Bilder eines Krieges – Ausdruck eines Selbstbildes.

Die folgenden Fotos zeigen Wandbilder aus dem Festspielhaus Hellerau. Bereits vor den Weltkriegen wurde das Ensemble als Spielstätte genutzt. Nach Ende des 2. Weltkrieges zog in die heutige Festhalle das Stabshauptquartier einer Einheit der Sowjetarmee ein, rings herum gruppierten sich die Mannschaftsunterkünfte sowie Werk- und Lagerhallen. Nach der Wende begann die Wiederbelebung der alten Festspiel-Tradition auf dem Areal.
Im Zuge der Sanierung stieß man auf umfangreiche, farbenprächtige Wandgemälde der Sowjets, vermutlich aus jener Zeit kurz nach Ende des Krieges. Sie zeigen die Geschichte des „heldenhaften Vorstoßes“ der Roten Armee über Russland, die Ukraine und Polen bis nach Berlin. Sie zeigen die Schrecken und das Grauen der Schlachten: brennende Panzer, Luftangriffe, Explosionen, Tote – und mittendrin eine junge Sanitäterin, die einen Verletzten birgt, um ihn zu retten. Bilder, die damals vermutlich in der Erinnerung des Künstlers noch sehr lebendig waren. Sein Name ist hingegen bis heute unbekannt.

Sie zeigen aber auch die bilderstürmerischen Ruhmessymbole vom siegreichen, mächten Rotarmisten mit wehendem Umhang, der ein angsterfülltes deutsches Kind in seinen Armen hält und mit einem überdimensionalen Schwert ein Hakenkreuz zerschmettert – die klassische Befreiungssymbolik. Eine Statue von ganz ähnlicher Gestalt steht noch heute am Ehrenmal in Berlin-Treptow. Dazu sieht man Landkarten mit den Marschrouten von damals. Dass von den ruhmreichen sowjetischen Kommandeuren schon mal eine Menschenmasse vergleichbar mit der Einwohnerzahl Leningrads binnen weniger Monate teils sinnlos verheizt wurde, darüber schweigen die Bilder.

Dass diese Kunstwerke im Zuge des Umbaus zum Festspielhaus erhalten wurden, ist ein wahrer Glücksfall und daher den Bauherren hoch anzurechnen. Denn zumeist werden die Zeugnisse jener Ära heute tunlichst übertüncht oder anderweitig zerstört. Nach Auskunft des Hauses wurden die Bilder einst mit einfacher Latex-Farbe auf die rohe Wand aufgebracht, an vielen Stellen bedürften sie dringend der Restaurierung. In de imposanten Eingangshalle, die nahezu ausschließlich in Weiß und anderen hellen Naturfarben gehalten ist, wirken die farbenfrohen Wandmalereien umso eindrucksvoller.

 Im Treppenhaus zum Obergeschoss: Der lange Weg nach Berlin und der heldenhafte, siegreiche Rotarmist, Retter deutscher Kinder.
Im Treppenhaus zum Obergeschoss: Der lange Weg nach Berlin und der heldenhafte, siegreiche Rotarmist, Retter deutscher Kinder.

Kommentare im Wandbild.

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