Da wiehert der Amtsschimmel.

Bekanntlich sollen ja im Sowjetischen Garnisonfriedhof die Grabsteine abgerissen werden, weil die Pflege, für die ab 2011 übrigens mit dem Amt für Stadtgründ und Abfallwirtschaft die Stadt Dresden zuständig sein soll, dann weniger aufwendig und damit billiger ist. Aber irgendwo muss man schließlich das Geld, das man anderswo ins Blaue pulvert, wieder reinholen – wieso also nicht bei den verwitterten Gräbern der ehemaligen Besatzer?

Denn: Abgerissen wurde soeben in unserer schönen Stadt auch etwas ganz anderes: ein guter Teil der gerade erst für teures Geld (200.000 Euro) errichteten Flutschutzmauer in der Dresdner Friedrichstadt. Gut 20.000 Euro einfach zum Fenster rausgeworfen, weil man – sorry – schlichtweg zu blöd war, eine ordentliche Planung hinzulegen, die die an dieser Stelle geplante Straßenbahntrasse zum Messegelände berücksichtigt.

Weiteres Beispiel: Das sogenannte „Wiener Loch“ am Dresdner Hauptbahnhof. Seit Mitte der 90er-Jahre dümpelt die riesige Baugrube als Investitionsleiche vor sich hin. Zig Nutzungsmodelle kamen und gingen – keins wurde bislang verwirklicht. Allein die Sicherung des Lochs verschlingt seit über 15 Jahren monatlich 30.000 Euro an Steuergeldern – hochgerechnet auf 15 Jahre satte 5,5 Millionen Euro. Millionen wurden bislang zusätzlich investiert – ohne, dass es zu einem Ergebnis geführt hätte, das zur Refinanzierung taugte. Der Bund der Steuerzahler hat das Millionengrab deshalb in sein Schwarzbuch der Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. Die Baugrube erobert sich mittlerweile die Natur zurück – die wohl teuerste städtisch und staatlich geförderte Renaturierungsmaßnahe, die es in Dresden je gegeben hat.

Beispiel 3: Die 39. Grundschule auf der Schleiermacherstraße in Dresden-Plauen. 2005/06 wurde das über 130 Jahre alte Gebäude für mehr als eine halbe Million Euro saniert. Allerdings derart schlampig, dass die Schule nur 4 Jahre nach ihrer Wiedereröffnung im April dieses Jahres wegen akuter Einsturzgefahr erneut geschlossen werden musste. Für knapp 1 Million Euro muss die Schule nun erneut und dieses Mal so saniert werden, wie dies bereits 2006 hätte erfolgen sollen. Auf die Idee, die Statik zumindest einmal gründlich zu prüfen, ist man bei der damaligen Instandsetzung anscheinend gar nicht erst gekommen.

Beispiel 4: Waldschlösschenbrücke. 120 Millionen Euro sollte sie ursprünglich kosten – bei Weitem genug, das Land Sachsen wollte die Brücke mit 96 Millionen Euro bezuschussen. Die neuesten Kostenprognosen stehen dank unzähliger Planungspannen und leichtfertiger Versäumnisse der Stadt Dresden mittlerweile bei stolzen knapp 160 Millionen Euro – 40 Millionen mehr als eingangs veranschlagt. Es würde nicht verwundern, dass bei einer derart dillettantischen Planung und Durchführung der Stadt Dresden der entgültige Kostenpunkt bis zum Jahr der Fertigstellung auf 200 Millionen Euro klettern würde.

So hätte man dann in Dresden in nicht mal 20 Jahren mit nur vier ausgewählten Projekten stattliche knapp 100 Millionen Euro Steuergeld verschwendet, verjubelt, einfach in den Orkus geblasen – und auf einer historischen Stätte reißt man nun die Grabsteine aus der Erde, um im Jahr einen fünfstelligen Betrag an Pflegeaufwand zu sparen.
Für so viel Dilettantismus stifte ich spontan den Wiehernden Amtsschimmel – den neuen Bürgerpreis für besonders ineffiziente und bigotte Finanz- und Verteilungspolitik von Kommunen.

Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de
Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de

P. S.: Vielleicht möchte jemand eine entsprechende Büste sponsern? Den organisatorischen Part übernehme ich 😈

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