute Landesdirektion) angebracht worden waren (Klick zum Vergrößern). Später dazu vielleicht mehr.
Auch mein Engagement für den sowjetischen Friedhof an der Marienallee ist hier sicherlich niemandem verborgen geblieben – ein Resultat meiner Begeisterung für die Erforschung der Lebensumstände der Sowjets während der Besatzung sowie ihres Verhältnisses zu den Deutschen. All dies hat mich in Kontakt mit vielen Menschen gebracht, mit Deutschen wie Russen und Ukrainern. Es ist erstaunlich, wie groß die Missverständnisse zwischen den vor knapp 20 Jahren schlagartig getrennten „Waffenbrüdern“ nach wie vor sind, wie vieles unausgesprochen blieb, und wie viele Emotionen auch im Spiel sind.

Es wird ein spannendes Jahr werden – in vielerlei Hinsicht.

5 Gedanken zu „Neues Jahr hinten runtergefallen.“

  1. Das endet mit „burn-out“ und/oder Depressionen, was sie hier beschreiben. Wenn Ihnen Ihre Gesundheit lieb ist und Sie in Zukunft noch etwas von Ihrem Leben haben wollen, gehen Sie andere Wege.

    1. Auf lange Sicht gesehen, hättest du da sicherlich recht. Aber zunächst muss man Folgendes sagen: Ich arbeite noch nicht lange im journalistischen Bereich, wollte aber praktisch Zeit meines Lebens dorthin. Als ich Mitte letzten Jahres auch praktisch endlich damit anfing, brachte mich diese Tätigkeit erst mal quasi aus einer ziemlich depressiven Phase der Selbstzweifel und der Hilfsjobs heraus.

      Nichtsdestotrotz ist das Zustand, wie er sich jetzt darstellt, natürlich keineswegs für die Dauer angelegt. Deshalb ja auch eingangs die formulierte Hoffnung, es möge beruflich ein Stückchen vorangehen. Stress ist gar nicht so sehr der Journalistenjob, sondern vielmehr die berufliche Doppelbelastung und die Unzufriedenheit darüber, was dabei „rausspringt“.

  2. liebe jane,

    wenn es das gäbe, würde ich dir ein maxi-glas nutella futura deluxe plus ‚rüberschicken, um dir kurzfristig die lage zu versüssen – aber halt nur kurzfristig: langfristig hilft nur protest, protest, protest – der im sozialstaat heutiger prägung ohne journalistische unterstützung zu keiner wirksamen form mehr zu finden scheint; aber das ist ein anderes thema …

    ich wünsch dir glück + entlastung vom los der vollzeitarbeitenden aufstockerin! und geh nicht zu oft auf den garnisonsfriedhof! ist der schnee und die sonne mal weg, dann …

    na ja, hobby-historikerinnen sehen das sicher anders als gewöhnliche friedhofsfreunde 😉

    lg
    lina

    1. Vielen Dank, liebe Lina, und keine Sorge: Bei Matsch- und Nebelwetter zieht es mich sicherlich nicht an die Marienallee 😉
      Allerdings muss ich schon sagen, dass dieser Friedhof für mich etwas Besonderes ist. Vielleicht auch deshalb, weil ich seit so langer Zeit das Schicksal der Menschen erforsche (oder es zumindest versuche, was nicht einfach ist), die dort ihre letzte Ruhe fanden. Ich schaue meist alle paar Wochen mal da oben vorbei, schon um nachzusehen, ob der Freistaat seinen Pflegepflichten nachkommt – was meist nicht oder nur unzreichend der Fall ist. Seit die Eingabe an das Landesamt für Denkmalpflege ergangen ist, die die Missstände anspricht und die Denkmalschutzwürde für den Zivilteil fordert, konnten zumindest Verbesserungen festgstellt werden: Die Türklinke wurde repariert, und das Tor schließt neuerdings automatisch (!!)

      Was mein Arbeitsleben betrifft, ja, da zahle ich momentan einfach das Lehrgeld des Quereinsteigers. Der Job macht Spaß, keine Frage. Aber wenn man ungefähr mit einem Viertel dessen am Monatsende nach Hause geht, was ein Volontär verdient, obgleich man sich gleichermaßen den ganzen Tag abschuftet – da kann man nicht anders, als auf Dauer unzufrieden zu werden.

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